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Engelbert nahm diesen Vorschlag an und nachdem die Urkunden ausgefertigt waren; begab er sich wieder nach Köln, wo er sofort dte neuen Schöffen über ihre Verwaltung der städtischen Einkünfte zur strengsten Rechenschaft zog. Als sie sich nicht zu verantworten wußten, ließ er sie gefangen nehmen und in Fesseln schlagen; sann aber auch zugleich — nach dem Rath deS schlauen Ritters Hermann von Wittinghoven, — auf die vollkommene Bewältigung der Stadt, wozu ihm der Augenblick sehr günstig schien. Deshalb verlangte er die Auslieferung der Schlüssel zu den Stadtthoren und eS gelang ihm in der That, dieses hoch und unschätzbar gehaltene Heiligthum einer freien Stadtgemeinde in seinen Besitz zu bekommen. Die Summe, welche die kölnischen Edeln für die Zurückrufung ihrer Verwandten bezahlt hatten, und die den neuen Schönen entrissenen Gelder verwendete Engelbert zum Bau zweier Zwingburgen, die Köln gen Osten und Westen in Schacht halten sollten; er befestigte nämlich die Thüme zu Bayen uud Syle mit Gräben, Vorwerken und Wichhäusern. Die verbannten Edlen aber rief er, ungeachtet der Urkunden, nicht zurück; dagegen wollte er eine neue Verfassung und neue Schatzung ein- führen; neben den Schöffen sollte nämlich ein Bürgermeister sitzen, den der Erzbischof ernenne, und ein Amtmann; und was die Schatzung betraf, so sollten, außer Accise und Zölle, 6000 Mark, und endlich gar ein sechster Pfennig erhoben werden. Indem Engelbert hierdurch den Nerv jedes Einzelnen unmittelbar aufs empfindlichste berührte, gab er dem lang verhaltenen Grimm der Bürgerschaft den Impuls zum Ausbruch.
Am Medardnötage des Jahres 1262 verkündigte Hermann von Wittinghoven dem vor dem Bürgerhause versammelten Volke den Willen des Erzbischofs in Bezug auf Verfassung und Schatzung: „Seht," sprach er, „ihr lieben Herren, wenn ich zwei Kleider trüge, und es käme Einer, der eines davon verlangte, und ich könnte nicht wohl dagegen; :— ehe denn ich mir eö mit Gewalt ausziehen ließe, wollte ich mir es selbst vom Rücken reißen und es hingeben." So versuchte er das Volk in Güte zu überreden, daß eS sich rn'S Unvermeidliche füge; aber eben dieser Anschein von Güte schnitt tiefer in die Herzen ein, alö der bitterste Hohn. Und so empsand'S auch ein Kölner Bürger, Namens Eberhard von Buttermarkt. „Nun seht ihr, worauf eS abgesehen ist!" ruft er aus dem Haufen mit starker Stimme, „unS mit Weib und Kindern zu Knechten zu machen! Nicht der Rock auf dem Leib soll uns gelassen werden. Sonst, wenn man am Hof des Kaisers die Bürger von Kyln kommen sah, hieß eS: „„Da kommen die Herren von Kölnj"" In solchen Ehren stand diese edle Stadt. Jetzt aber hört ihr wohl, wohin es und geht: an's Hemd und an'S Niederkleid !" Diese Worte zünden in allen Gemüthern. „Zu den Waffen für die Freiheit!" Rasch rüstet sich das Vo,k.
Eberhard eilt in den Dom und läutet die Sturmglocke: bald schallen die Glocken von allen Thürmen. Sieh, schon durchziehen sie die Straßen, in starke Rotten geschaart, mit blanken Schwertern, die Armbrust auf der Schulter; gerüstete Frauen und Mädchen in ihrer Mitte. Rasche Boten rennen nach dem Kloster Weyer vor dem Weyerthor, wo sich die Edlen aufhalten, denen Engelbert noch immer die Rückkehr verwehrt. „Gott zum Gruß von uns Bürgern," lautet die Botschaft; „rasch herbei ihr tapferen Herren von den Geschlechtern, an unsere Spitze! Wir stehen Alle wie Ein Mann und Eine Sache gilt's, die Freiheit Kölns I" Noch hält Engelberts Kriegsvolk die vierzehn Thore der Stadt besetzt ; doch wie die Kölner andringen und heldenhaft kämpfen, muß es weichen; die Thore öffnen sich und die Edlen ziehen ein. Glorreiche Heimkehr m die Vaterstadt, mitten im heiligen Kampf, bei Schwertergeklirr und Pfeilgezisch, unter'm Banner der Eintracht! Jetzt wieder an der Spitze des Volkes stehend, beweisen sie, daß sie des altererbten Rechts würdig sind. Hoch wallt das Banner der Overstolzen von Airsburg dem Zuge der streitbaren Männer voran. Es geht hinaus nach dem Bayenthurm, zur Eroberung der verhaßten Zwingburg. Ein harter Kampf tobt um dieselbe; sedeü WichhauS ist trefflich besetzt und vertheidigt, und lange scheint alle Mühe der Angreisenden vergebens; Steine und Pfeile fliegen von den Zinnen und Wällen auf sie nieder, wie sie die festen Thore zu sprengen versuchen. Da ergreift Mathias Overstolz, der heldenhafte Vogt, eine Kirchen- l eiter, legt sie an ein Vorwerk und klimmt empox; Râtger Overstolz folgt diesem Beispiel, die anderen Edlen und Bürger thun desgleichen; die Thore widerstehen nicht länger, und, wie sie in Trümmer zerscheitern, stürzt das Volk hinein. Die Besatzung muß nach der tapfersten Gegenwehr endlich weichen und hoch aus dem Bayenthurm wallt nun das Banner der kühnen Overstolze von Airsburg. — Ein gleicher erbitterter Kampf tobte drei Tage lang um die andere Zwingburg zu Ryle; erst als man schon den Thurm zu untergraben begann und der Anführer der Besatzung dnrch einen Pfeilschuß aus den Tod verwundet worden war, ergab sie sich; dabei thaten auf Seiten der Kölner die Edlen von Riederich wacker daS Beste. So war nun Köln wieder befreit, eine unmittelbare Stadt, die als Glied des deutschen Reichs nur dem Oberhaupt desselben, aber keinem Fürsten gehorchen wollte. Die stolzen Burgen aber, die ihr Engelbert dicht vor beive Enden hingebaut, als wollte er sie damit umspannen, die sollten nun als Siegeszeichen stehen bleiben für ewige Zeiien.
Vergeblich unternahm eâ Engelbert ergrimmt, diese Schmach zu rächen; vergeblich belagerte er Kölu mit einem zahlreichen Heer und schwur: er wolle nicht eher von dannen ziehen, als bis er zwanzig der edelsten Bürger der Faust des Henkers
