Einzelbild herunterladen
 

Haltung bilden nur diese Ereignisse und Alles, Jung und Alt, Arm und Reich nimmt den lebhaftesten An­theil an diesem Kampfe. Traurige Folgen, Familien» Zwiste u. dgl. m. sind tägliche Erscheinungen, welche bitter und nachtheilig auf das gesunde Volksleben in geselliger wie staatlicher Beziehung einwirken. Auch sind bereits schon wunderartige Erscheinungen bemerk­bar geworden, mit welchen diese Gesellschaft sehr groß thut, z. B. kränkelnde Mitglieder genesen ohne Arzt und gesunde bedürfen bei weitem nicht so viel Speisen und Ruhe mehr denn früher?! sollte letztgenannte Erscheinung sich häufiger zeigen, dann wären die Nach­theil i g e n Folgen nicht in Anschlag zu bringen, allein die Vernünftigen glauben natürlich kein Wort von solchen Mährchen, sondern bangen sehr vor einer noch traurigeren Zukunft, denn die Gegenwart ist.

V Von der Weil. All das Getümmel und Ge­wimmel, das Rasseln und Prasseln des Kriegs und seiner Streiter, hat keine Wirkung im Volksleben er­zeugt. Das Volk weiß, wenn es gilt und harret ruhig der Stunde, wo es seine Dränger, in Vereinigung mit allen Völkern Europa's, los werden wird. Die Freude, welche dieser Tage sich in allen Gesichtern zeigte, galt dem erlösten Gottfried Kinkel und seinen edlen Rettern. Wahrlich, dieser That sind mehr Freu- denthränen geweiht worden, als dem ganzen Gottes- Gnadenthume bei seinem Leichcnzuge Trauer-Thränen fließen würden. Bei der ersten Nachricht glaubte man in manchen Dörfern es brenne, so lief Alles durch­einander; Jeder wollte seinem Freunde diese frohe Nachricht zuerst überbringen und tausend Gebete und Seufzer um fernern Schlitz für den Geretteten stiegen zum Himmel empor. Ein beachtenswerthes Zeichen der Gegenwart! Möchten die es beherzigen, welche der Gegenwart gebieten!

* Wiesbaden, 22. November. Die preußische Ein­quartierung, auf die man sich bereits rüstete, wird am nächsten Montage beginnen, jedoch nur sehr mäßig wer­den. Die acht Bataillons, die nacheinander in Pausen von 24 Stunden durch unser Land gehen, werden nicht, wie es anfangs im Plane war, hier durch über Schwal­bach nach Nassau ziehen, sondern sich in Biebrich nach Coblenz cinschiffen. Die Haupteinquartierungslast wird daher Biebich tragen. Die Kavallerie und Artillerie wird den Landweg über Königstein Anschlägen.

* Wiesbaden, 22. November. Wozu die Mobili- sirung fder preußischen Armee? ,Gegen Neuenburg und so weiter! antwortete vor einigen Tagen Pie O.-P.-A.-Z." und siehe da, das jetzige Hauptorgan des offiziellen Preußens, die Kreuzzeitung bestätigt dies saubere Plänchen bereits vollkommen.Preußens Ehre," meint sie,sei zu gewisser Zeit Oesterreich gegenüber in der That engagirt gewesen; dagegen sei in Neuenbnrg d. h. in Neufschatel der preußischen Ehre eine Wunde geschlagen, die seit zwei Jahren brenne, und cs sei zu hoffen, daß nun, da einmal die Armee mobil gemacht sei, auch au jenem Punkte Preußens Ehre' werde gerettet werden!" Ganz in Uebereinstimmung mit dem, was wir in dieser Be­ziehung überdie Pläne der preußischen Negierung" entwickelten, schreibt dieNat. Ztg." vom 20. Nov.: Die Mahnung derNeuen Preußischen Zeitung" an Neuenburg, an das Niemand weiter denkt, das am wenigsten irgend Jemanden als Grund oder Ziel einer Mobilmachung der ganzen preußischen Armee vorge­schwebt hat, ist aber auch von weiter zielender ^ deutung. Neuenburg soll nur die Veranlassung geben, mit der Schweiz anzubinden, die der Reaktion seit lange schon, schon seit der Zeit vor den Märztagen ein Dorn im Auge ist, der sie die schnelle und kräf­tige Unterdrückung des von den östlichen Großmächten protegirten Sonderbuudes noch immer nicht vergeben kann; nur durch einen Angriff auf die Schweiz hofft die Reaktion es zu einem Eonflikt mit Frankreich, zu einem neuen Coalitionskriege zu bringen, um dort die durch ihre eigenen Fehler und Sünden gestürzte, in ihrem Korruptionssystem untergcgangene Legitimität oder Qnasilegitimität wieder hcrzustellen." Natürlich: die Verträge'von 1815: d. h. für Deutschland RcaE tivirung des Bundestags, für Frankreich Restauration der Boubons. Die Reform, welche dazu verheißen wird, heißt: Theilung der Schweiz; Vernichtung der Volkssouveränität auf dem Kontinente unter jeder Form!

Kassel, 19. Nov. (Horn.) Die Eisenbahn ist jetzt die Etappenstraße, alle Rechte, welche man Etappen­straßen gewährt, werden auf sie übertragen. Der hiesige Stadtkommandant hat deshalb von den Direktionen verlangt, daß ihm die Abfahrt jedes Zuges gemeldet wird, auch hat er nach Guntershausen, wo die Fried­rich-Wilhelms-Nordbahn und die Main-Weserbahn zu- sammcnstoßen, ein starkes Detaschement Infanterie und Kavallerie stationirt.

Kassel, 19. Nov. (N. H. Z.) Heute ist ein Theil der zu den preuß. Truppen in Hessen gehörigen Re­serve-Mannschaften hier angemeldet worden. Das Grö- bensche Armeecorps soll neue Verstärkungen erhalten haben und hat seine Linien erweitert und avancirt bis Burghaung auf der Straße nach Fulda. Die schärfsten Befehle sind gegeben und an ein Hindurchschlüpfen bayerischer Mannschaften ist nicht zu denken.

Kassel, 21. Nov. (O.P.A.-Ztg.) Der hiesige Bezirksdirektor Wachs hat die Landtagswahlen für die nächste Ständekammer angeordnet. Die Wahlen sind bereits eingeleitet und werden den 22-, 23. und

24. d. M. vorgenommen. Man glaubt, daß die Be- theiligung diesmal groß sein werde. Zu Abgeordneten für die ötabt Kassel sind von Seiten des hiesigen Bürgervereins die Herren Obergerichtöanwalt Schwar­zenberg und Geheimerath v. Schenk in Vorschlag ge­bracht. Herr Generallieutenant v. Haynau ist durch höchste Ordre in den Ruhestand zurückversetzt, mit der Erlaubniß, die Aruleeuniform zu tragen.

Fulda, 20. Nov. (O.-P.-A.-Z.) Heute fanden einige Dlslocationsveränderungen statt. Das 2. Ba­taillon des 15. Regiments marschirte aufs Land und 1 Bataillon des 14. Regiments rückte dafür ein. Das 2. Kürassiexregiment bezog Cantvniieinents in der Nähe der Stadt. Die beiden Kürassierregimenter bilden mit einem Cheveaurlegersregiment eine Brigade unter Ge­neral v. Flotow, der sich hier befindet. Es herrscht noch immer die größte Ruhe in den Cantonnements.

Hannover, 18. Nov. (Wes. Z.) Dürfen wir ei­nem sehr verbreiteten Gerüchte trauen, so ist die Frage über die Näthlichkeit oder Nothwendigkeit der Mobl- lisirung der Hannover'schen Armee im Ge- sammtministerio nicht nur zur ausführlichen Erörterung gekommen, sondern bereits heute dahin entschieden, daß Hannover die Rolle des müßigen Zuschauers oder Beo­bachters nicht ferner fortspielen könne, vielmehr zur- sofortigen Mobilmachung werde schreiten müssen.

Hannover, 20. Nov. DieHannoversche Zeitung" hat gestern abermals einen Leitartikel, wieder ge­gen den Eintritt ganz Oesterreichs in den Bund, even­tuell sogar für die preuß. Unionsidee. Anmerkungs­weise ist dem Artikel hinzugefügt, daß sein Verfasser, von welchem auch der erste, in fast alle deutsche Blät­ter übergegangene Artikel herrühre,fern von mini­steriellen Inspirationen sei." Da diese bestimmte Ver­sicherung auch mündlich aus sehr glaubwürdi­ger Quelle bestätigt wird, so verlieren damit diese leitenden Aufsätze der Hannov. Ztg. jede beson­dere Bedeutung.

Schwerin, 17. Nov. Nach derSchwer. Ztg." sollen am 30. Januar k. J. die Mitglieder vonRitter- unv Landschaft in Malchin zum Landtage zusammen- treten.^ In Rostock ist es zwischen dem Rathe und der Stadtverordnetenversammlung zum Bruche ge­kommen.

tt Berlin, 20. Nov. Aus bester Quelle ver­lautet, daß Braunschweig bereits durch seinen Bevoll­mächtigten beim Furstenkollegium die Verweigerung zum Durchmarsch der Bundeserekutionstruppen nach Holstein ausgesprochen habe. Liebe hatte gestern zu dem Zwecke Audienz in Sanssouci. Auch soll gestern der Herzog von Braunschweig zu dem Zwecke in Sans­souci angekommcu sein. Im hiesigen Kabinete herrscht den ministeriellen Organen zufolge jetzt Solidarctat zwischen Manteuffel und Ladenberg: natürlich, beide sind gleich spezifische Preußen, gleich große Pietisten, nur daß Ladenberg geriebener, als Manteuffel ist und durch seine bisherige Opposition nach Popularität haschte, wovon er allerdings keinen Ueberfluß besitzt. Die Thronrede wird laut demCorr. Bur." eine Rede für den Frieden sein, wobeiWohlstand und organische Entwicklung" als Feigenblätter dienen werden. Was unter der organischen Entwicklung zu verstehen, davon gibt der Preßentwurf, der den Kammern sofort vor- gelegt weiden soll, ein Pröbchen:er hat das Cyarak- terlstische, daß er die bnreaukransche Willkür zurVor- derthLr hinauswirft, um dieselbe zur Hinterthür wie­der hereinzulasscii!" bezeichnet ihn, was glauben Sie wohl, wer? Die9t. Pr. Ztg."! Demnach muß er wohl sehr man teufst isch sein. (DieAgsb. Allg. Zig." bringt eine telegr. Dep. aus Berlin vom 20., wodurch obige Angabe über Braunschweigs Er­klärung gegen den Durchmarsch vollkommen beglaubigt wird.)

DieDeutsche Reform" bestätigt die von uns be­reits gegebene Nachricht, daß von Seiten der braun­schweigische Negierung eine Erklärung eingegan- gen ist, nach welcher diese den Durchmarsch von soge­nannten Bundestruppen nach Schleswig-Holstein nicht gestatten will und die Unterstützung Preußens gegen die etwaige Anwendung von Zwangsmitteln in An­spruch nimmt. Wie diediät.-Ztg." erfährt, ist dieser durch Dr. Liebe gestellte Antrag Braunschweigs bereits im gestrigen Ministerrathe diskutirt und es ist einstimmig beschlossen worden, demselben zu entsprechen und nötigenfalls die beanspruchte Bundeshülfe zu lei­sten. Heute früh fand Ministerrath unter dem Vor­sitze des Königs in Bellevue statt, und man nimmt an, daß in demselben für den erwähnten Beschluß die königliche Sanktion eingeholt worden ist. Es wür­den, wie man berichtet, Erklärungen nach Wien ab- gehen, daß man die Bundeserekution in Holstein so lange nicht zulassen könne, bis durch feste Vereinba­rung die Gleichstellung Preußens mit Oesterreich fcst- stehe.

In Betreff Kurhessens und Schleswigs-Holsteins, meldet diediene Preuß. Ztg.", soll man jetzt mit der Verständigung so weit vorgeschritten sein, daß es kaum noch einer weitern Diskussion zu bedürfen scheint. Preußen hat dabei, wie man sagt, den specifisch preu» ßischeu Standpunkt (!!) festgehalten.

Berlin, 21. Nov. (Telegr. Dep.) Aus der heute von Sr. Majestät dem Könige bei Eröffnung der Kam­mern gehaltenen Thronrede, theilen wir vorläufig;das Folgende mit:

.Meine Absicht, den Bedürfnissen deutscher Nation eine entsprechende Verfassung zu verschaffen ist bisher unerreicht geblieben. An dem Gedanken, der meinen b.shercgen Bestrebungen zu Grunde liegt, werde jedoch,

^! bte Zukunft, festgehalten, dessen Ver­wirklichung, aus neuen Grundlagen, aber erst wieder ausgenommen, wenn über die künftige Gestaltuna des deutschen Bundes entschieden ist. Ich hoffe, daß die S J bezüglichen Verhandlungen bald zu einem ge­deihlichen Ende führen werden, ich hoffe, daß unsere Erhebung genügen werde, unser Recht zu wahren; sie ist, wenn dies erreicht wird, gefahrlos für die Ruhe Europas; denn mein Volk ist eben so besonnen, wie krastig. Wir suchen nicht Krieg und wollen Nieman­des Rechte schmälern; aber wir wollen eine Einrich­tung des Gesammtvaterlandes, der die Stelluna Preu­ßens angeinessen sei."

Stuttgart, 21. Nov. (Beob.) Die Wuth der ehemaligenUlmer Kronik" gegen einige Mitglieder des Gerichtshofs in Eßlingen läßt errathen/ daß die Re­gierung mit einer Klage gegen den verfassungsmäßigen Ausschuß der Landesversammlung dort nicht erreicht hat.Wir haben bereits kur hessische Zustände", behauptet sie. (Das weiß Gott!)

Bamberg, 17. Nov. (Fr. Kur.) Die Friedens- Gerüchte, welche dieser Tage aufgetaucht waren, sind thatsächlich wieder versunken; denn die Durchzüge von Truppen, sowie von Kanonen und Munition dauern fort; und wenn auch für die nächsten Tage keine mas­senhafteren Heeres-Abtheilungen angesagt sind, so gibt es noch andere Hinderniye, marschiren zu lassen, 'als Friedensplane.

Sehr verbreitet ist die Absicht, man beabsichtige einen Schlag gegen Frankreich, man wolle aus einer schlechten Republik eine noch Monarchie machen. Ach nein! für so vollkommen verrückt wollen wir denn doch die Jünger des Absolutismus nicht hal­ten. Seht Ihr die tiefe Ruhe Frankreichs? und cs fröstelt Euch nicht?--Meint Ihr, ein neues 1814 lasse sich in die Gegenwart zaubern? Geht nur über den Rhein! Vor Euch: Feinde hinter Euch: Feinde; in Eurem eigenen Heerlager, in Eu­rem eigenen Herzen: Feinde!

Würzburg, 16. Nov. (Fr. Kur.) Die Getraide- ausfnhr und überhaupt der Getraidehandel wurde durch Verordnung unserer Regierung bedeutend beschränkt.

Seit einigen Tagen erscheint unsere Stadt in Be­lagerungszustand, aber nicht von Seite des Militärs, sondern von Seiten der vielen Bettelmönche, welche jedes Haus betreten und an jeder Zcmmeethüre an­klopfen, und um Beisteuer für ihre Klöster betteln. Ach die gute alte Zeit des Mönchsthums, sie kehr wieder!

Wien, 15. Nov. (Agsb. Allg. Ztg.) Die unge­mein friedlichen Aussichten, wie sie nach den ministe- vielten Blättern bestehen sollen, contrastireii auffallend mit dein fortdauernden Eifer für kriegerische Rüstungen. Der Kaiser mustert fast täglich die ankommenden Trup­pen in Person. Marschall Haynau war zu einer Mi- litärconferenz berufen, und hatte mehrere Unterredun­gen mit dem Kaiser, dem Fürsten Schwarzenberg, dem Marschall Radetzky und dem Kriegsminister. Auch seine Rathschläge sollen aus strategischen Gründen und aus eben so genauer Kenntniß der Zustände Ungarns, wie solche Radetzky von der Lage Italiens hat, für den Frieden sein.

Wien, 17. Nov. Graf Kasimir Esterhazy soll nach einer Mittheilung in derLeip. Ztg." noch heute nach Dresden abreisen, um Einleitungen zu den daselbst zu eröffnenden freien Konferenzen zu treffen. Auch ein preußischer Abgesandter wird er­wartet, da Graf Bernstorff sowohl aus Rücksichten seiner Gesundheit, als auch seiner Unentbehrlichkeit da­hier nicht abkominen kann. Derselbe ist bei Hofe eine persona grata ucid sein biegsames, gefälliges Beneh­men hat manche Schärfen des diplomatischen Noten­wechsels auszugleichen gewußt. Dieser friedlichen Konstellationen ungeachtet nehmen die Rüstungen ihren ungehinderten Fortgang. Auf der Süd- und Nordbahn sind bereits seit acht Tagen die Güterzüge eingestellt, und es ist ein ewiges Kommen und Gehen von Truppen. Gestern und heute passirten drei kroa­tische Grenzregimenter die Hauptstadt, halbwilde Sol­daten von mehr asiatischem als europäischem Aussehen, sie stoßen zu dem an der mährisch-böhmischen Grenze zwischen Trautenau und Königgrätz aufgesteUten Armee­corps, welches eine Stärke von 40,000 erhalten wird. In Olmütz wird Tag und Nacht an den Befestigungs- werken gearbeitet, und die Walle starren von Geschütz. Auch die ausgeschriebene Conscription von 75,000 M. geht rasch vor sich.

Wien, 18. Nov. Die offizielleOcsterr. Corresp." enthält folgende wichtige Aeußerungen:Mehrere Blät­ter entnahmen derN. Pr. Z." die Mittheilung, daß die österreichische Negierung in den Vorschlag Preußens, die Rüstungen und Truppenmärsche gegenseitig einzu- steUen, eingegangen sei. Wenn wir gut unterrichtet sind, ist diese Nachricht nnrichtig; im Gegentheil soll der Ministerpräsident Fürst v. Schwarzenberg mit Be­stimmtheit ausgesprochen haben, dem bezeichneten Ansinnen des Berliner Eabinets nicht ent­sprechen zu können, weil die österreichische Regierung nicht berechtigt sei, Rüstungen und Truppenmärsche, die in Folge der Bun- vespflicht angeordnet wurden, ohne Zczstim-