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hörend, dennoch mit so sicherem Auge die Vortheile der Civilisation zu überblicken wußte, ruhte in der Gruft seiner Väter und Peter der zweite hatte den Thron bestiegen. Von allen Neigungen seines großen Vorfahren hatte dieser Fürst nur die für die Umänderung althergebrachter Formen mit ihm gemein, der seltene Scharfblick aber, der die Schale von dem Kern, das Inhaltschwere von der Form, das Todte vom Lebendigen unterscheidet, war nicht von Peter und Katharinen auf ihren Nachfolger übergangen. Fürst Alexander Menschikow, sich der Gewalt bedienend, die der stärkere Geist stets und unter allen Umständen über den schwächer» auöübt, war beld der alleinige Regent. Schon von Peter zum Herzoge von Jngermannland ernannt, ward er noch Oberfeldherr des Reichs, ab.r selbst diese Ehren genügten dem nach dem Höchsten Strebenden nicht, und erst dann schien sein Ehrgeiz befriedigt, als der schwache Kaiser sich mit der jungen Tochter des allmächtigen Günstlings verlobte. Jetzt glaubte Menschikow sich auf dem Gipfel alles erreichbaren Glückes; der Unglückliche befand sich aber am Rande des Abgrunds alles Elends.
(Fortsetzung folgt.)
Zur Literatur und Censur.
Genesis der Juli-Revolution von Carovë. (Fortsetzung.)
Eines ist vor Allem hierbei stets zu berücksichtigen. Nicht von der Willkühr Einzelner ausgegangen und bewirkt ist die in Frankreich zu einer unverbrüchlichen Thatsache erhobene Auslösung aller eisernen Kasten- und Standesunterschiede, so wie die Entkräftung aller übrigen, früherhin das Staatsleben beherrschenden Autoritäten und Voraussetzungen, vielmehr hat Alles dazu zusammengewirkt, mittelbar oder unmittelbar, absicht« lich oder selbst wider willen. Hiermit hat das Staatswesen seinen traditionellen Schwerpunkt aufgegeben.
Nachdem nämlich das Königthum sich dem Papstthume selbstherrlich gegenüber gestellt, nachdem es sich den Klerus und den Adel unterworfen, indem eö diesen curialisirte, jenen nationalisirte, — nachdem endlich die königliche Gewalt der Stütze des dritten Standes, als sie dessen nicht mehr zu bedürfen glaubte, sich eigenmächtig entfchlagen, und sie sogar die Parlamente, in welche das innere Staatörecht sich geflüchtet, zu bloßen Einregistrirungsmaschinen für die fürstlichen Willkühren zu erniedrigen getrachtet, — da schwebte der entwurzelte Thron in der Luft, und vermochte gegen den von ihm selbst erregten Sturm sich nicht zu behaupten. Mit ihm stürzten der Klerus und Adel, die nur noch an wenigen Fasern mit ihren historischen Grundlagen zusammenhingen. Des tra
ditionellen Schwerpunktes beraubt, einem neuen zustrebend, verfiel die Nation zunächst der Anarchie. DaS Bedürfniß gesetzlicher Ordnung reconfiituirte die Monarchie; aber der neue Thron beruhte nicht mehr auf dem Glauben an das eigenthümliche Herrscherrecht einer Dynastie, sondern eben auf jenem Bedürfniß gesetzlicher Ordnung und auf der lebendigen Ueberzeugung, daß der neue Thron dieses Bedürfniß in der That befriedige. Diese wirkliche Befriedigung und die auâ ihr entspringende Zustimmung der Nation waren fortan der eigentliche Schwerpunkt des Staateö. Daß Napoleon, daß die gewaltsam restaurirten Bourbonen dieß verkannten, war die eigentlichste Ursache ihres Falles. Vergeblich ließ einer der eifrigsten Anhänger der letzteren sie noch 1827 folgende inhaltschweren Worte vernehmen:
„Nous sommes arivés â l’âge de la raison politi- que: cette raisoq éprouve le combat que la raison morale éprouva lorsque Jésus-Christ apporta celle-ci sur la terre avec la loi divine. Tout ce qui reste de la vieille société politique est en armes contre la raison politique, comme tout ce qui restoit de la vieille sociélé morale s’insurgea contre la raison morale de l’évangile. Inutiles efforts I les monarchies n’ont plus les contitions du des- potisme, les hommes n’ont plus les conditions d’ignorance nécesaires pour le souffrir. Si les monarchies modernes ne vouloient pas s’arrèter dans la mo- narchie représentative, après de vains essais d’arbitraire, elles tomberoient dans la républi- quc repräsentative.“
Solchen und noch entschiedeneren Warnungen zum Trotz sollte die Nation des Organes beraubt werden, durch welches sie sich von der Erhaltung der gesetzlichen Ordnung überzeugen, durch welches sie ihre Klagen wie ihrr Zustimmung kund geben konnte. Sie erhob sich entrüstet gegen die dynastische Prätension, und bewies durch die That, daß die „geschriebene Ver- fassnngsurkunde" kein bloßes Papier, sondern ihren wesentlichen Bestimmungen nach Ausdruck einer lebenskräftigen Ueberzeugung war.
Wenn nun auch nach dieser energischen Selbstbethätigung deö neuen politischen Schwerpunktes die kaum wiederhergestellte gesetzliche Ordnuug mehrfache Störungen erlitten, so ist zu bedenken, einestheils, daß, wenn das constituirte Recht von denen freventlich verletzt wiid, welche- zuhöchst zu dessen Heilig- Haltuug berufen sind, solche Unthat den ganzen sozialen Organismus durchzittert und mit den edlen, — auch überall die nur schlummernden bösen Leidenschaften erweckt und entzügelt; — anderntheilS, daß auch der ueue Herrscher mehrfach daö Prinzip verkannt, welchem er seine Erhebung verdankt, so wie,
