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die mit ihnen verbannt waren, auSersonnen hatten, war fol­gender: Zwischen dem Severinsthor und dem Weyerthor war damals eine Pforte, die aus daS Feld führte, die Ulreport, in deren Nähe ein armer Schuhflicker, Namens Haveniet wohn­te, der auch einen kleinen Kramhandel trieb und Kerzen auf'S Land zum Verkauf trug. Dieser Haveniet besorgte die Briefe der Verbannten an ihre Anhänger in Köln und ließ sich durch eine Sun me von 5 Mark und das Versprechen von 30 Mark für die Folge dazu bringen, daß er heimlich in der Stadt­mauer eine Oeffnung brach, durch welche Mann und Roß ein dringen konnten. Er vollzog seinen Auftrag so geschickt, daß niemand von dem Loch etwas gewahr wurde, und, seine Kerzen wie gewöhnlich aus der Stadt auf'S Land hinausbringend, hin­terbrachte er den Weisen, daß alles fertig und zum AuSbruch reif sei. In einer stürmischen und regnerischen Nacht standen der Herzog Walraf von Limburg und der Gras von Falken­berg mit ihren Schaaren und jenen Herzogs von Cleve, wel­cher für seiner Person in Hülchrath blieb, so wie denen deS Erzbischofs vor der Ulreport, den Pferden wurden die Sättel abgenommen und nun zog ein Theil deö Heeres durch die von Haveniet ausgebrochene Oeffnung in die Stadt, worauf sie in den nächstgelegenen Häusern und Scheunen Unterknnst fanden. Hermann der Fischer, einer von den weiland neuen Schöffen und mit den Verbannten Verschworen, eilte sogleich zu dem Herzog und verabredete mit ihm den Anschlag die Overftolzen und ihre Freunde, sowie der Morgen graue, in ihren Häusern zu überfallen. Zufällig hatte ein Mann, Namens Hexmann Winkelbaert, ein Freund der Overstolzen, ihre Zwicsprach be­lauscht. Er rennt in den Vilzengraben und in die Rheingasse und ruft: „Auf, ihr Overftolzen, auf, zu den Waffen! Der Feind hat die Ulreport! Die Overftolzen und ihre Freunde standen bereits schlagfertig da, sie hatten seit Kurzem das Ge­rücht vernommeu: ein verrätherischer Anschlag sei im Werk. Ann steigen sie zu Roß, Mathias Overstolz, der alte Held in jugendlicher Kraft, aller Ehren voll, das Muster der Bür­gertugend, stellt sich an die Spitze von 40 Rittern. Kämpf­freudig sprengen sie gen St. Pantaleon hin. „Lieben Freunde," ruft Mathias Overstolz; „unsere Ehr', unser Leben und Gut liegt auf der Wage. Seht da die Feinde, die wider und stehm. Aber wir wollen ihrer so viel verderben und in die Flucht treiben, daß man noch nach hundert Jahren davon re­den soll!" Da gewahren sie die Feinde, dreihundert auserle- Ritter mit vier wallenden Fähnlein rennen wider sie an^ Her­zog Walraf von Limburg und Dietrich von Falkenberg an der Spitze. Mann an Mann geschloffen stehen die Vierzig und wehren mit den gewaltigen Schlachtschwertern den stürmischen Andrang der au Zahl überlegenen Feinde ab. Freudiger To- deSmuth erfüllt sie; sie stehen nnd fallen, die Ersten der Stadt

für die Freiheit derselben. Aber auch die Feinde fechten mit dem Bewußtsein, daß die Entscheidung nur Sieg oder Unter­gang sei» muß; denn Flucht auf demselben Wege, auf dem sie kamen, durch jene enge Oeffnung in der Stadtmauer ist un­möglich. Unzählige Schwertesstreiche treffen den Vorfechterder Overstolzcn, den greisen Helden Mathias; noch ragt er hoch zu Roß, stärk und fest inmitten der blitzenden Schwerter, noch funkelt sein Auge im heißen Werk. Da strömt sein Blut; er wankt, er sinkt auf den Tod verwundet, vom Rosse. „Rache für des Vaters Blut! ruft jetzt sein Sohn Gerhard Overstolz und schwingt rasend die Streitaxt; unnahbar scheint er und dennoch muß er endlich der Uebermacht weichen. Auch Peter Jude, Heinemann von der.Aaaren, Johann von Brechen fal­len. Da rennt Costin Croep zu der Gemeinde und ruft ihr zu: „Seht wie Mathias Overstolzen und Peter Jude da nie­dergeschlagen liegen. Thut eS euch selbst zu Ehren und helft uns gegen die gemeinsamen Feinde der Stadt! Denkt, daß wir in der heiligen Stadt zusammen geboren und aufgezogen sind! Laßt uns bei Zeiten widerstehen oder sie erschlagen daS Kind in der Wiege!" Diese Rede entzündet die Gemeinde und sie tritt zu den Edlen. Schon zogen sich die Ritter, wenn gleich erbittert fortkämpfend, zurück; da wollen einige von der Gemeinde den für todt da liegenven Mathias Overstolz aud dem Kampfgetümmel forttragen. Er aber ruft jetzt mit fester Stimme: „Kümmert euch nicht um die Todten! Helft den Lebendigen! Gott und unsere liebe Frau haben und noch immer wider unsere Feinde geholfen! Gebe Gott der Herr uns heute Ehre und Sieg, so will ich desto freudiger sterben!" Er sprichtö und haucht die große Seele aus; aber seine letzten Worte ent­zünden den Muth der Seinigen auf'S Neue, und, wie durch einen Zauber berührt, vergessen in diesem entscheidenden Augen­blick die Gilden ihren alten Haß auf die Evlen, vergessen den Beistand, den sie den Verbannten und den eingedrungenen Feinden bethört versprochen haben; als Söhne einer Muttet, der alten freien Stadt, stürzen sie jetzt, aus dem schlimmen Traum erwacht, die Freiheit zu retten, mit Schwertern, Streit­kolben und Lanzen aus allen Häusern hervor und rennen wuth­entbrannt wider den gemeinsamen Feind. So erneuert sich der Kampf; und alle Tapferkeit nützt dem Feind nun nicht mehr. Dietrich von Falkenberg fällt; zahlreiche Ritter uud Mannen seiner Parthei erliegen unter den Streichen der vereinigten Gilden und Edlen Kölns. Die Entscheidung hat sich gewendet; die Eintracht, rasch geschloffen beim letzten Hauch des Mathias Overstolz, erringt den Sieg. In wilder Flucht sprengt Her­zog Walraf von Limburg zur Ulreport, um zu entrinnen. Doch ein kölnischer Ritter, der ihn in's Auge gefaßt, setzt ihm nach ereilt ihn zwischen den Graben, und bringt ihn im Triumpf als Gefangenen zurück. Köln ist gerettet. —