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2t gefolgt. Bereits sind längst auf Scheffers Befehl Proscriptionslisten angefertigt worden, und zwar eine , demokratische und eine konstitutionelle. Bei jedem Na- ; men befinden sich Angaben darüber, ob man sich an demokratischen Vereinen betheiligt, Reden und Volks- Versammlungen gehalten, für Flüchtlinge gesammelt hat u. s. w. Die demokratische Liste soll mit den Na* , men der beiden Redakteure der Hornisse, Dr. Kellner , und Kandidat Heise, beginnen. Daß Letztere, welchen 1 der Bundeskommissär Graf v. Leiningen gedroht haben soll, „sie vor Kanonen binden und todtichie- ßcn lassen zu wollen" (wird als Thatsache allent- , halben cr-zähltch nicht abwarten wollten, daß diese tröst- । reiche Zusicherung in Erfüllung gehe, ist sehr natürlich. ; Die „Hornisse" erschien am Abend des 21. zum letz- I ten Mal in einem halben Bogen und nahm mit fol- ; genden Worten Abschied von ihren Lesern: „Wir ha- ' ten gelobt, unser Blatt bis zum letzten Moment der Möglichkeit zu halten. Wir haben nicht geglaubt, daß dieser Augenblick so nahe bevorstände. Wir wollten der Gewalt, der von Außen hereinbrechenden Vernich­tung unseres Staats unserer Verfassung, unseres Rech­tes und unserer Freiheit weichen. Dieser Augenblick ist früher gekommen, als wir dachten, von einer Seite, von der wir nicht den ersten Schritt erwarteten. Die Vernichtung unserer Veriassung, der Bruch alles Rechts ist von dem höchsten Gerichtshof des Landes selbst in freiwilligem verrätherischem Akt vollzogen worden^ Es gibt keinen Schutz mehr für die Freiheit der Presse im Lande. Der Sabel d/r Despotie ist durch unser höch­stes Gericht bevollmächtigt, jeden Augenblick uns me- derzüstoßen. Der letzte Kampf ist zu Ende. Wir nehmen hiermit Abschied von unsern Leseru, von unse­rer Partei bis auf den nahen Tag der Gerechtigkeit und Vergeltung. Wir 'bleiben gerüstet, jeden Augen­blick die Fahne zu erheben, die wir jetzt gezwungen senken. Wir bleiben bis zum letzten Lebenshauch mit unserer Partei" in treuester, innigster Liebe, mit dem regsten Eifer verbunden. Auf Wiedersehen!" Und weiter unten erklären sie: »Sauve qui peut! Wie wir hören, haben bereits zwei Redakteure der Neuen Hessischen Zeitung (Pfaff und Oetker) sowie Oberge- richtsanwalt Henkel die Stadt verlassen; auch wir wer­den uns demnächst mobilisiren." Kellner und Heise werden nach England oder Nordamerika gehen, wie versichert wird. Sie haben bis zum letzten Augenblicke treu und konsequent und mit seltener Unerschrockenheit die Sache des Rechts verfochten.

So war die Situation am Abend des 21. Dezem­bers. Alles sah mit Spannung auf den Mittag des 22., wo die Bedenkzeit ablief und die Entscheidungs­stunde schlagen sollte. Doch so war es nicht gemeint; man hielt sich nicht für verpflichtet, die Frist abzu­warten : Kassel sollte überrumpelt, die Opfer der ^rpffnpttonOen'^TlfHfüWrr^

Erstaunen der Einwohner", wie die „O.P.A.-Ztg." schreibt — ja wohl, zu gerechtem Erstaunen! — Zwischen 10 nnd 11 Uhr, also zwei Stunden vor beenderter Frist, rückten plötzlich 5000 Mann Baiern unter Taris zu fast allen Thoren in Kassel ein, Dar­unter das in Olmütz stipnlirte eine bsterrerchische Ba­taillon. Die Preußen sind am 20. bis auf ihr eines Bataillon abgerückt.

Was nun? Die Behörden wendeten sich sofort um Aufschluß über dieses merkwürdige Verfahren an den preußischen Commiffär. Die Antwort des Herrn von Peucker ist uns noch nicht bekannt, doch was er auch antworten mag, er kann nichts halten; „die Erekution istja nicht seine Sache." —Das Obergericht scheint seine jämmerliche Taktik zu spät zu bereuen — es soll sei­nen Abschied eingereicht haben. Das Oberappella­tionsgericht war um 1 Uhr noch zu keinem Beschlusse gekommen: es tagte und tagte; doch es hat sich „ver­einbart", was will es jetzt noch? Die Offiziere der Bârgarde waren um 1 Uhr noch beisammen; ihr Be­schluß lautete, nichts abzuliefern, sondern die

Gewalt wüthe» zu lasse»., Scheffer, war im König von Preußen abgestiegen!

M i t t a g s. Graf Leiningcn handelt als Bundes- commissär, Peucker ist nur preußischer Bevollmächtigter. Dies für Preußens untergeordnete Stellung neuem hin beachtenswerthe Verhältniß wird durch folgendes Ausschreiben bestätigt: „In Folge allerhöchster Ent­schließung Sr. königl. Hoheit des Kurfürsten wird mit Beziehung auf das Staatsmiuisterialauöschreiben vom 28. Oktober d. J. hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß durch Beschluß der Bundesversammlung an Stelle des in jenem Ausschreiben genannten, jetzt in andern Geschäften abberufenen bisherigen Civilcom- missärs, des k. k. österreichischen wirklichen Geheime­raths Grafen v. Rechbcrg, nunmehr der k. k. Feld- marschaUieutenaut, Graf v. Leiningen-Westerburg zum Civilcommissär für die obere Leitung des von der deutschen Bundesversammlung an- geordnctcn VoUstrecku.ugsverfahrens in Kur­hessen bestellt worden ist. Wilhelmsbad, den 18 Dez. 1850. Kurfürstliches Gesammtstaatsnüuisterium. Hassen- pflug. Vollmar. Haynau. Baumbach."

In Kassel ist der Kriegszustand proklamirt. „Mit Ausnahme des landständischen Ausschusses und Konsistoriums haben die Behörden sich unterworfen", meldet die „O.P.A.-Ztg." daß dies mit der.Bürgere- wehr noch nicht der Fall, wird auch von ihr bestätigt. Leiningen fordert unbedingte Unterwerfung Aller; vom Abrücken der Truppen bis auf die zwei Batail­lons ist keine Rede mehr. Der Kurfürst wird seinen Tuiumpfzug laut Berliner Nachrichten an Hasseu- pflug's Seite halten.

Der Bundestag vor Gericht.

* Der Gotthelf'sche Prozeß kommt so recht ä pro- pos, daß er schon darum geeignet ist, Aufsehen zu machen; noch mehr, dieser Prozeß wurde in der Haupt­stadt de,selben Staates verhandelt, dessen Reisige in Km Hessen jetzt als Bun des truppen sich einen un- ßerbiuiH’ii Namen erworben haben. Aber ganz davon abgesehen, gehört dieser Prozeß zu den großen Lehren der Völker. Wir geben die Verhandlungen nach dem Berichte des „Fränk. Kuriers":

„München, 19. Dez. Also der Bundestag ist es, dessen Gültigkeit heute vor dem öffentlichen Gerichte, vor dem versammelten Volke besprochen werden soll, der Bundestag, der berühmte „Gegenstand kalter Au- widerung", wie die bairische Regierung vor Kurzem erst selbst sagte. — Jacob Gotthelf aus Kleinnerd- lingen, Redakteur des „bairischen Eilboten" und Rechts- konzipient, sitzt auf der Anklagebank, auf derselben Bank, auf der gestern zwei wüste Räuber saßen. Der Prä­sident des Schwurgerichts, Hr. Appellationsrath Groß- beck, der sich schon in dem ersten Becchionischen Pro­zeße keine Lorbeeren holte, hat nicht ote Ansicht von Humanität, wie der Präsident des Würzburger Schwur­gerichtshofes, Gcnsb'armen sind die Menge im Saale »ertheilt, auch Militär steht für eventuelle Fälle bereit. Gotthelf ist angcklagt der Uebertretung des Artikels 26 des Preßgesetzes, eines Artikels, der eben so weit und umfassend gehalten ist, wie das Herz eines Diplo­maten; er soll mittelbar durch Beschimpfung und Schmähung des sogenannten Bundestages die bairische Regierung in No. 108, 115 und 119 seines Blattes beleidigt haben, dabei ist auch der Art. 34 des Preß­gesetzes zur Beihülfe gezogen, der aussagt, daß es nicht nothwendig ist, daß die beleidigte Person genannt sei, daß es genüge, wenn sie kenntlich bezeichnet ist. — Bei der Wahl der Geschworenen rekusirte der Staatsanwalt 5, die Vertheidigung 6 Geschwornene. Nach der Verlesung der Anklageschriften bezeichnet der Staatsanwalt, Herr Appellrath ^aron v. Düriz, die Beweismittel.

In Nr. 108 des Eilboten will „der Anfang vom

Ende" dem Staatsanwalt m$t gefallen und er findet Beleidigung und Schmähung der bairischen Negierung in folgenden Stellen: „So säßen sie denn wieder im trauten Paläste zu Frankfurt beisammen, Sturm und Wetter brausten über ihren Häuptern dahin; Sturm Wetter vermochten sie zu erschüttern, nicht aber ihren Sinn zu ändern. Sie haben sich selbst ihre Macht gegeben, kann man es besser verlangen? Neue ^e« griffe von Recht find erstanden; die sächsische Kammer hat sich selbst für kompetent erklärt und gibt für Sach­sen neue Gesetze; der Bundestag hat sich selbst für kompetent erklärt und beginnt seine Thätigkeit; Gesetz­gebung, Ausführung, Richtergewalt Alles ist in eine Hand gelegt, und wäre das Ding nicht so verwünscht gescheidt, man wäre versucht, ès herzlich dumm zu nennen.

„Eilf Stimme« haben dem Rufe Oesterreichs Folge geleistet; cüf Stimmen haben den Volksverrath besie­gelt; eilf Stimmen haben den Trug zum Siechtspriu- zip gestempelt; eilf Stimmen traten Gesetz und Recht mit Füßen. Mit List haben sie ihr Dasein begonnen, mit Lift werden sie es einige Zeit fortfristen; aber die Posaune der Wahrheit wird ertönen und man wird Mittel.finden, einen neuen Verrath unmöglich zu machen. Sehen wir uns nur einen Augenblick unter diesen eilf Stimmen um, und in der That der Zweck ist würdig vertreten. Unter diesen eilf Stimmen hat eine Negie­rung ihren Vertreter, die erst vor wenigen Wochen den großartigsten Verfassungsbruch geübt, den die Neuzeit kennt; unter diesen eilf Stimmen sitzt eine Regierung, an deren Spitze ein gebrandmarkter Spitzbube steht; unter diese» eilf Stimmen ist der Vertreter jener Ne­gierung, die im Norden gegen Deutschland das Schwert führt, die das deutsche Recht vernichtet, die mit dem Auslande gegen Deutschland sich verschwört. Braucht es mehr, um jenes erneute Institut in seiner vollen Glorie zu zeigen? Braucht es mehr wie das Brauv- mal au den Tag zu legen, mit dem der Bundestag Deutschand beladet?" — Die in inkrimmirten Stellen in No. 115 des Artikels „die kurhessischeu Wirren," die die Flucht des Kurfürsten nach Wilhelmsbad und die deßfallsige kurfürstliche Proklamation vom 17. Sept. 1850 bespricht, lauten: W M

„Die Hochverräther nahmen Platz mitten in dem Rathe, der die neuen Geschicke Deutschlands lenken soll; wie man jedem dänischen und sächsischen Rebellen Sitz und Stimme gab, so nahm man keinen Anstand auch die Verfassungsbrüchigen hessischen Minister im berühm­ten Kreise der Eilf zu sehen und welchen Nath man im Bundespalaste zu Frankfurt gab, davon überzeugen uns die neuesten Ereignisse." „Der Bundestag ist es, der dem Fälscher Truppen leiht, um die Blutthat zu vollenden. Ja ein solches Wiedcrerwachen ziemt dem Bundestag; unter dem Fluch des Volkes hat er gelebt, unter Verachtung des Volkes ist er zu Grabe gegangen, mit Blut will er die Bahn bezeichnen / die ihn ins neue Leben führen soll. Ja er hat während des zwei­jährigen «Lchluyes seine Rolle nicht verlernt; wie er früher überall die Brandfackel aufzünde» half, wo es galt, die Fluren der Volkesfreiheit zu versengen, so jetzt in Hessen; wie er früher stets das Recht zertrat, wenn das Volk es geltend machen wollte, so macht er es jetzt bet seinem erneuten Dasein. Wo alle Parteien im Volke nur ein Verdammungsurtheil haben, da greift er schützend ein; Gesetz ist ihm Revolution; Revolution Gesetz: und dieses schainlose verderbte Institut sollte von neuem Deutschland beherrschen können? Pfui, wenn bei diesem Gedanken nicht dem ganzen Volke die Schamröthe in die Wangen steigt; Schmach, wenn bei diesem Jntrigucnspiel nicht jeder den unverbrüchlichen Vorsatz faßt: lieber den ehrenvollen Tod, denn die fluchbeladene Bundesversammlung als eine Centralbe­hörde. Die Thoren, sie wissen nicht, daß sie das aufs Tiefste gefährden, was sie aufrecht erhalten wollen; sie wissen nicht, daß, wenn sie die Schlechtigkeit der hessi­schen Negierung und das monarchische Prinzip mit einander vermârgen, sie dem letzteren eine tiefere Wunde

14) Von Scheuer dahier: Landschaft im Mond­schein, Oelbild.

15) Von Müller in Rüdesheim: Landschaft mit röthlichen Mond, Oelbild.

16) Von Scheuer dahier: Ruine Sonnenberg, Hand­zeichnung.

17) Von Herrmann in Dillenburg: Mädchen-Brust­bild, Pastellgemälde.

18) V. deLaspöe dahier: Landschaft, Hanbzeichnung.

19) Von Scheuer dahier: Kronberg, Handzeichnung.

20) Von Voddigel dahier: Kloster Arnstein bei Mondschein, Oelbild.

21) Von Beyer in Idstein: Landschaft mit Birken, Oelbild.

22) Von Jacobi dahier: Abendlandschaft, Oelbild.

23) Von Frau Wissenb ach dahier: ein Strauß Rosen, Aquarell.

24) Von Müller in Rüdesheim: Landschaft mit silbernem Mondlicht, Oelbild.

Der erste Preiß gebührt auch nach unserm Urtheil allerdings einem anspruchlosen Stillleben von Witte­mann: ein todter Eisvogel hängt, am Schnabel auf« gebunden, an einer glatten hölzernen Wand. Die Technik in diesem Bildchen ist wahrhaft überraschend; prächtig glänzt das stahlblaue Gefieder des herrlichen Vogels , rund um hebt sich der Körper von dem Bilde ab und wer nicht ganz genau zusieht, muß die ge­malte Leinwand für eine wirkliche, sauber gehobelte

Holzwand halten. Das ist Leben, das ist Kunst! Simm le r in Geisenheim, der bekannte Thiermaler, hat diesmal zwei Bildchen geliefert, von denen uns die Abendlandschaft jedoch den zweiten Rang unter den ausgestellten Bildern nicht zu verbleiten scheint. In einem am Seeufer liegenden Kahne steht in fester Haltung ein Jäger, der auf zwei im Riebe aufflie­gende Enten feuert; Waldlandschast rings herum, stiller Wellenschlag um den Kahn, treffliche Haltung desKahnführers, des JägersundseinesHundes; frische Walvbäume im Vordergründe; aber das Blau dämme­riger Ferne ist kein Duft, wie er sich in der Natur bildet und sein tiefblauer Refler im Wasser hat die Durchsichtigkeit des Elementes fast aufgehoben und bleibt überhaupt hinter der Naturtreue weit zurück. Noch eher befriedigt das andere Bild Simmler's, der alte Schimmel, der wie es scheint von seinem Ta­gewerk am Pflug ermüdet gesenkten Hauptes und fast geschloffenen Auges im nebelgrauer Landschaft dasteht, als sinne er nach über seines Erdendaseins herbes Loos. In dem Ackergaul liegt immer noch etwas Ge­müthliches; die Ausführung im Einzelnen kommt je­doch auch hier anderen Thierstücken nicht bei, die wir früher von dem wackeren Künstler zu sehen bekommen haben. — Ein schönes landschaftliches Talent verra­then die einzelnen Oclbilder und Zeichnungen von de Laspee dahier. Das erste Bild, die schon durch ihre Lage in einem Thal so originelle Burg Langenau

an der Lahn darstellend, ist als eine sehr gelungene Kömpositionzu bezeichnen. Der Thau des frischen Morgens liegt noch über den Gräsern und Bäumen des Vorder­grunds; in grellen Streifen durchbricht die Morgen- sonno die Nebelhülle der Landschaft und läßt Mauern, Thürme und Zinnen des Schlosses hell und feucht her- vortreten; in der Ferne hängen die Nebel noch über dem Wasserspiegel des Flüßchens und in den Wäldern der Thalschluchten. Das Bildchen ist in allen seinen Theilen klar und wahr. Nicht ganz so bestimmt ist die Haltung in dem zweiten Bilde desselben, ein alter- thümliches Schloß in Mondscheinbelenchtung, durch dessen erbrochenes Gitterthor feindliche Reiter mit Fackel­lichtern eindringen. Der Gegensatz der beiden Beleuch­tungen vermehrt das Romantische des Gegenstandes und hinterläßt einen befriedigenden Gesammteindruck. Doch liegt in dieser Behandlung der Staffage ein ver­führerischer Reiz; möge der brave Künstler wohl prü­fen , wie weit er ohne Beeinträchtigung des stillen Naturftikdens seiner Landschaften diese die Gesammt- wirkung nur zu leicht durchkreuzenden Zuthaten sich gestatten wolle. An seinem dritten Bilde, einer klei­nen, anspruchslosen, aber gerade darum so ansprechen­den Handzeichnung ist eine seltene Geschicklichkeit be­währt: von Wetter und Zeit durchstürmt trauert die einsame Thurmruine auf der nahen Anhöhe, während kräftiger Eichenwald den Abhang und Thalgrund er­füllt; alle Linien sauber, klar und mit Verstand behan-