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ta und wollte dem Kaiser seine Aufwartung machen. Er ließ sich durchaus nicht a(weisen, bestand fort­während auf seiner Behauptung und fügte hinzu, sey beim Kaiser um die Stelle des Handels- minOers eingekommen und er wolle sich, da ihm dieselbe nun verliehen worden, Sr. Maj. vorstellen. Der Arzt, dem der Mann sogleich zur Untersuchung vergeben wurde, erklärte ihn, wie vorauszusehen war, mr irrsinnig. Er soll ein Kaufmann aus Böhmen sein nnd sich schon einmal im Irrenhaus befunden ha- ^ u _ Die epidemische Angenkrankheit, die seit zwei Jahren regelmäßig im Sommer wiederkehrt und die namentlich in Galizien so viele Opfer forderte, zeigt sich auch Heuer wieder beim Militär. Ein specifisches Mittel dagegen ist noch immer nicht gefunden.

# Wien, 11. Juni. Da der Versuch, durch An­leihe die Finanzen zu ordnen, an der Passivität der ^Gelvmänner" gescheitert ist, so wird trotz derbe­denklichen Lage der westlichen und südlichen Länder Enropas ein nicht unbeträchtlicherZheil des österreichi­schen Heeres entlassen." Bei der neuen Einrichtung des Handelsministeriums soll Baumgärtner zwar dieses Portefeuille behalten, dagegen ein Arbeitsministerium errichtet werden, für das Der jetzige technische Direktor der Nordbahn, Fraucesconi, genannt wird.

Hamburg, 10. Juni. (Nat.-Ztg.) Wie man aus sicherer Quelle erfährt, hat zwar F. M. L. Legtdiksch, nachdem er die Einsicht gewonnen, daß es sich vor­gestern um einen durchaus zufällig entstandenen Kra- vall gehandelt, in diesem Sinne nach Wien berichtet und auch dem Senate gegenüber sich in gleichen Sinne geäußert; daneben macht sich aber leider seit längerer Zeit von Seiten eines anderen, dem Generalkommando nahestehenden und vielleicht auch mit der östereichischen Gesandschaft enger Hirten Mannes ein unheilvoller Einfluß geltend, indem der unschuldigste, zufälligste, vielleicht sogar durch einen österreichischen Soldaten provocirte Zusammenstoß als eine verabredete Demon­stration, ja als Verschwörung gegen die österreichischen Truppen überhaupt dargestellt wird! Schon längst hat man in einflußreichen Kreisen jvon einer neuen sizilianischen Vesper" fabeln hören, die von der hie­sigen Demokratie und dem Pöbel Hamburgs den Oe­sterreichern zugedacht sei: so klingt denn das jetzt um­laufende Gerücht, die Oesterreicher würden demnächst daspazifirte" Holstein ganz räumen und dem Lan- desherrn die weitere väterliche Fürsorge für dasselbe überlassen, dagegen aber ihre ganze Macht als Ere- kutioustruppen auf Hamburgischem Gebiete einqnar- tiren, nicht mehr so unwahrscheinlich. Gewiß ist es, daß dann erst die Ruhe, die dadurch angeblich wieder hergestellt werben soll (die übrigens hier stets ohne die Herbeiziehung fremder Truppen erhalten worden war) für immer dahin sein.

Hamburg, 11. Juni. (Pr. Z.) Leider ist der Verlust an Menschenleben durch die beklagenswerthen Ereignisse am vorigen Sonntag weit größer, als man Anfangs glaubte. Sieben Todte und zwischen 30 und 40 theils schwer, theils leicht Verwundete zählt man bis jetzt. Unser Senat soll gegen die Belegung der Vorstadt St. Pauli mit österreichischen Erecutionstrup- pen einen energischen Protest nach Wien haben abge- Hen und den hier resivirenden fremden Diplomaten einen ähnlichen Protest Mellen lassen.

Hamburg, 11. Juni. (Köln. Ztg.) So fabelhaft es klingen mag, wir können verbü ßen, daß es in Folge der Sonntagsfälle im Werke war, dort den Kriegs­zustand zu erklären. Man kam jedoch von dieser unsinnigen Idee zurück. Uebrigens tritt das Militär vielfach auf, als ob der Kriegszustand hier bestände.

Mit Entschiedenheit wird jetzt in .Abrede gestellt, daß es bei dem Sonntags-Krawall auch auf Sekten der Oesterreicher Todte gegeben habe. Verschrepene Bürger der Vorstadt haben mit eigener Gefahr be­drängte Soldaten vor der Menge geschützt und bei sich ausgenommen. Von den am 8. Abends verwundeten Civilisten sind wieder zwei gestorben.

Schleswig - Holstein. Aus sehr sicherer und guter Quelle erfährt der Kieler Correspondent der H. N.", daß von dem Obristen Hodges über die schleswig'schen Zustände ein Bericht an sein (das englische) Gouvernement erstattet worden, der aber nicht zum Vortheil des dänischen Regiments ausge­fallen ist.

Hippolyt sich in seine jetzige Frau; sie schien gut und fleiftvid), aber ihr Vater genoß des schlechtesten Rufes, und war noch schlimmer als sein Ruf. Darum wider­setzte die Gräfin Mutter sich der Verbindung, aber es war umsonst. Hippolyt wollte nichts davon hören, und die Ehe ward geschlossen. Eigennutz hatte an derselben wenig Antheil; das Vermögen des alten Foilguies kannte niemand genau, und er verzehrte es in ewigen Prozessen. Er betrog seine Kinder um ihr mütterliches Vermögen, beknappte ihnen die stipulirte Pension, aber Hippolyt und Lydie ertrugen Alles ohne Murren. In seinem Testamente hatte er seinem Sohne Gustav, einem rachitischen und skrophnlösen Krüppel, (QortseHe vor der Tochter eingeräumt, und gleichwohl wußte der Sohn seine Schwester bei der Theilung noch zu übervorteilen. Diese partielle Enterbung scheint dem Grafen und seiner Frau sehr nahe gegangen zu sein."

Hier bricht die mütterliche Denkschrift ab. Sie sucht" die Versunkenheit des Sohes möglichst auf äußere und auf organische Ursachen zurückzuführen, aber sie Widerspricht in manchen Punkten dem Eindrücke, den

I t a 1 i e K.

Genua, 2. Juni. Gestern war eine Lotterie zu Gunsten der italienischen Emigranten veranstaltet wor­den, der Verkauf der Eintrittskarten hatte 10,120 Francs eingetragen.

Konstantinopel, 31. Mai. (A. A. Z.) Die Pforte scheint in Betreff der österr. Forderung, Kossuth und seine sechs Gefährten noch länger in Gewahrsam zu hal­ten, nachgegeben zu haben. Vom Kaukasus wollte man wissen, daß Mehemed Amin Effendi, Naib von Schamyl, sich an brr Spitze von 30,000 Tscherkessen in der Ardana befand' Er befehlige gleich einem Sou­verän die Küste nbcvölkcrungen des schwarzen Meeres, und habe mehrere nahmhafte Vortheile über die Rus­sen erkämpft^ Wie dem auch sein mag gewist ist, daß die Russen seit Jahren auf jenem Gebiet keinen Fußbreitbreit Erde bleigend erobert haben. Und Eu­ropa gehorcht ihnen!

Griechenland.

Athen, 1. Juni. Die provisorische Leitung des Ministeriums des Aeußern ist dem Justizministcr Herr Paikos übertragen worden. In Abwesenheit des Herrn Notaras, der eine zwölftägige Urlaubsreise un- ternommen hat, wird Kriegs das Portefeuille des Mi­nisters des Innern übernehmen.

(AroßdriLüNniel?.

London, 9. Juni. (Nat.-Ztg.) Das Verfahren der toskanischen Regierung gegen die Protestanten in Florenz und das Verhalten des preußische Gesand­ten, Hrn. Alfred Reumont, (der beiläufig selbst Katho­lik ist) bei dieser Gelegenheit erregt hier großes Auf­sehen. Man kann dieses Verhalten des Repräsentanten des mächtigsten protestantischen Staats auf dem Kontinent, trotz aller Vorgänge neuester Zeit, nicht recht begreifen. Die dortige Regierung verlangte die Ausschließung aller Italiener von dem Gottesdienst der schweizer-protestantischen Kirche. Diese, die unter dem unmittelbaren Protektorat des Königs von Preußen steht, wandte sich deshalb^au den Gesandten und an den König selbst um Schutz, und das Resultat der Verhandlungen und Korrespondenzen war daß die intoleranten Forderungen der tos­kanischen Regierung Recht behielten.Daily News" berichtet hierüber ausführlich und erhebt eine förmliche Anklage gegen den preußischen Gesandten. In seinem Bericht an den König von Preußen habe er ganz Partei für die florentinisHp Regierung genom­men und das Konsistorium getadelt, weil es nicht ein- willigen wollte, den Gottesdienst bei verschlossenen Thüren zu halten, jedem Italiener den Zutritt zu ver­bieten M. s. w. Unterdessen ist der Pastor der pro­testantischen Kirche deS Landes verwiesen, sein Gehülfe zu Fuße und in Ketten nach Sarzana geschleppt und in einen Kerker geworfen worden.Alles dieses", be­merkt dieDaily News",figs-et in Italien, dem Lande der römischen Katholiken statt, die in England ein sv gcw-luges GeschbeOüber die Intoleranz der englischen Regierung erheben."

f London, 10. Juni. DieTimes" versichern nach Mittheilungen aus Madrid, in dem neuen Kon­kordate der spanischen Regieung mit Rom sei ein ge­heimer Artikel, worin die Wiederherstellung von 18 Orden und für jede Provinz ein Kloster für jeden die­ser 18 Orden stipulirt werde, wonach Spanien wieder 28,000 Mönche erhalten würde, die von den znrückzu- crstattenten MutchMgütera Mterhaften werden sollen.

Sflg t < «.

Brussel, 12 Juni. Der Herzog von Nemours reiste heute hier durch nach Wien, wo der Herzog von Koburg-Cohary erkrankt ist.

MepuElik Krsti^Lez-ch

w Paris, 12. Juni. Die Verhandlungen in der ersten Sitzung der Revisionskommission waren, obgleich sie sich blos noch in Allgemeinheiten bewegten, äußerst heftig; Montalembeot, Baze, Jules Favre,und Ber­ryer gerietheu stark an einander. Zu einem Beschlusse kam es noch nicht, doch sprach O. Barrot nach lan­gem Schwanken sich für die Revision aus, wodurch jetzt die Revisionisten als solche die Majorität im Aus­schüsse haben. Damit ist jedoch noch keineswegs aus-

der Graf persönlich macht, obwohl sie mit Recht die Judianeruatur hervorhebt, die in seinem Wes<n liegt, (gortf^um; folgt.)

Im P r ozeß Boca r in é wurde am 10. Juni das Zeugenverhör, in welchem zuletzt nur Chemiker und Aerzte abgehört wurden, geschlossen und der Staats- prokurator entwickelte hierauf in einem langen Vor­träge die Anklage. Er wies mit unerbittlicher Logik nach, wie-das Verbrechen schon lange vorbereitet, wie der Tod des Opfers schon lange vorherbestimmt, wie die unedelste Leidenschaft des Menschen, das Geld, die Hauptlriebfeder war und beide Gatten, wenn auch nicht die Thathandlungen selbst, doch alle Vorbereitungen dazu gemeinschaftlich mit Bewußtsein und kaltem Blute getroffen haben. Die Zeugenaussagen , welche für die Gräfin fast alle günstig lauteten, die Bemühungen der Verwandten des Grafen, ihn als unzurech- nungsfähig erscheinen zu lassen, wohin obige im Droit" erschienene Biographie desselben von seiner Mutter gerechnet werden muß, wurde durch diese ver­nichtende Anklage gänzlich unwirksam. In der Sitzung des 11. wurde die Anklage beendigt.

gemacht, daß O. Barrot für die Revision im Sinne der Elyseer Montalembert und Dufour ist. In der National - Versammlung führte die Diskussion über das Gesetz wegen Organifirung der Nationalgarde zu stür­mischen Auftritten, Ordnungsrufen, Wortentziehungen u. s. w. Arnaud, zwar Mitglied der Linken, doch sehr gemäßigt und früher Mitglied des Bureau dec National-Versammlung, wies darauf hin, daß die Verfassung Rechte anerkenne, welche eher und höher als das geschriebene Gesetz seien ' Artikel 110 der Verfassung vertraue die Verfassung und die in derselben geheiligten Rechte dem Schutze und dem Pa- triotismus aller Franzosen an. Das in Rede stehende Gesetz schließe von der Nationalgarde eine große An­zahl von Bürgern aus.Doch wenn Gefahr entsteht, werden die Bürger die Verfassung in die eine und dies Gesetz in die andere Hand nehmen und zwischen beiden entscheiden; dann ergreift jeder Bürger, ob ausgeschlos- sen oder nicht, die Flinte uud wer es nicht thäte, wäre ein Verrät'her am Vaterlande! Ich mache keinen Unter­schied zwifchen Soldateil lind Nationalgardisten; jeder be­waffnete Bürger fall den Feind im Lande, wie den freinden Feind bekämpfen. Man hat von den Pflichten des Soldaten geiprochen; man hat seine Pflichten gegen das Gesetz und gegen sein Gewiffen vergessen. Liegt Gefftzesver- letzkmg vor, so dürfen Soldaten uns National-Gar- disten nicht gehorchen. Man fragt, wer Richter über eine Gesetzesverletzung sein solle? Ich antwortete: Das Gewissen.^ Gehorsam gegen das Gesetz ist nur Pflicht in ?en Schranken der Gerechtigkeit!" (Wider­spruch!) Der Präsident:Sie vergessen die dem Ge- letze schuldige Achtung!" Arnaud:Ist ein Gesetz eine Verletzung früherer und höher Pflichten gegen das Gesetz, so darf ich nicht gehorchen. Gebietet mir ein Gesetz, die Nationalität eines andern Volkes zu ver­letzen, so darf ich nicht gehorchen. Wäre ich Soldat und zur Erpedition nach Rom kommandirt, so hätte ich den Gehorsam verweigert." (Auf der Rechten: Das ist ein Ausrufzur Revolte!") Arnaud:Ich wäre nicht wie ein Feiger vesertirt, sondern hätte meinen Degen zerbrochen und zum Kriegsgerichte gesagt: Richtet mich?' Präsident:Ich rufe Sie zur Ordnung, weil aus Ihren Worten heroorgeht, Day Sie die Armee zum Ungehor- lam verleiten, indem Sie den Soldaien zum Richter über die ihm ertheilten Befelile machen." Nach heftigen Stürmen und wiederholtem Ordnungsruf beschließt die Majorität, dem Redner das Wort zu entziehen. Flotte:Indem Sie Rednern das Wort entziehen, gehen Sie weiter, als Sie meinen. Die, welche Hrn. Arnaud das Wort entzogen, sind diejelben, welche 1830 eine Dank-Adresse anö Heer votirten, daß es nicht auf's Volk geschossen habe." Lund jetzt schon die Gemüther so heftig be­wegt, welche Auftritte wird dann erst die Debatte über die Revision bringen! Aber trotz alledem stiege : die Fonds und die Geschäfte waren lebhaft. 3pCt. 55, 30; öpCt. 91, 90, beide stiegen um 30 &

Nach Briefen aus Algerien wird der Krieg ge­gen die Kabylen mit einer wirklich unerhörten Grau­samkeit geführt. Ain 19. Mai griff der General S. Arnand den reichen Stamm Beni-Amran an; nachdem die Kabylen nach einem mörderischen Kampfe von den Bergen vertrieben worden waren und ungefähr 130 Mann Todte gehabt hatten, wurden die Spahls zu ihrer Verfolgung abgesandt, die alle Kabylen) die sie erreichen sonnten, medermetzAten und 30 Köpfe als Trophäen in t in daS französisüe Lager brachten! Fünfzig Dörfer^ Die (es Stammes wurden hierauf niedergrbrannt, cule Gärten verwüstet und alle Oelbäume dieses so reichen Stamm s vernichtet! Am 20. wurde wieder ein anderer mächtiger Stamm, Bdlii-FoüWal, angegriffen; 1200 Kabylen fielen m einen Hinterhalt der Franzosen; 400 blieben auf dem Schlachtfelde, und mir einem sehr keinen Theile gelang es, zu entkommen. Am 29. ivurbe wieder eine große Anzahl Dörfer verbrannt; 60 Araber, die in die Hände eines Bataillons des 20. Luucu-Reglmeucs fielen, wurden alle maffakrirt. Die französischen Truppen sollten am 2. Juni wieder nach Djidgelly zurückkominen. Obgleich man noch einige Kampfe mit den Beni-Mahands erwartet, so kann man den letzten Nachrichten zufolge doch den Krieg in Klein-KabyUen als beendet betrachten.

Amtliche^iachrichtm.

Nachdem bereits feit dem 1. Januar 1850 neben der mit der Wahrung der Hoheirsrechte zunächst beauftragten Ministcrialabthcilung des Innern die Derwaüung der Angelegenheiten der evangelischen Landeskirche in Unserm unmittelbaren Auftrage von dem evangelischen Kirchen- scnate geführt wird, haben Wir Uns in Betracht der vorliegenden wichtigen kirchlichen Fragen auf Antrag biv Senats bewogen gefunden, demselben, welcher bisher aus dem von Uns mit Dem Vorsitze beauftragten Ministerin Präsidenten von Wintzingerode dem evangelischen Landes bischof Dr. Heydenreich, dem bischöflichen KvmnMirius Geheimc-Kirchenrath Dr. W thelmi, den Ministenairat. en Schepp und Gehciine-R glernngsralh ©teste b standen hat, zwei weitere Mitglieder aus der Geistlichkeit beiz ff, geben, und haben dazu den Kirchenrath Pfarrer Dilihey zu Mosbach und den Pfarrer Eibach zu Wiesbaden er­nannt, auch zu genehmigen geruht, daß das Sekretariat des evangelischen KirchensenatS dem Kaplan Köhler in Wiesbaden übertragen werde.

So gegeben Biebrich, den 4. Juni 1851.

(L. S.) Adolph.

vdt. Wintzingerode.