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Köln, 27. August. (Düss.'Ztq.) Die Denunzia­tion derD. Volksh.,".daß Herr Regierungspräsident p. Möller den Herrn On-Mont, Herausgeber der Köln. Ztg."der Diener des Königs den Feind des Königs," vor länger als einem halben Jahre zu einem Feste geladen, findet hier. die allgemeinste Mißbilligung und man fragt, warum wohl dieVolksh." mit dem liebenswürdigen Beweis J'hres Eifers für die gute Sache so geraume Zeit des günstigen Windes geharrt.

Berlin, 27. August. Das Gerücht von einem nahe bevorstehenden Rücktritt des Herrn v. Westpha­len wird von derO.P.A.-Ztg." als vollkommen un- gegründet bezeichnet.

Berlin, 27. August. Man erwartet, schreibt das C, B.", nicht ohne Grund von Bundeswegen in nächster Zeit ein Verbot gegen Mittheilun­gen in Beziehung auf die Verhandlungen der Bundesversammlung und die Arbeiten ihrer Kommissionen.(!!) Der Kongreß des deutsch-österreichi­schen Postvereins tritt, wie es nunmehr bestimmt ist, erst am 15. Okt. Hier zusammen.

Berlin, 27. Aug. (K. Z.) Der vielbesprochene öster­reichisch preußische Antrag wegen der Competenz des Bundes in Betreff der Wahrung der innern Sicher­heit Deutschlands durch eine Central-Polizei, ist in der Sitzung der Bundes-Versammlung vom 23. d. Mts. per majora zum Beschluß erhoben worden, wenngleich unter einigen vom Ausschüsse angebrachten Motivirun- gen, die jedoch weniger die Sache, als die bloße Fas­sung betreffen sollen. Außerdem ist in derselben Sitzung der Antrag wegen Aufhebung der Grundrechte angenommen worden. Wenn auch hier von einigen Regierungen geltend gemacht ist, daß bei jener Aufhe­bung in den Einzelstaaten der verfassungsmäßige Weg einzuhalten sei, so ist doch im Ganzen der erhobene Widerspruch nur als ein sehr geringer zu betrachten.

(C. B.) Die Gerüchte von einzelnen in Berlin vorgekommenen Fällen der asiatischen Cholera haben sich nicht bestätigt. Dagegen ist der gegenwärtige Ge­sundheitszustand Berlins aus anderen Gründen nicht beruhigend. Nach ärztlichen Erfahrungen kommen gastrische Affektionen aller Art, von der einfachen Gastrose bis zum Typhus in einer Häufigkeit vor, die selbst für die gegenwärtige Jahreszeit ungewöhnlich genannt werden kann. Brechdurchfälle, jedoch nur in milden und gefahrlosen Formen, und Keuchhusten raf­fen Kinder namentlich in großer Zahl hinweg.

München, 26. Aug. (S. M.) Gestern ist die Kunst­ausstellung eröffnet worden. tote urnfaßt nahe ein Halbtausend Gegenstände, die in 11 toälen geordnet sind. Unter diesen befinden sich außer den eingesen- deten Werken lebender Künstler auch die hinterlassenen Zeichnungen des Malers Rottmann.

München, 26. August. (A. Abdztg.) Man spricht davon, daß durch die Jschler Zusammenkunft festge­stellt werden soll, in wiefern die Frage über den Ein­tritt Gesammtösterreichs in den deutschen Bund ernst­lich verfolgt werde. Heute sind von hier an alle baierischen Hauptfestungen Estafetten mit sehr ausführ­lichen Befehlen abgegangen. Die Einstellung des Pferdeverkaufs sowie der anbefohlene Wiederverkauf stehen demnach nicht mehr als vereinzelte Maßregeln da. Ferner würde heute der Befehl gegeben, daß sich morgen Vormittag sämmtliche Stabsoffiziere der Gar­nison im Kriegsministerium einzufinden haben.

Wien, 26. August.Die allerhöchsten Cabincts- schreiben", heißt es in einem kurzen Artikel desLloyd" über dieselben,kommen factisch, wenn auch nicht formell, der Aufhebung der Märzverfassung gleich. Der Monarch hat behufs der Verleihung neuer politischer Institutionen wir vermeiden absicht­lich das Wort Constitution die volle Macht seiner eigenen Hände genommen. Wir erwarten nun binnen kurzer Zeit die Grundzüge der neuen politischen §orm für dieses große Land zu erblicken, welche in Ueberein­stimmung sein werden mit dermonarchischen Gestal­

tung und der staatlichen Einheit" Oesterreichs. Daß das Prinzip des Festhaltens derstaatlichen Einheit" bei der künftigen politischen Gestaltung der Kaiserreichs in den kaiserl. Cabinetsschreiben so bestimmt ausge­sprochen ist, liefert einen neuen Beweis dafür, daß die kaiserliche Regierung den Plan des Eintritts von Ge- sammtösterreichs in den deutschen Bund nicht anfge- geben hat, wie oft auch derartige Nachrichten verbreitet werden mögen."

Wien, 27. August. Im nächsten Frühjahr wird in London eine Conferenz von Bevollmächtigten der sämmtlichen europäischen weeftaaten abgehalten werden, um einen einheitlichen Merician und dessen Durch- gangsort zu bestimmen. Aus Jsch.l wird die An­kunft des Prinzen Albrecht von Preußen gemeldet. Nach Pesther Zeitungen befinden fiel) im dortigen Neu- gebäude noch gegen 150 politische Gefangene in Un­tersuchung, unter denen der Graf v. Tur'opolya, der ehemalige Kronhüter und Unterstaatssekretär v. Bonis, der Deputiere Murgo, der Vicegespann Puttnik und Szöllösy, der Duerillamajor Geßner u. a. in. Von Frauen befindet sich noch die Gräfin Ostrowsky da­selbst.

Aus Wien wie ans Berlin melden Briefe der Agsb. Allg. Ztg." wiederholt, daß noch im Spät­sommer eine Zusammenkunft der Monarchen von Oesterreich, Preußen und Rußland in Schlesien zu er­warten stehe.

Türkei.

DieAgsb. Allg. Ztg." hat aus Konstantinopel, 16. August und aus Alexandria, vom 13. Briefe. Ob Kossuth am 1. September freigelaffen oder noch weiter in Aufsicht gehalten werden soll, wußte man noch immer nicht mit Sicherheit. Möglich wäre, daß die Pforte ihn abreisen ließe und nachher versicherte, es sei gegen ihren Willen geschehen. Zu der ägypti­schen Eisenbahnanlegung scheint die Pforte ihre Zu­stimmung gegeben zu haben. Im übrigen gingen die Verhandlungen zwischen Kairo und Konstantinopel noch hin und her, auf beiden Seiten mit Hintergedanken und falschen Worten geführt, und von der englischen und russischen Diplomatie beiderseits in dieser Strate­gie unterstützt. Von einem Endziel läßt sich da nicht sprechen, bis die Geschütze an die Stelle der Noten treten.

Z t a l i e «.

Turin, 24. August. Einem Gerüchte nach sollte die Regierung 15 Emigrirte wegen ungegründeten Aufenthalts nach der Grenze geschickt haben. Die Risorgimento" vertheidigt die Emigration und wider­legt förmlich die Gerüchte über die Entfernung eini­ger politischen Flüchtlinge und über, die betreffenden Verhandlungen mit Wien.

' Neapel, 18. August. Ein Handels- und Schiff­fahrts-Traktat mit der Türkei ist veröffentlicht worden.

Großbritannien.

London, 25. August. (Nat.-Ztg.) Seit einigen Tagen werden die Zeitungen wieder mit größerem In­teresse zur Hand genommen. Man erwartet irgend eine Andeutung darüber, wie sich die Regierung gegen den ultramontanen Klerus verhallen, ob sie die Heraus­forderung einstecken, oder die Männer der Autorität unter das Gesetz beugen wird. Bekanntlich war es nicht die Absicht Lord John Nussell's die Titelbill auf Irland auszudehnen. Er nahm den Zusatz, den ihm die Opposition aufzwang, hin, weil er nur provisori­scher Minister ist. Wird er auch den Insult hinneh- men ? Es ist schwer zu glauben. Offenbar sind jetzt, da es sich um den Bruch eines verfassungsmäßig zu Staude gekommenen Gesetzes handelt, ganz andere Gründe maßgebend, als früher bei der Berathung des Gesetzes, und der Premierminister ist ein zu guter Ge- schichtskenner, um nicht zu wissen, daß es lächerlich sein würde, die Kurie durch Nachgiebigkeit versöhnen

zu wollen. Und es ist nicht zu übersehen, daß die Titel nicht bei einer religiösen Handlung oder in einem kirchlichen Dokumente, sondern auf der Tribüne eines Clubs gebraucht sind! Die radikalen Blätter, ty'e um der Religionsfreiheit willen die Partei des päpstlichen Stuhles genommen, beharren in ihrer Stellung, ob­wohl das Dubliner Meeting ihnen einen sehr deutli­chen Wink gegeben hat. Reynolds brachte am Schluffe ein Lebehoch für die nichtirischen Parlamentsglieder aus, die gegen die Titelbill gestimmt haben, nämlich ^ür Gladstone, Roundel Palmer und die andern Puseyisten, die in ihrer Kirche nichts weniger verlangen als Ge- wiffensfreiheit. Cobden's und der Radikalen, die gleich­falls gegen dieTitclbill votirten, wurde nicht erwähnt! Es ist allerdings das Bequemste, ganz prinzipielle Po­litik zu treiben, die Gesetze nach einem Prinzip oder vielmehr nach einer Formel zu machen und sich nicht darum zu kümmern, ob sie unter den gegebenen Ver­hältnissen nicht vielleicht gerade die entgegengesetzte Wir­kung haben und zu sagen: fiat jusfilia; percat inundus. Es gehört für einen Radikalen ein gewisser Muth dazu, zn sagen: wenn die Duldung einer politischen Partei, die sich in dem Meßgewande verbirgt und alle Dul- dungmrtF ii ße n tritt, zur Gewissensfreiheit gehört, so will ich keine Gewissensfreiheit. Aber es ist Zeit, sich zu dem Muthe zu erheben. Nach dem Katechismus der Thuggs in Indien ist es änß.nst verdienstlich, die Reisenden zu erwürgen, ihre Leichname neben der Land­straße zu verscharren und ihre Güter den religiösen Instituten zu opfern. Fällt Einer der Justiz in die Hände, so sagt ihm sein Geistlicher, daß er von dem Galgen unmittelbar in den Himmel aufsteigen werde. Gesetzt, es käme eine Gesellschaft solcher Gentlemen nach England und forderte freie Religionsübung b. h. freien Raubmord, so könnte ihr Vertheidiger Wort für Wort die Deduktionen ablesen, mit welchen je ie Radikalen für die Ultramontanen plaidiren.

Die Ausstellung wird in den nächsten Tagen einen interessanten Zuwachs erhalten. Ein holländischer Be­amter, der zwei Jahr in Nangasaki residirt hat, ist kürzlich mit einer sehr reichen Sammlung japanesiicher Natur- und Jnbustrieerzengnisse zurückgekehrt und die Kommissäre haben mit Freuden die nachgesuchte Geneh­migung ertheilt, durch diese Sammlung eine der Lücken des Glaspalastes auszufüllen.

Vermischtes

DieN. Od.-Ztg.. schreibt aus Schweidnitz: Ein merkwürdiger Fund macht hier viel Aufsehen. Es wird nämlich die Kirche des Minoritenklosters ein- gerissen, und ein Gymnasium daraus gebaut; am 19. d. M. fand man in dieser Kirche vier weibliche Skelette eingemauert, bei Einigen wurden Nagel im Kopfe gefunden. Nach dem'Gutachten der Kreis- Medizinal -Aerzte konnten dieselben 1 8 bis 20 Jahr alt gewesen sein, als sie eingemauert wurden; diesel­ben waren mit Hölzern unterm Kopfe und unter den Armen gestützt. '

(M usikalische Drehrolle.) - Der Schenkwirth Lehmann in der Ritterstraße zu Berlin hat eine Drehrolle (Mange) aufgestellt, deren Rad ein Orgel­werk in Bewegung setzt.-/Das letztere ist von einem Sachverständigen ganz kunstreich gebaut und bringt an­genehme Melodien hervor. Die langwierige Arbeit des Wäscherollens wird hierdurch sehr versüßt, und die Dienstmädchen von nahe und fern eilen mit ihren Wasch­körben nach diesem Keller, wo sie nach dem Takte eines Walzers die Wäsche wickeln und plätten können. Ein misantropischer Hausbewohner fand an der melodischen Orgel, bei welcher der Besitzer jedenfalls seine Rech­nung findet, jedoch keinen Gefallen, sondern denunzirte bei der Polizei,daß die Rolle nicht nur die häusliche, sondern auch die öffentliche Ruhe und Ordnung störe", indem die Dienstmädchen, anstatt sich mit der Wasche

In England wachsen neue Ansichten auf, unbehel­ligt vom Staate, von physischer Gewalt. Allerdings wehren sich die bedrohten Interessen, aber die Regie­rung hütet sich wohl, ihnen ihren Arm zu leihen, auch wo sie gesetzlich dürfte. Die neue Idee hat einen stei­len Weg zurückzulegen, manchen harten Kampf zn be­stehen, aber nur in der Presse, auf der Rednerbühne; der Kampf kostet kein Menschenleben, kein Lebensglück. Wie klein sing die Agitation gegen die Kornzölle an! Wie schüttete dieTimes" ihren Spott herab auf die Agitatoren! Eines schönen Morgens erkannte sie die große Thatsache" an, heute ist'sie das Hauptorgan des Freihandels!

In Frankreich fällt die herrschende Partei sofort mit dem ganzen Staatsapparat über die politische oder soziale Idee her, die ihre Interessen bedroht. Indem die Regierung sich dem Egoismus und dem Hasse ei­ner Klasse dienstbar macht, glaubt siestark" zu sein. Sie unterdrückt die Blätter, verfolgt die Schriftsteller und Redner, sprengt die Versammlungen. Die ganze himmlische und irdische Gensdarmerie, Klerus, Staats­anwaltschaft, Polizeispione,Munizipalgarde, Alles nimmt Partei, nicht in. der Diskussion, in der sich die Wahr­heit Bahn brechen würde, fonbern in dem Bemühen, die Diskussion zu verhüten. So wird der Gedanke von Anfang an zum Märtyrer, werden seine Anhän­ger zu einer Sekte. Sie wächst im Dunkeln auf, bis sie einmal zur Ueberraschung der Welt unter dem

Knattern des Gewehrfeners an das Licht tritt. Dann ist nicht mehr von Reform, nur noch von Vernichtung der alten Zustände die Redè. So haben sich diese Zustände entwickelt, zu deren Rettung hin und wieder - der unproduktive Theil des Volkes in Uniformen ei- ' nige tausend fleißige Arbeiter in der Blouse nieder­kartätscht.

In einem so tödtlichen Gegensatz aber die erploi- , tirenven Kapitalisten zu den erploitirten Arbeitern ste- : Heu, in Einem Punkt begegnen sie sich mit den Mei- , sten von ihnen in den Schutzzöllen gegen das Ausland. Deshalb war die Rede von Thiers, wenn auch wissenschaftlich und politisch ohne allen Werth, als Intrigue ein Meisterstück. Sie versöhnte seine schutzzöllnerischen Wähler in Rouen, die mit seinem ruhe- und ordnungswidrigen Gebühren sehr unzufrie­den geworden waren, und sie liebäugelte zugleich mit dem Sozialismus, in bcm_ fein scharfer Instinkt ein aufgehendes Gestirn, sei es Sonne oder Komet, wittert,

Auch in England berühren sich gewisse Ertreme, aber andere. Die protektionistischen Junker und die eine Fraktion der Chartisten, die ritterbürtigen und die proletarischen Kommunisten nähren sich von denselben Gemeinplätzen. In einer der letzten Sitzungen des Unterhauses überreichte Mr. Aoung, der Commis Voya­geur des Herzogs von Richmond, eine Petition der Chartisten gegendie unter dem Namen Freihandel versteckte Verschwörung, ihre Löhne herabzudrücken."

Dasselbe Bündniß ist in Deutschland versucht worden. ! Dem Vereine zum Schutz des Eigenthums und zur Beförderung der Wohlfahrt aller Klassen lag derselbe Gedanke zum Grunde, das Proletariat zur Unterjo­chung der industriellen Klassen zu mißbrauchen. DaS Stück spielte aber nicht lange, weil die deutschen Grund­besitzer nicht die Lust oder das Geld haben, dem Pro­letariat die matereriellen Opfer zu bringen, wie die englischen, sondern mit der Firma des Vereins AlleS

gethan zu haben glaubten. Die hiesige Grundaristo­kratie baut den Arbeitern Häuser, richtet Schulen für ihre Kinder ein, legt ihnen Museen, Lesekabinette und Krankenhäuser an und der Minister Lord Carlisle hält dem Handwerkerverein in Leebs Vorlesungen. Sie bringen diese Opfer gleichsam als eine Assekuranz- Prämie. Dieser feudale Sozialismus wird von den eigentlichen" Sozialisten verspottet, aber er hat in England unläugbar die Schroffheit des Klassengegen­satzes gemildert, die revolutionäre Kraft des Proleta­riats gebrochen. Er ist reaktionär, ohne Zweifel. Aber die französische Schutzzöllnerei ist noch viel reaktionä­rer. Sie geht dahin, die Völker gegen einander ab­zusperren, die Staaten zu konserviern, während die Februarrevolution Fraternité auf ihre Fahne schrieb und die fortschreitende Civilisation einst die Staaten auflösen wird.

(Fortsetzung folgt.)