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Der Verein Nassauischer Aerzte.

Ich hab- gewagt!

Ullrich v. Hutten.

1 ! 8. Zufolge der an die Aerzte Nassaus ergangenen Einladung fanden sich am 21. Mai zu Limburg zwölf Aerzte aus den verschiedensten Gegenden unseres Her« zogthums ein. Es war sehr zu bedauern, daß die Zahl nur eine so geringe war, und wenn auch zum Theil das höchst ungünstige Wetter Schuld war, neigte man sich doch meist der Ansicht hin, daß ein obwaltendes Mißverständnis viele Aerzte vom Besuchen der Ver- saminlung abgehalten hätte. Die Anwesenden erkann­ten Alle das Bedürfniß der Gründung eines Nassaui­schen ärztlichen Vereines an, und nachdem sie alle als Zweck des Vereins einen wissenschaftlichen fest- gestellt hatten zur wechselseitigen Belehrung durch Ideen­austausch, Mittheilungen von Beobachtungen und Er- ' fahrungeii und des Wissenswerthesten in der Heilkunde, wurde als zweiter Punkt die Erhaltung und Beförde­rung der Cotlegialität, der Würde des Standes und der Ehre der Standesgenoffen bestimmt. Nachher be« rieth man über die Mittel zu diesem Zwecke und als diese zweckmäßig und ausführbar gefunden wurden, faßte man den Beschluß, die Idee des Vereins recht festznhalten, und den übrigen Aerzten Gelegenheit zu geben, die Sache näher zu prüfen und zum Beitritt cinzuladen. Es wurde nun der von Dr. Spengler verfaßte Entwurf der Statuten des Vereins vorgetra­gen und da man im Ganzen Minü einverstanden war, beschlossen, denselben drucken zu lasten, jedem Nassau­ischen Arzt ein Eremplar zuzuschicken, und auch dem Ministerium Vorlage darüber zu machen, damit eben Aerzte und Regierung über Zweck und Absicht klar werden, und sich die Mißverständnisse beseitigen. Zur Leitung der Geschäfte wurde ein provisorischer Vorstand, bestehend aus Hofrath Dr. Vogler in Diez, Dr. Spengler in Herborn und vr. Gräser in Monta­baur, gewählt, mit dem besondern Auftrage, in einer paffenden Zeit später wieder eine Versammlung zu be­rufen, die den Entwurf der Statuten berathen und diese definitiv scstzusteUen habe.

So ist denn die Grundlage zu einem Verein Nas­sauischer Aerzte gelegt! Aller Anfang ist schwer, aber die Hoffnung liegt vor, daß der gute Same bald auf- gehen und sich entwickeln werde.

Es sind jetzt drei Jahre stürmischer Zeiten vorüber­gegangen, in welchen durch den Versuch einer poli­tischen Neugestaltung Deutschlands, und leider durch das Getöse von Waffen die friedlichen Werke der Kunst und der Wissenschaft darniederlagen und ihre Pflege gar nicht oder nur wenig gehandhabt werden konnte. Nachdem aber die deutsche Revolution so gänzlich miß­lungen und unter ihrer Asche begraben liegt, ist es möglich geworden, sich wieder der Wissenschaft mit gc- wohntem Eifer zuznwendcn, ist Zeit und Lust und Liebe, zu wissenschaftlichen Arbeiten wiedergekommen, um, in den Schooß der Wissenschaft zurückgekehrt, die Ruhe zu finden, die zur Erforschung der Wahrheit nöthig $ Dadurch wurde man auch in den Stand gesetzt, einen Lieblingsplan jetzt anszuführen, der schon seit langer Zeit gehegt wurde, indem die Nassauischen Aerzte ein. geladen wurden, einen ärztlichen Verein zu gründen, und Alle, die in Limburg erschienen, haben sich, von der Zweckmäßigkeit eines solchen Vereins überzeugt, dort zusammengesunden aus dem Drange nach der Cul- tivirung einer achten praktischen Wissenschaft.

Ueber die Ursache und den Zweck brauche ich ,0- mit nicht viel Worte zu machen: er ist sattsam be­kannt; eS waren Alle, das bin ich fest überzeugt, blos der Einladung gefolgt, um Alle und Jever nach seinen Kräften zu helfen und dem Projekte eines Vereins Nassauischer Aerzte einestheils die nöthige Unterstützung ang-deihen zu lassen, anderntheils aber die Mittel und Wege anzugeben, wie ein solcher Verein am zweckmäßigsten zu konstruiren ist, damit er eine kräftige Wirksamkeit im Reiche der praktischen Wis­senschaft entfalte. In allen Staaten deS deutschen Vaterlands nicht allein, ja in allen seinen Provinzen und Städten hat man ärztliche Vereine gegründet, nur in Nassau noch nicht! Wer aber möchte verkennen, daß diese wissenschaftlichen Vereine nicht sehr viel des Guten und Nützlichen gestiftet haben? Ich will hier nicht untersuchen, warum Nassau allein in dieser Be­ziehung zurückgeblieben ist und warum Nassau bis jetzt noch keinen ärztlichen Verein hat? Ich will hier nicht untersuchen, ob ein solcher erst in der letzten Zeit ein Bedürfniß wurde, und früher die ärzliche Wissenschaft und das Sanitätswesen auf einer so hohen Stufe stand, daß derartige Bestrebungen bei den Aerzten unnöthig waren, während man doch mit vieler Vorliebe dem Alterthumsverein, dem landwirthschaftlichen, dem na- tnrhistorischen, dem Apotheker-, dem Kunst-, dem Ge- werbe-Verein rc. allen Vorschub leistete; nur so viel ist gewiß, daß es in jetziger Zeit einem einzelnen Arzte nicht mehr möglich ist, all den Anforderungen der Wis­senschaft allein zu genügen, daß es der gegenseitigen Unterstützung und Belehrung bedarf, und daß es zur Erhaltung und Beförderung der Kollegialität, der Würde des Standes und der Standesgenossen nöthig ist, gemeinsam zu handeln, damit die Aerzte des Lan­des als eine moralische Person gelten können, und so­mit ihre Stimme ein Gewicht habe. Dazu bedarf es aber vor Allem der Eintracht; viele Stürme ver­trägt ein so junges und zartes Bäumchen, wie es jetzt gepflanzt werden soll, nicht; befestigen wir es daher

an den alten Pfahl, der jetzt schon ein ganzes Menschenalter hindurch den Baum unsers Sanitäts. wesens geschützt hat, und festhalte an dem vortreff­lichen Prinzip unsers Medicinaledikts, wollen wir stets des alten Sprüchworts eingedenk sein:

Concordia res parvae crescunt, discordia dilabuntur;

und anerkennen wir dasselbe stets als unseren Wahl- spruch! Dieselbe Idee, wi^ sie dem ersten Aufruf zur Bildung eines Vereins Nassauischer Aerzte schon vor- schwebte, findet sich dieser Tage in einem großartigen Maßstab in einem Bericht aus Paris wieder, wo sich unter des berühmten Orfila Vorsitz eine Association der Pariser Aerzte gebildet hat, deren Zweck derselbe ist, wie er oben bezeichnet wurde, und deren Statuten vom Ministerium dem Präsidenten zur Unterschrift vor­gelegt sind. Schreiten auch wir Nassauische Aerzte auf dieser Bahn vorwärts; lassen wir den Vorwurf, dem Bedürfniß der Zeit nicht Rechnung zu tragen, nicht länger auf uns ruhen, indem wir durch den Verein Nassauischer Aerzte die Basis zu einem recht wissen­schaftlichen Leben legen, damit die Aerzte und alle Sa­nitätskinrichtungen die möglich höchste Stufe von Aus­bildung erlangen und den gerechten Ansprüchen des Publikums und des Staates am besten entsprochen werde.

Um aber einem solchen Vereine eine feste und dauer­hafte Grundlage zu geben, ißeö nöthig daß er an eine Ordnung gebunden ist, daß er eine Regel hat, und daß seine Statuten von de? Staats-Regierung gut­geheißen sind. Es ist daher ein Entwurf mit Benutzung verschiedener Statuten andrer ärztlicher Vereine aus- gearbeitet worden, der an sämmtliche Aerzte des Landes zur Prüfung vertheilt werden wird. Nach Berathung und Festsetzling wird dann das hohe Ministerium um Genehmigung zu bitten sein und erst nach ertheilter Genehmigung kann der Verein als definitiv gegründet betrachtet werden.

Die Situativ»» i» Frankreich.

X Eine allgemeine Mobilmachung wird wohl der erste Akt der neuen Heiligen Allianz sein. Was wir gestern andeuteten, findet heute bereits, in diplomatische Baumwolle gewickelt, neue Belege in derPr. Ztg.", wie in derFr. Sachsenztg." und in derO.P.A-Z." Der Ruf des heiligen Rußlands an die Fürsten lautet:Auf nach Frankreich!" Bei dem Sturze Napo­leons erging der Ruf an die Völker das ist der große Unterschied. In Paris, wo laut einer telegra­phischen Depesche des französischen Gesandten von Berlin die Versicherung eingetroffen, daß Oester­reich und Preußen jetztim 'vollkommendsten Einver- ständniß" stünden, bereiten die Verbündeten der heiligen Allianz den große» Streich vor, der zur Invasion den Vorwand geben soll. Am 28. Mai will Laborde den Antrag auf Herstellung der Erbmomarchie stellen. Lamartine hat dagegen einen Aufruf imPays" er» lassen, worin er die Männer der Regierung be­schwört, nicht eine Stunde zu verlieren, um zu hand- len:Euer 18. Fructidor," ruft er ihnen zu,liegt in drei Thaten: widerruft das Gesetz vom 31. Mai; ernennt ein Ministerium, das der Republik wieder Vertrauen einflößt; erklärt, daß ihr um keinen Preis die nächste Kandidatur zur Präsidentschaft annehmt, damit euer Patriotismus nicht bezweifelt werde. Dann schlaget die teilweise Berfassungsrevifion vor und kümmert euch nicht darum, ob die NatsVers. sie votirt oder nicht; ihr habt alsdann eure Pflicht gethan und Frankreich wird darnach die seinige thun!" Pflichtge­fühl und Rechtschaffenheit verlangt Lamartine; doch eitles Beschwören! L. Bonaparte würde das Wahlgesetz und das Kabinet Faucher unbedenklich opfern, wenn er dafür die Sicherheit erhandeln könnte, daß er an der Spitze bliebe! Die Monarchie hat die politischen Charaktere in Frankreich so demoralisirt, daß sie keine Hingebung ans Vaterland kennen; die ganze Ordnungs­partei kennt nur einen Spruch:Der Staat bin ich!" Wenn sie nur das Land ausbeuten können, so gilt es ihnen gleich, ob es unter der Monarchie oder Re­publik geschieht; sie lieben die Monarchie nur, weil diese ihrem Ehrgeize und ihrer Habgier ein größeres Feld verheißt; sie hassen eine aufrichtige Republik, weil sie ein Staat ehrlicher Männer werden müßte. In der vorgestrigen Sitzung wurde wirklich beschlossen, Moulins und Morins beide Anträge in Betracht zu ziehen; Girardin rief der Ordnungspartei zu, der Straßenkampf sei unvermeidlich, sobald die Republik gefährdet werde! Das aber ist es ja grade, was die beilige Allianz will! Die Linke erhob einen solchen Sturm des Beifalls, daß der Prä­sident mit dem Ordnungsruf vSrrückte und die Sitzung unterbrochen wurde. Gestern tegann die Prüfung der beiden Anträge. Am Mittwoch erklärte derNa­tional" feierlich:Wir wiederholen es, ihr wollt den Sturz der Verfassung, um zur Monarchie zu gelangen, doch wir, wir bleiben der Verfassung treu, weil wir geschworen, für die Republik zu sterben!" Haben die 212 Männer, welche am Mittwoch gegen die beiden Propositionen stimmten, den Muth, für die Republik zu sterben, ist es nicht blos Redensart, und ist die kolossale Majorität der Franzosen entschlossen, end­lich einmal als Republikaner handeln, dann frei­lich dürfte sich die Contrerevolution verrechnet haben, dann ist die Republik, ist Frankreich gerettet, dann, aber auch nur dann!

Asfis-nverhandlungen zu Wi-Sbaden.

Anklage gegen Simon Adam Lerch und Lo­renz Astheimer von Hochheim, wegen aus­gezeichneten Diebstahls.

r^ Wiesbaden, 23. Mai. Präsident: Herr Di­rektor Flach; Staatsanwalt: Herr Substitut Moriz- Vertheidiger: Herr Prokurator v Arnoldi.

Die Anklage lautet dahin, daß die Angeschuldigten in der letzten Neujahrsnacht in die Wohnung des Sattlers Wilhelm Paul zu Hochheim in der Weier­straße eingebrochen, in der Wohnstube einen Pult er­brochen und daraus eine Summe von mindestens 80 ff. genommen und sich widerrechtlich angeeignet hätten. Der Einbruch durch die mit Backsteinen gemauerten Wand geschah in dem zwischen dem Panl'schen Hause und dem des Schmieds Meier befindlichen Neile der von der Straße durch eine Mauer abgeschlossen ist. Mit dem entwendeten Gelder begaben sich die Ange­klagten des folgenden Tages nach Mainz, wo sie in mehreren Wirthshäusern, als zur Start Mainz, bei Weinwirth Gottschalk rc. einkehrten und bei Bezah­lung ihrer Zechen stets die Hände voll Geld hätten. Auf dem Rückwege nach Hochheim gegen Abend zank­ten sie sich vermuthlich wegen Theilung des Gestohle- nen bei der Champagnerfabrik so arg, daß selbst Lerch den Astheimer einmal in die Weinberge warf; auch trugen sie Gepäcke bei sich, wie dies mehrere Jungen, die in der Nähe waren, gesehen und gehört haben.

Die Angeklagten leugnen hartnäckig die That mit allen Uniständen. Ihre Aussagen stimmen : von einigen unbedeutenden Widersprüchen abgesehen so ziemlich überein. Ihre Geschichtserzählung über ihr Thun und Treiben während der fraglichen Zeit weicht ganz natürlich ganz von der des Anklageakts ab. - Die Angeklagten zeichnen sich durch barsches, freches Auftreten aus. Dieses, ihr aufbrausendes Benehmen wird und kann seinen Eindruck nicht verfehlen.

Zeuge Paul erzählt, daß er am Abend des 31. Decembers 1850 in die Wirthschaft des Joseph Woll­merschied, seinem Speisewirth, gewesen sei, und daß bei seinem Eintritt Adam Lerch ihm sofort Brannt­wein zugebracht, er aber demselben keinen Bescheid gethan habe. Nach 7 Uhr sei er von dort weg und auf die Burg Ehrenfels zur Musik gegangen. Als er um 3 Uhr des Morgens nach Hause kam, in das er durch das Thor eingetreten sei, habe es ihm, sobald er die Wohnstube betrat, ausgefallen, daß die daraus in den Laden gehende Thür halb geöffnet gewesen sei. Die von der Straße in den Laden führende Thüre habe er unversehrt gefunden, von dem bereits bezeich­neten Neile aber sei die Wand durchgebrochen, sein in der Wohnstube stehender Pult sei erbrochen und die darin befindlichen circa 80 fl. seien abhanden gewesen. Dieser Betrag habe theils in Gulven- und H.lbgnl- denstücken, theils in Sechsbätznern, kleinen K-euzern rc. bestanden; ferner seien ein holländisches Fiinfgulven- stück, wahrscheinlich auch mehrere Papierscheinen dabei gewelen. Er bemerkt schließlich, daß man aus dem Hofe des Nachbars, Schmieds Meier, ohne weiteres in den erwähnten Neil gelangen könne. '

Zeuge Martin Meier, des Nachbars Sohn, will gesehen haben, daß Adam Lerch den 31. Decembers 1850, Vormittags 10 Uhr, dreimal vorm Hause des Sattlers Paul auf- und abgegangen und in die Fen­ster desselben geschaut habe. (Schluß folgt.)

W Wiesbaden 24. Mai. Das heute erfolgte Ver­dikt der Geschwornen in der obigen Anklagesache lautet dahin, daß die Angeklagten des angeschnldigten Ver­brechens schuldig >eien. Der Gerichtshof erkannte hierauf gegen die beiden Angeklagten 3 Ia hre Z u ch t - Haus und VerfäUigung in die Kosten.

Deutschland.

O Vom Mühlberg am Höchst, 21. Mai. Vor st tilgen Tagen wurde zu Hirschberg, Justizaints Diez, rln schauderhaftes Verbrechen verübt. Eines Morgens, da die meisten Leute außerhalb des Ortes ländlich be­schäftigt waren, trat ein fremder Mann, der über Wacht in demselben beherbergt worden, in den Hof eines Land- manneö und fragte einen Knaben von etwa 17 Jah­ren:Habt ihr Ferkel? Ja!Zeige sie mir!" Der Knabe, nichts Arges fürchtend, ging zum Stalle, um die Ferkel zu zeigen. Der fremde Mann ging in den Stall, besah die Thierchen, zog alsbald den Kna- ben mit hinein, ergriff ihn und brachte ihm mit einem Messer zwei Schnitte am Halse bei, worauf der Mord­luftige die StalltZire beilegte und sich eiligst entfernte, ohne daß ihn irgend Jemand bemerkte. Der Knabe, ein Pflegling von Diez, schrie, wahrscheinlich zu sehr erschrocken und zu sehr blutend, wenig um Hülfe. Als seine Angehörigen von der Arbeit zurückkehrten, ward der Knabe gerufen, gesucht, endlich fand man ihn im PferdestaU an der Krippe anlehnend, blutend und ab- gcmattct Sich über seinen schrecklichen Zustand wun­dernd, fragte man ihn: was ist hier geschehen? Der Knabe erzählte das oben Erwähnte und sagte:Ein fremder Mann hat mich in den Stall gelockt und in den Hals geschnitten." Augenblicklich wurde die Sache ans betreffende Amt berichtet und die Gensd'ar« inerte in Bewegung gesetzt. Nach wenigen Tagen ward der von dem Knaben nach seiner Kleidung beschriebene und kenntlich gemachte Thäter ergriffen, demselben vor­geführt und alS Vollzieher der That bezeichnet. Die