einzuschmuggeln: „Sein ganzes Leben war nichts, als ein unausgesetztes, ruhmvolles Opfer, das er seinen politischen Ueberzeugungen gebracht. Es bedurfte bei ihm niemals einer Entschädigung, um das Gleichgewicht zwischen problematischen Opfern und wirklichen Bedürf« Nissen herzustellen. Er ist tapfer, wie ein alter Soldat ; nie hat ihn die Furcht schwach werden oder die Sprache verlieren gesehen; man hat ihn im Augenblicke der Gefahr stets an der Spitze derjenigen erblickt, die ihm folgen sollten, und er blies nie zum Rückzüge, um sich zu ersparen, vorwärts zu gehen. Man kann auf ihn zählen. Er ist fromm, wie ein alter Ritter; aber seine sanfte und duldsame Friedfertigkeit ist nur für ihn, er macht blos sich ein Schild daraus für das eigene Gewissen. Er fand cs niemals für nothwendig, an offi» ziellen Empfangstagen die Bewunderung des Publikums durch eine schmierige, zerfetzte Bibel auf einem Marmortische zu erregen un eine Strenggläubigkeit zu beweisen, an der Niemand zweifelt." Das ist klar genug; nur wage ich nicht, mit Bestimmtheit anzugeben, ob der Schluß dieses ironischen. Ausfalles nicht Herrn v. Fallonr gelte. Herr Berryer wird zu glänzend von den Legitimisten bezahlt, als daß ihn der Unwillen seiner Partei über seine gegenwärtige Politik befremden dürfte.
Amerika.
New-Aork, 28. Juli. jK. Ztg.) Unsere Kriegs- flotte besteht in diesem Augenblicke aus 76 Schiffen, unter denen 11 Linienschiffe, 12 Fregatten erster Elaste und 14 KriegSdampfer. — Die Unzufriedenhit auf Cuba ist groß, und werden die Sclaven für den Aufstand gewonnen, so ist Spaniens Herrschaft zu Ende. Cuba selbst zerfällt in drei Districte; der westliche mit Havannah hat 634,306 Bewohner, unter denen 225,500 Weiße, 88,300 freie Schwarze und 320,500 Sclaven; das Central-Departement auf Puerto Pnn> cipe hat 246,000 Bewohner, darunter 153,000 Weiße, 42,500 freie Farbige und 50,500 Sclaven ; das östliche Departement mit Santiago hat 226,930 Bewohner, und zwar 87,060 Weiße, 74,700 freie Farbige und 65,100 Sclaven. Havannah hat mit den Vorstädten 200,000 Einwohner. Unter den 612,560 Weißen sind 520,000 eingeborne Crevlen.- Freie Mulatten und Sclaven hat die Insel 641,670, unter denen 170,000 waffenfähig, während nur 140,000 Weise so bezeichnet werden können. Das Vorbild San Domingo's liegt da nahe.
Vermischtes.
(Tscherkessische Frauen.) Der bekannte Reisende K. Koch macht in seinen neuesten Reiseerinne- rungen einige Mittheilungen über die Kämpfe mit den Tscherkessen, von scheren Bravour und Tapferkeit ihm russische Offiziere charakteristische Züge mittheilten. Weniger Erwähnung sand bisher, daß auch die Tscherkessin- nen durch persönlichen Muth und Standhaftigkeit Bewunderung erregen. K. Koch versichert, daß die tscherkessischen Frauen in dem Widerstande gegen die Russen eine Hauptrolle spielen; sie feuern ihre Männer an, bei
den Russen Beute zu machen und die'Erschlagenen zu rächen. Eine Mutter hatte bereits zwei Söhne verloren und selbst den Gatten und den greisen Vater derselben bewogen, das Schwert in die Hand zu nehmen und das der Gctödteten durch Blut zu sühnen. Da kehrten eines Abends die Bewohner ihres Dorfes zurück und legten den erschlagenen Gatten zu ihren Füßen. Kein SchmerzenSiaut kam über die Lippe der Geprüften, still traf sie alle Vorkehrungen zu seiner Beerdigung und führte den einzigen noch im Knabenalter befindlichen Sohn an die Leiche des Vaters: „Hier hast Du das Schwert und die Flinte Deines gemordeten Vaters und räche ihn und mich an den Dienern des weißen Czaren." Unter der Leitung der Mutter, ^die sich von nun an keiner Freude mehr hingab, wuchs der Knabe noch einige Jahre heran. Da glaubte sie endlich, daß die Zeit der Rache herangekommen. Der Jüngling zog aus, aber die Mutter begleitete ihn auf allen Wegen und Stegen, immer die Rache im Herzen und den Sohn zur blutigen That ermunternd. Eine Schaar gleich kühner Jünglinge sammelte sich um die begeisterte Matrone und war mehrere Jahre der Schrecken auf der Ssundshalinie. Vergebens suchten die Russen ihrer habhaft zu werden, vergebens waren lange Zeit die Berichte der Spione. Doch endlich wurde man auf das Genaueste von einem stehenden Streifzuge unterrichtet. Man traf alle Vorkehrungen, um sich der Schaar zu bemächtigen oder sie zu vernichten. An dem Walerit, einem kleinen Nebenflüsse im Westen der Shundsa, sahen sich die Tscherkessen plötzlich von Russen umringt. Wähnend, sich vielleicht von einem der Ihrigen verrathen zu sehen, stürzte sich, die Schaschke in der Hand, die zwar kleine, aber toreSmuthige Schaar auf den dichtesten Haufen und richtete unter den Russen entsetzliche Verheerungen an. Doch einer fiel nach dem andern und immer schwächer wurde der Widerstand, denn alle, die nicht geblieben, bluteten aus mehreren Wunden. Vergebens ersuchte der Anführer der Russen und Kosacken die Tscherkessen, sich zu ergeben, vergebens versprach er ihnen gute Behandlung; die gute Mutter fachte die gesunkenen Kräfte wieder an, und es begann von Neuem der Kampf, bis auch die Matrone und der letzte Tscher- keffe zu Boden gesunken.
Auch der Feind achtete am Feinde den Muth und die Tapferkeit. Die. welche nur schwer verwundet waren, befahl der Hauptmann, der die Russen befehligte, mit der größten Sorge zu pflegen. Unter diesen war auch die Mutter; doch sie nahm, wo auch ihr letzter Sohn gefallen, keine Hilfe mehr an und starb am nächsten Morgen. Durch einen der Gefangenen wurde die Geschichte besannt.
Herr de Gasparis hat des Abends am 29. Juli auf der Sternwarte in Neapel einen neuen Planeten in der Nähe des hellen Sterns X im Schützen, entdeckt, dessen Helligketl er gleich der eines schönen Sternes 9. Größe schätzt. Am Abend der Ent- deckung war seine gerade Aufsteigung 274° 0' und seine südliche Abweichung 26° 4.
Nach einer Anzeige, welche der französischen Con- sul zu Bagdad, dem Minister der auswärtigen An
gelegenheiten zu Paris gemacht hat, bringt das neue«? Heft des „Journal des Mines" die Nachricht, daß man in dem Berge Kardouzan, 26 Stunden Weges von Diarbekir, Gold-Lagerstätten entdeckt habe. Die ben, welche man davon in Bagdad gemacht habe, hât. teil die allerbefriedigendsten Resultate geliefert. Exemplare des Fundes wären durch einen Courier nach^Konstan- tinopel eingesandt worden.
Neueste Nachrichten.
* Paris, 16. August. Die Politik dreht sich seit einigen Tagen in den Blättern ausschließlich um die Polemik über die Präsidentschaftsfrage. Gestern fanden mehrere bonapartiftische Bankette zu Ehren des Napoleonstages statt, doch hatten dieselben wenig politische Bedeutung. Die Legitimisten, welche nicht minder erschreckt sind, als die Bonapartisten über Joinvillks Kandidatur, haben einen Kongreß in Frohsdors vor, doch kommt derselbe schwerlich zu Stande, weil die Gegenwart der Legitimistenchefz in den Departements zu Revisious- und Wahlmn- trieben zu nöthig erscheint und die Partei überhaupt höchst uneinig ist. Der Herzog von RoailleS, der in diesen Tagen von Frohsdorf eintraf, soll die entschiedenste Billigung der Berryer-Fallour'schen Ligue mit dem Elysce und somit eine Misbilligung für die Fraktion Nettement-Larochejaquelein mitgebracht haben. — An der Börse wollte man wissen, der Präsident habe die Reise nach Bordeaux und dem Süden aufgegeben; ferner hieß cs, Joinville habe an die Orleaui- sten die positive Erklärung ergehen lassen, daß er nicht als Kandidat auftreten werde. 3 pCt. 57,45; (Hausse 35 C ); 5 pCt. 95,75 (Hauffe 25 C.)
# Aus Rom schreibt der Timeskorrespondent, dec Papst beabsichtige/ nach Bologna zu ziehen und sich wegen seiner Zerwürfnisse mit den Franzosen unter die schwarzgelbe Fahne zu flüchten. Unwahrscheinlich ist diese Wendung nicht, doch hält man diese Nachricht in Paris noch für verfrüht. — Die Turiner „Opinioue" hat Berichte aus K o nst a n tin opel vom 31 Juli, wornach die türk. Regierung in Hast die Donaufestuuacn in Kriegszustand versetzen läßt und sich zum Kampfe rüstet, als Antwort auf die Drohungen der österrei bt« scheu und russischen Diplomatie, falls die Pforte Kas- suth und die Leidensgefährten desselben frei gebe. Re- schid-Paicha soll entschlossen sein, auf alle Gefahr hin den Ungarn Wort zu halten.
Geld-Sorte n
nach bim Frankfurter Emirs vom 18. Aug. 1851.
Ü
91 cui' ?0ui3b’ar .
Pistolen___—-----— ditto Preuß. . .
Holl, 10 st Stücke Raud - Ducaten . . . 20 Fraiikeustucke . . @ngl. Sovereigns . . Gold at Marco . . Preuß. Thaler . . . 5 fransen»fhahu . . Hochhaltig Silber . .
11
9
9
5
9
11
377
1
2
24
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57 Vr
47
35
30
51
45»/, 21 Vz
29
B ekanntm a ch u n g c n.
Geborne, Proclamirte, Getraute und Gestorbene in der Stadt Wiesbaden.
Geboren. Am 12. Juli, dem Herzogl. Hauptmann und Adjutanten Freiherrn Georg Siegismund Ludwig von Tschudi ein Sohn, N. Rudolf Friedrich Karl. — Am 20. Juli, dem h. B. u. Bierbrauer Georg Valentin Weygandt eine Tochter, N. Anne Katharine Elise Marie. — Am 26. Juli, dem h. B. u. Pflasterermeistir Johann Karl Wilhelm Minor zu Clarenthal ein Sohn, N. Karl Martin Anton. — Am 26. Juli, dem H. B. u. Schuhmachermeister Heinrich Blum zu Clarenthal eine Tochter, N. Anne Josephine. — Am 27. Juli, dem Rentner Franz Thomas Jochmus, B. zu Hamburg, eine Tochter, N. Alice Henriette Susanne Maria. — Am 31. Juli, dem h. B. u. Schuhmachermeister Johann Georg Konrad Schäffer ein Sohn, N. August Karl Moritz.
Proclamirt. Der Mufiklehrer Johann Karl August Theodor Mauß, ehl. led. Sohn, des Lehrers Philipp Martin Mauß zu Runkel und Maria Louise Franziska Clara Beil, ehl. led. Techter des Hof-Theater-Secretairs Karl Theodor Beil zu Mannheim. — Der H. B. n. Landwirth Wilhelm Peter Blum, ehl. btrl. Sohn des h. B. u. Landwirths Jacob Reinhard Blum und Katharine Jacobine Mise Erkel, ehl. Tochter des H. B. u. Müllers Johann Philipp Erkel.
Copulirt. Am 10. August der h. D. u. Mctzgermeistcr Daniel Christian Kimmel und Magdalene Prinz. — Am 12. August, der Fabrikant Julius Wilhelm Berge zu Hadersleben und Friederike Louise Johanne Tölke.
Gestorben. Am 8. August, Marie Charlotte, geb. Ising, verwittwete Breckmann aus Elberfeld, alt 62 I. 9 M. I l T. — Am 9. August, Hermann Klein, Rentner aus Wagningen, alt 58 I. 6 M. 20 T. — Am 12. August, Adolph Hölzel, Tbeater-Maschinist, alt 72 J.
Vassauischer Kunst-Verein.
(753) Bom 13 Juli bis Ende August 1851 findet in dem Theater- gebäude zu Wiesbaden eine
Gemälde - Ausstellung
statt. Dieselbe ist geöffnet von Morgens 9 Uhr bis Abends 6 Uhr.
Eintrittspreis - 12 kr. — Personalkarten für die ganze Dauer der Ausstellung:
1 fl. — Vereins-Mitglieder haben für ihre Person freien Eintritt.
Mit der Ausstellung wird eine Berloosung verbunden. Preiß des Looses:
1 Gulden.
Im Verlage von G. E. Schmidt in Leipzig ist erschienen und in der unterzeichneten
Buchhandlung «orräthig:
Neuest«? vollständiges Taschen-Fremd-Wörterbuch, herausgeqebcn von
K. I. D i e tz.
Zweite Auflage. Preis 36 fr.
W. W. niller’ybt Buchhandlung in Wiesbaden.
j (877) Das V
Baudrevanger Porzellan - Schiff T ist wieder iu Mainz eingetroffen und hält wie gewöhnlich d vor dem Fischthor.
â Dasselbe ist sehr reichhaltig assortirt in allen Sorten weißem und far- â bigem Steingut, als: Tafel-, Kaffee-und Thee-Service», Waschgaruitnren rc.;
— in weißem, vergoldetem und decorirtem Porzellan, als: Dessert-, Kaffee- â und Thee-Servicen, Figuren, Butterdosen, Schreibzengen rc., lackirten JL Brodkörben und Kaffeebrettern, Brittania-Metall-Löffcln, und in allen 4y Sorten feine» und ordinären Glaswaaren. Es wird zu den billigst gestellten è â Preisen verkauft. ‘ a
(592) In dec H. W. Ritter'schen Buchhandlung in Wiesbaden ist zu haben:
Die âlbfrevel- Ordnung
für das
Herzogthnm Nassau, wie solche von der Staatsregierung am 22. Januar 1851 pnblicirt worden ist.
Preis 6 Kreuzer.
(875) Zithern, Guitarren, Viu- llnen, und eine Violuneelle sind bei Unterzeichnetem zu haben
Auch empfiehlt sich derselbe für Reparaturen derartiger Instrumente, sowie in feinen mit Metall, Pcrlmutter, Holz^rc. rc. eingelegten und allen zur Kunst - Schreiiierei gehörigen Arbeiten.
JL Sffcelleetberg,
Kirchgaffe Rr. 11 in Wiesbaden.
Die von Herrn A. Schellenberg ge- fertigten^Jnstrumente kann ich als rein und gut empfehlen. .M. Foreit,
Hof-Mr. fik-Oirekwr.
(866) Vom 16. bis zum 22. duieö Monats lasse ich 4?fen- und Schmiedekohlen zu Biebrich ausladen.
£> HlwbMrg.
. (876) Ein junger Dachshund,
braun, mit gelben Beinen uns gelben Flecken über den Augen, ist gestern Nachmittag auf der Walditraße unterhalb dem Chausseehaus a^ Haud ii gekommen. Wer ihn zurückbringt erhält eine gute Belohnung.
Wiesbaden, den 18. August 1851.
Haus Nr. 2 a am Dotzheimer Weg.
(865) Die Museen sind geöffnet: Montags, Dienstags, Donnerstags ui.d Freitags Nachmittags von 2 bis 5 Uhr.
Lichtbilder auf Papier,
Neue Kolonnade Nr. 5 u. 6 zu Wiesbaden. (494)
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tiètiaimvorllichcr H«cau-a<b«r une Ü<tl<gr< <4. tittlf r. — Druck 6ff t Silit rrlgen «uchdruck»c„.
