^hl t>eGm Tod bereits unzwcifelchsst war. Dieser Arzt, Dr. Semet von Permvelz, fand Herrn Fougnies bereits im Leichencostüu», aber das Zimmer, in dem er tag, war sehr vtmkel und er konnte ihn nicht genauer untersuchen; an äußeren Verletzungen jedoch konnte dec Todte nicht gestorben sein, und die sonderbare Unruhe im Schlosse, das Hin- und Herlaufen der Domestiken, ihre seltsamen Antworten brachten den Arzt gleich auf den Gedanken, es könne wohl Gift im Spiele gewesen sein. Nachdem er die Leiche gesehen, ging er zum Grafen in dessen Schlafzimmer. Der Graf war sseberhaft und verstört; er sagte einmal über das andere: „Fühlen Sie mir den Puls". Der Arzt fragte ihn nach der Ursache seines Uebelbefindens. „Mein Schwager- ist in meinen Armen gestorben; das hat mich so aufgeregt," antwortete er. Der Arzt dagegen meinte, Patient habe Arsenik bekommen, und holte ihm aus der Apotheke ein Gegengift; als er aber zurückkam, wollte der Graf das Gegengift nicht mehr nehmen und sagte, esgehe ihm schon besser. Als Dr. Semet von der Leiche fam und ins Schlafzimmer trat, fragte ihn die Gräfin, wie es mit Gustav stehe? Er ist todt, lautete die Antwort natürlich. Die Gräfin zeigte hierauf nicht die mindeste Bewegung; keine Thräne floß, und der Arzt sagt: „Als ich dies bemerkte, argwöhnte ich von Seiten der Frau Mitwissen, wenn nicht Mitschuld mit ihrem Mannes — Dr. Semet war auch Gustavs Arzt. Derselbe, sagt er, trank wenig oder gar keinen Wein; er war sehr für seine Gesundheit besorgt, und er glaubte immer, daß sein Schwager schon zu wiederholten Malen versucht habe, ihm Gift beizubringen. Er hatte übrigens eine aufgeregte Phantasie, so daß der Arzt auf solche Reden wenig Gewicht legte. — Herr de Stearins hat den Dr. Semet oft gefragt, ob Gustav Ausncht habe, lange zu leben, und der Arzt pflegte ihm darauf zu antworten: Für den Augenblick scheint sein Gesundheitszustand nicht bedenklich.
Die Wäscherinnen, welche Gustavs Hemd gewaschen haben, l achdem man ihn als Leiche eingekleidet hatte, wurden gestern vernommen; sie sagten aus, daß sie das Hemd am Kragen und am Bruststück zerrissen -fanden.
Eine von den capitalen Aussagen aber war die Des Herrn Van derer uyssen, Gefangnißdirektvrs zu Tournai. Wir geben sie ausführlich:
Fr. Sagen Sie uns, was vorgefallen ist, während die Angeklagten zu Tournai im Gefängnisse waren? — A. Der Gras beklagte sich bei mir über seine Frau. „Herr Direktor," sagte er, „Sie sehen daß meine Frau mich anschuldigt und damit sich selbst. Machen Sie ihr doch begreiflich in welche große Gefahr sie sich be- g-bt, damit sie nichts sage." Dann fuhr er fort: „Mein lieber Direktor, wenn ich Ihnen die Wahrheit sagen soll, so ist sie es, die das Gift eingegossen hat, und nun wälzt sie die Schuld aus mich; ich sollte desgleichen thun, aber dazu bedarf ich zuvor der Rathschläge." Woraus ich ihm antwortete, Rathschläge könne ich ihm nicht geben; das würde mich compro- mittiren. Damit endete das Gespräch diesmal, aber in einem anderen Gespräche wollte ich wißen, wie seine Frau das Gift eingegossen habe, und da sagte er, sie habe es in den Mund gegossen und er habe sie darauf aus dem Saal gehen lassen, um zu vermeiden, daß sie in die Untersuchung verwickelt werde, und damit bewiesen werden könne, daß er allein im Zimmer gewesen sei. Am nächsten Tage sah ich ihn unten im Hofe; ich redete ihn an: „Sie haben mir gestern gesagt, Ihre Frau habe das Gift eingegossen; ich begreife nicht recht wie das möglich ist." „Ei," versetzte er, „das würde ein Kind begreifen; man braucht nur zu sagen: Zeig' einmal deine Zähne, und man gießt das Gift drauf. Es ist so foudroyant, daß einige Tropfen auf Lippe und Zunge hinreichen, um einen Menschen auf der Stelle umzuwerfen. Ich kenne das; ich bin Chemiker." — Fr. Hat er nicht erzählt,
daß seine Frau als sie zum zweiten Male das Gift eingoß, ausrief: „Tiens!“ — A. Als sie das Gift an ihm herabfließen sah, so sagte er, goß sie ihm zum zweiten Male ein und sagte „Tiens!“ Ihm selber sei von dem Gifte etwas auf die Kleider und ins Gesicht gespritzt, so daß beinahe auch er vergiftet worden wäre, wenn er nicht die ganze Nacht warmes Wasser getrunken und vomirt hätte. — Fr. Und Sie erinnern sich genau, daß er sagte, er habe nach dem zweiten Eingießen des Giftes seine Frau hinausgehen lassen, und sie sei hinausgegangen? — A. Ja, mein Herr. — Fr. Hat er Ihnen gesagt wie er Gustav hielt, während sie das Gift eingoß? — A. Nein, aber er hat gesagt, daß seine Wunden an der Hand von den Bissen Gustavs herrührten. — Fr. Hat er Sie gebeten geheim zu halten, was er Ihnen anvertraute? — A. Ja, er sagte: „Herr Direktor, sprechen Sie niemals davon!" — Fr. Hat der Angeklagte Ihnen nicht gesagt, er habe zuerst Gustav niedergeworfen? — A. Ec- hat mir gesagt, daß er ihn im Salon niedergeworfen habe, aber indem er auf ihn zulief, sei vielleicht ein zwischen ihnen stehender Stuhl umgeschlagen und habe veranlaßt, daß Gustav zu Boden und er, der Angeklagte, auf Gustav gefallen sei. — Fr. Und während Gustav dagelegen habe, sei ihm das Gift beigebracht worden? — Antw. Ja. — Fr. Angeklagter, was haben Sie zu sagen? — Der Angeklagte: Ich hehaupte bestimmt, baß ich das nicht gesagt habe. Ich habe dem Herrn Direccor gesagt, daß meine Frau ihren Bruder vergiftet habe; aber ich habe ihm nicht die Art und Weise gesagt. — Fr. ^zum Zeugen) Was Sie erklärt haben, ist die volle Wahrheit?.— A- Ja, Herr Präsident. — Fr. Und Sie erinnern sich ganz genau, daß er Ihnen gesagt hat, seine Frau habe bas Gift zu zwei verschiedenen Malen eingegossen? — A. Ja. — Fr. Sie habe es in den Mund gegossen? — A. Ja. — Fr. Und es sei dem Angeklagten etwas davon ins Gesicht gespritzt? — A. Ja. — Fr. Er sagte Ihnen, daß er eie Gewalt des gebrauchten Giftes kenne? — A. Ja, und daß es, wenn man es auf die Zunge gieße, dieselbe augenblicklich lähme. —
Der Angeklagte gab sich alle Mühe, diese Aussage zu entkräften; namentlich, daß er Gustav umgeworfen habe, wollte er durchaus nicht zugeben; er sei über einen Stuhl gestolpert und mit dem Stuhl auf Gustav gefallen. Die Gräfin dagegen protestirte gegen die Folgerungen, die man aus der Aussage gegen sie ziehen könnte, tote betheuerte, sie habe den Saal verlassen, so wie Gustav niedergeworfen war; sie habe weiter nichts gesehen; so lange sie im Saale gewesen, habe man kein Schreien gehört. Der Ton, in welchem sie von diesen entsetzlichen Details redete, war wiederum der gleichgültigste von der Welt.
(gorlseyuug folgt.)
Kladderadatschia.
Herr von der Pfordten, der ehemalige Ge- dächtnißredner Robert Blums und gegenwärtig großmächtiger bairischerBierpolitikfaiseur, hat von der allerchristlichsten Majestät von Neapel den Januarius-Orden erhalten. Wäre es nicht passender gewesen, dem Biedermann als Anerkennung seiner unerschütterlichen und nimmer wechselnden Consequenz einen April-Orden anzuhängen ? — x
Nach einer kürzlich geschehenen Entscheidung des hiesigen Gerichts ist der Mangel an Bildung keßn Hinderniß bei Uebernahme der Funktionen eines G e- s ch w o r e n e n.
Es darf mithin nicht als frecher Tadel der Staats- einrichtungen betrachtet werden, wenn man die jetzige Bildung der Geschworenen-Gerichte für mehr als mangelhaft erklärt.
Mein Voltaire ist mir abhanden gekommen. Der ehrliche Finder wird gebeten, ihn beim Friedrichs, denkmal zurückznstellen. F. H.
Die Provinzial - Landtage sind wieder eingeführt. Die Kammern werden hoffentlich bei ihrem Wiederzusammentreten nichts dagegen haben, sondern die Gelegenheit benutzen, um sich dem Volke schon vorher bestens zu empfehlen.
Zur Charakteristik der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung."
No. III.
Erst überschwänglich, bann blastrt, Ward er ein Greis in jungen Jahren Doch blieb er immer sehr bornirf, ' Um sich die Einheit zu bewahren.
C. F. v. Schweizer.
Herr Boczek fährt fort, die Leichname verstorbener Riehl'icher Injurien aus den Gräbern zu scharren und deren Gebein mit gierigem Zahn zu benagen. glaubte Anfangs, dies habe seinen alleinigen Grund in der Unfähigkeit zu eigener Produktion; die neueste Erklärung des Herrn aber zeigt, daß dabei auch jene Pfiffigkeit zu Grunde liegt, welche den mährischen Charakter kennzeichnet. Herr Boczek glaubt nämlich, wie es scheint, das Jnjuriiren sei strafbar, aber das Wiederkäuen fremder Injurien sei straffrei. Nun, wir wollen feiern ob unsere nassauischen Gerichte auf diese mährische sophistik eingehen. Ich glaube es bis jetzt nicht, selbst auf die Gefahr hin, daß deßhalb ein — Boczek meinen „Ruf als Jurist" bezweifelt.
Es wird nach der neuesten Erklärung des Herrn Boczek klar, daß er, als er seinen Feldzug gegen mich eröffnete, einen doppelten Zweck im Auge hatte. Zuerst wollte er — vielleicht besser: „sollte" er — durch diese Fe.-de eine kleine Demarche zu Gunsten der bekannten Wirth -Baumann'schen Angelegenheit machen, welche dadurch in den Hintergrund geschoben, in Vergessenheit gebracht werden sollte. Herr Boczek hat es nun zwar recht pfiffig angksangen, allein seinen Zweck hat er nicht erreicht. Denn vom Publikum gilt auch hier das: „Man merkt die Absicht und man wird verstimmt". — Zweitens wollte er mich zu irgend einer Unbesonnenheit provoziren. Auch das hat er recht pfiffig angefaugen, aber ebenfalls nicht den Zweck erreicht. Man hat in den drei Jahren Preßfreiheit doch Etwas gelernt. Als Riehl 1848 jene Injurie zum ersten Male drucken ließ, setzte sie mich in lebhafte» Zorn; als ich sie in dem von Herrn Boczek wieder- gekäueleu Zustande las, entlockte sie mir kaum ein mitleidiges Lächeln, denn man weiß jetzt: Die Presse ist allerdings eine furchtbare Waffe, aber nur in reinen Händen!
Herr Boczek spricht von seiner Selbstachtung. Nun, es ist gut, daß Herr Dr. Aloysius Boczek doch noch von dem Herrn Dr. Aloysius Boczek geachtet wird. Wahrscheinlich ist es auch ein Act der Sel bst- achtung, daß Herr Boczek sich seiner Zeit in Stuttgart zum Schriftführer der „con- stituirendeu deutschen National-Versamm- lung" wählen ließ und jetzt diese selbe „constituirende deutsche Nationalversammlung" in seinem „Wanderer" als eine bloße „ Fraktionsversaminlung " verspottet. Sic transit gloria — Boczekii!
Endlich wundert sich der Herr darüber, daß es mir gelungen ist, die Nummer des Blattes, worin er mich angreift, an mich zu bringen. Dies Wundern ist wunderlich. Der Herr sollte doch wohl am Besten wissen, daß man sein Blatt kaufen kann.
Dillenburg, den 12. Juni 1851.
Karl Braun.
Bekanntmachung«: u.
i*"1 Erklärung.
Nach einer Pause von sieben Jahren hat Hr. Archivar Habel sich endlich bewogen gefunden das Publikum mit einem Annalenheft zu überraschen. Dieses Heft enthält die Protokolle von vier Generalversammlungen; das ter letzten hat uns jedoch der Herr Vereinssekretcm abermals vorenthalten, also von der siebenjährigen Thätigkeit des Vorstandes jetzt nicht einmal vollständige Kunde.
Diese von Hrn. Habel verfaßten sogenannten Protokolle bestehen in Jahresberichten über die Arbeiten des Vorstandes und in wissenschaftlichen Erörterungen über'acquirirte Gegenstände. Der Bericht vom Jahr 1849 aber verbreitet sich außerdem sehr weitläufig über die Angriffe, welche der Vorstand, resp, der Hr: Vereinssekretär in mehreren Zeitungen von dem Hrn. Archivvirektor Friedemann und Consorten (wie sich Hr. Habel auszudrücken beliebt) zu erdulden hatte.
Obgleich ich nun als damaliges Vorstandsmitglied, dem Vorstande das Zeugniß ertheilen kann, daß derselbe mit Amopferung von Mühe und vieler Zeit fleißig gearbeitet, viele werthvolle und interessante Antiquitäten gesammelt und zahl, reiche Ausgrabungen römischer Gebäude und Castelle veranstaltet, und somit die Vorwürfe nicht verdient hat, die ihm von verschiedenen Seiten in Hinsicht seiner- wissenschaftlichen Thätigkeit gemacht worden sind, so kann ich doch nicht in die ge- vässige Weise einstimmen, mit welcher der Hr. Veremssekrelär jene Angriffe zurück- zuwtistn versucht hat, und dieß um so weniger, als manche Beschuldigungen in t?ejuß auf die Geschäftsführung nicht ungegründet sind, namentlich die verspätete Herausgabe der Annalenhefte und die öftere Aussetzung der Generalversammlung, Unregelmäßigkeiten, welche bei einem öffentlichen Institute nicht vorkommen dürfen, und die allerdings dem Hrn. Habel als Redakteur der Annalen und Berichterstatter in der Generalversammlung zur Last fallen. Soviel an mir lag habe
ich Hrn. Habel auf die Nachtheile aufmerksam gemacht, die ein solches Verfahren nothwendigerweist zur Folge haben müsse, jedoch umsonst.
Die Folge war, daß im Jihr 1849 und 1850— 98 Mitglieder austraten, deren Austrittserkläiungen meistens mit beißenden Bemerkungen begleitet waren. Gleichfalls habe ich Hru. Habel bedeutet, daß die literarische Fehde und die grimmige Feinvschaft^zivischeu ihm und Hru. Friedemann, als reine Persönlichkeiten, nicht zu einer Sache des Vorstandes gemacht werden durften.
~ Desto unangenehm r mußte es mich berühre» die Schmähungen und Ausfälle, die sich Hr. Habel gegen Hrn. Friedemann und Consorten in jenem Berichte erlaubte, als von dem Vorstande ausgehend, dargestellt zu sehen.
Nun hat aber Hr. Habel weder dem Vorstande diesen Bericht zur Einsicht und Genehmigung mitgetheilt, noch hat der Vorstand Hrn. Habel ermächtigt, diesen Bericht mit der Unterschrift „Vorstand" zu unterzeichnen.
Durch Berufsgeschäfte abgehalten, habe ich nicht einmal dem Vortrage jenes Berichtes ganz beiwohnen können und erhielt erst vollständige Kenntniß seines Inhalts durch das Annalenheft.
Als damaliges Vorstandsmitglied weise ich daher hiermit meine Betheiligung an der Abfayung des Jahresberichts von 1849, sowie an seiner Unterzeichnung entschieden zurück.
Wiesbaden, 12. Juni 1851.____________________pr, Zais.
Illumination
Montag Abend bei
(«40) 11. En^et.
(648) Ein schöner, junger und wachsamer großer Hofhund ist billig zu verkaufen bei H, Helmrich zur Stadt Wiesbaden in Lonr enbcrg.
Verantwortlicher Herausgeber uue Heitger <t Ritter. -
'Criicf v.r t. St > li cr -scheu Vuch.'iuche'rei.
