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Nischen Feldlager zu sein; doch ist es eben so wahr, daß diese Krists kommen mußte, damit in dem Chaos die Elemente sich trennen. Ein Glück ist es, daß die­ser Entwicklungsprozeß grade in eine Zeit fällt, wo die Gegner der Republik gerade ebenso uneinig und zer­rissen sind, so daß von ihnen der erste Moment der Verwirrung nicht benutzt werden kann. Die Elysee­blätter geben sich zwar alle Mühe, die gesammte De­mokratie für diesenmordbrennerischen Widerstandsans­schuß" verantwortlich zu machen, doch scheitert diese Ausbeutung an dem einstimmigen Proteste der gesumm­ten demokratischen Presse der Hauptstadt. Uebrigens ist der Wirrwar heute noch so groß, daß eigentlich noch niemand außer vielleicht E. de Girardin einen klaren Blick in die Sache hat. Selbst an der Börse war man so im Unklaren, daß niemand Geschäfte machte, und die 3 pEt. um 60 C. (55,60), die 5 pCt. um 85 C. (90) fielen.

Schweiz.

Bern, 30. April. Die Kunde von einem schreck­lichen Unglücksfall, der sich in der Nähe von Thun ereignete, ist gestern Nacht um 12 Uhr in Bern per Estassette angelangt. Das Postschiff auf dem Thuner See fuhr am 29. von Interlaken ab, mit 23 Personen, meist Scharfschützenrekruten. In Oberhofen stieg einer der Passagiere, Hr. Großrath Amstutz, aus, die übrigen 22 fuhren weiter nach Thun. An der äußern Prüt- sche (in der Nähe der Schavan) scheiterte das Schiff und versank. Zwar war schleunige Hülfe bei der Hand, da das Unglück sich ganz in der Nähe Thuns ereignete: dennoch konnten nur 11 Passagiere und 3 Schifföleute ans Land gebracht werden, 8 Personen haben ihren Tod in den Wellen gefunden. Von den Herausge­zogenen starb Einer sogleich, ein Anderer wird in die­sem Augenblick ebenfalls gestorben sein. Die Uebrigen, hofft man, werden gerettet sein.

II tt g a r n.

Pesth, 24. April. DasConst. Bl. a. B." theilt nachstehenden Brief vom 28. März aus Kiutahia mit, der von Asboth herzurühren scheint:Kossuth ward wieder durch einen neuen Schlag tief erschüttert. Bei einem Spazierritt stürzte dessen Gemahlin sammt einem ihr Hülfe leisten wollenden Offizier von dem scheu ge­wordenen Pferde. Es war ein fürchterlicher Anblick und ließ das Schlimmste befürchten, doch fand der schnell herbeigeholte Arzt wohl eine heftige Kontusion, aber keinen Bruch, und so dürfte das Uebel bald wie- der gehoben sein. Madame Wagner, die Kossuths Gemahlin im ehevorigen Winter aus Ungarn nach Schumla brachte, starb am 27. März des laufenden Jahres, wurde Tags darauf mit einer in Kiutahia noch nie erlebten christlichen Feierlichkeit beerdigt. Prinz Friedrich zu Schleswig-Holstein besuchte vor eini­gen Tagen die Jnternirten. Er war in der Cajerne bei dem Oberst-Lieutenant Asboth abgestiegen, stattete Kossuth, Batthyanyi und Perczel ein paar Visiten ab und machte sich am 23. März auf die Reise nach Kon­stantinopel, um von da seiner Heimath zuzueilen. Er ist noch jung, doch scheint er über Recht und daS wahre Glück'der Völker richtigere Ansichten zu haben, als man im Allgemeinen bei jungen Durchlauchten an- zutreffen gewohnt ist. Die Nachricht, daß der englische Missionär Gützlaff in China den Urstamm der Ungarn aufgefunden und aus Amerika zwei Biüder Brady zu demselben mitgenommen habe, belebte nicht wenig die gedrückten Gemüther der Jnternirten zu Kiutahia."

Türkei.

Aus außerordentlichem Wege erhält die O. C;. vom bosnischen K r i e g s sch a u p I a tz e folgende Nachricht: Am 18. April griff Skaneerbeg die Insurgenten ohne Erfolg an. Omer Pascha war am 20. April noch nicht vor Bihacs eingetroffen; seine stündlich erwartete Ankunft gibt das Signal zu energischen! Angriff auf BihacS. Die Vorstädte brennen. 1600 Insurgenten

unter Rustanbeg Bischewicz und Chaferbeg Beschire- Wicz sind in Bihacz zum Aeußersten entschlossen. In der Kraina stehen von Klokot bis Krupa 3000, unter ' Dizvar von Vranogratz in Krupa 1000, bei Ottoka 2000 Mann unter Ali Kedich. Soeben erhalten wir jedoch folgende telegraphische Depesche, welche uns eine plötzliche Wendung der dortigen Kriegsereignisse meldet: Agram, 29. April. Skanderbeg ist am 27. April in Bihaks siegreich eingerückt. Die Insurgenten sind vom linken Unnauser abgezogen. Der Bihacser ; Commandant und die übrigen Häupter des Ausstandes ' haben sich nach der österreichischen Contumazanftalt Za- volia geflüchtet.

Portugal.

Nach Berichten aus O Porto vom 24. April hatte sich die dortige Garnison empört, weil mehrere Mili­tärs verhaftet worden waren, welche sich für Saldanha erklärt hatten. Ein mehrstündiger Kampf fand statt, aus welchem die der Königin treu gebliebenen Truppen als Sieger hervorgegangen sein müssen, da der inkog­nito anwesende Saldanha nach Vigo floh, um dort ein englisches Schiff aufzusuchen. Die von den Insurgen­ten herbeigerufenen Einwohner der Stadt hatten sich übrigens für die ^ifuiTechon erklärt.

M M erik a.

Der Staat New-Uork zählt jetzt allein 436 Journale, wovon 56 täglich erscheinen. Jin Jahre 1833 erschienen in demselben Staate nur 254 Jour­nale. New-Aork allein hat jetzt 126 Zeitungen und darunter 18 Tagesblatter. Albany hat 28, Eric 24, Oneida 19, Mannoe 17, Ononoago 15, Kings 10 Journale, und doch hat die erstgenannte Stadt höch­stens 150,000 Seelen, die andern alle viel weniger. New - Port bedarf täglich 126,000 Bogen Papier zu seinen Journalen, welches mit den Wochenblättern jähr­lich die Summe von 47 Millionen Bogen ergibt. Man berechnet den Bedarf des ganzen Staates jährlich ans 60 Millionen Bogen. Sämmtliche im Staate New- Pork erscheinende Blätter sind in einem Pracht-Erem- plar zur Londoner Ausstellung gesandt worden. In der ganzen Union sollen jetzt wenigstens 5000 Jour­nale ausgegeben werten, von denen natürlich mehrere Ephemerwen und etwa 500 blos augenblicklichen Zwecken dienen; dmn bekanntlich haben in den einzelnen Staa- icn die verschiedenen Candidaten zur Präsidentenstelle für die Dauer der Wahlzeit ihre eigenen Journale, die bloß ihre Person und ihre Ansprüche vertreten.

Amtliche Nachrichten.

Neallehrer Schübler von Diez ist an die Real­schule zu Ems versetzt wordem

Den geprüften Realschulkandidaten Dr. Cramer von Höchst, Chun von Langenschwalbach und Maas von Würges sind in provisorischer Eigenschaft die Real- lehrerstellen, den Ersteren an der Realschule in Diez, dem Zweiten an derjenigen zu Höchst und dem Letzteren an derjenigen zu Ems übertragen worden'

Handels- und Börserruachrichten.

Mainz, 2. Mai. Die flaue Stimmung in unserem Gctrawehaudel macht immer größeren Fortschritt; nur Roggen allein ist etwas preishaltend, da die nasse Witterung die Aussicht aus eine frühere Erüdle als gewöhnlich zu verdrängen scheint. Man norirt Walzen eff. fl. 7 35 â 40. pro Mai fL 7 40 â 45. Roggen eff. fl. 6 40. pro Mai fl. 6 45. Gerste fl. 6 20. Hafer fl. 3 30. Erbsen fl, 6 30. Bohnen fl. 7 20. Linsen fl. 5.

Rüböl ebenfalls sehr weichend, eff/ per 290 Ps. I. G. Rthlr. 34per 280 Pso. Rthlr. 33 */2 â %, ebenso pro Mai. pro Okt. Rthlr. 34 y2. Reps ohne Handel. Mohnöl fl. 21.

Kladderadatsch»«.

^Die preußisischen Truppen werden nun doch in Kur- Hessen bleiben, um den drohenden Ausbruch der Em­pörung niederznhalten. Die Empörung ist dort desto gefährlicher, je mehr sie auf einen Punkc concentrirt ist. Der Mittelpunkt derselben soll Graf Heiningen fein, welcher vor Kurzem äußerte:Es ist eine empörende Ruhe hier!"

(Auch ein neuer Schwindel!) Herr Has- senpslug hat befohlen, daß alle Hofuhrmacher, Hof­tischler, Hoflieferanten u. s. w. dieses Prädicat abzu- legeii haben,wofern sie sich nicht dazu verstehen möch­ten, für die Berechtigung, es sortzuführen, eine gewisse Summe zu hinterlegen". Wie man hört, sollen von demselben Schicksal nächstens auch die Hofwohuun- g e n bedroht werden.

Aus der angeblichen Erklärung des Herrn Has­sen pflüg, sich zu dem anberaumten Termin in Greifs­wald stellen zu wollen, möchten die Freunde des Herrn gern seine Unschuld deduciren. Auch wir glauben, daß der brave Mann sich ganz unschuldig vor Ge­richt st e I l e n w i r d.

Metternich kehrt nach Deutschland zurück. Er konnte sich die Reisekosten ersparen, denn Deutsch­land ist schon längst zu Metternich zurück­gekehrt.

Müller. Sehst de, Schultze, hab ich mch immer von Metternichen jesagt, er kommt doch Widder 'mal retour nach Wien? Na alleweile kommt er nu wirk­lich; er läßt sich schonst feine Villa uf'n Renuweg in richten, un denn is et Widder soweit.

Schultze. Uf'n Rennweg? Ne, des is noch nischt! Aber wenn er se erscht wieder uf't Weg ren­nen inrichten läßt seyst de, denn is et so weit!

Ignatius Loyola und Franz Xaver sind die beiden neuen Glocken der katholischen Kirche zu Bran­denburg getauft worden.

Nachdem man also die ersten Jesuiten in den Thurm gebracht und aufgehäugt hat zur Ehre Gottes, möge man dainit fortfahren, damit nach und nach alle Jesuiten in Brandenburg bammeln.

In Marokko herrscht wegen stattgehab­ter Confiscationen große Aufregung." So meldet eine telegraphische Depesche aus Paris vom 21. April, Abends 8 Uhr, welche bereits am 24. April in allen Berliner Zeitungen zu lesen war.

Der Wagen, in welchem Otapoleon bei Bclle-Allianr. gefangen genommen wurde, dient jetzt als ganz ordinäre Droschke zu Posen.

Was soll auch der Wagen vor andern entweihcten Reliquien voraus haben?

Der Thron, auf welchem Napoleon gesessen, dient ja ebeiffMls jetzt als ganz ordinärer Stuhl zum Ab-, führen für den Neffen.

(Ed ictal-Citation. ) Die unbekannten Erben des seligen Bundestags werden hierdurch aufgefordert, ihre Ansprüche bei den Testaments-Erecutoren zu Frank­furt während der nächsten Woche geltend zu machen, widrigenfalls die ganze Erbschaft sammt allen Passi­vis, da keine Activa vorhanden, dem Eschenheimer- Gasteu-Club nach der Bezeichnung der einstmals offi- 3 t öfen Deutschen Reform zu fällt.

Die letzten Leibeserben, welche mit dem Seligen im höchsten Grade verwandt sein sollen, sind in Dresden verschölle n.

Wer über ihren Verbleib Auskunft zu geben ver­mag, kann sich eine anständige Belohnung verdienen.

biet ermuthigt hätten; allerdings auch hatten sie sich,, wenn dies erwiesen, nach dem strengen Buchstaben des Gesetzes des Hochverraths schuldig gemacht, des­selben Verbrechens, das im Jahre 1688 Devonshire und Shrewsbury wagten. Aber der König hatte un­bedingtes Vergeben und Vergessen selbst allen denen ertheilt, welche die Hauptführer in dem schottischen Aufstande waren. War cs nach Vergebung der Haupt­sachen noch recht und billig, war es der königlichen Ehre und Würde noch angemessen, jetzt hinterher tue Nebensachen zu bestrafen? Noch mehr, Karl hatte den bedeutendsten Covenanters sogar Zeichen seiner Gunst und seines Vertrauens gegeben: dasHänpt der Zie­len", den Lord Loudon, hatte er zum Großsiegelbe- hrer von Schottland ernannt, dem Grafen v. Ar­

gyle ein Marquisat und Lesley ein Grafenthum ertheilt, demselben Lesley, der die Armee der presbyterianischen Covenanters über den Tweed führte! Nach welchem Prinzipe war Hampden dafür zu bestrafen, daß er da­zu ermuthigt, was Lesley gethan und wofür dieser zum Grafen erhoben worden war? Freilich konnte sich vor einem Gerichtshöfe kein Engländer auf die den Schotten zugesicherte Amnestie als Rechtslitel für sich berufen; aber selbst wenn es kein illegales, jo war es doch wahrlich ein durchaus unkonsequentes, tückisches und durch und durch unköiiiglieches Verfahren, nach Brgnadignng und Begünstigung der Rebellenhäupter in dem einen Königreiche ihre Mitschuldigen in dem

andern Königreiche hängen und viertheilen zu lassen. Das Verfahren des Königs gegen die fünf Parla­mentsmitglieder oder vielmehr gegen das Parlament, das mit den fünf in fast allen Maßregeln Hand in Hand gegangen, brachte dèn Bürgerkrieg zum Ausbruch. Denn dadurch war es offenkundig geworden, daß ent­weder der König oder das Haus der Gemeinen aller wirklichen Gewalt im Staate entkleidet werden müsse. Der beste Weg, den das Haus der Gemeinen jetzt einschlägen konnte, wäre der gewesen, den König auf der Stelle abzusetzen, wie ihre Altvordern den zweiten Eduard und den zweiten Richard abgesetzt hatten und wie ihre Kinder den zweiten Jakob absetzten. Wenn sie dies gethan, wenn sie einen Prinz auf den Thron gesetzt hatten, dessen Charakter und Situation eine Bürgschaft für gute Aufführung gewesen wäre, so hätten sie einem solchen ohne große Gefahr alle ver­fassungsmäßigen Kronprärogative übertragen mögen: den Oberbefahl über die Heere des Staates; die Ge­walt, Peers zu machen; die Gewalt, Minister zu be­rufen; ein Veto bei Bills, die durch beide Häuser ge­gangen. So durch ihre Wahl berufen, würde ein solcher Prinz wohl oder übel der Nothwendigkeit haben weichen und im Einvernehmen mit ihren Wünschen und Rechten regieren müssen. Aber der Volksgeist war noch nicht reif zur konsequenten Durchführung dieser Maßregel. Auch war weder ein Herzog v. Lancaster, noch ein Prinz v. Oranien, noch sonst ein hochherzi­

ger hervorragender Pianu vorhanden, der durch Ab­stammung dem Throne nahe genug und durch Geist und Herz der Sache des Volkes ergeben war. Es blieb daher kein anderer Weg, als den König Karl I. König sein zu layen, doch nur dem bloßen Namen nach. Ein Wilhelm Ul. oder Georg I., deren Thronanrecht identisch mit dem Anrechte des Volkes auf seine Frei­heit war, durfte leichtlich ohne Gefahr für die Nation mit umfassenden Prärogativen betraut werden. Aber n e ii e Freiheit konnte sich unter einem alte n Tyrannen unmöglich sicher fühlen. Da Karl des königl. Namens nun einmal nicht entkleidet worden, so war fortan ein Wahnsinn und ein Verrath am Volke jeder Schritt, welcher von dem einzig vernünftigen Wege abführte, der dahin ging, ihn zu einem bloßen Strohmann zu machen, welcher dem Namen nach mit Prärogativen bekleidet war, deren Gebrauch Andern allein zustand, zu einem Dalai-Lama, zu einem Roi Fainéant, zu einem König Thunichts, kurz zu einem Schatten- könig , wie die Merovinger Dagoberts und Childe- berts, welche die Abzeichen des Königsthums am Leibe trugen, während die Pipine und Karl-Martel's die Seele der Gewalt im Staate waren.

(Fortsetzung folgt.)