Reaktion und des Ultramontanismus ans Ruder gelangen werde. Allein dem ist nicht so. Die Minister genießen das Vertrauen des Großherzogs, und wenn auch manche Intriguen sehr fein angelegt waren, so haben doch die Fabrikanten derselben bis jetzt nur das Gegentheil ihres Zweckes erreicht. — Der neue Pvstvertrag wird endlich mit dem 1. Mai ins Leben treten; auch ist für den 1. Mai ein für sämmtliche deutsche Eisenbahnen, die unter einander verbunden sind, entsprechender, in einander greifender Fahrten-Plan verabredet.
Karlsruhe, 14. April. (Bad. Landesztg.) Den Vernehmen nach hat die Regierung den katholischem Oberkirchenrath schon vor einiger Zeit um ein Gutachten über die Missionen angegangen. Das ziemlich umfangreich gewordene Gutachten soll sich mehr gegen, als für die Missionen aussprechen.
München, 14. April. Der bisherige Gesandte in Frankfurt, General V. Xy land er, wird, laut der „Augsb. Postztg.", Festungscommandant in Ulm, der dortige Commandant Ermath wird ein Brigadecom- mando erhalten. General V. Lylander wird in Frankfurt durch Legationsrath Dönniges ersetzt werden. Dagegen schreibt man der „Augsb. Allg. Ztg.", daß diese Angaben in unterrichteten Kreisen zur Zeit noch keine Bestätigung fanden. — Nach einer Notiz im „Nürnb. Kurier" wurde in einer heute abgehaltenen Ministerconferenz die Beschickung des neu reaktivirten Bundestags definitiv beschlossen. -
r ; X Kassel, 14. April. Die höhnische Behandlung der Preußen bei der Geburtstagsparade des Prinzen v. Preußen ist bekannt. Jetzt ist zur Wiederherstellung der preußischen Ehre am 15. eine Komödie an geordnet, von welcher die „O.P.A.-Z." spöttisch schreibt: „Es ist diese Parade auf den besondern Wunsch des Kurfürsten angeordnet, der die Truppen noch gern vor ihrem Abmarsche sehen möchte. Der Zweck der Parade ist der, um dadurch Preußen für die durch den 22. März entstandenen MißhcUigkeiten SatiSfactio» zu geben. Wie ich höre, wird der Commandeur Graf Rödern zunächst ein Hoch auf den Kurfürsten ausbrin- gen, welches dieser mit einem Hoch auf den König von Preußen erwiedern wird." In solchen Zeiten leben wir wieder!
Brixen, 3. April. Der „Innsbrucker Ztg." wird von hier geschrieben: „Das Gerücht, daß der berüchtigte Exjesuit P/Bäder aus der Schweiz, obgleich mit Steckbriefen verfolgt, dennoch iw Brixen mehre Tage Unter* schleif gefunden habe, erhält sich noch; ja man erzählt sogar einige Details, z. B. daß sich der hochstehende hiesige Würdenträger und zwar ohne Vorwissen der Be- zirkshauptmannschast und des Bezirksgerichts für diesen Flüchtling verwendet haben, daß er nach mehrtägigem Aufenthalte im Kapuzmer-Klöstcrle, um auf der Straße nicht ausgegriffen zu werden (denn man hatte während seines Daseins einen Pilger aus Bayern statt seiner arretirt) bei dem Abmarsche von einem Pater begleitet worden und dann weiter über Ampezzo nach Rom zu gewandert sei. Da diesen Gerüchten seither noch nirgends amtlich widersprochen worden ist, obgleich sich die „Innsbrucker Zeitung" bereit erklärt hatte, jede Widerlegung alsvbald zu veröffentlichen, so fängt man sogar an, an die Wahrheit aller dieser Dinge zu glauben."
Wien, 11. April. Der „Brünner Zeitung" wird von hier geschrieben: „In hiesigen politischen Kreisen spricht man viel von und über einen Brief Guizots an einen Wiener Diplomaten, worin dieser gewiegte Staatsmann seine Besorgniß vor einem baldigen Ereignisse in Frankreich ausspricht, welches nach der gegenwärtigen dortigen Situation einen augenblicklichen Sieg der rothen Republik zur Folge haben könne, jedenfalls aber das jetzige, halbe und farblose System zu Grabe
Ein Ostindier, aus der Nähe von Bombay, kommt in die kleine Stadt gestürzt und ruft in bösgebrochcnem Englisch die Amerikaner um Hülfe an: die Indianer hätten ihn eben überfallen und ihm 1900 Dollars in Goldstaub abgenommcu. Die Amerikaner greifen nach ihren Büchsen und treffen auf Indianer, diese fliehen, die Amerikaner folgen in die Berge, wo die Indianer endlich Stand halten und mit Pfenen, Pistolen und Musteten die Schüsse der Verfolger erwiedern. Indessen mag einigen der Amerikaner doch eingefallen sein, daß sie ein wenig zu hitzig m dieser Sache verfahren sind, sie nehmen also den Mohammedaner, der ihnen aus mehr als einer Hinsicht anfängt verdächtig zu werden, gefangen und bringen ihn mit naw Murphy's. Da kommen Indianer ins Cunny, und es stellt sich immer mehr heraus, daß der Ostindier gelogen und nicht allein keine 1900 Dollars, sondern nicht einmal einen Cent im Vermögen gehabt hat. Indianer und Weiße bewachen jetzt den Mohammedaner, und eine Deputation geht nach dem indianischen Dorf hinauf, um dort den angerichteten Schaden zu untersuchen. Als wir das Dorf, d. h. die Buschhütten des Stammes, erreichten, fanden wir sie verlassen, einen Theil niedergebrannt, Provisionen und Decken versengt und umhergestrenN Die Indianer waren in die Berge geflüchtet. Unsere indianischen Führer, theils mit Flinten, theils mit Bogen und Pfeilen bewaffnet — wir selber trugen nicht einmal unsere Messer — brachten uns bald auf die richtige Spur; ihr gellender Schrei ward von verschiedenen Seiten, von Klippen herunter, aus Schluchten heraus beantwortet, und von allen Seiten schlösse» sich bewaffnete Krieger dem Zug an, oder sprangen an den Berghängen hin, uns voraus.
Oben auf dem Gipfel des scheidenden GebirgSrn-
tragen werde, um an dessen Statt die Herrschaft einer der beiden extremen Parteien zuzuwenden.
Italien.
Livorno, 7. April. (Telegr. Dep.) Erlasse des österreichischen Militär - Commandos verbieten den Straßenverkauf und die ohne Erlaubniß bewerkstelligte Ausgabe von Druckschriften.
Turin, 8. April. (Telegr. D.p.) Dem Vernehmen nach soll auch mit den Niederlanden ein Handels- und Schifffahrtstractat abgeschlossen werden. Die Regierung hat die Auswanderung nach Montevideo, zu dem Zwecke dort in die Armee einzutreten, verboten.
Genua, 8. April. (Tel. Dep.) Eine Gesellschaft hat der Regierung vorgefchlagen, sie wolle das Eisenbahnnetz, theils durch Ausbau, theils durch Ankauf fertiger Strecken, soweit arrondiren, daß Basel mit Novara durch Schienenwege verbunden wird, was lebhafte Kammer- debatten veranlassen muß.
Schweiz.
Freiburg. Piller, der nächst Carrard an der Affaire vom 22. Mürz am meisten Belastete, ist aus dem Gefängniß der Augustiner entkommen. Der „Con-' federe" sagt dazu, daß ihn dies weniger überrasche als betrübe. — Advokat Savari ist znm Untersuchungsrichter in Carrard'schen Prozesse ernannt worden.
Basel,il4. April. Die „Schweiz. Nat.-Ztg." läßt sich aus Freiburg Folgendes über die Weinliebe der Jesuiten melden: „Während gegenwärtig die auf der Jesuitenrefidenz stabilste Normalschule mit 35 Personen jährlich etwa 811 Maß Wein, also .auf den Kopf 23y2 Maß jährlich, consumjA, verschlangen auf demselben Etablissement die Jesuiten durch 75 Kehlen 29 Wagen voll Wein oder 11,200 Maß, mithin auf jeden Schlund 149 ’/2 Maß."
Lugano, 10. April. (Schw. Nat. 3*4 In der Lombardei zeigt sich eine große Gährung. Man raucht seine Cigarren mehr und trägt Blumensträußchen mit den drei Nationalfarben. — In Mailand wurde der Belagerungszustand wieder proklamirt. Der Gemeinde- rath von Como ist abgesetzt worden. Der Cordon von Gravcdona bis zum Tessin ist vollständig. Der General, welcher in Bologna ermordet wurde, heißt Clam- Gallas, vormals Adjutant von Kaiser Franz 1.
ÜUpMit Frankreich
# Paris, 14. April. Die Legitimisten sind wieder vollkommen uneins: die einen wollen gegen das Kabinet Fancher sofort angehen, die andern nach Ber- ryers alter Weise zuwarten. Ein nach Venedig zum Prätendenten abgegangener Kurier wird die Entscheidung holen. Um eie Legitimisten und Jesuiten zu beschwichtigen, soll dem Vernehmen nach Fallour ins Ka- binet treten. Auch ist von einer Aussöhnung zwischen dem Präsidenten und Changarnier wieder die Rede. Thatsache ist es, daß Leon Faucher alle Segel aufspannt, um diesen kühnen Grff zu vollbringen; denn Staatsstreiche ohne einen zuverlässigen tüchtigen Säbel sind mislich. Aber ob Changarnier so zuverlässig ist u. welche Bedingungen er stellen würde, ist eine andere Frage. — Mehrere ministerielle Repräsentanten wollen beantragen, daß die für eine Revision der Verfassung erforderliche Majorität von Cca Vierteln sämmtlicher Stimmen der N.-V. abgeschaffc werde. — Die Sitzung der N.-V. war heute durchaus unbedeutend: die Zwergenkammec laßt Alles gehen, wie es der Zufall mit sich bringt.
Der Justizminister soll bereits ein Circular erlassen haben, welches heute im Conferenzsaale lebhaft discu- tirt wurde. Man versicherte, daß Herr Rouher dem Parquette die Frage vorgelegt habe, ob es nicht geeig-
ckens, war dec Rest des Stammes versammelt, die Frauen mit ihrem Gepäck, die Manner ihre Waffen in der Hand, die erster» jeden Augenblick bereit zu fliehen, die untern ihren Rückzug zu decken. Wie mich die dunklen Augen so wild und drohend anblitzren, als ich, der erste Weiße wieder nach dem Kampf, zwischen sie trat. Und wohl hatten sie Ursache genug zu zürnen. Von zweien gestützt, den einen Arin selber gegen beii nächsten Baum ausgestreckt, stand ein armer Teufel von Indianer, und hinten im Rücke», an der linken Seite des Rückgrates, etwa in gleicher Entfernung von Hüfte und Schulter, zeigte ein kleines offenes Kugelloch, wo der Todeöbote seinen Eingang gefunden hatte. Wir hatten einen Arzt mit, und dieser untersuchte ihn, die Kugel saß aber im Innern, und wenn bem Unglücklichen vielleicht auch »och zu helfen gewesen wäre, jenes Geschicklichkeit war nicht hinreichend. Wir müßten den Verwundeten feinem Schicksal überlassen, und als wir den steilen Berg wieder himmterklommen, stieg die Todtenklage seiner Mutter zu dem blauklaren Firmament empor und schrie um Rache gegen die Mörder.
Am nächsten Morgen war öffentliche Gerichtssitzung; der Bombayec stellte sich, aber war der englischen Sprache fast ganz unkundig, spanisch sprach er ebenfalls nur ein paar Worte, so daß ihm die Anklage darin nicht einmal begreiflich gemacht werden konnte, und französisch, holländisch, oder irgend eines andern Landes Sprache wußte er gar nicht, nur sein Ostindisch stieß er in raschen, ängstlich abgebrochenen Lauten heraus, und vergebens wurde ein Dolmetscher verlangt. Die Beweise gegen ihn waren übrigens ziemlich stark, man hielt sich dabei , der neugegebenen Gesetze wegen, welche die Indianer unter den Schutz der Regierung der ^mnißtpn Staaten stellten (ich habe Ihnen eine
net sei, auf die Schwurgerichts-Gesetzgebung zurück zn kommen. Im bejahenden Falle stelle er die Fragen: 1) ob es nicht zweckmäßig sei, statt den zur Verurthei- lung nöthigen 8 Stimmen gegen 4 nur 7 Stimmen gegen 5 zu nehmen, und 2) ob es nicht angemessen sei, in Preßprozessen sowohl dem Angeklagten als dem öffentlichen Ministerium das Recusations-Recht zu entziehen. Wie es heißt, beabsichtigen einige Mitglieder der Linken, über die Existenz dieses Circulars Interpellationen an den Minister zu richten.
Die Börse hat starke Bedenken über die Zukunft. Trotz allen Anstrengungen, eine Hauffe zu bewirken, fielen die 3pCt. um 15 C. (57. 50), die 5p Ct um 30 C. (93), die Bankaktien um 15 Frs. (2110.)
Croatien.
Agram, 12. April. (Tel. Dep.) Am 8. d. M. schlug Omer Pascha 3000 Insurgenten bei Kozarac auf das Haupt und rückte nach Pridor. Banjaluka mußte 1000 Beutel, Gradiska 250 Beutel Contribution entrichten. 3500 Mann türkischer Truppen sind unter Skenderbeg über Petrovac; nach Bihacz gezogen. Die Insurgenten fliehen nach dem Verzweiflungskampe bei Kozarac nach allen Seiten. Ali Kedich steht bei Bihacz, dessen Fall nächstens erwartet wird. —
Türkei.
Smyrna, 20. März. (A. A. Z.) Das Erdbeben, das wir am 28. Februar Abends verspürten, ward gleichzeitig auch im Archipel, mit größerer Heftigkeit aber hauptsächlich in Karamanien verspürt. Auf der Insel Rhodus stürzte unter dein Stoß ein Theil der alten Befestigungen ein; zwei Thürme brachen zusammen; der eine davon, der am Eingang der Stadt in der Nähe des Hafens liegt, bedeckte mit seinen Ruinen das Agentschaftsgebäude des österreichischen Lloyd, dessen Geschäftöpersonal sich glückliicherweise einige Augenblicke zuvor entfernt hatte. Die Geldsäcke und Archive wurden indeß aus bem Schutte wieder hervorgeschafft. In Makri, einer Stadt von ungefähr 10,000 Seelen, war die Verwüstung am schrecklichsten: sämmtliche steinerne Hauser sowie die Magazine stürzten ein. Die aus Erve und Holz gebaute» Häuser, welche stehen blieben, sinv dergestalt beschädigt daß sie niedergeriffen werden müssen. Die von dem Gebirg losgerissenen Felsstncke füllten den Hafen von Elkenive an. Im Innern endlich verschwanden ganze Dorfschaften. An mehreren Orten that sich die Erde auf und spie Steine und Ströme schwarzen, erdpechartigen Wassers ans. Gegen tausend Personen sollen in diesen verschiedenen Personen sollen in diesen verschiedenen Ortschaften ge- tödtet worden seyn- und die Zahl derselben wäre unendlich größer gewesen wenn der Stoß bei Nacht stattgefunden hätte. Noch bis jetzt ist die Erde nicht zur Ruhe gekommen, doch sind die Bewegungen nur schwach.
Verschiedenes.
Köln, 14. April. (Köln. Z.) Die Londoner Industrie-Ausstellung ist in der letzten Zeit wieder auf ein neues Hinderniß gestoßen, nämlich auf Mangel an Tischlern und Tapezierern zur Ausschmückung des Glas- palastes und zur Aufstellung der Gegenstände; denn da in London Jeder bis zum Kleinsten von der Weltmesse seinen Nutzen ziehen will, so stellen die Londoner Tapezierer. und Tischler die übertriebensten Forderungen, und man hat sich daher genöthigt gesehen, vom Festlande Handwerker herüberzuholen. So werden auch von hier aus mehrere Tapezierer und Tischlermeister mit einer Anzahl Gesellen unter sehr annehmbaren Be- 'dinguuge», und zwar, wie es heißt, für die ganze Dauer der Ausstellung nach London gehen, um bei der
getreue Nebersetzung dieser Acte mit beigelegt), für verpflichtet den der die Ursache des Todes eines der Jn- dianer gewesen , zu bestrafen, und der Ostindier wurde nach einem sehr interessanten Verhör zu 25 Peitschenhieben verurtheilt.
Der nächste Tag war der 4. Julius, der Tag der Unabhängigkeitserklärung in den Vereinigten Staaten und das größte Fest das die Amerikaner haben, und an diesem Tage wurde das Urtheil (allerdings etwas undelicat für die Feier des 4. Julius, wenn auch Ca- lifornie» eine etwas rohere Behandlung gestattet) vollstreckt. Die ersten dreizehn Streiche gab ihm der amerikanische Sheriff, die andern einer der Indianer, und es war ein wunderlich pitoresker Anblick an dein schönen sonnigen Tag, unter der wehenden amerikanischen Flagge, den armen isolirt dastehenden Mohainmedaner zu sehen, der, von einem Schwarur Weißer und Indianer in den Viehfang des amerikanischen Metzgers geführt, dort au einen Pfahl gebunden und gepeitscht wurde, während ihn im weiten Kreis die Amerikaner, Franzosen, Dentschen, Spanier, Mexikaner und wie die Nationen alle heiße», umstände», und die rothhäutigen, phantastisch gekleideten Indianer überall auf dem Zaum herumkletterten und hinge», und halb frohlockend, halb gespannt der Erecution zuschauten. Der Mohauime- baner rief vergebens seinen Allah an; der half ihm nicht von den 25 Streichen, und selbst nachher, als er feine Strafe schon verbüßt und der Gerechtigkeit des Gesetzes also vollkommen genügt hatte, mußte ihn der Sheriff noch unter Wacht behalten, da die Indianer drohten, sie würden ihm, wohin er sich auch wende, auflauern und ihn ermorden.
