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Nordamerikanische Fragen.
Stocks und BondS.
(Anlage europäisch er Kapitalien in Amerika.)
Es ist von Interesse, den Gang zu verfolg^, welchen die Anlage europäischer Kapitalien in AmWèi im Verlaufe der letzten zwei Jahre genommen hat. Anfangs wurde nur d^r Schuldbriefen der Vereinigten Staaten (United ötatco Stocks) Aufmerksamkeit geschenkt, zu denen bald die Staatspapiere von Newyork hinzu traten, als desjenigen Staates, dessen Gesetze und Leistungsvermögen man in Europa am besten kannte und zu schätzen vermochte. Bald aber überstieg die Nachfrage nach diesen Fonds den vorhandenen Betrag so bedeutend, daß die Kaufsumme nur noch einen Zins von 4 — 4% pCt. abwarf. Dann kamen di» Anleihen anderer Staaten der Union an di^NeihW M^L die, welche in der früheren Krisis nic^âdudiW
KuutÄtoßten die Börsenmänner allmählig ^^■taat Meiu^Mmien wieder zu Ehren zu bringen^Mffen WilW^^ahlungseinstellung unter allen Fällen dieser D^W^Ritig am wenigsten gerechtfertigt erscheint und vkWhhWuldenlast, etwa 40,000,000 Dollars, unter allmZKt^aten die verhältnißmäßig bedeutendste ist.â-
• Gleichzeitig traten die Anleihen einiger Städte mit in die Reihe. Die Städte New-Dork, Boston, Brook-» lyn, Albany, Rochester, Pittsburg, AUeghany, LouiS- Ville, Cleveland, Cincinnati, St. Louis und Andere' bieten für ihre Schuld, welche sie zur Ausführung nützlicher Anlagen, als Wasserwerke, Werste, Straßen, Eisenbahnen rc. kontrahiren mußten, bei der raschen Zu- nahme ihrer Bevölkerung und ihres Wohlstandes eine mindestens eben so große Sicherheit, als die Mehrzahl der Staaten, deren souveräne Gewalt im äußersten Nothfälle einen Jndult verfügen kann, wahrend ^her Gläubiger den Städten gegenüber das Recht der Klage, und, wie ein bereits entschiedener Rechtsfall beweist, sogar Hypothekenrecht auf die im Bereiche der Korporation belegenen, den einzelnen Bürgern zugehörigen Immobilien hat. Die städtischen Obligationen haben aber endlich auch den Obligationen (Bonds) anderer Coi Porationen, namentlich den sogenannten Eisenbahn- Prioritätsaktionen, den Weg nach Europa gebahnt, zunächst denen östlicher Bahnen, allmählig aber auch den mehr westlich belegenen, und wie der Zinsfuß im Osten fällt und das forschende Auge des Finanzmannes weiter in den Westen vvrbringt, wo es mit Erstaunen einer in 10 Jahren bewirkten merkwürdigen Metamorphose in der Physiognomie des Landes begegnet, sschwin» det die Furcht fremder Kapitalisten, oder wird von dem Anreiz eines Zinses von 7—8 pCt. besiegt, um so mehr, als in Amerika nicht, wie auf dem Kontinent von Europa, vornehmlich in Deutschland, der Brauch besteht, behufs der Tilgung der kontrahirten Schuld
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Skizzen aus dem Kaukasus.
II.
Von Derbent aus läßt sich bequem ein orienti- render Blick auf den Daghestan, den eigentlichen Schauplatz des russisch-kaukasischen Krieges, werfen; doch zuvor wollen wir versuchen uns in der alten Meeresstadt selbst heimisch zu machen, um einen festen Anhaltspunkt für unsere Betrachtungen zu gewinnen. Eine mit der Westküste des Kaöpiineeres parallel lausende Reihe hoher Bergkuppen bildet des Daghestan östliche Grenze. Am Abhange eines der Berge, welche aus dieser Kette heraus, bis hart an bas kaspische Meer vortreten, breitet sich, beherrscht von einer hochgelegenen Citadelle, Derbent im länglichem Parallelogramm etwa eine Stunde weit aus. Acht Thore führen durch die, mit Batterien bekleideten Mauern, welche die Stadt umgeben. In einiger Entfernung westlich von ber Stabt stößt man auf einen sagende- rühmten Thurm, der seit undenklicher Zeit in eben so schiefer Lage sich erhält, wie der Thurm von Pisa, und einst eine Bastion der alten, aus gewaltigen Steinen anfgeführten Stadtmauern bildete, welche über 12 Werste weit in die Berge hineinlief. Die Zahl der meist ansehnlichen, aber einen malerischen Gesammt- tindruck erzeugenden Häuser von Derbent beläuft sich auf etwas über 1900. Die Angaben über die Einwohnerzahl schwanken zwischen 10—28000 Einwohner.
alljährlich eine Anzahl von Obligationen zu verlosen, wodurch der Gläubiger genöthigt wird, von Jahr zu Jahr, mitunter sogar halbjährig, die Verlosungslisten durchzusehen, um nicht vielleicht gar nach wenigen Jahren mit seinen verfallenen Forderungen präklndirt zu werden. Vielmehr wird eine amerikanische Anleihe, sei es von einem Staate, einer Stchjck, einer Grafschaft, oder einer anderen Korporation stets für eine bestimmte Zeitdauer kontrahirt, und dabei die Verpflichtung übernommen, sie bei Ablauf des bedungenen Termines ganz und al pari zurück zu zahlen. Einen stärkeren Beweis für den herrschenden Glauben an die Dauer der Union und die fortschreitende Entwickelung ihrer Prosperität kann es schwerlich geben, als darin liegt, daß eine An- leihe unter sonst gleichen Umständen um so höher bezahlt wird, je länger der Termin ihrer Rückzahlung hinaus gerückt ist, weil Jeder voraussetzt, daß es nach Werlaus von 10 oder 15 Jahren nicht mehr gelingen Werde, das Kapital zu gleich hohen Zinsen wieder un-
zu bringen. Denn offenbar haben die Kapitalien »>on Europa und Amerika begonnen, sich ins Gleich- ^vicht zu setzen, und wenn auch der Bedarf in Ame- noch lange Zeit hindurch das «Angebot übersteigen, bis euâal der ganze nördliche Kontinent in^Mlcher Kultur^reyt, stets noch ein ferner Westen bleiben wird, inHwlchem man Kapitalien höher verzinsen wird, als in Europa, dem Wohnsitze der gro- rßen Kapitalisten, s»rjst doch ein Disconto von 2—3 'pCt. in Englands mit einem solchen von 5—7 pCt. Mm östlichen Amerika nicht kauernd zu vereinigen. Das RZelo fließt dahin , wo es vortheilhafte Verwendung findet. Die Kapitalisten von Großbritanien werden es gewiß nicht aufgeben, ihre durch Jahrhunderte gehäuften Schätze über den Ocean zu senden, um, in noch vermehrtem Maße, als bisher schon geschehen, die gewinnbringenden Geldgeschäfte Amerikas, vor Allem die Banken, zu ihrem Voktheile auszubeuten und dadurch unwillkürlich diesem Lande diejenige HülDquelle zu eröffnen^ welche ihm noch fehlte, um binnen Kurzem die hoffentlich friedliche Eroberung der Weltherr- schaft zu vollenden.
Bis jetzt freilich ist der englische Einfluß im Welthandel über den amerikanischen noch weit überwiegend. Aller Verkehr Amerikas mit Ausnahme Frankreichs, muß vermittelst einer Abgabe an England betrieben werden. Wenn ein Kaufmann in Newyork oder Boston mit Südamerika, mit China, mit Indien Handel treiben will, so bedarf es der Vermittelung von Baring-Brothers oder eines ähnlichen Hauses in London, mit deren Creditiven er die Zahlnngen in Asien oder an irgend einem Punkte des stillen Meeres bewirkt, um, nach Verkauf seiner Waaren oder allmählig, wie sein Geschäft sich abwickelt, seine Schuld durch Rimes- seu nach London zu decken. Doch liegt dieses Ueber- gewicht Englands weniger in dem Reichthum seiner Kapitalisten, als vielmehr in dem von einer nationalen Politik der Regierung konsequent unterstützen Un- I
— In meinem eigenen Tagebuche finde ich, ziemlich übereinstimmend mit den meisten neueren Reisewerken, die letztere Zahl angegeben, während die Petersburger „Nordische Biene" in längeren Aufzeichnungen, welche fie zu Ende des Jchres 1846 aus Derbent brachte, die Einwohnerzahl auf 10,657 fest setzte. Da ich uv ine Angaben aus amtlicher Quelle geschöpft, so kann ich mir den großen Unterschieb zwischen den beiden Zahlen nur dadurch erklären, daß der Berichterstatter der „No»dischen Biene" vielleicht nach russischer „Seelenzahl" d. h. mit Hinweglaffung der Frauen und Kinder gerechnet. Bekanntlich wird in Rußland unter „Seele" ein erwachsener, arbeitsfähiger Mann verstanden, so daß, wenn es von einem Gutsbesitzer heißt, „er hat 100,000 Seelen", die Seelen der Frauen und Kinder nicht mit einbegriffen sind.
Für Linguisten und Alterthuinsforfcher ist Derbent einer der merkwürdigsten Plätze im Kaukasus. Der Orientalist findet hier die beste Gelegenheit zur praktischen Erlernung der tatarischen, persischen, arabischen, georgischen, armenischen und lesghischen Sprache, sowie einer zahllosen Menge von Gebirgsdialekten. Dem Alterthttmsforscher bietet sich hier eine wahre Fundgrube von alten Münzen, Inschriften und Denkmalen. Derbent ist der Ausgangspunkt der jetzt größtenthetts in Trümmern liegenden berühmten kaukasischen Mauer, welche einst das Kaspinieer mit dem schwarzen Meer verbunden haben soll. Die alles in das Dunkel des
ternehmungsgeiste seiner Kaufleute, welcher den Kontinent von Europa überflügelt und gleichsam vermöge eines Gewohnheitsrechtes die Welt gezwungen hat, in England das große Centrum des Welthandels zu erkennen. Aber derselbe Unternehmungsgeist ist in noch höherem Maße dem amerikanischen Volke eigen und die Regierung zu Washington verfolgt eine nicht minder nationale Handelspolitik, als die englische. Dabei sind die innern Hülssquellen Amerikas unermeßlich, seine Lage in der Mitte zwischen zwei Meeren außerordentlich günstig. Kein großes stehendes Heer, keine enorme Staatsschuld belastet seine Finanzen, wie die von England, welches sich genöthigt sieht, gewisse Erwerbsquellen durch hohe Abgaben fast ganz zu verstopfen, um seinen Gläubigern gerecht werden zu können. Solche Vergleichungen und die bisherigen Erfolge können nur zu der Ueberzeugung führen, daß die Suprematie Englands im Welthandel ihren Höhepunkt erreicht, daß die Beherrscherin der Meere einen gleichberechtigten Rivalen gefunden habe, dessen Machtent- wickklnng sie neben der ihrigen dulden muß, wenn nicht ein brutaler Kamps um die Weltherrschaft ihre eigene Eristenz in Frage stellen soll. Ich kann nicht glauben, daß zwei sr.ei,e Völker diesen letzten Weg der Entscheidung wählen werden.
Deutsehl « n d.
± Wiesbaden, 20. Novbr. Unter dem Vorsitze des Hof - Gerichtsraths Jeckeln wurde heute die Anklage gegen Caspar Beck von Schwanheim, wegen Tödtung verhandelt. Die Staatsbehörde vertrat Substitut Flach, die Vertheidigung führte Prokurator v. Eck. Caspar Beck, 28 Jahre alt, Tag- löhner von Gewerbe, kam am Sonntag den 13. Juli dieses Jahres 10 Uhr Abends in das Wirthschaftslokal des Peter Anton Helfènbach zu Schwanheim. Nachdem mehrere Personen sich ans der Wirthsstube in den Hof entfernt hatten , wohin auch der Angeklagte nach Verlauf einer kleinen Weile folgte, wurde er hier von dem daselbst befindlichen Jean Fay gefragt, warum er ihnen in reit Hof gefolgt, er |olle sich packen! Er erhielt auch außerdem von demselben eine Ohrfeige und wurde zu Boden geworfen. Auf dem Boden liegend, und von Fay auf dem Boden gehalten, zog sofort Caspar Beck sein Messer aus der Tasche und öffnete eS, der Gebrauch desselben wurde jedoch durch Einmischung mehrerer Personen verhindert, welche den Streit durch Entfernung d/s Jean Fay von Caspar Beck beendigten. Hierauf zog Anton Neubecker von Schwanheim den Antoy Meckel, der dem Beck in seinem Streite mit Fay beistand, unter den Worten: „Dir geschieht Nichts, ab et; der Beck muß seine Schlage haben," bei Seite; und, indem er sich an den weit schwächen: Beck wendete, warf er denselben
Alterthums zurücksührende Sage schreibt die Gründung dieser Mauer dem macedonischen Alerander zJskjenoer- Sualkarnein, d. i. dua cornua habens) zu, aber wenn nicht schon die Bauart dieses gigantischen Bollwerks solcher Annahme widerspräche, so würde dec bloße Umstand, daß bei keinem griechischen und römischen Schriftsteller der kaukasischen Mauer Erwähnung geschieht, dafür zeugen, daß ihre Gründung einer weck späteren Zeit augrhört.
Peter 1, der hier, wie überall, wohin er den Fuß gesetzt, Spuren seiner gigantischeu Thätigkeit Hiilter- lassen, eroberte Derbent im Jahre 1722, und setzte den Nath (Statthalter) Jmam^Kuli-Beg zum Herrscher darüber ein. Unter Nadir-Schach fiel dir -Stadt wirder in die Hände der Perser. Nach dem Tode dü- seS berühmten Eroberers (1747) herrschte Mehmed- Hassan-Chan, der Sohn I inam-Kul i-Beg'S über Derbent bis 1766, in avelchem die Stadt mit ihrem Gebiete von Feth-Ali's, dem mächttgen Chane von^Kuba, unterworfen.wurde. Während Feth- Ali's und fertteö Sohnes A^med-Chan'S Regierung stand Derbent unter rnssi;chrm Schutze, neigte sich jedoch später wieder auf''die Seite der Perser, btè. eS endlich im Jahre 1796 vom General Hasert alt Suban — dem Lieblinge Catharina s II. — auf daS Nene erobert und später vollständig dem russischen Reiche einve.leibt wurde.
Gcrtsetzuvg folgt.)
