derer der Kindergärten anberaumt, auf welcher die weitern Schritte zum Schutz der legiern berathen werden sollen.
Lübeck, 1. Sept. (Köln. Ztg.) Unsere Eisenbahn ist gestern zum ersten Male in ihrer ganzen Ausdehnung von hier bis Büchen befahren worden. So wäre denn die Verbindung unserer bisher leider so traurig isolirten Stadt mit dem großen, ganz Deutschland übersponnenen Eisenbahn-Netze hergestellt.
Berlin, 2. Septbr. Die „Spener'sche Zeitung" widerspricht in ihrer gestrigen Nummer der Nachricht, daß die Kammern bereits im November zusammentreten würden; die ministeriellen Vorlagen würden bis dahin nicht fertig sein und der Zusammentritt daher vor dem Dezember nicht erfolgen. Art. 76 der Verfassung bestimmt: „Die Kammern werden dlirch den König regelmäßig im November jedes Jahres einbe- rufem" Die Kammern müssen also im November zusammentreten, wenn die Verfassung nicht offenbar verletzt werden soll. — Großes Bedauern erregt die über den Dr. Borchard zu Glatz verhängte Concessionsentziehung der ärztlichen Praxis. Auch noch andere Gedanken erweckt dieser Vorfall. Dem gemeinen Verbrecher, der seine Strafe abgebüßt, muß der Staat be- hülflich sein, daß er seinen Broderwerb wiederfindet. Dem politischen Verbrecher wird das Recht, sich durch sein Gewerbe zu ernähren, entzogen. Die härteste Strafe beginnt erst für ihn, wenn er die gerichtliche Strafe verbüßt hat! —Die „N. Oder-Zeitung" ist in den Stand gesetzt, den Wortlaut der Entscheidung der königl. Regierung zu Breslau nebst Gründen mitzuthei- len. Wir können nicht umhin, den Schluß derselben, welcher für die Zustände der Gegenwart bezeichnender ist, als lange Ausführungen und Abhandlungen es darzustellen vermöchten, mitzutheilen. Er lautet: „Concessionen, Approbationen und Bestallungen können (nach §. 71 der Gemeinde-Ordnung von 1845) zurückgenommen werden, wenn die Handlungen oder Unterlassungen des Inhabers den Mangel der erforderlichen und bei Ertheilung der Concession vorausgesetzten Eigenschaften klar ergeben. Dieser Fall liegt hier vor. Zu den bei der Ertheilung von ärztlichen Concessionen vorausgesetzten Eigenschaften gehört nach 8 26- Nr. 2b. insbesondere Zuverlässigkeit in sittlicher Hinsicht, durch deren Gegentheil das Gemeinwohl oder die Erreichung allgemeiner polizeilicher Zwecke gefährdet werden könnte. Daß der Angeklagte, der ein in den Gesetzen mit zweijähriger Festungsstrafe bedrohtes Verbrechen begangen hat, zu den sittlich zuverlässigen Personen nicht mehr gerechnet werden kann, muß ohne Weiteres zugegeben werden. (!?!) Ebenso leuchteten:, daß gerade die ärztliche Praxis, indem sie in das Familienleben Zugang gestattet, und leicht Vertrauen erwirbt, bei einer Persönlichkeit, die einer Majestätsbeleidigung sich fähig gezeigt hat, die Besorgniß eines gefährlichen Mißbrauchs mit sich führt. Das Gesetz gestattet, unter solchen Umständen die bereits früher ertheilte Concession zu entziehen, und das Interesse des Gemeindewohls für Aufrechthaltung der gesetzlichen Ordnung macht es den Behörden zur Pflicht, das Gesetz in den geeigneten Fällen zur Geltung zu bringen."
Königsberg, 26. August. (K. Ztg.) Vor einiger Zeit ist bekanntlich Dr. F. Lobeck „wegen Betheiligung an der freien Gemeinde" seiner Stelle als Castos der königlichen Bibliothek durch Ministerialreskript entsetzt worden. Dieses Amt ist nunmehr dem Dr. Michaelis, Präsidenten des hiesigen Preuße uv er- eins, übertragen worden.
Königsberg, 31. Aug. (O.P.A.Z.) Die Redaktions- Verhältnisse der „Hartung'schen Ztg" gestalten sich immer bedrohlicher. Ein Protest des Dr. Claessen gegen die Wahlen zum Provinziallandtag, der „(konstitutionellen Zeitung" entnommen, veranlaßte ihre fünfte Beschlagnahme. Der gegenwärtige Redakteur K. Neumann tritt mit dem heutigen Tag zurück. Wer sein Nachfolger sein wir, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Die Zeitung
wirft dem Verleger einen reinen Gewinn von etwa 18,000 Thlr. jährlich ab.
Breslau, 2. Septbr. (N. Odr.-Ztg.) Heute Vormittag wurde die Anklage gegen Rösler von Oels vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt; sie lautete auf Magestätöbeleidigung, Verleitung der Soldaten zum Treubruch, Aufforderung zum Aufruhr und Hochverrath. Er hatte au den Sitzungen des Stuttgarter Parlaments und den dort gefaßten Beschlüssen Theil genommen, außerdem mehrere Plakate der März- vereine, in denen die Anklage Anreizung zum Aufruhr fand, in seinem Wahlkreise verbreitet. Rösler wurde bekanntlich im Würtemberg'schen, während er Volk und Heer zum Festhalten an der Reichsverfassung auf- forderte, verhaftet und nach Hohenasperg gebracht; hier gelang ihm im vorigen Jahre die Flucht, die zur Zeit viel Aufsehen erregte. Der Vorsitzende des Gerichtshofes, Herr Stadt.-Ger.-Rath Hufeland, theilte mit, daß die Vorladung des Angeklagten legaliter in den hiesigen Zeitungen erfolgt sei: Rösler befinde sich in Amerika, dort habe ihm der Preuß. General-Consul die Anklage insinuirt. Ein darauf erfolgtes Schreiben des Rösler befinde sich bei den Acten und laute etwa folgendermaßen: er (Rösler) bedaure, seiner Geschäfte wegen zu dem bestimmten Termin nicht erscheinen zu können; er bitte aber, „den Termin bis nach dem Mai 1852 (Präsidentschaftswahl in Frankreich) zu verschieben, dann werde er bestimmt da sein." Der Staatsanwalt resumirte darauf die Anklage und trug wegen der oben erwähnten verschiedenen Verbrechen auf 12 Jahr Zuchthausstrafe, 10 Jahre Stellung unter Polizeiaufsicht und Verlust der bürgerlichen Rechte au. Das gegen 12 Uhr publicirte Erkenntniß des Gerichtshofes lautet auf 8 Jahre Zuchthausstrafe, 8 Jahre Stellung unter Polizeiaufsicht und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.
Wien, 30. August. Das Ministerium soll im Sinne haben, dem Kaiser zu energischen Schritten gegen die altkonservative Partei zu rathen.
Wien, 31. Aug. zSch. M») In U n g a r n scheinen die jüngsten Kabinetsschreiben durchaus keine für die Regierung günstige Wirkung hervorgebracht zu haben, und ein Blick auf die verschiedenen Parteien, welche gegenwärtig im Laude des heiligen Stefan verzweigt sind, wird diese Behauptung rechtfertigen. Die Alt- konservativen in ihren vorgefaßten Meinungen und politischen Ansichten von einer merkwürdigen Zähigkeit, wollen auch jetzt, nachdem über ihre vollständige Niederlage kein Zweifel mehr sein kann, ihren Widerstand gegen die Negierung nicht aufgeben, und setzen alle nur erdenklichen Hebel tu Bewegung, um die schöne Zeit der Komitatswirthschaft wieder ins Leben zu rufen, die neuesten Verfügungen haben daher, nur den Bruch zwischen ihnen und der Regierung vervollständigt, und wir fürchten, daß er ein unheilbarer geworden ist. Was die republikanische Partei betrifft, welche in Ungarn zahlreicher ist, als man vielleicht glaubt, so scheint sie sich durch die allerhöchsten Entschließungen durchaus nicht entmutigen zu lassen, im Gegentheile benützt sie dieselbe als ein Mittel, um neue Anhänger sich zu verschaffen, sie richtet ihre Blicke nach Kiutahia und birgt ihren tiefen Haß gegen Oesterreich in ihre Brust bis auf bessere Zeiten. Es bleibt sonach in Ungarn nur eine kleine Zahl übrig, welche die Maßregeln der Regierung mit Beifall ausgenommen hat.
In Pesth dauert die üble Stimmung noch immer fort. Die Magyarischgesinnten tragen jetzt unter dem Nocke eine rothe Binde, und wenn sich Gleichgesinnte begegnen, lüften sie den Rock, um die Binde zu zeigen. Die Damen tragen als Armbänder kleine Stahl- ketten mit einem Schloß vorne, was ebenfalls als politisches Abzeichen gilt. Von Seite der Militärbehörden wird große Strenge angewendet, aber immer tauchen wieder neue Demonstrationen auf.
Wien, 2, September. Die Wochenliste der kriegsrichterlichen Verurtheilungen, die die „Wiener Ztg."
heute veröffentlicht, ist diesesmal wieder sehr lang geworden, unter anderen ist eine „Spiegelfabrikationsgattin" wegen Majestätsbeleidigung im zweiten Grade zu dreimonatlichem Stockhausarreste verurtheilt.
Italien.
Der „Gazette di Milano" vom 28. August zufolge ist der Carabinier-Brigavier, welcher im Jahre 1849 den Priester Ugo Bassie (den von den Oesterreichern erschossenen Feldkaplan Garibaldi's) verhaftete, in Ca- macchio ermordet worden. — Dec „Monitore Toskana" veröffentlicht eine Reihe von Verordnungen des toskanischen Cultus-Ministers in Betreff des den Bischöfen dem neuen Concordat gemäß zusteheuden Censurrechtes. Kraft dieser Verfügungen hat jeder Bischof das Recht, sämmtliche innerhalb seiner Diözese veröffentlichte geistliche Schriften zu censiren. Ein von einem Bischöfe verworfenes Werk darf nicht von einem anderen approbirt werden, und keine Berufung von der Entscheidung des Bischofes findet Statt!!! — Nach Briefen aus Rom fängt man dort an, die Legionäre von 1848, die als Freiwillige den italienischen Unabhängigkeitskrieg mitgemacht haben, gefänglich cinzuziehen.
Ueber die Erschießung Chicsa's, eines Arbeiters in Mailand, den man wegen Anheften revolutionärer Placate zum Tode verurteilt hatte, bringen die „Daily News" folgende Einzelheiten: „Chiesa sollte nach dem Ausspruch der Kriegsgerichte gehängt werden, aber da der Henker von Bergamo sich weigerte, das Urtheil zu vollstrecken, so mußte man tn erschießen. Der Henker (wie tief muß der Haß gegen das fremde Iossin alle Schichten der Nation gedrungen sein, wenn er auch einen Menschen beseelt, den das Volk sonst am meisten verabscheut!) ist gleichfalls für seinen Ungehorsam mit dem Tode bestraft worden. Bei seinem Verhör wurde Chiesa gefragt, wer ihm die Placate gegeben habe. „Niemand", antwortete er, „ich habe sie selbst geschrieben/' — „Wo habt Ihr sie drucken lassen ?" — „Ich habe sie selbst in meiner eigenen Wohnung gedruckt." — „Wo habt ihr die Druckmaterialien bekommen?" — „Ich weiß nicht." Auf dem Wege von dem Gefängniß zum Nichtplatze versprach ihm der Beichtvater seine Begnadigung, wenn er seine Mitschuldigen angeben wolle. Chiesa, der eine Frau und Tochter hilflos hinterläßt, weigerte sich entschieden, sein Leben mit seiner Ehre zu erkaufen. Ec grüßte mit ruhiger und gefaßter Miene die Umstehenden, und indem er niederknieet, sagte er mit lauter Stimme: „Mein Tod ist das Zeichen des nahen Untergangs der Oesterreicher." Er lehnte es ab, sich die Augen verbinden zu lassen, da er denen, die ihn tövteten, ins Antlitz zu sehen wünschte. Diese politische Hinrichtung wurde sogar ohne die gewöhnlichsten gesetzlichen Formen vollstreckt; der Ofsizier, der das Peloton commandirte, siel ohnmächtig nieder,^uitd konnte daher das Signal nicht geben, sodaß die Soldaten ohne Commando feuerten. Die Frau und Tochter Chiesas sind noch jetzt im Gefängniß; man verheimlicht ihnen, heißt es, den Tod ihres Gatten und Vaters, und sucht ihnen die Namen seiner Genossen durch das Versprechen zu entreißen, ihm in diesem Falle das Leben schenken zu wollen! Man muß zu Ehre der Menschheit wünschen, daß diese Angaben nicht war seien."
Der Erzbischof von Mailand, Monsignor RomiM, der während der Triumphzeit der lombardischen Revolution die italienischen Fahnen segnete und einen Kreuzzug gegen Oesterreich predigte, hat jetzt ein Rundschreiben an die Geistlichen seiner Diöcese erlassen, in welchem er ihnen verbietet, ihren Beichtkindern die Absolution zu ertheilen, wenn sie sich nicht verpflichten, die Feinde der Regierung den Polizeibehörden zn denunciren.
Neapel, 23. Aug. (Daily News) Die neapolitanische Regierung befindet sich gegenwärtig in einem
sucht und geschätzt wird, daß die theologischen Gegensätze an Schärfe verloren haben, und es nur in den allerhöchsten und den allerniedrigsten Klassen den Priestern gelingt, den alten Haß anzufachen, daß die Mehrheit sich auf dem Gebiet der Humanität und in dem gemeinschaftlichen Haffe gegen weltliche und geistliche Tyrannei begegnet. Und wessen Verdienst ist das?
Wir möchten ferner sagen, daß das Proletariat nicht ein Erzeugniß der modernen Industrie, sondern immer dagewesen ist, erst in den Sklaven, dann in den Leibeignen, dann in den Untertänigen und durch alle vergangene Jahrhunderte der europäischen Geschichte in den Horden vagabondirender Bevölkerung, von der zwar auf den Denkmälern der Regenten und Staatsmänner wenig zu lesen, desto mehr aber in des heiligen römischen Reichs, löblicher Stände, ehrbarer Städte und reichsunmittelbarer Marktflecken heilsamen Polizeiordnungen; wir möchten sagen, daß auch die Lage des Proletariats besser und menschlicher geworden ist, wo die Beseitigung des Ständeunterschiedes, die Entfesselung des Verkehrs und eine vernünftige Volkswirth- schaft den Erwerb erleichtert; daß, wenn das Proletariat in stärkerem Verhältniß als die Bevölkerung gestiegen ist, dafür vielleicht andere Gründe aufzufinden sind, als die Fortschritte der Industrie und das Herunterkommen der Autorität: vielleicht der Umstand, daß in Europa 2,500,000 rüstige Männer Nichts thun als dazu abgerichtet werden, ihre Ernährer zu tödten, daß
jährlich 550 Millionen Thaler, also beinahe der Arbeitswerth von 10 Millionen Männern für militärische Zwecke verwendet werden, ohne die Ertrarechnungeu für rettende Thaten.
Darum will es uns dann weiter so bebauten, als ob das Genns Mensch noch lange nicht die Hände in den Schoß legen kann und zu dem Augenblick sagen: weile! ober ins Kloster gehen und Buße thun. Was hat Asien nordwärts vom Himalaya, was Amerika südwärts von Panama geliefert? Ist nicht Neuholland so groß wie Europa? Wenn die frommen Leute Visionen haben von Kohlenlagern, aasfressenden Naben und Kronleuchtern, warum nicht auch wir? Zumal wenn unsere Visionen ganz ähnlich sind. Wir träumen gar nicht mit Elihu Burritt, wenigstens vor der Hand nicht. Die wunderlich gezackten Küstenränder, der geheimnißvolle Knochenbau der Erde und das Adergc- flecht der Gewässer, die uns wie Runen anstarren, enthüllen uns ganz andere Dinge. Wir sehen auch die Raben fliegen, aber nach Osten und im Sommer und nur einmal. Es giebt einen Krach und dann steigt Dampf und Gestank auf, wie wenn eine Kugelpilz zertreten ist.
Dann legen 2,500,000 Männer die Waffen ab und arbeiten, erwerben mehr als ihr Traktament und verzehren mehr. Fünfhundert und fünfzig Millionen Thaler werden angelegt in Chausseen, Häfen, Kanälen, Eisenbahnen, Schulen, Dampfschiffen und Kolonien.
Die Kohlenlager werden angebrochen, auf denen der Bergzehnt, die Brachen, auf denen^ber Lehnsbanu ruht. Wie einst an den Thoren der Städte, so fallen die Barrieren an den Grenzen der Länder. Produktion und Verbrauch finden ihr Gleichgewicht über die ganze Erde, und es bleibt Friede, weil kein Volk das andere entbehren kann. „Unsere Vorfahren hielten dafür", sagt ein chinesischer Kaiser, „daß für jeden Mann, der nicht arbeitet, für jede Frau, die nicht näht, irgend ein anderer Mann hungern oder frieren muß"; denn die Welt ist so eingerichtet, daß Alle durch die Arbeit Aller erhalten werden!
Und dann bricht einmal das fünfte Ostern an:
Begraben längst in des VergcffenS Meere,
Seeungethümeu gleich in tiefer Flut,
Die alten Grâu'l, die blut'ge Schergenehre,
Der Krieg und Knechtstuu und des LugeS Brut.
Längst über alten Schutt ist unermeffen
Geworfen frischer Triften grünes Kleid,
Gleichwie ein stilles, freundliches Vergessen
Sich senkt auf dunkler Tag' uraltes Leid.
Aber weg mit diesen giftigen Nebelbildern! Ver- gieb uns die sündlichen Gedanken, heiliger Haller!
