Ansicht der britischen Regierung sind die gegenwärtigen Zustande in Portugal revolutionärer Art; doch eben so unhaltbar, wie es die früheren waren. Eine Intervention sei daher unvermeidlich, nm alte Rechte zu schützen, zugleich aber auch auf die Herstellung eines genügenden Rechtszustandes zu wirken." (S. Spanien!)
Wien, 10. Juni. (N.-B.) Das Gerücht, daß die Mon archenkonferenz nächstkommenden August in Olmütz wieder ausgenommen werden sollen, findet in dem Umstande einen nicht unwesentlichen Halt, daß Kaiser Nicolaus bei dem Abschiede von dem Cardinal- Erzbischof die Hoffnung eines baldigen Wiedersehens ausdrückte. — Während der Olmützer Conferenzen wurden dort 1634 Scaatsdepeschen nach Wien, Prag, Berlin und Warschau rc. telegraphirt.
Italien.
Nizza, 30. Mai. In der am 26. v. M. begonnenen und am 28. beendeten Synode der Waldenser wurde unter anderm die Vereinigung der Waldensischen Kirchen von Turin und Pinerolo mit der Hauptkirche von Pomaretto beschlossen. (Wir haben vor Kurzem eine ausgezeichnete Geschichte der Walden- str von Bender erhalten, auf die wir unsere Leser, welche Geschichtssinn haben, aufmerksam machten.)
Florenz, 4. Juni. (A. A. Z.) Die Polizcivekrete vom Monat April sind zur Anwendung gebracht worden: eine Gesellschaft, die aus einem Schreiblehrer, .ein paar Cigarrenhändlern, einem Aufwärter, einem Schneider rc. und dem Grafen Pierro Guicciardini bestand, wurde beim Bibel lesen, versteht sich mit Zugabe dessen, was man hier Protestantifiren nennt, von der Polizei überrascht und auf sechs Monate nach verschiedenen Orten wie Dolterra, Piombino, Orbe- tello u. s. w. (für den Sommer gerade keine angenehmen!) inS Erst gesandt. Die Sache hat begreiflicher Weise viel Aufsehen gemacht.
Neapel. (Augsb. Allg. Z.) Am 21. Mai begann die Schlußverhandlung des Verfahrens gegen die Theilnehmer an der Zusammenrottung vom 29. Jan. 1849. Nicht weniger als 40 Personen sind des Capitalverbrechens der Verschwörung und versuchten Um« sturzes der RegierungSform angeklagt. Nachher kommt der Prozeß vom 5. Sept, und dann der Hauptprozeß vom 15. Mai 1848 an die Reihe! Die Rache au den Revolutionären ist also so wenig gesättigt, daß sie durch das Detail eines inquisitorischen Verfahrens bei dieser Reihe von Monsterprozessen nicht ermüdet wird!
Mepubli? Mrankreich
# Paris, 11. Juni. Der Cretonsche Antrag, der, wie gestern bemerkt, die Revisionsfrage durch eine unabhängige Constituante lösen möchte, ist im Druck erschienen. In der Einleitung äußert der Antragsteller: „Ich hätte lebhaft gewünscht, daß die Revisionsfrage erst in der nächsten Gesetzgebungs-Periode gestellt würde, da die Umstände und der Zustand der Gemüther im Augenblicke keine definitive und den wahren Interessen des Landes entsprechende Lösung mit sich zu bringen scheinen. Da indessen einmal die Frage gestellt in Folge einer Bewegung, deren Bedeutung und wahre Ursachen man später würdigen wird, so glaube ich, daß Jeder seine Meinung deutlich aussprechen muß. Man kann von unbestimmten und vieldeutigen Ausdrücken, hinter denen sich die entgegengesetztesten Meinungen und alle möglichen Vorbehalte und Nebengedanken verbergen können, kein ernsthaftes, praktisches, definitives Resultat erwarten. Wenn man sich einmal in Bewegung setzt, so muß man wissen, was man will und wohin man zielt. Noch hoffe ich, daß die Kommission der Nevisionsan- träge in ihrer Weisheit und Vorsicht vor einem Beschlusse, dessen Augenblick nicht gekommen ist, und der heut zu Tage nur eine Kriegsmaschine für die hirn- wüthigen Anstifter von ungesetzlichen und rebellischen Lösungen sein würde, zurückweichen wird. Für den Fall indessen, wo die Revision dennoch die Ueberhand gewinnen sollte, schlage ich folgende Fassung des Beschlusses vor." Hier folgt nun der RevisionS-Antrag von Ereton, dessen wesentliche Punkte folgende sind: „Im Mai 1852 wird eine Constituirende Behufs totaler Revision der Verfassung von 1848 mit unbeschränkten Vollmachten berufen. Sie entscheidet zuerst über Republik und Monarchie. Wenn die Repulik bestätigt wird, so muß sie entscheiden, ob nicht zwei Kammern und die Wahl der Executiv-Gewalt durch beide zusammen einzu-
Uebereinstimmung aller Völker" vollständig überführt sein. An der Existenz des Teufels kann kein Zweifel mehr sein, und wer noch nicht ganz im Reinen ist, wählt jedenfalls das sicherste Theil, wenn er an ihn glaubt!! Er könnte doch eristiren und würde es dann natürlich Allen gedenken, die ihn verleugnet haben. Die Farbe freilich macht große Schwierigkeit. Der europäische Klerus malt ihn schwarz, der afrikanische Weiß. Wer hat Recht, was soll ein kosmopolitischer Berichterstatter glauben, der es mit Niemandem gern verderben möchte? Bis die Sache durch ein Erkenntniß dritter Instanz entschieden ist, dürfte es am Zweckmäßigsten sein, ihn für —aschgrau zu halten. Mir ist zwar nicht bekannt, daß er in Wirklichkeit irgend wo so vorkäme; aber das schadet Nichts, wenn ich nur im System Recht habe. Meiner ganzen Farbentheorie drohte der Einsturz, als ich im Weitergehen ein weißes Stück Zeug mit türkischrotheil Streifen erblickte. Aber der Katalog gab mir glänzend Recht; er bemerkt, daß alle die rothen Gespinnste von den Europäern einge- führt würden. In der Schnitzerei stehen die Neger unter den Neu-Seeländern, selbst unter den Indios da
führen sind. Wenn die Monarchie votirt wird, so pup- lieirt die Constituirende eine Charte, die das Staats- Oberhaupt bei seiner Thronbesteigung beschworen muß, und bezeichnet die Person, die mit der monarchischen Gewalt zu erblicher Ueberlieferung bekleidet werden soll." Es sann nicht überraschen, daß dieser ganz im Sinne des Orleanismus gestellte Antrag nicht mehr als alle andern Parteien gegen sich hat, am Meisten die Legitimisten, welche heute bereits in der „Opinion publique" und in der legitimistisch inspirirten „Correspondance generale“ das Feuer gegen dieselbe eröffnet haben. Das Lustigste bei der Sache ist wieder die berühmte Legitimistenlogik, indem jene Blâtte erklären, es gebe nur eine Monarchie, die ihrige, und indem sie wenige Zeilen darauf schon wieder alle Royalisten zur Fusion auffordecn. Doch wen will das überraschen? Göttliches Recht und Volkssouveränität schließen einander ja auch aus und nichts desto weniger glauben die Logiker der Legitimität diese beiden Gegensätze vereinigen zu können! Der Petitionssturm wird indeß immer allgemeiner, und die republikanischen Organe erklären heute, daß Petitionen für das allgemeine Stimmrecht auf ihren Bureaux auflägen. Der „National" hat den Neigen eröffnet. — In den Bureaux der National-Versammlung wurden heute vier der entschiedensten Leute der Montagne mit in die Commission für Prüfung des Entwurfes wegen Verlmigerung des Klubgesetzes gewählt. Die Verurtheilung des jungen Karl Hugo wegen eines Artikels im „Evenement" zu 6 Monaten und 500 Frs. Geldstrafe hat einen sehr peinlichen Eindruck selbst bei solchen gemacht, die sonst keine Freunde Victor Hugos sind, der seinen jungen Sohn in einer ergreifenden Rede selbst vertheidigte. (Wir kommen morgen auf diese Rede zurück.) — Narvaez ist heute nach London abgereiSt, angeblich zur Industrieausstellung, in der That aber, um sich mit Lord Palmerston aus- zusöhnen, dem Narvaez Avancen gemacht haben soll. Dieser Schritt ist für die Zukunft Spaniens nicht unwichtig.
Es heißt, daß ein Mitglied der Majorität, um die irritirenden Debatten über das Gesetz vom 31. Mai selbst zu vermeiden, und der konservativen Partei den Anschein einer Schwäche zu ersparen, den Vorschlag machen will, für die allgemeinen Wahlen des Jahres 1852 ein besonderes Wahlgesetz auzuferligen, oder vielmehr das unbeschränkteste Stimmrecht zu proklamiern und der neuen National-Versammlung die Regelung desselben zu überlassen. Einer statistischen Untersuchung des Volksvertreters Rigal zufolge beträgt die gesammte, dem Alter nach stimmfähige Bevölkerung Frankreichs 11,823,189. Durch das ursprüngliche Wahlgesetz wurden 1,087,185 ausgeschlossen, und der Wahlkörper betrug folglich 9,936,004. DaS Gesetz vom 31. Mai läßt nur noch 6,711,186 Wähler übrig.
Börse fest. 3pCc. 55; 5M. 91, 60 (beide um 25 C. gestiegen).
Spanien.
* Madrid, 6. Juni. Die „Epoca", welche in der Regel gut unterrichtet ist, meldet, daß Lord Palmerston dem spanischen Kabinct erklärt habe, Großbritannien sei entschlossen , in Portugal nicht zu interveutreu, eS sei denn, daß eine andere Macht zur Juterventtion schreite. Die Instruktionen, welche Herr Arnav von Seiten der spamswen Regierung nach Paris überbringen soll, lauten dahin, daß Spanien in dem Falle, daß Die Königin Donna Maria von den Revisionisten zur Abdankung gezwungen werde, seine Ruhe für bedroht halten würde. Es handelt sich also darum, ob es Saldanha gelingen wird, diese Klippe zu vermeiden. In der gestrigen Senatssitzung fragte Oliver wegen der Politik gegen Portugal an und Miraflores versprach die Antwort für die heutige Sitzung.
tÄ r 2 ß ö r it a « n t e n.
f London, 10. Juni. Die Gesammtemnahme der Industrie - Ausstellung betrug am Samstag, 9. Juni, 210,441 Pfund Sterling, davon 64,344 als Ergebniß der National - Substription , 137,397 Pfund Sterling für Emtriti karren, 3200 Pfund Sterling vom Verkauf des Privilegiums, den Katalog zu drucken, von dein Buchdrucker, und 5,500 Pfund Sterling vom Verkauf des Privilegiums, Erfrischungen im Glaspal aste verabreichen zu dürfen. Die Mitglieder der Kommission hatten eine Garantie für 185,000 Pfund Sterling geleistet; da diese Bürgschaft jetzt
Matta. Man vergleiche die Calebassen von Sierra Leone mit denen von Trinidad. Noch roher sind die hölzernen Schüsseln und die Deckel darauf; man kann das Schnitzwerk nicht anders alS kindisch nennen. Zu einem noch härteren Urtheil fühlen wir unS versucht, bei gewissen Erzeugnissen der Negerindustrie, deren Werth in der Masse der aufgewandten Arbeit bestehen soll. Es erscheint uns albern, einen Napf, eine Kette und eine plumpe Kette, die beide verbindet, in monatlanger müh- samer Arbeit aus Einem Stücke Holz zu schnitzen, während eine geflochtene Schnur ganz denselben Dienst thun würde. Denselben Eindruck macht der gleichfalls aus einem Klotz geschnitzte Thron des Königs von Dahomey. Er besteht aus einem Käfig, mit einer Art von Sopha darüber. So lange ich nur das Modell gesehen hatte, dem kein Maßstab beigefügt ist, war ich zweifelhaft, ob Seine Majestät auf dem Sopha Platz nehmen und die Reichskleinodien in dem Käfig verwahren oder ob der Letztere zum Aufenthalte der allerhöchsten Person bestirnt und der Sopha nur eine Art von Schirmdach ist. Erst das in dem Gange ausgestellte Original belehrte mich, daß die erste Annahme die richtige sei,
aber nicht blos gedeckt, sondern bereits ein Überschuß von 25,441 Pf. Strl. erzielt ist, so meint das „Athenäum" der Augenblick sei jetzt gekommen, wo untersucht werden könne, ob es nicht gerecht und billig sei, fortan die Thore des Glaspalastes dem Publikum umsonst zu öffnen. —
Der Prozeß Bocarme. (Fortsetzung.)
Mons, 7. Juni. In den letzten drei Sitzungen des Assisenhofes hat die Verhandlung bedeutend/Fortschritte gemacht. ,Die Gärtner, von denen Herr von Bocarme seine Giftpflanzen kaufte, die Instrumentenmacher, bei denen er seine chemischen Apparate erstand, die Buchhändler, von denen er toricologische Werke forderte, endlich Professor LoppenS, bei dem er die Herstellung des Nicotin erlernte, haben uns durch ihre Aussagen ein Bild davon gegeben, wie seit dem Jabr 1850 die Giftbereitung der alles absorbirende Gedanke des Angeklagten gewesen ist. Was die mit diesem Gedanken in Beziehung stehenden Handlungen des Grafen noch verdächtiger macht, ist der Umstand, daß er alle seine Einkäufe unter falschem Ramen machte, und daß er selbst bei Herrn Loppens, von dem er doch nicht überteuert werden konnte, sich nie anders als Berant nannte. Im Widersprüche mit den Behauptungen des Angeklagten, erklärte Herr Loppens auf daS Bestimmteste, daß er niemals von demselben fe:' neu wahren Namen erfahren habe.
Nach der weitläufigen Konstatirung aller in die bezeichnete Kategorie gehörender Details ging die Verhandlung wieder; auf die mit der Katastrophe in unmittelbarer Beziehung stehenden Thatsachen über. Die alte Haushälterin des Ermordeten .eröffnete diese neue Zeugenscrie. Am 18. November, erzählte sie, fuhr Herr FougnieS nach Schloß Bitremont, um dem gräflichen Paare seine Verheirathung anzuzeigen. Er that dies, um sie cinzuschüchtern, wegen ihres verschwenderischen Lebens, uns er erzählte hernach seiner Haushälterin, die beiden seien sehr traurig gewesen, weil sie nun fürchteten, sein Vermögen zu verlieren. In Wirklichkeit hatte Herr FougnieS feine Heirathspläne aufgegeben, aber das wußten der Graf und die Gräfin nicht; er hatte es erst am 20. Morgens seiner Haushälterin und seinem Oheim Herrn FougnieS mitgetheilt. Herr Fougnies sprach oft davon, daß er sich vor dem Grafen fürchte, weil dieser sich auf Gift verstehe, und er sagte immer, daß er im Schlaffe nie etwas genieße, ehe nicht Schwager und Schwester vor ihm gekostet hätten. Herr von Bacarme war so übel angeschrieben, daß man sich (obwohl ohne Grund) zu- raunte, er habe seinen Schwiegervater und sein erst- gebornes Kind getödtet. Die'Haushälterin erklärte, daß der Verstorbene niemals in den Zwischenstunden Wein getrunken habe; er habe denselben nicht vertragen können, ein Umstand, der auch von andern Zeugen bestätigt wurde. Der Verstorbene, sagte sie ferner, sei sehr stark von Armen gewesen, und ein Mann hätte ihn nicht leicht zu Boden werfen können, wenn er ihm nicht zuvor seine Krücken weggeschlagcn hätte. Diese verfchievenea Aussagen machten auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck; nur der Angeklagte blieb unbeweglich. Das Mißtrauen des Verstorbenen gegen seinen Schwager bildet natürlich ein wichtiges Element der Anklage; ein so argwöhnischer Mann stürmte schwerlich ein Glas Nicotin hinunter, das man ihm im Schlosse reichte, ohne sich zuvor von dem Inhalte des Gefäßes näher unterrichtet zu haben. Ein früherer Bedienter des Grafen sagte aus, Herr Fougnies habe bei seinen Besuchen immer sein Getränk im Cabriolet bei sich gehabt; der Bediente bemerkte ihm einmal, er könne ja Getränk auch im Schlosse haben, und der unglückliche Mann antwortete dem Dienstboten: „Ja, aber ich traue ihnen nicht."
Am Morgen des verhängnißvollen Tages hat Herr de Bocarme schon vor 5 Uhr Morgens (im November) im Schlafrocke Promenaden vor dem Schlosse gemacht. Eine Magd begegnete ihm in der dunkeln Frühe und erschrack vor dem unheimlichen Spaziergänger. Schon seit drei Nächten, sagte er ihr, stehe er um 3 Uhr auf; er könne nicht schlafen.
Der Leser erinnert sich, daß einige Zeit nach dec Katastrophe man einen Arzt aufs Schloß rief und ihn über den Zustand des Herrn Fougnies consultirte, ob-
Man fragt sich nicht nur, weshalb ist der Käfig nicht lieber aus „vier Brettern und zwei Brettchen" zusain- mengeschlagen, sondern man fühlt auch, daß es eine schlechte Empfehlung für ein Kunstwerk oder ein Ge- räth deS täglichen Lebens ist, wenn man fich erst den Kopf zerbrechen muß, was eS bedeutet und wozu es bestimmt ist. Ein Gemälde mit einer ellenlangen Unterschrift taugt gewiß Nichts und ein Geräth kann schon allein um seiner Zweckmäßigkeit willen schön sein. Die amerikanische Art mit dem breit auslaufenden Griff, der es unmöglich macht, daß der Stiel je aus der Hand fliegt, mit ihrem stark gewölbten Eisen, das in dem zähesten Baume^ nicht festsitze» wird, mit ihrem richtig berechneten Schwerpunkt, ist ganz entschieden ein Kunstwerk. Der Ernst des Gebrauches schließt jede unnütze Zuthat aus, aber die Erieichung der höchsten Zweckmäßigkeit mit den geringsten Mitteln gewährt unleugbar auch dem Schönheitssinne eine gewisse Befriedigung. Das Unzweckmäßige ist auch häßlich. Doch bedenken wir uns, ehe wir deshalb den Stab über die Schwarzen brechen; wir haben vor der eigenen Thür zu fegen.
