drei Jahren macht nun dieser Staat zu seiner endlichen Consolidirung Experimente über Experimente, ist aber bis jetzt noch nicht dahin gelangt bei seinen eigenen Insassen bas Vertrauen nur in etwas wieder zu gewinnen. Keine Administration ist so schlecht bestellt, wie die unsere, nirgends eine solche Verwirrung in den Regierungsmaßregeln wie hier. Die Kräfte des Landes sind erschöpft, und in Osten, Süd und Westen herrscht ein Geist der Unzufriedenheit, der sich über kurz oder lang Luft machen wird, wenn nicht die verschiedenen Bedürfnisse besser berücksichtigt werden. Alle Versuche, die man bisher machte, um die Finan- ren zu regeln, um ein weniger schneidendes Mißverhältniß zwischen den Einnahmen und Ausgaben herbeizuführen, sind gescheitert an der maßlosen Geldpapier- Creation, an dem Mißtrauen aller Klaffen der Bevölkerung und an dem von dem Minister Kraus befolgten Systeme, nicht, wie seine Vorgänger, die großen Handlungshäuser als Mittel zum Zwecke zu benutzen, sondern den ihnen früher gewährten ungeheuren Nutzen zu gewinnen u. dafür lieber auf eigene Fanst Papiere in Cours zu schleudern. Man versichert, daß der Finanzminister, der in der schwierigen Zeit der Revolution seinen heitern Geist u. seinen Glauben an eine Fatalität bewahrte, jetzt zu verzweifeln anfânqt und gern seines dornenvollen Portefeuilles enthoben wäre. Wenn man aber die Sache näher beleuchtet, so dürfte weniger der Finanzzustand, als eine persönliche Gespanntheit mit seinen Collegen des Aeußern, des Innern und des Krieges die Ursache davon sein. Zu dieser Gespanntheit kommt außerdem noch die Gewißheit, daß über kurz oder lang Baron Kübeck, als Reichsraths-Präsident, in gewisser Beziehung über ihm eine gleiche Stellung einnehmen wird, wie früher Graf Kolowrat über dem Hofkammer-Präsidenten.
Der gewöhnlich gut unterrichtete Wiener Korre- spondene des „C. Bl. a. B." schreibt: „Ueber die 3 Fragen, welche in diesem Augenblicke die allgemeine Aufmerksamkeit fesseln, und Gegenstand der Polemik und der Kontroverse in der deutschen Presse sind, bin ich im Stande, Ihnen Bestimmtes miizutheilen. Die bis jetzt von dem Bundestage gefaßten Beschlüsse bedürfen weder der Bestätigung Preußens, noch jener der sogenannten Unionsstaaten, und werden zu einer derlei Bestätigung auch nicht unterbreitet. Die wichtigsten dieser Beschlüsse hinsichtlich Kassels und Schleswig-Holsteins sind gemeinschaftlich mit Preußen unterworfen, und auch zur Ausführung gebracht worden, und die andern weniger wichtigen hat die Bundes- Versammlnng als ein Organ entschieden, dessen Legalität und Berechtigung nicht erst nachträglich anerkannt zu werden braucht. Diejenigen, welche glauben, daß Oesterreich die Paritätsfrage nur so obenhin als eine Etikettsform behandle, irren ganz außerordentlich. Oestereich Präsidentschaft am Bunde kann und darf nie zu einer bloßen Ehrensache herabsinken, indem nach dem Artikel 59 der Wiener Kongreßakte mit diesem Vorsitze auch die wichtige politische Rechten und Pflichten verbunden sind. Auch wird es bei Schaffung der Exekutivgewalt gar bald au den Tag treten, wie wenig Oesterreich und die mit ihm verbündeten Staaten gesonnen sind, auf irgend eine dualistische Proposition einzugehen. Endlich ist der Gesammteintritt Oesterreichs in den deutschen Bund keineswegs aufgegeben, vielmehr wird über diese Frage gegenwärtig eifriger als je zu Frankfurt mit dem französischen und englischen Gesandten verhandelt."
Hofrath Thierry, dessen Thätigkeit in der Staatskanzlei vorzugsweise den deutschen Angelegenheiten gewidmet war, der als Verfasser der meisten in der deutschen Frage vom hiesigen Cabinette aus ergangenen Noten und andern officiellen Aktenstücke bekannt ist, der vom Fürsten Schwarzenberg dem Grafen Buol-Schauen- stein nach Dresden an die Seite mitgegeben wurde, ist plötzlich in volle Ungnade gefallen. Er soll beabsichtigen, gänzlich aus dem aktiven Staatsdienst zu treten. Obgleich die Ursache noch geheimnißvoll bewahrt wird,
dürfen nie fehlen, wo es ein Fest giebt. Sie verstehen nichts von den Werken der Arbeit; denn sie haben nicht Zeit, zu lernen, was Arbeit ist. Sie müssen ja das arme, hülflose Menschengeschlecht erretten, erretten vor sich selbst. Sie müssen ja ersinnen, was wir denken und glauben, wen wir hassen und lieben, wem wir gehorchen und was wir bezahlen sollen.!?!
Ob nicht die unverdrossenen Bienen, die da schaffen mit Hammer und Feder, mit Meißel und Pflugschaar, auch noch den Männlein das Amt abnehmen, nicht i selbst ihre Angelegenheiten verwalten möchten, selbst sagen, was Recht und Gesetz sein soll,_ selbst sehen, wie Recht und Gesetz gehandhabt wird, sich selbst mit ihrem Glauben abfinden, selbst mit den Früchten ihres Fleißes haushalten?
Der Arbeiter ist seines Lohnes werth, und der Lohn soll mehr sein als das tägliche Brod, werde es auf goldener Schüssel gereicht oder tm irdenen Napfe; der Lohn soll mehr sein als ein huldvolles Lächeln derer, die nicht arbeiten. Das tägliche Brod hat auch der Zugstier. Der Lohn ist größer, aber er macht Niemanden ärmer.
Sich selbst bestimmen, Herr seines Hauses, Bürger seiner Gemeinde, berechtigtes Mitglied seines Staates sein, seine Angelegenheiten selbst verwalten, seine Ver- Walter selbst ciusctzen, selbst wissen, was zu seinem Frommen dient — das ist der Lohn des Arbeiters; denn es ist das Recht eines Jeden! DaS ist auch das
erfährt man doch, daß Hr. v. Thierry mit einer Indiskretion in Verbindung gebracht wird, die mit den auf die Dresdener Eonferenzen bezüglichen Aktenstücke geschehen ist.
Kiel, 1. Mai. Dem Vernehmen nach wird nächstens eine offizielle Anerkennung der schleswig-holsteinischen Staatrobligationen publizirt werden; gewiß ist wenigstens, daß ihre fortdauernde Geltung keinem Zweifel mehr unterliegen kann.
Großbritannien.
London, 1. Mai. (Köln. Ztg.) Die lange erwartete Eröffnung der Gewerbe-Ausstellung gehört nun bereits der Vergangenheit an. Unsere Blätter füllen mehr als vier ihrer nicht gerade pya- mäffchen Spalten mit der Beschreibung der Feierlichkeit. Das Wetter, welches sich in der letzten Zeit nicht gerade besonders liebenswürdig, sondern recht aprilmäßig launenhaft bewiesen hatte, war dem heuti- geu Feste ziemlich huldreich. Daß es sich um eiu Fest handelte, war, schon ehe der Morgen graute, bemerkbar. Im Westence blieben die Schenken und Kaffeehäuser die ganze Nacht hindurch geöffnet, und schon um 4 Uhr Morgens gab sich in den Straßen ein so reges Leben kund, wie es sonst zur Mittagszeit zu herrschen pflegt. In den späteren Morgenstunden sprach sich der festliche Charakter des Tages natürlich weit entschiedener aus. Fast von allen Kirchtürmen wehten Fahnen und erklangen die heiteren Töne der Glocken. Ein Gedränge von Wagen, wie es sich von St. James' Street nach dem Ausstellungs-Gebäude wälzte, hat man seit der Krönung der Königin nicht gesehen. Nicht weniger als 5000 Fuhrwerke entluden sich im Laufe des Tages am Ausstellungs-Gebäude ihres Inhalts. Das gläserne Schloß selbst war mit den Flaggen der in ihm vertretenen Nationen lustig geschmückt und auf dem Serpentine, einem in der Nähe des Ausstellungs- Gebäudes befindlichen Gewässer, das man nach Belieben als Teich, See oder Fluß bezeichnen mag, segelte eine in fröhlichen Farben prangende Miniatur-Fregatte. Die Königin langte um 12 Uhr an und nun wurden alle jene Ceremonien durchgemacht, deren Programm wir bereits erwähnt haben. Die Spitze des feierlichen Umzuges durch das Gebäude bildeten die Herolde. Die nächsten in der Reihe waren die beiden Unternehmer deS Baues, die Herren Henderson und For, und zwischen ihnen der Baumeister I. Parton. Dann folgte eine Anzahl von Ausstellungs-Beamten, die fremden Commissäre, die Secretäre der königlichen Commission, die königlichen Commissäre selbst, der Ceremonien-Meister der Königin und die fremden Gesandten. Diesen schlossen sich der Herzog von Wellington und der Marquis von Anglesey (General-Feldzeugmeister) an. Dann folgten die Minister der Königin, der Bischof von London, der Erzbischof von Canterbury rc. rc., der Hofmarschall, Marquis von Westminster, und der Oberkämmerer, Marquis von Breadalbane. Neben der Königin, welche den Prinzen Wales führte, ging Prinz Albert, die königliche Prinzessin (Princeß Royal) führend. Es folgten paarweise: der Prinz von Preußen und die Herzogin von Kent, der Prinz Heinrich der Niederlande und die Prinzessin von Preußen, der Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen und die Prinzessin Marie von Cambridge rc. So wie die Königin sich aus dem Staatsstuhle niedergelassen hatte, ward die National-Hymne unter Orgel - begleitung angestimmt. Es folgte ein Gebet, welchem sich das Hallelujah Händel's, ebenfalls mit Begleitung der Orgel, anschloß. Auch während der Zug sich durch daö Gebäude bewegte, ertönte die Musik der Orgeln. Als die Königin, auf dir Plattform zurückgekehrt, die Ausstellung für eröffnet erklärte, erscholl ein Trompeter- Tusch und die National-Hymne ward wiederholt. Die Feierlichkeit ist ohne Ruhestörungen vorübergegangen. — Der amtliche Catalog gibt die Zahl der brittischen Aussteller zu 6146 an. — In geschäftlicher Beziehung ist der heutige Tag ebenfalls als strenger
erste Heilmittel für das Leiden, das dieselben Retter den Völkern eingeimpft haben, die jetzt verzweifelnd daran pfuschen.
Die Arbeit hat die tiefe Kluft in die Gesellschaft gerissen — denn sie hat den Besitz geschaffen; aber nur wo der Arbeiter unfrei, der Staat ungesund war. Macht jenen frei, diesen gesund — und die Waffe, die die Wunde schlug, wird ihre Heilkraft nicht versagen.
Die „Regierung für das Volk, aber nächst durch das Volk" — das System des Mißtrauens und der Begünstigungen, der Ordnung im Kleinen und der Unordnung im Großen, der erbärmlichen Knickerei und der unermeßlichen Verschwendung, daS da ein Goldstück ausgiebt, um einen Kupferpfennig zu sparen, die Länge des Zopfbandes mißt und Tausende verhungern läßt, jeden Splitter kennt und den Balken nicht sieht, den Kräftigen zum Müßiggang erzieht und von dem Schwachen ernähren läßt, ja den zweiten Mann zum Gefangenen macht und den anderen zum Wächter — das ist der Mehlthau, unter dem die Frucht der Arbeit verwelkt oder zu Gift wird. Es liegt nur daran! Frankreich trägt mehr Korn, als seine Bewohner verzehren, und Pensylvanien ist dichter bevölkert als die Bretagne.
Ohne Freiheit für Alle — kein Friede für Einen! Möge das der Glaube sein, den jeder rückkehrende Pilger in seine Heimath trägt!
Festtag beobachtet worden. Die Börse hat davon keine Ausnahme gemacht. — Auch gestern Morgens haben die Königin und Prinz Albert, begleitet von dem Prinzen von Preußen und dessen Familie, das Ausftellungsge- bäude besucht.
Im Unterhause stand die zweite Lesung der Judenbill auf der Tagesordnung. Newdegate beantragte die Hinausschiebung der zweiten Lesung bis über 6 Monate. —
Polen.
Von der polnischen Gränze, 30. April. (Brsl. Z.) Gestern Morgen sind die in der Gegend von Czenstochau bisher noch in den einzelnen Ortschaften kantonirenden russischen Truppen aus ihren Standquartieren aufgebrochen und haben den Marsch nach Lowicz angetreten, woselbst sie vor dem Kaiser manövriren sollen.
Krakau, 25. April. Ein höchst interessanter archäologischer Fund ist vor Kurzein in Ostgalizien, im sogenannten galizischen Podolien, welches der Fluß Zbrucz von Russisch-Podolien scheidet, gemacht worden. Man zog nämlich aus dem Flusse Zbrucz in der Nahe der Mündung des Flüßchens Gnila, unterhalb des Dorfes Linzkowie, ein sechs Ellen hohes steinernes standbild des altslawischen Götzen Swiatowid, welcher vier, den vier Weltgegenden zugewandte Gesichter hat; auf allen vier Seiten ist das Götzenbild mit Schnitzwerk verziert. Der Graf Mieczyslaw Potocki, auf dessen Besitzung dieser Swiatowid, das einzige bis jetzt bekannte Eremplar dieses Götzen (der beinahe 1000 Jahre in Zbrucz geruht hatte» zu Tag befördert wurde, hat diesen für die slawische Archäologie höchst wichtigen Fund der hiesigen Universität znm Geschenk gemacht.
I t a l i e «.
Palermo, 14. April. Ein Erdbeben hat in Messina stattgefunden, doch ist bis jetzt kein großer Un- glückssall zu beklagen.
Turin, 28. April. Man spricht vom Rücktritt des Ministers des Innern, Galvagno.
Schweiz.
Zürich, 1. Mak. (Frkf. I.) Gestern wurden zwei Flüchtlings beerdigt, von welchen der Eine, ein junger deutscher Student, hauptsächlicy in Folge langen Darbens erkrankt nnd gestorben ist. Derselbe hatte nämlich während eines Jahres beinahe nur von Brod nnd Aepfeln gelebt, »veil er jit viel Ehrgefühl besaß, um zu betteln um Unterstützung. — Löwe sprach ergreifende Worte am Grabe der beiden Hingeschiedenen.
Neueste Nachrichten.
^ Wiesbaden, 5. Mai. Auf telegraphischem Wege ist bereits die Meldung vom ruhigen Verlaufe des Festes der Proklamirung der französischen Republik eingetroffen. Die Contrerevolution hat also wieder einmal die Rechnung ohne das französische Volk gemacht! Die tollsten Hitzkopfe waren übrigens hinreichend durch die Ränke der Umsturzpartri — worunter jetzt natürlich niemand anders, als die absolutistische Propaganda zu verstehen ist -- gewarnt worden. Es gibt in Frankreich bekanntlich zwei „ WwerstandSauSschüsse * , einen echten und einen unechten. Jener, den die Reaktion sehr fürchtet und deshalb gern vernichten möchte, will nur dann handle», wenn die Contrerevolution ihn durch Ver- faffungsverletzung dazu zwingt und so den Widerstand rechtfertigt; der falsche dagegen will jetzt losschlagen, also im Interesse der Reaktion! Der eine wie de^ andere hatte ein sogenanntes 10. Bulletin er- lassen. Jetzt ist es am 2. Mai der Polizei gelungen, die Druckerei zu entdecken, wo ein 11. Bulletin gedruckt wurde. Dieses 11. Bulletin ist mit denselben Lettern gedruckt, wie das blutdürstige 10., so daß es jetzt fest steht, daß jene Mordbrennereken des 10. auch von dein falschen Ausschüsse ausgegangen waren. Der Reaktion mochte dies nicht angenehm sein, es ward deshalb das Gerücht in Umlauf gesetzt, die Linke sei trotz alledem bei dem falschen Bulletin kompromkttkrt und besonders seien die Abgeordneten Miot und Greppo in die Sache verwickelt. Die „Patrie" brachte eilfertigst dieses Gerücht und der „Moniteur" wurde sogar dazu misbraucht, dem Gerüchte einen offiziellen Schein zu geben. Am 3. wurde der Minister Faucher darüber in der National - Versammlung zur Rede gestellt und wußte sich nicht anders herauszureden, als daß er entgegnete, die Nachricht habe nicht im amtlichen Theile gestanden und die Regierung sei nur für diesen verantwortlich. Da Fancher es für gerathen fand, die Verdächtigung selbst mit Stillschweigen zu übergehen, so nahmen auch die Verdächtigten, Miot und Greppo, nicht das Wort, doch erklärte ein anderes Mitglied der äußersten Linken, daß die Linke gegen jeden Verdacht, als wolle sie den Terrorismus, Protestire. Die Orleamsten sind jedoch durch dieses erbärmliche Maunöver der Regierung sehr aufgeregt. Dazu kommt, daß sich die Leidenschaften mit den Bonapartisten jetzt verbunden haben, um eine gänzliche Verfassungsrevision zu betreiben und daß die Legitimisten, obwohl sie nicht offen eine Rolle zu übernehmen wagen, doch unter der Hand gleichfalls jede Bestrebung, welche das Chaos vermehren kann, befördern. Schott hat sich ein Generalkoinkte für die Ver-
