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von Nationaleinheit, von Bürger-Freiheit und Bür­ger - Gleichheit, von Staatsverfassung, National- repräsvntation und Gesetzesherrschaft, von Oeffent- lichkeit deS Rechtslebens und Freiheit des Gedan- tenverkehrS, — der erste Durchschlag dieser Ideen aus der Sphäre der Theorie in daö wirkliche StaatSleben fand unter den Gebildeten unseres Vaterlandes vielfach eine begeisterte An­erkennung, da nicht nur die französische Litteratur, sondern auch unsere eigenen RechtSlehrer, Publizisten, Philosophen und Poe­ten dieselben über das bloâ Positive hinaus in daS Gebiet deS rationellen Rechtes eingeführt hatten. ES fehlte aber an einem Mittelpunkt, in welchem die Kräfte sich sammeln konn­ten, und die französische Revolution nahm sehr bald durch die eigenthümlich in Frankreich obwaltenden Verhältnisse eine Wen­dung, welche jene Begeisterung dämpfte und fast alle europäi­schen Machthaber gegen die anscheinlich alle Throne bedrohende Republik in den Krieg rief. Die republikanische Nation siegte jedoch über die Söldnerheere der Fürsten, weil die besonderen, theilweis einander entgegengesetzten Interessen der letzteren sie nur sehr lose mit einander verband. Das Reich zerfiel in sich selbst and begrub die meisten geistlichen Herrschaften und Reichs­städte, und nicht wenige kleine Dynastien unter seinen Trüm­mern.

Frankreich, der unstäten Regierung müde, ergab sich dem Helden, der eS zu den ruhmvollsten Siegen geführt, und im Inneren Ordnung und Gesetzlichkeit zu begründen und zu befestigen sich gewillt und befähigt zeigte. Die Nation hatte im Sturme der Revolution den Staatsboden völlig nivellirt. Alle sogenannten historischen Rechte waren wie welke Blät­ter abgestreist und dem Boden zurückgegeben worden, der sie erzeugt hatte. Das Volk war durch und durch Nation ge­worden; die Nation mußte sich aus dem Geiste reconstitu- iren, sie mußte die Idee des Staates ihrer nunmehrigen Beschaffenheit, ihren effektiven Bedürfnissen gemäß realisiren. DaS nächste Bedürfniß war aber, daß die entzügelte Masse sich einem intelligenten Willen unterordnen lernte; der ruhm­gekrönte Sieger wurde Gesetzgeber, der Gesetzgeber bald macht­vollkommener Souverain.

In Deutschland hatte die Geschichte den entgegengesetzten Gang genommen. Die historischen Rechte gingen stufen­weise zu Grund auf Kosten der nationalen Einheit; erst durch die kirchlich reformirenden Fürsten, demnächst durch den westfälischen Frieden, später theils durch die Machterwei­terung herrschsüchtiger, theils durch die Reformen aufgeklärter Fürsten; weiterhin durch gewaltsame Absorbtion der übermeisten geistlichen und weltlichen Territorien — mit Hülfe fremder

Waffenmacht, so wie durch völlige Trennung der meisten Sou- veraine vom deutschen Reich und Außerkraftsetzung aller bishe­rigen Reichsgesetze; endlich durch Selbstunterwerfung jener Sou- veraine unter das Protektorat eines fremden Herrschers, welche gar bald die schmähliche Unterjochung eines großen Theils Deutsch­lands zur Folge hatte.

Auf diese Weise war eine große Revolution in Deutsch­land durch seine mächtigeren Füesten bewerkstelligt worden, und sie konnte zu Stand kommen, weil die bisherige Reichsver- faffung auf keine Weise mehr den Bedürfnissen und Forderun­gen der Zeit entsprach.. Die vom Reich abgefallenen Fürsten mußten aber, indem sie sich in den Besitz einer historisch nicht begründeten Souverainität setzten, nun ebeu- wohl ihre Staaten â priori organisiren und, wie noch jüngst ein eifriger Anhänger der Patrimonial - Herrschaft eingestand, bei diesem Geschäft „sich auf den philosophischen Boden stellen." Wirklich führten mehrere derselben daS Repräsen­tativsystem ein, und erkannten hiemit die Nothwendigkeit ' einer gesetzlichen Beschränkung ihrer gewaltsam erworbenen Macht­vollkommenheit an. (Forts, f.)

Vine Anekdote.

Im siebenjährigen Kriege stand der Feldprediger Matthis- son bei einer preußischen Heeresabtheilung. Er war ein tüch­tiger Mann, der auch den Kugelregen eben nicht fürchtete, und ebensoviel Liebe als Achtung im ganzen Heere genoß. Be­sonders beliebt war er als glücklicher Dichter. Diese schöne Gabe besaß er in hohem Grade, und manchmal erheiterte er damit eine ganze Gesellschaft.

Einst ritt er, alö eben die preußische Armee, den Feind anzugreifen, vorrückte; hinter die Fronte zurück.

Der Obrist eines Husarenregiments, das eben in die Schlacht­ordnung einritt, sah den ihm befreundeten Feldprediger und rief ihm zu: „Halten Sie Stich, Herr Feldprediger!"

Matthisson hielt sein Pserd an und sagte zu dem Obristen:

„Der Ruf geht nur an Euch, ihr Streiter, Und nicht an mich, der ich nur Hirte bin!

Stich halt ich nicht. Ich reite weiter,

Bis dort zu jenen Bergen hin.

Da bet' ich dann, wie Moses that,

Bis sich der Kamps geendet hat/'

„Bravo!" rief gerührt der Obrist. „Thun Sie daö und daö Schwert des Herrn wird mit uns streiten!"

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Redacteur: W^ Friedrich.