denten und Bürgern besetzt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir Alles erhalten und unsern deutschen Brüdern nicht nachstehen werden. — Um 1 Uhr wird erklärt, daß der Kaiser eine Nationalgarde bewilligte, an deren Spitze deren Spitze Graf HoyerS trat. — Um 3 Uhr findet daü Einschreiben in der Reitschule statt. — Sämmtliche Kaiserl, Prinzen, die bei dieser Gelegenheit sich unpopulär machter. treten von ihrem Wirkungskreise zurück. — K eine Börse, keine Kurse.
Wien, 15. März. Der Kaiser wird seinem Reiche eine Constitution geben. Die Ruhe war vollkommen hergestellt.
Hannover, 17. März, Nachmittags 3 Uhr. Die Bürger-Versammlung hat heute stattgefunden. 2000 bis 3000 Menschen waren auf dem Rathhause und tn der Nähe desselben in Bewegung, und nur geringe Beobachtungsgabe war zureichend, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß der nöthige Fond von Entschlossenheit unter der versammelten Menge nicht mangelte. Auf dem Rathhause wurden von verschiedenen Seiten undankbare Anstrengungen gemacht, die Gemüther zu besänftigen und die Petition zu stürzen. Dies gelang jedoch nicht, und der Magistrat hielt es wohl oder übel nun für das Gerathenste, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen und die Petition (welche dieselben Forderungen enthält, wie sie in ganz Deutschland gestellt wurden) dem Könige zu überreichen. Der Zug setzte sich deshalb um 1 Uhr in Bewegung zum Palais des Königs, die Menge schloß sich an und faßte, während die Deputation sich zum Könige begab, Posto. Es dauerte lange, sehr lange, bis die Entscheidung erfolgte. Die Garnison stand während des Vorganges (ohne Zweifel mit Patronen versehen) auf der Esplanade unter den Waffen; die Ungeduld und Besorgniß der Anwesenden wuchs mit jeder Secunde, und man hörte bereits auf, eine günstige Entscheidung zu hoffen, als endlich der Cabinets-Râth v. Münchhausen am Portal erschien und nicht ohne Mühe sich Gehör verschaffte. Derselbe verkündete den Anwesenden die Entschließungen des Königs. Wegen der übrigen Forderungen sollen die nöthigen Verhandlungen mit den Ständen angeordnet werden. — Abends 11 Uhr. Die Zugeständnisse des Königs Habdn die Aufregung nicht zu beruhigen vermocht. Schon gegen 8 Uhr sammelten sich an verschiedenen Punkten der Stadt dichte Volksmassen, welche sich anfangs unbestimmt hin- und Herzogen, dann aber all- mälig in' einem Strome von mindestens 2000 Köpfen sich vereinigten, welcher sich in die Osterstraße und die Georgenstraße ergoß. Auf der ersten dieser Straßen faßte man erst vor der Wohnung eines seit vielen Jahren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus durch Anmaßung und Brutalität übel berüchtigten Polizeischreibers Posto und zcrtrüm- merte unter wildem Gebrüll durch einen Hagel von Steinwürfen dessen Fenster. Die Fenster eines andern, an derselben Straße wohnenden Polizeischreibers hatten ein gleiches Schicksal. Wie weit die seitherige hannoversche Ordnung und insbesondere die Rangordnung aus ihren Fugen gewichen ist, werden Sie völlig begreifen, wenn ich Ihnen sage, daß dieFenstervertilgungswuth nicht, wie man glauben sollte, weiter hinab an den Wohnungen der Polizeidiener, sondern ohne Weiteres auf die Paläste der Minister v. Falke und v. d. Wisch übersprang. Die ganze Bewegung hatte gch so unversehens gebildet, daß an Vorkehrungen kaum zu denken war. Das Militair erschien nun allerdings, und suchte mit der anerkennenswerthesten Mäßigung und mit geschultertem Gewehr die Straßen zu reinigen; dies gelang jedoch nicht, vielmehr scholl von allen Seiten gellendes Pfeifen und höhnendes Geschrei; Angesichts einiger bedeutender Detaschements wurde das Haus einer hohen Dame übel zugerichtet. Um 10 Uhr erschienen endlich Cavalleriemassen und trieben nach mehrfachen Versuchen die Volksmasse, die sich zum Theil bereits verlaufen hatte, vollends auseinander. Einige Verwundungen sollen vorgekommen sein, worüber wir das Nähere im nächsten Berichte mittheilen werden. Hoffentlich werden die Bürger nicht säumen, die Auflösung der gegenwärtigen Polizei-Verwalttuzg, die Bewaffnung der Bürgerschaft und einige andere Anträge, welche aus dem letzten Act des
heutigen Drama's eben so natürlich wie jene herfließen, sofort dem Könige vorzulegen, wie die Herstellung der Ruhe schwerlich ohne seine Genehmigung erreicht werden wird.
Göttingen, 16. März. (Der Auszug der Studenten.) Gestern Abend sind der Geh.-Cab.-R. v. Scheele und Justißrath Bacmeister von Hanover hier angekommen, um den Exceß deS Polizcidirectorü zu untersuchen. Heute morgen sind die von den Gendarmen Mißhandrlten bereits zu Vernehmlassung vorgeladen. Die von den Studirenden aus ihrer Mitte erwählte Commission hat indessen erklärt, daß sie in diesem Schritte durchaus keine Gewährung ihrer Forderungen erblicken könne, zumal die RegierungScommiffare nicht einmal Vollmacht haben, eine Suspension des PolizeidirectorS zu verfügen. Und es haben doch die juristischen Mitglieder deö Senats nachgewiesen, daß diese wegen grober Amtsvergehen sofort erfolgen müsse. Deshalb wird der frühere Beschluß aufrecht erhalten und die gesummte Studentenschaft zieht morgen um 12 Uhr in langem Trauerzuge aus der Stadt. — Die von der Bürgerschaft am Sonntage abgesandte Deputation ist auch heute morgen von Hanover zurückgekehrt. Sie hat weder bei dem König noch bei einem Minister Audienz erlangen können, und hat sich damit begnügen müssen ihre Petition schriftlich einzureichen.
Osnabrück, 15. März. Stüve, dem vor drei Wochen der Eintritt in die Ständeversaminlung verwehrt worden war, ist nun doch einberufen worden.
München, 17. März. Der „Allgem. Zeitung" wird über die Mission der Bevollmächtigten von Württemberg, Hessen-Darmstadt und Nassau die bestimmte Mittheilung gemacht, daß unterm heutigen in München eine Verständigung erfolgt ist, und dem gemäß der k. Gesandte, Frhr. v. Verger, in außerordentlicher Mission sich sofort nach Dresden und Berlin begibt, um ganz im Geiste der königl. Proclamation vom 6. d. die möglichst schleunige Durchführung der National - Reprâsentationam deutschen Bunde, und anderer die Einigung Deutschlands bezweckender Propositionen zu erzielen.
Stuttgart, 16. März. Dem Vernehmen nach haben die süddeutschen Staaten beschlossen, die bevorstehende Fürsten -Conferenz in Dresden nicht zu beschicken.
Mannheim, 15. März. Im Odenwald sollen die Unruhen sich noch nicht gelegt haben, die Anführung des Hrn. v. Degenfeld, der die Bauern befehligt, mache namentlich dem Militair dort sehr viel zu schassen.
Bekanntmachung.
Je größeres Gewicht darauf gelegt werden muß, daß die Sache der Freiheit nicht durch Gewaltthätigkeit und Unordnung befleckt und gefährdet werde, desto wichtiger schien cs dem unterzeichneten Comits, die Gerüchte aufzuklären, welche die unruhigen Austritte des verflossenen Samstags veranlaßt haben.
Durch die sorgfältigste Nachforschung hat sich nun ergeben, daß diese Gerüchte,'als habe der Hr. Obrist v. H adeln den von dem Militair auf die Verfassung geleisteten Eid für ungültig erklärt, als habe er gegen die Wahrheit versichert, daß ein am 4. März in die Artillerie-Caserne geführter Munitionswagen, keine Munition enthalten, als habe er ilch geäußert, 'er wolle zur Vertreibung der Bürger Kanonen in die Straßen auffahren lassen, der Begründung entbehren. Wer sich persönlich davon überzeugen will, dem steht die Einsicht des darüber aufgenommenen Protokolls offen.
Das Comite hält es, sowohl zur Beruhigung seiner Mitbürger, als auch, weil die Freiheit vor Allem Gerechtigkeit fordert, für seine Pflicht, dies öffentlich bekannt zu machen.
Wiesbaden, den 21. März 1848.
Das Sicherheits-Comitö.
Hergenhahn.
