Aus München berichtet man der „Spenerschen Zeitung", daß die von dort nach Wien und St. Petersburg abgefertigten Cabinetscouriere die ausdrückliche Erklärung des dortigen Hofes, zu überbringen haben, wie die Rechtsgültigkeit des sogenannten Bundestags und seiner bisherigen Beschlüsse, unter keiner Bedingung durch „die Ferien" leiden könnten, welche während der zu erwartenden freien Conferenzen in den Geschäften zu Frankfurt eintreten in liebten. Im Gegentheile habe dieser „Bundestag" nachträglich zu entscheiden, ob das Resultat der freien Confe renzeu den bereits ein gegangenen Verpflichtungen der bisher coalifirten Höfe entspreche und demgemäß angenommen werden könne. Auch hat der Fürst Schwarzenberg in dieser Beziehung durchaus keine Zusage ertheilt, sondern selbst auf die ihn bindende Nothwendigkeit aufmerksam gemacht, erstens den Gang der Coufereuzver- handlungen den Ansichten des Bundestags so nahe als möglich zu halten — und zweitens die besondere Einwilligung dieses Bundestags zu den respektive», in Dresden etwa zu Stande kommenden Beschlüssen ein- zuholen. — Dem am Sonntage stattgehabten Minister- räthe wohnte, nach der „Voss. Ztg.", auch S. k. H. der Prinz von Preußen bei.
Stuttgart, 4. Dez. Nach einem Kriegsministe- rialerlaß können die bis jetzt Beurlaubten vorerst noch im Urlaub verbleiben und die Remouleaufkäufe sind bis auf Weiteres eingestellt.
Schweiz.
Basel, 3. Dez. lO.P.A.Z.) Reisende, welche soeben mit der Post aus dem Kanton Freiburg eingetroffen sind, bringen die Nachricht von einem vorgestern daselbst ausgebrochenen neuen Aufstände.
I t a l i e 8.
Neapel, 48. Nov. (Schw. Merk.) Die schrecken- erregende Sterblichkeit (Typhus), welche plötzlich in den überfüllten Gefängnissen Neapels auftritt, soll auf den König den Eindruck gemacht haben, daß der Prozeß gegen die sogenannten Republikaner, das heißt, gegen diejenigen, welche den konstitutionellen Verheißungen vom 10e Februar 1848 Vertrauen schenkten und den König an die Konstitution erinnerten, für drei Monaten Ferien erhält. Gleichzeitig werden die Gefängnisse gelüftet und einige Gefangene nach Nistda und den Ponza- Inseln transportirt werden. NiSko, Settembrini u. A. sind schwer erkrankt, der wackere Arzt Guadagni ist in diesen Tagen im Gefängniß gestorben; sein 16jähriger Sohn wurde auf alle mögliche Weise verhöhnt und gequält, und seine Familie ist dem bittersten Mangel preisgegeben. Gegen
9 Angeklagte ist vor den Ausnahmegerichten auf Todesstrafen'angetragen. Bon 43 Hauptangeklagten sind
9 im Gefängnisse bereits gestorben." Zu diesem Ge- nchtsver fahren in der Hauptstadt Neapel bilden die Untersuchungen zu Aquila, Coseuza, Reggio, wo den Anverwandten eines im Gefängniß Gestorbenen untersagt wurde, der Leiche zu folgen, Salerno und Po- tenza grauenerregende Seitenstücke. Das offizielle Program des Generals Nunziante an die kalabresischen Gutsbesitzer sagt unter Anderem buchstäblich also: „Weil Ihr nun nicht Alles aufgeboten habt, den Räubereien Einhalt zu thun, so soll auf Euch auch keine Rücksicht mehr genommen werden, und es geschieht Euch ganz recht, wenn Ihr von eben den Räubern, die der Regierung so viel zu schaffen machen, gebrand- schatzt werdet. Nehmt Euch wohl in Acht, Einem derselben Obdach zu gewähren, sonst lasse ich Euer Haus von Grund aus zerstören und verhänge außerdem über Euch Militärische Strafen u. s. w. Feldmarschall Marchese Nunziante. Cetico, (Calabrien) den 26. October 1850." «.Die „Militärzeitung l'Araldo" veröffentlichte Nunziantes Drohungen.) Nun muß man aber wissen, daß diese „Räuber" größtentheils umherirrende Flüchtlinge aus den Kämpfen von 1848 und 1849 sind.
Aus bin Dio^ullgcn macht Wunjiaute bereits Eni st und ließ das Dorf Moseiaiw in Flammen aufgchen und dem Boden gleich machen. Zu Cosenza wurde der Dr. Gallucci, Oberarzt der Gefängnisse, abgesetzt, weil er den Gefangenen „zu viel Mitleid" gezeigt hatte.
Turin, 29. Nov. (Lchwäb. Merk.) V i nel l i, Präsident der Abgeordnetenkammer, bat sich eine parlamentarische Bloße gegeben. Er hat seinem Freund Boncompagni, mit Vollmacht der Kammer, den Auftrag
gegeben, die Antwort auf die Thronrede ausznarbeite». Boncompagni hatte ein flaues Werk zu Papier gebracht, welches die Kammer durchfallen ließ. Pinelli, hierüber erzürnt, wandte sich nun au B roffer io, an das radikalste Mitglied der Linken, machte ihm das Höhnische Kompliment, daß er die piu lacile penna (gewandteste Fever) sei, und forderte ihn auf, die Antwort au den König adzufassen. Dem allgemeinen Gelächter folgte natürlich bald tiefe Bewegung. Brofferio ist ein geistreicher liebenswürdiger Mann, aber als Anbeter und Freund Mazzinis u. s. w. wahrhaftig nicht derjenige, der im Namen Sardiniens, Victor Emanuel Rede und Antwort zu geben hat. Pinellis Aufforderung an Brofferio wird also von Vielen als eine Art Verhöhnung des Königlichen Ansehens, als Mißbrauch der Präsidentengewalt, als Beleidigung der Kammer, als alberne Herausforderung der Demokratie u. s. w. angesehen.
— ES ist ein wahres Glück, daß Brofferio ein Ehrenmann ist, dem sein Vaterland etwas gilt. Heute nun bestieg Brofferio die Rednerbühne in der Kammer und las bei vollem Hause seine ganz ausgezeichnete Adresse an den König vor. Diese wurde mit unendlichem Jubel ausgenommen. Sämmtliche Abgeordnete und bas Publikum jauchzten dem geistreichen Manne zu. Und Präsident Pinelli ergriff voll Zorn die Glocke, befahl Ruhe und ermahnte das Publikum, sich anständiger zu betragen. Ein höhnisches b ne, bene war die Antwort. Pinelli ist wegen dieses unklugen Benehmens in Vieler Achtung gesuntung gesunken. Die Adresse an den König, welche mit allen gegen fünf Stimmen angenommen wurde, lautet also: „Sire! Ihre hochherzigen Worte ertönten der Nation, wie ein Bote häuslichen Glücks, und werden weithin, überall wo man duldet und hofft, ein Echo finden. Erlauben Sie uns, o Sire! Ihnen zu sagen, daß selten patriotische Wünsche auf edlere Weise ausgesprochen wurden. Durch treues Beharren bei unserer Verfassung machten Sie sich groß, durch Förderung derselben würden Sie sich unsterblich machen. Voll Stolz wird bie Kammer ber Abgeordneten an dem ruhmvollen Werke des Auf- dauens, wie Sie es voll Muth begehren, mithelfen und das Beispiel eines italienischen Volksstammes, der unter Kampf und Zerstörung zu widerstehen und aus- zuharren wußte, wird seine Früchte tragen. Die Freiheit, werde sie erobert oder verthei- blgt, ist linmervar die Frucht edler Opfer. Die Nation wirb die Freiheit, wie es sich gebührt, zu schätzen wissen. Mit freyem Muthe erwarten wir die Vorlagen der Verbesserungen, nach welchen wir uns Alle sey neu. Den Fortschritt gebietet nicht allein die Verfassung, er ist die Vorsehung des menschlichen Geschlechts. Die Achtung vor den religiösen Traditionen uno die Verehrung der Rechte des Vaterlandes bilden ’ die Basis curopäycher Bildung. Sie, o Sire, wuß- j ten beide mit männlicher Weisheit zu vereinigen und ! werden sie ferner vereinigt erhalten. Die Nation bringt ! Jpncu dafür den Wärmsten Dank dar. Die höchsten { Leiter, denen vor Allem die Wohlfahrt des Vatcrlan- i des am Herzen liegt, sind gleichgültig gegen das ei- i gene Wohlergehen, und so ist eS denn auch Wunder, 1 wenn da Vertrauen gegeben wird, wo Redlichkeit dargeboten wird. Schwer gestaltet sich bie Lage der Gegenwart, so sprachen Sie, o Sire! Wir aber blicken dennoch voll Vertrauen in die Zukunft. Europa schützt ; die Bestimmung der Menschheit und für Piemont schuf i Gott als Wächter den Ebelmuth des Königs und die
Treue des Volkes!" — Die Minister legten sowohl in der Abgeordneten als in der Neichssenatorenkam- 1 wer eine Menge Gesetz es entwürfe vor, welche ich nach der Berathung namhaft machen will. Zur Prüfung des wunderbaren Budgets für 1851 ist eine ; permanente Finanzkommission ernannt. Sie besteht ■ aus 28 Mitgliedern. Ich nenne die Generalbilan;
eine wunderbare, weil auf 88,500,000 Fr. Einnahmen, : 181,936,000 Fr. Ausgaben fallen. Wo sollen die 93 i Millionen Differenz Herkommen? Neue Steuern werden
I in Menge vorgeschlagen werden, aber das Volk wird ; rufen: Nehmt die geistlichen Güter, wir haben genug j gezahlt, wir zahlen nicht mehr. Sagt doch schon die ! allmächtige Gazzetta del popolo, „Redet nichts mehr : von Finanzen und Auflagen. Braucht ihr Geld, so ! verkauft die Besitzungen des heiligen Mauritius, nehmt die Güter und Ländereien der Bischöfe u. s. w." Jedenfalls wird es harte Kämpfe geben.
Großbritannien.
Loudon, 2, Dezember. Cardinal Wiseman ließ gestern in allen katholischen Kirchen einen volländigen Ablaß und Jubiläum von den Kanzeln verkündigen. Zu den Bedingungen der Erlangung gehören auch Gebete für die Königin. — Die halboffizielle „Morning- Post" hält den von Wiseman promulgirten Ablaß für den ersten Act, wegen Oepen derselbe gerichtlich belangt werden könnte.
Republik Franrreich.
* Paris, 4. Dezember. Der Umstand, daß ein Theil der Mannschaften schon auf dem Marsche und folglich schon Geld verausgabt ist, läßt es jetzt doch nöthig erscheinen, den Gesetzentwurf wegen der 40,000 Mann nicht zurückzuziehen. Doch ist die Ordnungspartei so schamlos und blind, daß die Diskusfion morgen höchst wahrscheinlich so lahm werden wird, wie es alle bisherigen waren. — Die Unruhen auf Sar- Vinien, zu deren Schlichtung General Lamarmora abgegangen ist, haben keinen oder doch nur den politischen Charakter, daß daS Raubgesindel auf der Insel sich unter dem jetzigen strengeren und aufgeklärteren Regime unbehaglich fühlt und den Versuch machen möchte, daS alte Pfaffen- und Banditenwesen wieder zur Geltung zu bringen. — Börse: 3% 58, 65 (H. 55 C.); 5% 95 (Hausse 1 Frs. 10 C.); Bankaktien 2310 (Hausse 15 Frs.)
Handels- und Börfennachrichten.
Frankfnrt, 5. Dez. Bei der heutigen 2. Ziehung 1. Klasse der 119. hiesigen Stadtlottcrie gewann No. 17354 10,000 fl., No. 8516 400 fl.
Frankfurt, 5. Dez. Die Vertagung der Kammern am 4. d. M. ward von unsern Bönenmännern als ein friedlicher Moment (I!) betrachtet, und gab namentlich zuletzt der heutigen Börse eine feste Haltung. Von österreichischen Effekten blieben 5pCt 74 % pCt., 4 ‘A pCt. Metall, anfangs 63 ■/, pCt., zuletzt 64 V2 pCt. bezahlt, Wienerbankaktien 1075 fl. G., 500 Loose 150 pCt. gemacht. Die übrigen Anlehensloose behaupteten sich größtentheilS in ihrem gestrigen Cours. Sämmtliche süddeutsche Obligationen waren zu verbesserten Preisen sehr begehrt. Von auswärtigen Obligationen waren Belgische 4 % pCt. Obligationen 90 % pCt. Sardinische 5 pCt. Obligationen waren ausnahmsweise wegen ihres Rückgangs an der Pariser Börse auch hier merklich niedriger im Cours, 81 % pCt. Toskanische 5 pCt. Obligationen 84 % pCt. Von Eisenbahnaktien hleibt F.-W.-Nord- 37 % pCt. ,Berbach 74 pCt., Köln-Minden 92 % pCt., Taunus 306 fl. 3pCt. inländ. Span.'-schließen bei lebhaftem Umtatz 33 %6 pCt. G.
Wien, 2. Dezb. Geldcours: k. k. Münzdukaten 38 Prozent Agio.
B e k a n n t m a ch u ll g e n.
Loeal Veränderung.
Meinen geehrten Freunden und Gönnern mache die ergebene Anzeige, daß ich mein Waarenlager aus dem Hause des Herrn Christian Mathes in der Langgasse in die Markt- straße in daS ehemalige katholische Pfarrhaus, vis-a-vis der Herber'schen Apotheke, verlegt habe.
Indem ich für das nur bisher geschenkte Wohlwollen bestens danke, bitte ich, mir solches auch in meine neue Wohnung folgen zu lassen und erlaube ich mir für gegenwärtige Saison, wie bevorstehende Weihnachten, mein wohl affortirtes Waarenlager, bestehend in Tuche, Buks» Ans, Westen und sonstigen Stoffen zu Herrenkleider, sowie in allen Arten Châles, Umsteck- lücher, Mäntel und Kleiderstoffen, als: schwarzen Seidenstoffen, Thybets, Orleans, Lamas, Äapolitaine, MoumIIii «le laicie, Kattun, Gedrucktes, Baumwollezeug 2c. re., ferner in aller Art Leinen, Zwilch, Bettbarchent, Flanell, halbseidene Stoffe, Halsbinden, Foulardu, Fichüs und alle sonst in dieses Fach einschlagende Arukrl in empfehlende Erinnerung zu bringen.
Wiesbaden, im November 1850. f/W*» ZtWCrmunn*
- EPISPASTWliE LE PERBRIEL.
Zur vollkommenen §» Serre-Bras,
Verbindung der f Compresses etc.
Tolle Vesicasate jur schnellen Anwendung der Vesicaloren, ohne Schmerzen zu verursachen. Apotheke Le Perdriel, Paris, saubourg Montmatre 76 - Fabrik rue de Martyrs 2S in Pins.' Niederlagen in allen Haupt-Apotheken Frankreichs und des Auslandes. ('Dian verwahre sich vor Nachahmungen.) Die Herren chiediciner und Pharmaceuten können mit Rabatt und unter vortheilhaften Bedingungen auf frankirte Briefe sämmtliche Produkte aus der Fabrik Le Perdriel direkt empfaugen.
Von Oberbachheim, Amt Braubach. Es ist in unserer Abgeordneten - Kammer schon viel gesprochen worden von Ausstockcu eines Theils Slaais- Waldungen; es wäre sehr zu wünschen, wenn dies bei der immer steigenden Kartoffelkrankheit bald in Erfüllung ging; es würde dadurch map^cm Hungrigen Nahrung verschafft werden, weil der Waldboden nur gute und gesunde Kartoffeln erzeugt.
Man hat hier auf die warme Empfehlung des Hrn. Oberförster Harz in Nastätten — Dank diesem Manne — einen Distrikt von ohngefähr 13 M. Morgen alten, durch verkehrte Ansichten früherer Oberförster verdorbenen Niederwald ausgestockt, wodurch unser geringer und Mittelstand sich nicht allein reichlich guter und gesunder Kartoffeln zu erfreuen Hai, es tragt auch unserer Caffe an Zeitpacht mehr ein, wie Hundert Morgen Wald. Es wird allgemein gewünscht, wenn der schon bejahrte Mann noch lange in seinem Wirkungskreise bliebe, man würde sich noch manches Gute von ihm zu erfreuen haben.
(1471) May, Gemeinderath.
Lichtbilder auf Papier,,
Kirchgaffe Nro. 31 zu Wiesbaden. (936)
Steinkohlen.
Im Laufe dieser Woche trifft für dieses Jahr das letzte Schiff mit vorzüglichen Ofen- Schmiede- und Stückkohlen für uns in Biebrich ein, und werden solche billigst abgegeben.
Wiesbaden, den 5. Dezember 1850.
Gebrüder SSlees..
(1447) In der H. W. Ritter'schen Buchhandlung ist vorrâthig:
Komischex
Vâs-âatenber
für
1831.
Herausgegeben von Adolf Brennglas.
Mit vielen Illustrationen von Th. Hosemann.
Preis: 36 Kreuzer.
I Verantwortlicher Herausgeber und Verleger 6. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdru-^-rei.
