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ins Leben träten; doch Eins nicht ohne das Andere! Sollen die Aermel am Leibrock verändert, so muß auch daS Vorder- u. das Hintertheil umgearbettet werden, sonst gibt es eine Mißgestalt; sollen daher Schiedsgerichte in und unter das Volk komme»: so müssen, da diese schon ein Haupttheil an der Staatsmaschine ist, dec ganze Staar umgearbeitet werden, und das ist kein kleines, sondern ein großes, viel Arbeit verursachendes Werk, das Staatsweisheit und Staatsklugheit zur Aus­führung erforderlich macht.

Steht es einmal fest: Schieds« oder FrieoenSgerichte sind den Staatsbürgern nützlich und heilsam, vereini­gen sich viel Stimmen zu ihrer Realisiruug: so wird gewiß auch unsere Staatsregierung auf sie eingeben; aber gewiß nur auf eine weise Gesetzgebung basirt, werden sie sich nützlich erweisen können.

* Wiesbaden, 6. Mai. Schwarzenberg benutzt - die Restauration des Bundestages, dessen Verhandlungen er erst abwarten wolle, dazu, von allen Organisationen im Kaiserstaate abzustehen. Da er diese Verhandlungen dirigirt nach seinem Wohlgefallen, so jisl dieser Sisti- rungsgrund eben mur ein Vorwand, um Zeil zu ge­winnen, bis eine Anleihe zu schließen gelingt, und dann dieOrganisationen ad calendas graecas," d. h.so lange es hält," zu vertagen. Uebrigens verfolgt Oesterreich den Eintrittsplan nach wie vor. Die Centralgewalt in Frankfurt soll bis zur förmlichen Restauration des deutschen Erbkaiserates nur in einer Assekuranzanstalt gegenalle revolutionären Erhebungen" bestehen. Die ZusamMenknnft des Kaisers mit dem Czar in Warschau, wo auch der König von Preußen erwartet wird, muß daS Weitere ergeben. Der Schlußsitzung in Dresden, welche wahrscheinlich am 14. oder 15. erfolgt, wird Schwarzenberg nebst Manteuffel beiwohnen.

Bad Homburg, 4. Mai. (Han. Ztg.) Unsere Saison hat nun offiziell begonnen, und der zuströmende Fremdenverkehr beweist uns, daß dieselbe eine brillante werden dürfte. Schon jetzt, obgleich die Witterung noch sehr kühl ist, bemerkt man Morgens viele Gäste am Brunnen.

Mainz, 5. Mai. Nach derOberpostamts-Ztg." ist diese Woche bestimmt eine Vorlage der Regierung au die Staude bezüglich einer -Subvention der hessi­schen Ludwigsbahn durch den Staat zu erwarten. Die Proposilion der StaatSregierung wird dahin gehen, eine Betheiligung des Staats bis zu anderthalb Mil­lionen Gulden kintreten zu lassen und dann erst einen Zinsengenuß zu beanspruchen, wann die Aktionäre ihre SpCt. erhalten haben.

Gießen, 2. Mai. (Mainz. Abdp.) Die hiesige ka- tholisch theologische Fakultät kann faktisch als aufge. Hoben betrachtet werden. Alle Studirenven der katho­lischen Theologie besuchen auf ausdrückliches Verlangen des Bischofs die Mainzer Anstalt, an welcher die Herren Mouffang, Riffel, Heinrich, Hirschel, Trage­sen 2£. 'bociren.

Hannover, 3. Mai. Am Abend vor seiner Ab­reise hat der König, dem Vernehmen nach, noch Herrn Stüve bei sich gesehen, und die Städteordnung durch Unterschrift vollzogen.

Braunschweig, 30. April. Die- Vorlage der Re- gierung über eine veränderte Zusammensetzung der Kammer und ein neues Wahlgesetz soll in der Cour­mission auch nicht einen Fürsprecher gefunden haben. Die Commission will einen eigenen Entwurf aufstellen, der aber seitens der Regierung auf Widerstand stoßen wird.

Dresden, 2. Mai. (Weser-Ztg.) Die (Konferenzen werden doch nicht so plötzlich auseinander gehen, wie die Zeitungen bereits verkündeten. In Wien hat man sich entschlossen eine Frist zu beantragen, während wel­cher die Regierungen über die verichiecenen Vorlagen der Commissionen ihre Entschließungen fassen können, und beabsichtigt einen Abschluß mit der Abgabe dieser Erklärungen erst am 15. d. Mts. eintreten zu lassen,

zu welcher Zeit der Fürst Schwarzenberg wieder nach Dresden kommen wird. Es wird also jedenfalls noch i versucht werden, in Dresden ein Resultat zu erlangen, und man wird sich nicht damit begnügen, die Commis» sionsarbeiten durch daS Medium des Pleni an die Re­gierungen zu senden und diesen die Verfügung des Weitern durch das Organ des Bundestags, zu über­lassen.

Hamburg, 2. Mai. Die heftigste Ent­rüstung gibt sich heute hier kund über den meuchelmör- berischen Ueberfall, den ein Haufe österreichischer Sol­daten gegen den Redakteur desMephistopheles", Hrp. Marr, ausführte. Vier jener fremden Soldaten haben Hrn. Marr in seiner eigenen Wohnung dermaßen miß­handelt, daß derselbe für todt liegen blieb, während zwei die Thür bewachten und einer die Wirthin, die nur allein im Hause war, daran verhinderte, Hülfe herbei zu rufen. Blutend und besinnungslos traf der nach fast einer halben Stunde herbeigekommene Arzt Hrn. Marr an, der bedeutende Contusionen am Körper aufzuweisen hat, die aber nach der Erklärung des Arztes nicht lebensgefährlich sind. Wenn auch der Mephistopheles" sehr oft hiesige Persönlichkeiten an- angnff, so hat er aber nie unsere österreichischen Gäste zum Ziele seines Witzes gemacht. Da überhaupt Die­jenigen, welche das Attentat verübten, denMephisto­pheles" gar nicht lesen, da sie fast kein Wort deutsch sprechen können, so kann selbst dann, wenn dieses Blatt auch etwas gegen Oesterreich enthalten haben sollte, nimmermehr cer Grund zu dieser Brutalität darin ge­sucht werden. Es müssen hier ganz andere Persön­lichkeiten hinter den Coulissen stehen, welche jene Atten­täter zum Werkzeug ihrer persönlichen Rache benutzten. Es wäre zu wünschen, daß die Untersuchuug gegen die Uebelthäler mit auer Strenge und ohne alle Partei­lichkeit geführt werde, wie dieß der General von Lege- disch dem Anwalt des Hrn. Marr versprochen hat.

Hamburg, 2. Mai. Gegen die sechs österr. Sol­daten des k. k. österr. Regiments Nugent, welche den Redacteur des hier erscheinenden WitzblattesMephi­stopheles" in seinem Zimmer überfielen und Gewalt­thätigkeiten an ihm verübten, hat bereits die polizei­liche Instruction begonnen, und wird auch, wie der hiesigeCorrespondent" mittheilt, die k. k. Militärbe­hörde nichts unterlassen, um den Thätern auf die Spur zu kommen.

Aachen, 2. Mai. (Aachn. Z.) Die Missionen werden in Aachen in der Stiftskirche durch die Patres Noh, Patischt, Anderley; in der Pfarrkirche St. Nicolai durch die Patres Haßlachcr, Jos. Klinkowström und v. Waldburg-Zeil; dagegen in Burtscheid durch die Patres Weftenbvrg, Thuiner und Wilmers gehalten. Dirigent ist der Pater Haßlacher.

Berlin, 3. Mai. (Nat.-Ztg.) Alle Nachrichten, die schon jetzt über die Reise des Königs nach London umhergetragen werden, dürften verfrüht sein; gewiß ist wenigstens, daß sich noch unmittelbar vor dem Antritt der Reise des Prinzen von Preußen dort­hin hier eine Anschauung der Berhältntsse Geltung zu verschaffen wußte, aus der heraus man selbst ein Auf- geben dieser Reise als wünschenswerth betrachtete und erstrebte. Nur an dem bestimmten gegenteiligen Wil­len des Prinzen sollen diese Bestrebungen gescheitert sein. Die Reise des Königs hängt daher wenigstens noch von mannigfachen Eventualitäten ab. Dagegen erhalten wir heute von einem andern Neiseplan des Königs detaillirte Kunde, nämlich von der Reise, die Se. Majestät in Begleitung der Königin nach W a r- schau unternehmen wird. Der Kaiser von Rußland kommt bekanntlich in Folge der KorpsmanöverS im Königreich Polen für einige Zeit dorthin. Nach dem bisherigen Plane sollte dessen Ankunft erst gegen Ende Mai stattsiuden; jetzt ist eine Nachricht hier eingetrof­fen , der zufolge die Kaiserin schon am 12. Mai ein­trifft, der Kaiser schon wenige Tage darauf. Wahr­scheinlich noch in der ersten Hälfte des Monats wird

deshalb die Streife"beS Königs und der Königin ge­schehen. Man spricht von einem großen Gefolge, wel­ches sie begleiten wird, und selbst von einemverant­wortlichen" Minister, der sich auf dieser Reise an der Seite des Monarchen befinden soll.

Dem Vernehmen nach würde bei der projektirten Vermehrung der Frankfurter Garnison überhaupt auch eine Vermehrung der dort garnisonirenden preußischen Truppen stattfinven.

Zur Errichtung eines Denkmals für den Grafen. Brandenburg hat sich jetzt eine Konnte, bestehend u. Ä. aus dem Ministerpräsidenten, dem General Wrangel, dem Redakteur derNeuen Preußischen Zeitung", ge­bildet, dem von Sr. Majestät erlaubt worden ist, sich bei der Ausführung der von ihm projektirten Bildsäule in Er; zu beteiligen. Die Sammlungen haben be­reits begonnen und sind bei der Expedition derN. Pr. Z." gegen 2000 Thlr. direkt und durch das Ge­neral-Kommando des 6. Armee-Corps 1100 Thlr. ein­gezahlt worden.

DieUrwählerzeitung" ist heute in einer anderen Offizin, bei W. Pormetter gedruckt, erschienen, aber polizeilich mit Beschlag belegt worden. DieRund­schau des Jahres 1850", eine am Schlüsse des vorigen Jahres in Leipzig erschienene Schrift, ist gestern con- fiscirt worden.

Magdeburg, 2. Mai. (Köln. Ztg.) Gestern Nach­mittag wurde, was bisher noch nie hierorts vorge­kommen ist, auf telegraphischem Wege von Berlin aus der fernere Debit des in Braunschweig verlegten Har- kortscheu Briefes au die Bürger und Bauern polizei­lich verboten. Die bezügliche Depesche war um 4 Uhr Nachmittags von Berlin abgegangen, und eine Stunde später hatten die Polizeibeamten bereits sämmtlichen hiesigen Buchhändlern das Verbot insinuirt.

Magdeburgs. Mai. (K.Z.) MeineVorhersagungvr. med. Löwe aus Salbe an der Saale werde in seiner Hvwvcrralhssawe vor unserem Schwurgerichte schwerlich in Person erscheinen und also in contumaciam verur- theill werden. Hat sich nur zum Theil bestätigt. Dr. Löwe war bei der gestrigen, sehr interessanten Verhand­lung seiner Sache nicht anwesend; der Gerichtshof er­kannte aber dennoch (in contumaciam) dal in, es sei derselbe eines nach preußischen Gesetzen strafbaren Hochver­raths nicht schuldig und demnach von der gegen ihn er­hobenen Anklage vollkommen freizusprechen. Eben so wurde vorgestern ein hiesiger angesehener Kauf­mann und Fabrikbesitzer, der nach Aussage zweier bet ihm einquartierten Soldaten beleidigende Aeußerungen über den König gethan haben sollte und deshalb der Majestäts-Beleidigung angeklagt war, von den Ge­schworenen e i n st i m m ig r n ichdsch u ld i g erklärt.

Wien, 30. April. In Warschau haben, demVi- dcnöki Denuik" zufolge, neuerlich Verhaftungen politisch Compromitlirtcr stattgefunden.

Zwischen dem hiesigen und dem Münchener Cabinette sind in den letzten Tagen wieder zahlreiche Mittheilungen gewechselt worden. Wie ich in Erfahrung bringe, be­trafen sie größtentheils die Dresdener Souferenzen, auf deren unverzüglichem Schlüsse Bayern besteht.

Wien, 1. Mai. (Nat -Ztg ) Die ganze innere Ver­waltung Oesterreichs wird jetzt nach provisorischen und Ausnahmegesetzen geleitet. Dieser Zustand lastet schwer auf allen Verhältnissen, der Handels- und Gewerbestand i wird von den Fmauzvcrhättuissm förmlich erdrückt und ! ihm jede freie Bewegung unmöglich gemacht. Aber die : Krisis scheint endlich nahe zu sein, und wenn man viel- i fach umlaufenden Gerüchten trauen darf, so hat sie be­reits ihren Weg ins Cabiml genommen. Fürst Schwar­zenberg wird und kann für sich wohl nicht abtreten, dagegen sollen die übrigen Minister, besonders die Herren Bach und Bruck über ihre Zukunft sehr bedenklich sein. Die Reichsräthe sollen, vorläufig außeramrlich, Aeußerungen gethan haben, welche den Zwiespalt zwischen ihnen und einzelnen Kabinetsmitgliedcrn, den Gerüchte als bereits bestehend erzählen, in sehr nahe Aussicht stellen,

wie dies alles in kurzer Zeit weniger Monate ent­standen ist, so bleibt der Zauber um so thätiger, und man kann die herumschwärmeudcn Arbeiter, ob sie nun englisch rasirt oder wienerisch bebartct, ob mit Blouse oder mit great coat bekleidet sind, für die Gnomen halten, wovon Rübezahl auf seinem Gebirge sich den Palast bauen ließ. Wie viele Londoner, welche alle Jahre einmal nach Hydepark kommen, werden nicht diese Ueberraschung gehabt haben. Es ist doch Schade, daß unsere zeitgenössische Statistik, die sich sonst so großer Fortschritte rühmt, noch nicht ein Mittel gefunden hat, um gestern mit einem Male eine Zählung des ver­sammelten Volkes vorzunehmen. Heute streiten sich die Zeitungen hin und wieder, in der Mitte liegt wohl die Schätzung, welche die Hälfte der londoner Be­völkerung, also eine Million, als anwesend annimmt. Es kommen nun noch dazu die Fremden, aber nicht sowohl die Fremden vom Continent und aus Amerika, sondern die Freuwen auS den englischen Provinzen, aus Schottland und Irland. Die große westliche Ei­senbahn hat in den letzten drei Tagen mittels 42 Zügen 106,000 Menschen hin her befördert, nicht weniger wird auf Liverpool und Birmingham-Eisenbahn fallen und die anderen nach Verhältniß. Gegen diese Massen verschwinden die 20- bis 25,000Foreigners", welche man bis jetzt als hier augekommen vermeint. Ich muß auch sagen, daß mir die so kennbaren Continen­tal - Physiognomiken durchaus nicht so aufstoßen, als ich vermuthete. Man scheint erst warten und hören

zu wollen, ehe man sich zur Reise entschließt. Im Uebrigen fmb diese Ankündigungen von Völkerschwär- men zu Hunderttausenvcn Späße, die in Punch und Charivari gehören. Die Zuschauer waren aus allen Stadttheilen, und es mußten darunter welche sein, die schon um 6 und 7 Uhr Morgens ihre fern gelegenen Wohnungen verlassen hatten. Obgleich ich zu den Westend-Bewohnern gehöre, so durfte ich nicht viel später aufbrechen, da ich mich leider zur Wagenfahrt nach dem Krystall-Palast engagirt hatte. Als unser Cab bei St. James-Park in Piccadilly einlenken wollte, bedeutete uns ein Polizeimann, daß wir zurück zu fahren und uns an die Reihe nach der uns zustehenden Tour anzuschließen hätten. Es war dies bis Regents- Quadrant, und noch weit hinter uns sahen wir die Queue der mannigfaltigsten Fuhrwerke bis zu Hay­market reichen. Nicht minder gedrängt soll es in Ox­ford-Street gewesen sein; denn vergessen Sie nicht, daß der einzelne Berichterstatter nur immer von seiner Umgebung berichten kann. Wenn man in Piccadilly so weit vorrückt, als James Park anfängt, so breitet sich auf der linken Seite eine weite Aussicht über den Wiksengrund des Parkes bis Buckingham Palast aus. Der Raum beträgt recht wohl in Länge und Breite eine Viertelstunde. Hier stand es Kopf an Kopf, alle von der Absicht hcrbcigeführt, den Palast und wo mög­lich die Königin, in jedem Falle aber zu sehen, was nur irgend zu sehen. Die Schranken, welche die Nasen- parterrkö gegen Eindringlinge schützen sollen, wurden

wie Strohhalme niedergebrochen, und die Polizei war so klug, ihre Unzulänglichkeit cinzusehen und dafür an auveren Stellen, wo es ihr leichter gelingen konnte, die Ordnung aufrecht zu halten. Im Ganzen hat die Polizei auch ihren Ruf gerechtfertigt; wenigstens würde es in keiner anderen Stadt des (Kontinente möglich gewesen sein. 4200 Constablers waren auf den Beinen, mit Nichts weiter bewaffnet als ihrem Stabe und dem Palladium des Gesetzes. Ich habe mehrere Mal ge­sehen , daß ein solcher aufgehobener Stab Hunderte des gemeinen Volkes, die sich in wildem Drängen über­stürzten, nicht minder als den betreßten und gepuderten Kutscher des Lords, welcher außer der Linie fahren wollte, zum Stehen brachten. Eine einzige Scene der Widersetzlichkeit sah ich im Hyde-Park. Ein Arbeiter hatte den Gipfel eines Bauines erklettert, um von oben daS Schauspiel des königlichen Zuges zu ge­nießen. Ein Polizist bedeutete ihm, herabzukommen, da es verboten sei. ,.Ycs, rief der Bursche,when all is over! Der Polizist befahl nochmals und drohte, ihn zu holen.Come is you can! war die Ant­wort. Das Zwiegespräch hatte einen großen Kreis Neugieriger versammelt, die unwillkürlich für den Bur­schen , der wie ein Vogel in seinen Zweigen saß, Par­tei nahmen, zumal, als der Polizist taktlos genug war, auf den Baum zu klettern, um den Jnculpaten herab­zuholen. Er konnte ihm natürlich nicht beikommen und rief (Kaineraben zu Hülfe. Bald hing der Baum voll von Polizisten, was in der That einen äußerst