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Wahrheitsliebe, daS angeregte MortalitätSverhältniß entweder einzugestehen, oder mit treffenden Gründen zn widerlegen. Wir Aerzte würden es nur wünschen, wenn die von dem Wiesbadener College» versuchte Widerlegung stichhaltig wäre. Aber sie ist es nicht, und daß sie es nicht ist, werde ich in Folgendem dar­thun.

Die Rechnung in No. 107, nach welcher in den mitteleuropäischen Staaten, als Dänemark, Schweden, England und Deutschland jährlich aus 1000 Einwoh­ner nur 2024 Tode, in Nassau aber auf 1000 so­gar 26 Tode kämen, läßt der Corresponden; von Wies­baden im Grunde unberührt, was Jedem etwas ver­dächtig erscheinen mußte, sondern er führt auS Dr. Müllers Arbeit irrthümlich an, daß im 1te.i Distrikt von Nassau auf 1000 Einwohner in 26

Jahren......... 670,

2ten Distrikt ........610,

3ten Distrikt .....608, 4ten Distrikt ....... 604, also im Mittel von 26 Jahren . . 623,

,, 1 Jahr . . 24 starben,

mithin die unterste Grenze der Sterblichkeitsscala in den genannten Staaten erreicht. Jedoch so etwas be­rechnet und sagt Dr. Müller nicht, sondern von den in 26 Jahren (18181843) in den 4 Distrikten Geborenen (98,324 63,337117,655 - 63,320) starben (65,838 38,558 - 74,576 38,120) also auf 1000

in 26 J. Geb. 670 610 608 604.

Es verwechselt also der Correspondent zwischen 1000 Einwohnern und 1000 in 2 6 Jahren Geborenen, nimmt also die vor dem Jahr 1818 Gebornen in seine Rechnung nicht auf. Mit Vermei­dung dieses letzter» würde er dasselbe Resultat wie sein Gegner, ein Rechenmeister, erhalte» haben.

Einen zweiten Widerlegungsgrund findet der Cor­respondent von Wiesbaden in der enormen Bevölke- rungszunahme oder in der Zahl der von 1818 bis 1843 Geborenen und verweist hier zum nähern Auf­schluß auf Oesterle». Jedoch ist dieser Grund nicht recht einleuchtend, denn Oesterle» sagt (pag. 816), daß in Deutschland und Frankreich jährlich auf 26 30 Einwohner 1 Geburt, in England 1 auf etliche 30 käme^ während doch auch auf Nassau (nach Müller P. 6 Tab.1) ebenfalls auf 26 Einwohner 1 Geburt kommt; ferner rechnet man in England und Frankreich auf 1 Ehepaar nahezu 4 Kinder; in Deutschland, Belgien, Niekerland und Schweden (?) zwischen 4 5; in Nassau (nach Müller pag. 6 berechnet) jährlich im Mittel auf 2948 cvpulirte Ehepaare 13287 Kinder oder auf ein Ehepaar 4% Kinder; aber Müller gibt p. 13 durchschnittlich auf die Familie nur 2% Kinder an. So wären den» auch alle diese Verhältnisse Nassaus gleich oder ziemlich gleich den übrigen mitteleuropäi­schen Staaten, die enorme Bevölkerungszunahme ist hier wie dort; , so beträgt sie in England von 1821 bis 1841 ( Oesterle» p. 822) in 22 Jahren 32 Proc., also in 1 Jahre 6 Proc., in Nassau in 26 Jahren 38 Proc., in 1 Jahre daher 5 Procs, dort jedoch kommt jährlich auf 45 Einwohner 1 Todter, in Nassau aber schon auf 38 Einwohner.

, , Der Correspondent von Wiesbaden hat daher nochmals bewiesen und bestätigt, was der Verfasser des Artikels in No. 107 be- rechnet hatte, das nämlich, daß trotz der günstigsten climatischen und gesellschaftli­chen Verhältnisse Nassaus doch daS Mor- talitätS - Verhältniß am »»günstigsten ist. Mögen bessere Rechenmeister ein besseres Resultat er­halten, die bis jetzt versuchten Rechnungen haben nur ein schlechtes geliefert!

Daß aber das Medicinaledikt von 1818 die Schuld dieses traurigen Ereignisses trägt, dieses ist eine Frage, deren Beantwortung ich mir nicht anmaße. Wenn aber nach den Ergebnissen der Statistik und nach den

Grundsätzen der GamdheitSlehre die größere oder ge- , ringere Sterblichlebnichts Zufälliges ist, sondern von ! bestimmten und nachorisbaren Lebenseinflüssen abhängt, ! diese äußere LebensA'hältnisse in Nassau aber, so weit sie bekannt, als rativ günstig angenommen werden können; so liegt ach sicherlich einem Laien, in Er- Mangelung oder bei Jifenntniß anderer Ursachen, die ; Frage nahe, ob nét jenes ungünstige Mortalitäts- Verhältniß die Mrdiual - Organisation zur Ursache habe. Indem er stimmn diese Frage mit Ja beant­wortet, verfährt er Hefahr so, wie wir Aerzte unbe- kannte Ursachen vonKrankheiten in atmosphärischen oder tellurischen Eimissen, Krankyeitsgenius in Gott und Teufel suchen. Der Colleg von Wiesbaden hätte daher wohl einem atm denjenigen Fehler nachsehen können, den wir 'iv^c. selbst alltäglich begehen und uns selbst nachsehen An seiner Stelle hätte ich daher um einen solchen es der Medicin entlehnten Fehler nicht viel Worte güacht, da der Rechenmeister von Nro. 107 uns Rastil er Aerzte gar nicht als Urheber des schlimmen Stblichkeitsverhältnisscs beschuldigt, sondern frcispricht. Wie können wir Aerzte es auch ; verschulden, wenn äs Publikum auS Unbemitteltheit i oder Nachlässigkcit.-ie billige ärztliche Pflege schlecht ; oder auch gar nie gebraucht! Ob nun das Me- ] dicinalkdict die inderische Schuld trägt, könnte Jeder je nach dem Stanmnkt, von welchem aus er die Sache ! beurtheilt, Verseöden mit gewiß oder ungewiß, wahr­scheinlich oder rwahrscheinlich, zum kleinen oder gro­ßen Theil rc. ."antworten, ich selbst würde die Frage offen lassen. Denn erkennen wir einmal jene Mißver­hältnisse beingroßen Theil des Landpublikums (Unbe­mitteltheit ut Nachlässigkeit) in Betreff der ärztliche» Hilfeforderur an, so kann man fragen, warum kommt die Mcdicimorganisatiou nicht diesen Mißverhältnisse» entgegen ur ueutralisirt sie, warum bietet sie nicht dem Landpvlikum die ärztliche Hilfe für den Einzelnen unentgeldliä etwa durch summarisch bezahlte ländliche Polyklinikel. warum befördert sie nicht die Bildung von Krankender»?», um auch dem Unbemittelten und Nach­lässigen bnBesuche», die sich an bestimmten Tagen wiederholn und den Arzt aus öffentlichen oder Ver- einSkaffen ezahlt werden, eine freie ärztliche und mög- lichst auch charmaceutifche Behandlung so zu sagen mit dem PräMrteUer zu bringen; warum ruft nicht die Meticinal-Organisation solche nützliche Anstalten in das Leben, »eiche gleichzeitig den Zwecken des Arztes, der öffentliche Sanität und den Bedürfnisse» des Land­publikums eUp rechen, während sie noch so viele ab­genutzte und snnütze Einrichtungen von anno 1818 bis anno X fuschleppt? Gewiß werden meine Col­lege» auf demLande sich einverstandell erklären, daß die vorgeschla^nen und ähnliche Institutionen ein Be­dürfniß für üs aufwucherude Landproledariat wären, dem Arzte cifu größere Wirksamkeit und einen besseren Erfolg seiner SHKügkeit, dem Staate aber ein u stige r eS Ä ^rt« lität sv er halt niß sch a ffe n. Schwerlich aber möM sich solche Anstalten mit und innerhalb der bestehend» Medicinal-Organisatio» rea- lisiren lasse», ohne ggeir wesentliche Bestimmungen derselben zn verstoßen. Infere Medicinal-Organisation erfüllt daher nach den Grundsätzen der wissenschaft­lichen Staats- Gesuudhetspflege nicht vollkommen 1 ihren Zweck, indem sie zegen erfahr»ngsgemäße Hin­dernisse eines günstige u Mortalitäts-Verhältnisses, keine andere Mittel biete, als billige Taren und trotz dieser billigen Twen ist die Mortalität eine ungünstige. Es müWt daher zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesludheit, als Aufgabe der öf­fentlichen Gesundheitspflege, Mittel in der Medicinal- Organisation aufgeboten rurden, die besser als die seit­herigen ihren Zweck erfüllt». Daher das Feldgeschrei der Aerzte: Eine Reform! i

* Wiesbaden, 15. Ma. Die bis zum 13. dieses Monats gehende Kurlifte meldet mit Einschluß der ' Wintergäfte 1223 Gäste.

* Wiesbaden, 15. Mai. 1850 war das Jahr be, Mlnisterkonferenzcn, 1851 kommen die Fürstenkon- gresse. Den Czar begleitet der Reichskanzler Nessel rode nach Warschau; auch Herr von Meyendorff in Deutschland so trefflich für Rußland operirt' bll geht von Wien nach Warschau, wohin der König von Preußen mit dem Preußisch-russischen BundeStaqSae. sandten von Rocho»v und mit Herrn von Manteuffel zieht. Der König von Preußen will seinen Schwager zur Euthüttungsfeier der Statue Friedrichs des Große,! nach Berlin einladen. Laut den neuesten Wiener Be­richten findet zwischen dem 20 und 24. Mai in Ol- mütz ein Kongreß der Monarchen von Rußland, Oester­reich und Preußen statt. So meldet dasConst Bl aus Böhmen", dieBoss. Ztg." und dieAgsb. Al/ Ztg.", die heute heftig für Schwarzenbergsgroße Idee" des Gesammteintritts kämpft, berichtet, daß be­reits 4 Husarenregimenter, ein Theil der Brünner Garnison umv zwei deutsche Kavallerieregimenter Be­fehl haben, in die Umgegend von Olmütz zu eilen wo bei der Anwesenheit der Monarchen große Manö­ver ausgeführt werden sollen. Der Kaiser Franz Jo­seph ^olt die beiden Gäste von Dresden nach Olmütz ab. In Wien ist auch von einem Kongresse der drei Schwestern die Rede: die Erbherzogin Sophie wird mit der Königin von Preußen bei ihrer dritten Schwester in Dresden zusammen kommen.

Frankfurt, 13. Mai. (Fr. Bl.) Der Präsident der französischen Republik hat den Herrn von Tal- lcnay, Commandeur deS Ordens der Ehrenle­gion re. 2C., in der Eigenschaft eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers bei hohem Senat hiesiger freien Stadt accre- d i t i r t.

Frankfurt, 14. Mai. (O.-P.-A.-Z.) Der königl. preuß. General-Lieutenant und Bundcstagsgesandtcc, Herr Baron v. Rochow, ist in der heutigen Bundes- jagöfitzung durch den k. k. öftere. Bundestagspräsiken« ten, Herrn Grafen von Thun-Hohenstein, feierlich ein­geführt worden. Herr v. Rochow wird sich am 18. d. M. nach Warschau begeben, von dort jedoch bald wieder zurückkehren.

Darmstadt, 12. Mai. .Heute Nachmittag erfolgte das Urtheil des Cassationshofs in den Anklagesacheit gegen den gewesenen Redakteur derMainzer-Zeitung" Suder, wegen zwei im December 1849 und Januar 1850 begangener Preßvergehen. Der oberste Gerichts­hof kassirte das Urtheil des Kreisgerichts zu Mainz, das sich in Gemäßheit der Preßverordnung vom 4. October 1850 für kompetent erklärt hatte, indem er» sterer davon ausging, daß nach der Individualität des Falls die. Preßverordnung tmie ruetivirt^ike Kraft habe äußern fülltem Die Anklage wird somit von dein Schwurgciffcht abgeurtheilt werde,»

Tübingen, 13 Mai. (Würt. Ztg.) Die Unter­handlungen mit Professor Robert Mo hl in Heidel­berg, um» ihn zum Kanzler der Universität Tübingen zu gewiliue», sind jetzt definitiv abgebrochen. Sie sind nicht am Geldpunkte gescheitert, sonderns was Herrn Mohl zur Ehre gereicht, am Prinzipieiipunkte. Herr Mohl ist näinlich wegendes unbefriedigenden Inhalts" der Eröffnungsrede vom 6. Mai, so wie wegen der gegen einzelne StaatsdieNer in Anwendung gesrachten Maßregeln (Entlassung, Versetzung, Urlaubsverwcige- rung) zurückgetreten, und eS sind nunmehr mit dem Professor Albrecht in Leipzig Unterhandlungen ein­geleitet.

Oldenburg, 11. Mai. (Wes. Ztg.) So eben ist das neue Ministerium definitiv ernannt. Die Herren v. Buttel und Berg haben ihre Entlassung bekommen. Die Stelle des ersten übernimmt der Ober- gerichtsrath, Kammerherr v. Rössing. Herr Major Römer, Herr v. Eisendecher und Herr Krell bleiben auf ,h>ein Posten. Letzterer übernimmt vorläufig ne­ben seinem bisherigen Departement der Finanzen das

war vollendet. DaS Innere und vor Allein der Minen- district, waren kaum je von Weißen betreten und eS herrschte, bis jene EntdeckungDausende von Menschen aller Rationen dahin warf, ein voUkommenes Dunkel darüber. DaS Verdienst, unter allen cipiüisirtrn Menschen zu­erst zwar nicht die Entdeckung des Goldes, wohl aber die ersten auf Gründe basinen Vermuthungen eines RcichsthumS edler Metalle in Kalifornien aufgestellt zu haben, bleibt Aleranoer v. Humbolct, jenem viel­gereisten Wanderer, dessen Forschergeiste auch in jenen Gegenden durch Benennung eines Flusses nach seinem Ramen (Humboldt river) ein gerechter Tribut gezollt und der daher selbst dem rohesten Abenteurer, der je von Osten über die rocky mountains diesem ge­lobten Lande zuzog, als mit dem Ziele seiner Reise in Verbindung stehend, bekannt ist. Die zufällige Entdeckung des Goldes bei Sutterswill, dem heutigen Coloma, ist zu bekannt, um näher darauf einzugehen, doch möchte eine bamit in Verbindung stehende That­sache, daß dieses Metall lange jener Periode den ein­geborenen Indianern bekannt gewesen, weniger in's Publikum gedrungen sein. Ein alter kanadischer trapper, (Fallensteller), der seit fast 30 Jahren die weiten plains und die steilen Gebirge der rocky-mountains durch­streift und oft seiner gründlichen Kenntnisse der In­dianer halber vom amerikanischen Gouvernement als Unterhändler gebraucht ward, theilte mir einst, als der Zufall mich mit ihm in Berührung brachte, fol­

gende unter den Gebirgs-Indianern bestehende Sage mit, die ich ihrer Orignalität wegen in seinen Worten ivicdcrzugcn versuchn will:

In alten, alten Zeiten vohnten unsere Väter gegen Sonnenuntergang in einem fernen Lande, und ein großes Wasser lag zwischen ihnen und Uns. Einst trat dieses Wasser aus scinemBette uiio überschwemmte fast das ganze Land; Tausende kamen um in den Wasser», denn der große Seist zürnte feinen rothen Kindern und drohete Verniihtung ihrem ganzen Ge­schlechte. Die Weisen unter ihnen berathschlagten lange und ernstlich, wie zu besänftigten den großen Geist; die Meinungen waren lange getheilt, endlich trat ein Greis, der Weiseste des Stanmes, auf und sprach: Kinder, mein Haar ist gelleicht .durch den Schnee vieler Winter, ich habe lange gelebt; im Traume trat der große Geist zu mir und sprach: Verlasset die Gräber eures Stammes, verlasset die Gegenden, wo Ihr den Hirsch jagtet, und Mn Bieber nach stelltet, bauet Euch große Canoes und fahret der Sonne ent­gegen; dort werdet Ihr ein neuest Land finden, doch dieses Land ist nicht für Euch bestimmt, immer weiter sollt Ihr wandern, bis Eure Füße wund werden; über hohe Berge sollt Ihr steigen, bis Ihr eine große Ebene vor Euch sehet; diese weite Ebene gebe ich Euch zu Euren Wohnsitzen, dort sollt Ihr Euer Wild sagen und ich will meinen Kindern wieder ein lieber Vater sein."" Diese Rede machte einen mächtigen Eindruck;

unsere Väter thaten wie ihnen geheißen und erreichten glücklich unser Land; es war ein schönes Land, unbewohnt, und wie sie weiter in die Gebirge eindrangen, fanden sie ein gelbes Metall, es war Gold, das ihnen sehr ge­fiel." Die Eitelsten unter ihnen machten Zierrathen daraus und schmückten sich damit, und da viel Wild in der Gegend war, beschlossen Etliche trotz des Ver­botes hier zu bleiben. Darob zürnte der große Geist und fluchte ihrer; während er die gehorsamen Kinder den wiloen Büffel der Prairien jagen und eine ewige Glückseligkeit genießen ließ, gab er den Zurückgebliebenen nur Wurzeln und Baumrinde zur Nahrung, er er­schlaffte ihre Glieder und machte sie unfähig beu Hirsch zu jagen und sprach einen schrecklichen Fluch über ihre Eitelkeit auS, die sie vor Allem zum Ungehorsam ver­leitet hatte. Er sprach:Verachtet von Euren Brü­dern in den Prairie» sollt Ihr leben, umgeben von diesem gleißenden Metalle, dessen Glanz Euch verfüh­ret; Ihr sollt es täglich sehen und desselbigen doch nicht froh werden; die Furcht soll Euch tobten, beim wisset, sobald das große Volk, meine weissen Kinder im fernen Osten, dieses Metall bei Euch gewahren, sollt Ihr Alle bis auf den Letzten Eures Stammes von jenen vertilgt werden; dies sei Eure Strafe."" So sprach Der große Geist zu seinen ungehorsamen Kindern, das Gold hörte auf, sie zu reizen, sie vergruben ihre Zier­rathen und suchten auf alle Weise, dieses Metall den Blicken der Weißen zu entziehen."