Exekutivgewalt und den unter ihm stehenden Beamten (ein anderes Verhältniß, als das eines persischen Sappen zu Sclaven. Mit solchen für die Horden eines Dschingis-Chan passenden Zuständen will eine Partei „ns beglücken, die so viel von altem Recht, von patriarchalischer Sitte und organischem Staatsleben spricht. Es wäre zu gewagt, wollte man behaupten, ein Ministerium, das bisher so treulich die Rathschläge der Jenen Preußischen" befolgte, würde diesmal sie unbeachtet lassen; sollte es sie aber befolgen, so würde es damit nur einen neuen Beweis für die große Geschicklichkeit liefern, mit der es sich selbst Wunden zu schla- gen weiß. Die Hälfte der Regicrungsbeamten entje^t, weil sie ihren Eid nicht brechen wollen, — eine solche That würde in der „ungeheuren Majorität" des Volkes die Ueberzeugung erwecken, daß in der Brust der Männer, welche den Staat leiten, kein Funke von Sittlichkeit mehr vorhanden sei; und die realen Folgen einer solchen allgemeinen Ueberzeugung für das Ministerium, ganz abgesehen davon, daß es seinen Namen brandmarken würde, konnten wahrlich keine erfreulichen sein. Wie aber auch das Ministerium sich in dieser Angelegenheit entscheiden wolle, in dem Vertrauen wird unsere so vielfach getäuschte Partei sich nicht täuschen, daß der König nicht Beamte wird entsetzen lassen, weil sie dem Eide getreu bleiben, den Se. Maj. selbst geschworen hat." — Ueber Hamburg berichtet die„K.Z." in einer aus Berlin datirtenKor- rcspvndeuz Folgendes: „Aufsehen und allgemeine Theilnahme erregen die empörenden Vorfälle in Hamburg, über welche man hier erst jetzt, durch Reisende sowohl, wie durch Privatbriefe, das Nähere erfährt. AlleKlas- ft« der Bürgerschaft Hamburgs sollen aufs äußerste entrüstet sein, nicht bloß die unteren und die Mittel-Klassen, selbst in den höheren Kreisen der reichsten Kaufmannschaft herrscht, nach dem, was aus hier eimreffenven Privatbriesen hervorgeht, der bitterste Ingrimm. Unverantwortlich bleibt daS Feuern in St. Pauli unter allen Umständen. In St. Pauli, wo täglich spanische, portugiesische (meistens mcssrlragende), französische, kurz, Matrosen aller Nationen kommen und gehen, fällt jeden Tag Streit vor, jedes Jahr wird Einer erstochen. Jeder Hamburger weiß das, und Niemand wagt sich in die Locale; selbst kein Hanseat war in den verschiedenen Localen zu sehen. UnD nun denke man sich am ersten Pfiagstlage gegen Thorsperre die vielleicht belebteste, eine Menge Nebenstraßen aus der nordwestlichen Umgegend ausnehmende Straße Deutschlands, die Straße, welche Hamburg mit Altona verbindet, und die auch jeder Fremde kennt, alle aus ihr befindlichen zahllosen Menschen zu Wagen, zu Pferde und zu Fuß, die von einem Statt findenden Krawall nicht die leiseste Ahnung hatten, den lâdcrtscheu Kugeln auSgesetzt und auch von ihnen er« reicht! Die Hamburger Briefe sprechen sich sehr bitter auch gegen Preußen (oder vielmehr gegen die preußische Regierung) auS, daS eine Zeit lang sich geriet habe, als ob es im Stande und gewillt sei, eine Schutzmacht des deutschen Nordens abzugeben, und darauf plötzlich solchen Massen großcutheils nicht einmal Deutsch redender fremder Truppen die Herzogchüm t und die freien Reichsstädte Preis gegeben habe. Sv heißt es in einem der uns vorliegenden Briefe unter Anderem: „„Hier in Hamburg wird der Wunsch, die freie Reichsstadt unter englischen Schutz zu stellen, sehr häufig laut. Trauriges Armuths-Attest für das preußische Ministerium ! Hamburg, das nie viel von PairivlismuS geredet, hat denselben thatsächlich genugsam documentirt. Man fragr nur irgendwo in Holstein an. ES wird ja aber hier fetzt ähnlich gchaus't, wie von den Dänen in Schleswig , und deutsche Hülfe wird sich hier voraussichtlich wieder eben so zuverlässig bewähren , wie sie sich in den Herzogthnmeru bewährt hat.""— Eben so stark spricht sich die „W s r- Ze tung aus. Wir bitten nicht zu vergessen, daß dies konservativ'konstitutionelle
Todten kein feines Hemd, sondern ein grobes angezogen werde; sie läßt die Krücken verbrennen^ aus Zartgefühl, sie die eben den Mörder „mein Schätzchen" genannt hatte, — den Saal scheuern, Kleider und Papiere vernichten, und sie geht selbst zum Teich, um zwei kleine Phiolen hineinzuwerfen, von denen die eine einen Stöpsel von Schmergel, die andere keinen Stöpsel hatte. Am nächsten Morgen werden die Dienstboten eingeschüchtert und bedroht, und am 21. Nov. hatten die Ehegatten Bocarmä die Spuren des Verbrechens glücklich beseitigt! Es bleibt noch eins übrig: die Leiche zu entfernen. Man ruft pro forma den Doctor Scmet; man plaudert mit ihm, man läßt ihn die Leiche sehen. Ein Arzt hat die Leiche gesehen; die Beerdigung kann keine Schwierigkeit haben. Am nächsten Morgen läßt man schon den Leichenbestatler und den Sargmacher kommen, und schickt den Flurschützen nach Schloß Grandmetz um Gustavs Tod „den beiden Spitzbübinnen," den Damen de Dudzeele, an- zuzeigen und nebenher um die Erbschaft zu hüten.
Die Rede recapitulirt hierauf die gravirenden Aussagen des Chemikers Stas und der Gerichtsärzte, aus denen hervorgeht, daß Gustav Fougnieö durch reines unvermischtes Nicotin gelobtet ward, durch Nicotin in welchem sich keine Spur von Aether befand. Alle Indicien sind überzeugend, niederschmetternd für den Angeklagten; man fragt ihn: Was hast du zu antworten? Lange tergivesirt er; bald spricht er so, bald so; was er heute gesagt hat, widerruft er morgen; sein Treiben ist nichts als Lug und Trug. Endlich am 3. Juni gibt er vor den Assisen eine Erklärung
Blätter sind, welche berichten, während die Hamburger Blätter eine leicht begreifliche Vorsicht in ihren Mittheilungen beobachten. Ueberhaupt ist eS Charakter des Norddeutschen, eher zu wenig als zu viel zu sagen, doch geht aus allen Berichten, die uns zu Gesicht kamen, für jeden, der das Leben im Norden kennt, hervor, daß die Erbitterung sowohl gegen Preußen, wie gegen Oesterreich und gegen das, was durch dieselben restau- rirt ward, in raschem Zunehmen begriffen ist. Hat doch selbst in Hannover sich eine Kammerdemonstration gegen den Bundestag geltend gemacht, die mehr bedeutet, als sie zu sagen scheint.
Berlin, 16. Juni. (Nat. Ztg.) ES mußte einigermaßen auffallen, daß die Reskripte wegen Einberufung der KreiS- und Provinzial-Landtage allein vom Minister des Innern ausgingen, während eS Niemandem zweifelhaft fein konnte, daß dieselben auS der Uebereinstimmung sämmtlicher Minister hervorgingen. Der „Wien. Ztg.« wird hierüber Folgendes geschrieben: „Wie leise und unscheinbar auch das Ministerium mit dem Wiebereinberufungsreskript hervörgctreteu i|t, so knüpfen sich nichts desto weniger die festesten und wcitgrclfendsteu Entschließungen an diesen Schritt. Man hat gefragt, warum Art. 63 unserer Verfassung, welchen Herr v. Gerlach in der ersten Kammer bekannnclich den „einzig praktischen" die Konstitution genannt, nicht auch zu dieser Reakti- virung der alten Provinzial-Landtage gebraucht worden sei. Die durch jenen Verfassungsartikel anSgeübten Rechte betreffen aber das Gesam ntuumsterium in seiner Vee- autivortlichkeit und bedingen die nachträgliche Einholung der Genehmigung der Kammern. Bei der Wudereinbe- rufung Der Provinzial-Landtage kommt eö aber wesentlich darauf an, die Proviuzi-lstände als eine bestehende Institution anfzufassen, deren (Erneuerung für diesen Fall auch keines KammelvotumS bedarf. Zugleich wird dieser Act als ein nothwendiger dargestellt, um die neue Kreis-, Bezirks- und Provinzialordnung zur Ausführung zu bringen, welche dazu am Schluß des Artikels 6, wie DaS Ministcrialrescript vom 28. Mai es auffaßt, Die Mitwirkung von Peovmzialversammlungeu voraussetzt. ES ist dies ein formeller Zirkelgang, innerhalb dessen allerdings manche auf den Buchstaben von Gesetzen sich stützende Bedenken entstehen können, der aber von der Regierung zur Erreichung weiterer Zwecke für praktisch und unfehlbar gehalten wird. ES handelt sich bei Diesen weiteren Zwecken Darum, daS Prinzip Der ständische n Gliederung und Vertretung auch in Die Mitte der konstitutionellen Monarchie zurückführen, und bei dieser jetzt nicht mehr aufznschicbenDen Reorganisation an die alten Provinzial-Landtage als au etwas noch Bestehendes anzuknüpfen. So wie man im Jahre 1848 einen großen und spezischen Werth darauf legte, das Wahlgesetz für die zu berufende Natioualvecsgmmlung durch den vereinigten Landtag selbst vottren zu lassen und damit gewissermaßen Die organischen Uebergänge für Den Staat festzuhakten: so erscheint auch jetzt das Element Der Provinzial staube wieder als daS geeignete, um für Die Rückkehr Den organischen Ucbergang zu finden."
Dem „Schwab. M." schreibt man: „Nichts Neues unter der Sonne! Der bekannte Dresdener Vorschlag hinsichtlich der Umgestaltung des BunvesheereS ist vor mehr als anderthalb Jahrhunderten schon einmal da gewesen. Nachdem nämlich Die Kriege gegen Frankreich die Umsichtigkeit des Reichsheeres gezeigt und der Waffenstillstand mit Ludwig XIV. im Jahr 1684 ab« gelaufen war, machte der große Kmfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg der Vorschlag: „eine gänzliche Reform der Nerchskriegsverfassung in der Weise vorzunehmen, daß waffengeüblc, stehende Heere nur von den größeren ReichSstäuden gehalten, von den kleineren aber lediglich Geldbeiträge zur Unterhaltung derselben entrichtet würden." Die Eifersucht Oesterreichs über
ab. Er habe eine fast volle Weinflasche mit Nicotin in den Keller gestellt. Er habe dies Nicotin mit Hülfe von Franz Deblieguy vor Dem Monat August auge- fertigt. Ani 20. Nov. verlangte Gustav vor dem Weg- fahren ein Glas Wein. Seine Frau halte Die Flasche Nicotin für Madeira gehalten; sie hattr es in den Schrank gesetzt; sie holte es jetzt hervor, und schenkte es ihrem Bruder und ihrem Manne ein. Gustav that einen starken Zug, stieß einen Schrei ans, wankte biS an die Thür und fiel nieder. Der Graf selbst warb unwohl so wie er das Glas an die Lippen setzte; er fiel bewilßtlos nieder, und um Skandal zu vermeiden, legte er die Hand auf Gustavs Mund , um seinem Schreien Einhalt zu thun. — Am 9. Juni ändert er Einiges an dieser Aussage; in der Flasche sei nicht reines, sondern mit Aether vermischtes Nicotin gewesen, und er habe dasselbe nicht mit Franz zusammen, sondern allein, in drei Operationen, im Marz, August und Oktober ang fertigt. Aber selbst angenommen, es wäre etwas Aether in der Flasche gewesen, woher sollte diese enorme Masse Nicotin kommen? Alle Chemiker und Droguisten des Landes waren nicht im Stande ein solches Quantum zu liefern. Und woher kamen die Tabacksvorrathe die nothwendig waren, um eine Flasche Nicotin herznsteUen? Die genaueste Untersuchung hat ergeben, daß der Angeklagte niemals äuch nur annähernd solche Vortheile besessen hat. Die Fabel ist nicht allein in ihrer ganzen Lügenhaftigkeit nach gewiesen; sie ist auch höchst unwahrscheinlich. Angenommen, eine solche Vergiftung aus Versehen käme bei unser einem vor. DaS erste würde sein, daß man
die wachsende Militärmacht Brandenburgs verhinderte jedoch die Ausführung.
Wie es den Anschein hat —• schreibt die „Sp. Z." — dürfte von den Resultaten der Reise des Generals von Thümen nach Warschau doch keine Mitwirkung irgend einer Art von russischer Seite für die von dem preußischen Kommissär in Kiel zu vertretende deutsche Politik zu Hogen sein.
Berlin, 16. Juni. Als ein Kuriosum, wie wett sich die polizeiliche Vorsorge erstreckt, meldet die „Nat- Ztg.", Da^ als gestern eine Anzahl politischer Gesinnungsgenossen eine gemeinsame Landpartie nach dem zwei Meilen von hier entfernten Schildhorn an der Havel machten, selbst bis dahin ihnen 8 berittene Constabler folgten und dort deren gesellige Vergnügungen überwachten!
Berlin, 16. Juni. Fürst Paskiewicz ist diesen Morgen von Warschau angekommen, „um persönlich dem Könige den Dank für die ihm verliehene Feld- marschallswürde abzustatten."
München, 13. Juni. (A. Postz.) Nach dem nächsten Zusammentritt des Landtags wird ein Credit von IVj, Millionen Gulden für das Kriegsministerium verlangtwerden. Diese Anlehe wird durch die kurhessische Interventionsentschädigung gedeckt, weßhalb mit dec Creditforderung zugleich eine Indemnitätsbill zur Vorlage kommt.
~ *Jn München wurden am 14. Juni mit einem Schlage drei Blätter konsiscirt: 1. der „Punch" wegen einer Satire über die durch Theilnahme am Begräb- niß eines Demokraten erfolgten Ossizierpensionirungen;
2. der „Eilbote" wegen seines Berichts über die Stadtgerichtsverhandlung gegen den Redacteur des „Volksboten", und 3. aus gleichem Grunde die „Volksbötin", die Gegeufüßlerin des „Volksboten".
Aus Baiern schreibt man der „Köln. Ztz." unter anderem Erbaulichen und Beschaulichen: „Wenn Regierungs-Erlasse im Stande sind, Revolutionen entfernt zu halten, so dürfen wir dem befürchteten Umschwünge in Frankreich getrosten Muthes entgegensehen; fleißiger, als unsere Kreis-Regieruugen, im Erlassen derartiger Rescripte ist wohl keine Behörde der Welt. So eben hat Die Regierung von Unterfranken schon wieder ein solches — natürlich „vertrauliches" — Ding von sich gegeben, worin sie ihr Entsetzen darüber aus« । spricht, daß zwei Graveure — man denke! — Denk- münzen auf Robert Blum, Kossuth und Bem gravirt und dadurch sich mit „politischen Tendenzen" befaßt haben, „„welche mit den bestehenden Staats-Einrichtungen im Widerspruche stehen und eine Apotheose dec Revolution in sich begreifen"". In die österreichischen Staaten sollen, dem erwähnten Reicripte nach, ganze Sendungen solcher Denkmünzen verschickt worden sein, und „„da zu befürchten steht, daß dieselben auch im diesseitigen Kreise Verbreitung finden, so werden sämmtliche Behörden aufgefordert, dieses zu verhindern und im Betrelungsfalle unter Confiscation der Münzen gegen die Verbreiter geeignet (!) einzuschreiten"". — Der in Nürnberg erscheinende ravicale „Fränkische Courier" brachte am vergangenen Samstag den 14. folgende Anzeige: „Sonntag confiscirt, Mittwoch zweimal confiscirt, Donnerstag confiscirt, Freitag confiscirt. Das ist die traurige Geschichte des „Fränkischen Couriers" für diese Woche". An demselben Abende wurde er wieder confiscirt, und so erhielten die Abonnenten nur eine einzige Nummer im Laufe dieser Woche."
Prag, 12, Ium. (Augsb. Allg. Ztg.) Kürzlich wurden vom Hradschiner Kriegsgerichte wieder acht Personen wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu 3 bis Utägigem Profoß-narreste verurtheilt. Das hier vor einiger Zeit verbreitete Gerücht, daß der in Untersuchung befindliche Dr. SlavkowSky gestorben sei, hat sich nicht bestätigt. Von den Verhafteten sollen Franz
alles aufböte um schleunige Hülfe zu bekommen; man würde schellen, die Dienstboten rufen, man würde wenigstens versuchen den Unglücklichen zu retten. Hier legt man um Skandal zu vermeiden, ihm die Hand aus den Mund, damit Niemand sein Sturen höre! Es ist ferner höchst unglaublich, daß Gustav ein Glas hinabgegoffen haben soll, dessen Inhalt, wie Hr. Staas sagt, brennt wie glühendes Elfen! Es ist endlich unglaublich, daß Gustav, der in steter Furcht vor Vergiftung schwebte, der nie etwas genoß ehe der Graf ihm nicht vorgekostet habe, der seinen eignen Wein aus Vorsicht mit sich führte, der den Grafen für den Vergifter seines Vaters hielt, der die Speisen unberührt verscharrte, die man ihm vom Schlosse ans schickte, — es ist unglaublich, daß dieser Mann im Dunkeln unbesehend ein Getränk hinunterstürzen sollte, das er nicht kannte, während sein Cabriolet vor der Thüre stand und er wegfahren wollte.
Um 2 Uhr wird die Sitzung aufgehoben. Sogleich nach der Sitzung hat der Angeklagte den Präsidenten um eine Audienz gebeten, und das Gerücht verbreitete sich alsbald, er wolle Geständnisse machen. Es handelte sich inzwischen lediglich darum, den Präsidenten zu ersuchen, daß seine Vertheidiger erst nach den Vertheidigern der Frau zu reden brauchten. Das Gericht soll wenig geneigt sein auf diesen Wunsch ein» zugehen, und man sagt, die Vertheidiger des Grafen würden denselben als förmliche» Antrag wiederholen-
(Fortseßung folgt.)
