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I

Nr. 8.

Vürgerblatt für Unterhaltung und Literatur.

Wiesbaden, 21 März IMS»

* Kölner Geschichten.

Von E. Duller.

(Fortsetzung und Schluß.)

in. Der Kampf der Geschlechter.

Es war am Tage St. Paul's, des Einsiedlers, als der Graf von Jülich mit den Overstolzen und andern Edlen eben beim frohen Gelage saß. Da bekam er plötzlich die Nachricht: „Die Weisen haben sich mit den Gaffeln verbunden; beide stehn in Wehr und Waffen, Rütger von Alpen, der Vogt, an ihrer Spitze, und sie wollen nichts Geringeres, als dies Hauö überfallen, den Grafen und die Overstolzen fangen." Der Graf von Jülich ließ sich diese Warnung nicht zweimal sagen und entkam glücklich nach Mechtern, während die wilden Haufen zu dem Hause, worin er getafelt hatte, herantobten und die meisten Stadtthore besetzen. Die Overstolzen zogen ihre Waffen an und erwarteten den Sturm. Viele von ihnen wohnten am Vilzengraben; dorthin strömten die rasenden Rot­ten, Rütger von Alpen führte sie. „Die Wucherer!" schrie das Volk; „sie sollen uns das Gold lassen, das sie lang genug erpreßten! Nied.r mit ihnen!" Es waren ihrer wohl zehntau­send wehrhafter Männer; der Andern kaum dreihundert. Schon blitzen die blanken Schwerter, schon greift mancher Arm zum gewaltigen Hiebe aus, da ertönt plötzlich der helle Silberklang von Glöckchen und ein Priester tritt mit dem hochheiligen Sa­krament zwischen die erbitterten Partheien. „Gedenkt der Süh­ne, die ihr geschlossen," spricht er, würdevoll mahnend, „ge­denket des Eides!" Und fromm lassen die Overstolzen die ge­zückten Schwerter sinken; betend beugen sie die Kniee und flehen zu Gott um Hülfe, und von neuem Muth entflammt erheben sie sich dann, während ihre treue Genossen von den Geschlechtern herbeieilen, wider die Uebermacht der Feinde. Auf! Auf! ruft der alte Held Mathias Overstolz den Seini- gen zu, „heute giltS, Ehre oder Tod, auch beides zusammen

ist süß! Freiheit! Freiheit! Wie Gott will, so laßt unS leben und sterben! Mit Gott! unsre Sache ist gerecht! Hierher, Armbrnstschützen!" Die Vorkehrungen sind getroffen, die Edlen dringen beim Heuberg zuerst auf die Feinde ein, diese weichen dem Ungestüm. Rütger von Alpen legt erbittert seine Lanze auf Gottschalk Ovenstolz ein, aber bald stürzt er vom Roß zur Erde, seine Genossen fliehen, er erliegt. Bei St. Georgs Wart sinkt auch der Bürgermeister Ludwig von den Weisen. Vergeblich versuchen es Johann von der Porzen und Richwin von Gryne, die zurückweichenden Weisen nochmals in'S Gefecht vorzuführen; wie Gottes Wetter schmettert Gerhard Scherfgyn von der Parthie der Overstolzen alles vor sich nieder; die Overstolzeu siegen, die Weisen fliehen den Klöstern und son­stigen Freistätten zu nnd das Volk begrüßt die Sieger mit Hellem Jauchzen.

Die Besiegten wurden aus Köln verbannt, und Bonn ward aller Weisen uud Mißvergnügten Zufluchtsort.

Dort saß Engelbert, der sie gar wohl pflegte und hegte, — sie und ihre Hoffnungen auf Wiederkehr und Rache. Keiner von den Verbannten blieb müssig; alle unterhielten auf's Em­sigste die Verbindungen mit ihren heimlichen Freunden und Anhängern in Köln. Und bald war auch ein Plan entworfen, wobei die Weisen übrigens nicht sowohl das Interesse des Erz­bischofs Engelbert im Auge hatten, als sie vielmehr andere mächtige Fürsten und zwar vor allen den Herzog Walraf von Limburg durch verlockende Verheißungen in ihr Interesse zu ziehen suchten. „Groß, unermeßlich sind die Schätze Kölns!" sprachen sie zu ihm; steht unS getreulich bei und wir wollen redlich theilen." Herzog Walraf von Limburg besann sich und zögerte lange; erst dann entschloß er sich, als auch der Graf von Cleve und Dietrich von Falkenberg Gefahr und Preis der Unternehmung zu theilen bereit waren. Glückte diese, so wollten sie drei Städte auö Köln machen und feder ihr eigenes Gericht geben. Der Plan aber, welchen die Weisen und alle