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Vürgerblatt für Unterhaltung ««v Literatur.

Wiesbaden, 23. März 18S8.

Die Verbannten.

Novelle von QL v. Wachsmuth.

(Fortsetzung.)

Sei eö nun, daß die Freude, mit der daö Zwergenpaar herbeieilte und dem Monarchen durch einen Fußfall seine Freude ziemlich unbeholfen auödrückte, oder der fortdauernde allge­meine Jubel die gute Laune Peter's wieder hergestellt hatte, genug der Czar schien daö mürrische Benehmen deS Bojaren nach wenig Minuten gänzlich vergessen zu haben. Kaum hatte daher Menschikow wieder seinen Platz eingenommen, alö sich der Kaiser freundlich zu ihm wandte.

„Die Einrichtung deS heutigen Festeö" — sprach er — „macht Dir alle Ehre, Aleranderl Du hast ganz meinen Ge­schmack getroffen, ja mehr als meine Erwartungen erfüllt."

„Ich bin eS nicht allein" — sagte der Fürst, sich demü­thig verneigend — „auch der Bojar" — —

„Ganz recht!" — unterbrach ihn der Czar — „Du und der Bojar habt meine Ideen ganz genau in Aussührnng ge­bracht, wobei ich jedoch das Geschenk deö Silberrubels aus- nehme!" — schaltete er lachend ein. — „Sei dem nun aber wie ihm wolle, so soll daö heutige Fest bei einer ähnlichen Veranlassung in zehn Jahren, auf demselben Flecke, und zwar um Euch zu zeigen, daß ich Euch zu übertreffen weiß, bei weitem schöner wiederholt werden, und ich, ich allein werde dann die Ausführung übernehmen. —Ja, lächle nur, Alexan­der ! Du wirst bekennen müssen, daß ich auch ohne Dich die Feierlichkeiten eines Hochzeitfestes in allen Einzelheiten auS- zurichten weiß. Mir kommt das um so weniger schwer vor, da ich die Hauptsache bei dem nach zehn Jahren zu feiernden Hochzeitfeste, daS Brautpaar nämlich, schon herausgefunden habe."

Alle Anwesenden horchten auf. Es entstand eine allge­meine Stille. Menschikow unterbrach sie zuerst.

„Würde eS nicht zu kühn sein" — sprach er — „wenn ich" ....

„Du willst den Namen deö Pärchens wissen?"— rief der Kaiser in frohester Laune. „Billig sollte ich Dich ein halbes Dutzend Jahre in Ungewißheit lassen, aber um der Gesellschaft willen, die ich hiemit im Voraus einlade, sollst Du eS so­gleich erfahren. — Alexei Nikolajewitsch!" — sprach er zu dem Bojaren gewendet. — „Du batest mich neulich um die Güter, die in der Nähe von Tula zwischen den Deinigen und denen deö Fürsten Menschikow liegen." —

„Ich bat darum, und Ew. Majestät fand für genehm, meine Bitte abzuschlagen;" — antwortete kalt der Bojar.

„Ich schlug sie ab" — sagte der Monarch freundlich — „weil ich sie jemandem Andern, weil ich sie — deiner Tochter zur Aussteuer bestimmt hatte."

Der Bojar war auf'ö äußerste überrascht; er wollle sprechen.

„Still!" — sprach der Czar — „eö ist eine Bedingung daran geknüpft."

„Ew. Majestät wird nichts befehlen, waS gegen mein Ge­wissen und die Ehre meincS Hauses ist!" — versetzte Tscher- kaöki. —• „Dennoch bitte ich unterthänigst" —

„Die Bedingung ist, daß Deine Tocht.r ihren Bräutigam aus meiner Hand und nach meiner Wahl empfängt."

„Ich habe" — sagte der Bojar nach kurzer Pause fest — „am Sarge meines WeibeS einen theuren Eid geschworen, daß, wenn meine Tochter erwachsen sein sollte, sie keinen andern Gatten, als den ihr Herz gewählt, ehelichen soll; überdieß ist sie noch ein Kind, und zehn Jahre wenigstens"--

„Versteht sich!" — unterbrach ihn der Kaiser, dem eine Wolke deS Unmuths über die Stirn zog. — „Deine Tochter empfängt die Güter; ich nenne den Verlobten, und erklärt sie, sobald sie erwachen ist, daß sie ihn nicht will, so fallen dem Letzteren die Güter zu. — Hoffentlich bist Du nun zufrie­den gestellt?" —

„Auch Rang und Stand der Verlobten" — sagte der Bojar.

„Müssen einander gleich sein!" — versetzte der Kaiser, augenscheinlich immer verdrießlicher werdend.