den âs Rücksicht auf die Kirchensteuer Ueberaetretenen wohl sehr erwünscht sein.
Die Beurtheilung Andersgesinnter jdurch diese Gesellschaft ist zu bekannt, um hier davon reden so müssen. Beten und Singen wird viel gehört, sonsten sind sie die Alten von ehemals bis heute immer noch. ' Dies als Beitrag zur Beurtheilung unseres fw^ schaftlicheu Streit ^»»-lèSryrutz von unserer Seite.
0 Mainz, 12. Febr. Das muß man den Jesuiten lassen, sie sind zäh wie Leder und unermüdlich wie Wölfe, die einem Pferde nachjagen. Vor geraumen Jahren schon, als unsere Bevölkerung noch im kühlen Schatten des Jndifferentismus schlummerte, pochten sie an, um die weibliche Nobelgarde des Ultramontauis- mus einzuschmuggeln; aber der Volksgeist sprach nicht: Herein! Damals war auch die großherzogliche Regierung noch ihres Ahnherrn eingedenk. Seitdem hat sich jedoch der Jesuitismus so große Verdienste um die Negierung erworben, und das „Mainzer Journal" nebst den Piusiten solche Proben von — Menschenliebe und Humanität gegeben, daß jetzt Niemand, dem es um „Ruhe und Ordnung" zu thun ist, mehr widerstehen kann. Der Verwaltungsrath des Rochusspitals hat endlich den kühnen Griff gewagt, zu beschließen, daß ohne die barmherzigen Schwestern kein Heil mehr für die Patienten sei. Schon liegt bas Gesuch um Gestattung der Eröffnung von Unterhandlungen mit dem Bischof dem Ministerium des Innern vor und Bischof vom Kettler soll bereits aus christlicher Fürsorge in voraus die Nochushospitalbeglückerinnen aus Straßburg verschrieben haben So weit wären wir jetzt also. Fortan hat das :Privilegium des Jndiffe- rentismus aufgehört; es heißt: „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich!" Wer kein Jesuitenknecht werden will, muß sich frei machen, die Scheidung der Geister wird zur Pflicht und obwohl an Rührigkeit die Piusiten groß sind, so werden sie doch trotz dem Protektorat der Ordensträger Philipps des Großmüthigen und trotz ihrer bedeutenden materiellen und contrerevo- lutionären Mittel nimmermehr aus dem goldnen Mainz ein Paraguay mochen: dafür bürgt der frische frohe Sinn unserer Bevölkerung!
Rotenburg, 8. Februar. (K. Z.) In dem nahen Dörfchen Weiterode wurde in der letzten Nacht ein auf Wache stehender bayerischer Posten von fünf mit Knütteln bewaffneten jungen Burschen angefallen; als auf seinen Ruf die übrige Wachtmannschaft herbeieilte, so entflohen sie und entkamen, bis auf einen, der durch seine schweren hölzernen Schuhe am Laufen gehindert war. Die Geschichte hat übrigens mit der Politik nichts zu schaffen, vielmehr ist es nur die Eifersucht wegen einiger Mädchen, die in der Spinnstube, wie sie nach althessischer Sitte jeden Winterabend in unsern Dörfern gehalten werden, baierische Bekanntschaft gemacht hatten. Der ertappte junge Mensch hat sich leider zur Wehr gesetzt, als man ihn packen wollte; er zog ein Messer aus der Tasche, und stieß einem der Soldaten auf die Brust. Zum Glück hat das Lederzeug, auf welches der Stoß grade kam, ein größeres Unglück abgewehrt, indem nur dieses durchbohrt worden. Der junge Mensch ist nun nach Kassel gebracht worden, wo er wahrscheinlich vor das Kriegsgericht gestellt werden wird. — Zu beklagen ist hierbei nur das arme Dörfchen Weiterode, dem heute schon die Einquartierung abgenommen werden sollte, die es aber ; nun zur Strafe noch behalt« wird.
Kassel, 11. Febr. (O.-P.-A -Z.) Der preußische Commissar, GeueraUicutenant v. Peucker, wird uns wahrscheinlich tu den nächsten Tagen verlassen und an seine Stelle der ehemalige Justizminister von Uhde« treten. Letzterer wird übrigens mit Instruktionen versehen werden, welche bekanntlich dem General V. Peucker । fast gänzlich fehlten.
Köln, 6. Febr. (W.-Z.) Die „Deutsche Volkshalle" zeigt heute an, daß die Ausweisung ihres Re
dacteurs, Dr. Müller, vor der Regierung zurückgenommen sei. Seit Herr v Manteuffel Preußen Oesterreich zu Füßen legte, sind die Ultramontanen äußerst zufrieden mit der preußischew^oNtlk, und Herr v. Manteuffel verdiente, vom lich wieM - L-egenichewe
Berlin, 10. Februar. (Lith. Corr.) Wir haben gestern mitgetheilt, daß Preußen in Dresden definitiv erklärt hat, nicht auf die von Oesterreich vorgeschlagene Zolleinigung eingehen zu wollen. Wenn wir gestern bezweifelten, daß die Verkehrs-Verhältnisse der deutschen Zollgruppen unter einander noch jetzt in Dresden geordnet werden würden, so war auch dieser Zweifel, wie wir heute vernehmen, ein sehr begründeter. Die Verhandlungen über Zollangelegenheiten in Dresden dürfen gleichsam als beendet angesehen werden. — Herr Geh. -Rath Delbrück wird hier erwartet. — Aus Dresden vernehmen wir, daß die Arbeiten der Commissionen ihrem Ende nahe sind. In fünf bis sechs Tagen wird es zu Plenar-Berathungen kommen. Die als schleunig nothwendig pezeichnete Niedersetzung einer Central-Gewalt soll'ebenfalls in kurzer, nach Tagen zu berechnender Frist ihre Erledigung fiu- den. Sobald die Arbeiten der Commissionen beendet sind, also in fünf bis sechs Tagen, werden Fürst Schwarzenberg und Herr v. Manteuffel nach Dresden gehen.
Mit Rücksicht auf die jetzigen Conferenzen in Dresden ist auch der Umstand interessant, daß seit der Aufhebung des Bundestages Preußen an Gesammt- deutschland in dem dänischen Kriege, durch Trup- penzusammenziehungen und andere, theils dnrch den Reichsverweser, theils durch die Centralbundescommis- sion hervorgerufene Maßregeln zwei Millionen vorgeschossen hat, ohne daß (wie die „N. Pr. Z." behauptet) bisher etwas davon zurückerstattet worden wäre.
Hirschhorn, 10. Febr. (Han. Z.) Heute Nachmittag passirte auf dem Neckar wieder das erstemal ein Dampfschiff zu Thal hier vorüber.
München, 7. Febr. Dieser Tage wurden nicht weniger als sieben Nummern des „Gradaus" aus den Monaten Okt. und Nov., die von der hiesigen Poli- zeidirektion confiscirt worden waren, auf ein Mal durch Beschluß des Appellationsgerichts wieder frei gegeben und resp, die desfalls eingeleiret gewesene Untersuchung niedergeschlagen.
Wien, 8. Februar. Im „Lloyd" wird in folgender Weise auf die Pläne Oesterreichs im Betreff des Militärdiktatur hingedeutet: „Aus guter Quelle vernehmen wir, daß die Militärverhältnisse der deutschen Staaten gegenwärtig den Hauptgegenstand der Dresdener Vorberathung bilden. Die Großmächte sind darüber einig, daß Deutschlands Wehrverfassung einer durchgreifenden und wirksamen Umgestaltung bedarf, und daß die Kleinstaaten veranlaßt werden müssen, ihre Heerwesen in einer den politischen Ver-- hältnissen des Bundes zusagenden Weise e i n z u r i ch t e n."
Nr. 5 des zu Gratz erscheinenden „Urchristeuthnms", eines Organs der freichristlichen Gemeinden, ward im Auftrage der Staatsanwaltschaft von der Polizei mit Beschlag belegt, jedoch, da nach drei Tagen kein gerichtliches Erkenntniß erfolgte, wieder freigegeben. Die Redaction verspricht den gründlich Beweis in den nächsten -Hummern zu liefern, daß die freichristliche Lehre den Interessen des Staates und der gesellschaftlichen Ordnung durchaus nicht widerspricht. Zu Gratz ereignete sich kürzlich der Fall einer Ehe zwischen zwei Personen freichristlichen Glaubens; da die Gemeinde vorn Staate nicht anerkannt ist, so ging die Trauung durch einen protestantischen Prediger vorher, worauf erst die Einsegnung nach freichristlichem Gebrauche folgte.
Wien, 8. Febr. Die Oesterr. Corresp. glaubt ein ? Nachricht des Krakauer „Cjas" verbürgen zu können, die bedeutende Conccntrirungen russischer Truppen in Volhynien unh SW'1’" •“ bei Nähe Warschaus meldet. m. Wien, 9. Febr. Graf Sponneck hat gestern seine Rückreise nach Kopenhagen angetreten.
* Aus Triest wurden im Monat Januar nicht weniger als 84 Personen „a-s Rücksichten für die öffentliche Sicherheit entfernt." - Die italienische Armee wird um 40,000 Mann und das ganze 6. Armeekorps vermehrt, das die Benennung eines „Observationsheeres" erhält.
Hamburg, 10. Febr. (Köln.Z.) Also doch — trotz aller beschwichtigenden Zeitungs-Notizen, welche in den letzten Tagen erschienen und wie zum Hohne der schwachen Hoffnung, welcher sich die Patrioten in Bezug auf eine in der elften Stunde vielleicht noch gewonnene bessere Einsicht des Fürsten Schwarzenberg hingeben zu dürfen glaubten — ist das Kronenwerk der Festung Rendsburg nun dennoch von dänischen Truppen (2000 Mann Infanterie und Cavallerie) besetzt worden! Die Beschlußnahme hierüber scheint absichtlich als schwankend und ungewiß dargestellt zu sein; denn es ist ein Faktum, daß man in Rendsburg selbst noch gestern Morgens ganz widerstreitende Ansichten mit gleicher Entschiedenheit aufstellte und verfocht. Es ist bemerkenswert^, daß die Dänen keine Artillerie mit in das 'Kronenwerk hineinbrachten, und eS gehört wahrscheinlich zu den Stipulationen, daß dies mindestens noch für die nächste Zeit unterbleiben soll. Daß auch d>e Vorwerke Rendsburgs, nach der Nordseite hin, von dänischen Truppen besetzt sind, bedarf kaum der Bemerkung. Ueberall, so weit man nach Norden schauen kann, weht stolz der Danebrog. — Vorgestern Nachmittags 4^2 Uhr ist das 2. Jägerkorps, die letzte schleswig- holsteinische Truppen-Aptheilung, aus Rendsburg ab- marschirt. Alle Briefe von dorther melden das Ergreifende desAbschiedes; sie scheinen wirklich — ohne Phrase — wie unter Thränen geschrieben. Die Töne des National-Liedes aber klangen um so wehmüthiger, da man sie zum letzten Male zu hören glaubte! Dem allgemeinen Schmerze, mit welchen: die letzte Wendung der Dinge aufgenommen wurde, kommt nur noch die allgemeine Entrüstung gleich, die in den Herzen kocht. Hätte man das Alles vorausgesehen, was jetzt eingetrete«, wir zweifeln, daß auch dann in der Nacht vom 11. Jän. der das Land wehrlos Preis gebende Beschluß seiner Vertreter gefaßt worden wäre.
Lübeck, 8. Februar. Die „Weser-Zeitung" berichtet in einem Artikel: „Von der Niederelbe", vom 5. d., daß dem Vernehmen nach die Stadt Lübeck am 8. d. von den Oesterreichern Verlagen werden solle. Dieses beruht auf einem Irrthume, da von einem Abzüge derselben heute am 8. dieses noch nicht die Rede ist.
Großbritannien.
London, den 7. Februar. Eine Schaar von Abgesandten der meisten Londoner Kirchspiele hatte gestern Audienz beim Kanzler der Schatzkammer und unterhielt ihn mit lehrreichen Gesprächen über die Nothwendigkeit, die verhaßte Fenstersteuer abzuschaffen; es fielen bei der Gelegenheit theils harte, theils ergötzliche Worte. Sir Charles Wood suchte sich von seinen un» gebetenen Gästen mehrmals loszumachen, einmal, indem er versicherte, man erwarte ihn im Kabmetsrath, ein andermal unter dem Vorgeben, er wisse bereits Alles, was über das Thema vorgebracht werden könne! Aber die Herren hielten ihn, so zu sagen, beim Nockknopf fest und behaupteten, er bedürfe durchaus noch einiger Belehrungen. Mr. Williams meinte: „Versprechen Sie uns die Aufhebung der Steuer, und Sie ersparen sich die Mühe, 200 Reden anzuhören. Wollen wir das zur Bedingung machen, he ?" (Allgemeine Heiterkeit, die vom Kanzler getheilt wird.) Unter den Hauptanklageu, die
Wartung" aus, „daß die geehrten HH. Mitarbeiter solche Sachlage würdigen und auf eine Honorarvergütung für Beiträge aus der letzten Periode gern verzichten werden." Diese Erwartung soll auch gegen solche Mitarbeiter ausgesprochen sein, welche nur in der Periode in die „Deutsche Zeitung" schrieben, als diese endlich auch einer der bisher von ihr vertretenen Politik nicht bcipflichtenden Ansicht gestatten mußte, sich in ihren Spalten auszusprechen. Dem Vernehmen nach laufen schon von allen Seiten Verwahrungen gegen die Erwartung der Verlagshandlung • ein. Daß diese juristisch für die Bezahlung der Honorare haftbar ist, unterliegt keinem Zweifel; aber es laßt |id) erwarten, daß die Aktionäre, deren Zahl sich auf mehrere Hundert beläuft, jene nicht im Stich lassen werden, besonders da die Hälfte des Defizits aus einer Forderung des Verlegers und Druckers bestehen soll. Sind doch die drei hiesigen Mitglieder des Ausschusses, welche das Schreiben des letzter«: unterzeichneten, jeder allein reich genug, um das ganze Defizit mit Leichtigkeit zu decken." - Die Aufopferungsfähigkeit dieser Menschen ist bekannt! Also auch noch den Skandal haben sie über sich kommen lassen, daß sie nicht blos politisch, sondern auch geschäftlich sich bankerott erklären!
(Medicinalwesen in Californien.) Die californische Zeitung „The San Francisco Herald" vom
1. November 1850 bringt eine Medicinal-Tare, welche ; in ihren Sätzen so hoch ist, daß sich darüber sowohl das ärztliche, als das nichtärztliche Publikum in Europa sehr veraumdern dürfte. Es hat sich nämlich die medicinische Societät in San Francisco über diese Tare geeinigt und zu deren Festhaltung verbunden. Das Actenstück ist von 35 Aerzten unterschrieben, und diese erklären darin, daß sie diejenigen College«, welche ihren Beitritt verweigerten, für unwürdig hielten, zu den: ärztlichen Stande zu gehören. Die Preise sind in Dollars ausgedrückt. Die Taxe enthält sehr viele Positionen. Wir geben hier nun einen Auszug nach der „Köln. Ztg." daraus, welcher die darin herrschende Richtung genugsam zu erkennen gibt. Sie enthält unter Andern: folgende Sätze: Für zeoeu Besuch in einem Falle, den der Arzt regelmäßig behandelt 16 Doll. Jever- weitere nothwendige Besuch an demselben Tage 32 Doll. Für einen einzelnen Besuch oder Rath 32 Doll. Für das Wachen bei einem Kranken für jede Stunde 32 Doll. Für einen speziell verlangten Besuch 32 Doll. Für eine niedergeschriebene Ansicht über eine Krankheit 50 bis 100 D. Für einen nächtlichen Besuch 30 bis 50 D. Für einen Consultationsbesuch bei Tage 32 D. Dieselbe Bezahlung für den Hausarzt 32 Doll. Für einen Consultationsbesuch bei Nacht 100 Doll. Bei entfernten Kranken für jede englische Meile von der Stadt 10 D. Für einen Besuch auf einem Schiffe im Hafen 20 Doll. Für ein forensisches Gutachten
150 D. Für eine forensische Obduktion 200 D. Für eine Obduktion auf Verlangen der Angehörigen 100 D. Für ein Gesundheitsattest 50 D. Für eine Vac- cination 32 D. Für eine normale Geburt 150 D. Für eine Zangengeburt 300 D. Für eine Wendung 500 D. Für das Einrichten von Knochenbrüchen und erste Anlage des Verbandes 50 bis 100 D. Für das Einrichten frischer Durationen 32 bis 100 D. Für das Einrichten alter Durationen 100 bis 200 Doll. Für eine Stein-Operation 500 bis 1000 Doll. Für die Operation der Trachäotomie 500 Doll. Für die Reposition ei :co Bruches 500 D. Für die Exstir- patio» der Mandeln 100 D. Für die Einführung der Magenpumpe in einem BergifkungSfalle 100 bis 150 D- Für das Entfernen eines fremden Körpers aus dem Kehlkopfe oder dem Schlunde 100 ,bis 200 D. Für Einführung des Troakars bei Bauch- und Brustwassersucht 100 bis 150 D. Für die Amputation eines Armes oder Beines 300 D. Für Erartieulalion des Schulter- gelenks 500 D. Für die Amputation eines Fingers odir einer Zehe 100 D. Für die Erstirpation einer Geschwulst 100 bis 1000 D. Für die Trepanation 1000 D. Für eine Staar-Operation 1000 D. Für andere Augen-Operationen 500 bis 1000 D. Für die Operation eines eingeklemmten Bruches 500 bis 1000 D. Für die Operation einer Hasenscharte 250 bis 1000 D. Für nicht vorgesehene Fälle wird die Bezahlung mit den: Arzte auf Dlscretion vereinbart.
