Einzelbild herunterladen
 

ihrer Regierung nicht eben so hingebend als uner- schütterlich gewesen wäre. Man wird sagen: jener Bankerott mit Hinblick auf die auswärtigen Verluste würde ein betrügerischer Schurkenstreich sein. Ich frage, was war denn der Hergang von 181 l, bei welchem Kaiser Franz sein kolossales Privat-VerMögen nicht nur rettete, sondern noch verdoppelte, während Elend und Ruin das von vielen Tausend Familien zerstörte? Noth bricht Eisen, geschweige das Gewißen eines öster­reichischen Staatsmannes. Noch einmal, wir geben das Vorstehende als ein avis au lecteur, welcher österreichische Papiere besitzt. Der^ Verkauf derselben wird unvermeidliche Verluste nach sich ziehen; aber es ist der Beweis kaufmännischer Klugheit, daß sie weiß, zu rechter Zeit ^u verlieren. Der erste Kanonen­schuß^ welchen Oesterreich gegen Preußen löf't, ist das Signal zum Zusammensturz seiner Fi nanzen, der Bruch seiner Ba nk, der Entwerthung von deren Noten bis zu dem Cours der "französischen Assignaten.^ Hier hat auch die russische Freundschaft ein Ende; |ie gibt mohl Kanonen und Bavonncte, aber keinen SMrrubel." Was ist daher zu thun? Schwarzenberg hat seine Ehre verpfändet, den Bundestag zu halten, er hat mit Krieg gedroht, wenn Preußen nicht nachgibt; er kann aber keinen Krieg führen, ohne bankerott zu machen: die Sachen stehen daher ganz ähnlich wie damals, als Rußland gegen die Ungarn zu Hülfe gerufen wurde. Preußen soll und muß nachgeben, sich demüthigen, unterwerfen. Da es den Oefterreichern Trotz bieten kann, weil es ihre Achyllesferse kennt, so greift die habsburgische Politik zum zweiten Male zur russischen Intervention in innere Angelegenheiten: biv Czar erklärt den Kriegsfall an Preußen, sobald dies sich dem Einrücken der Baiern in Kurhessen, d. h. dcnBc- fehlen des Bundestags, d. h. der Kreatur Oesterreichs, d. h. der Hand Rußlands in den deutschen Angelegen­heiten, widersetzt. Die zwölfte Stunde hat mit dieser russischen Note für die Hohenzollern geschlagen; unter­werfen sie sich, so geschieht ihnen recht, wenn Preußens Zeit als Großmacht, wie Friedrich II. es hingestellt, vorüber ist; unterwerfen sie sich nicht, wie schwer rächt sich dann ihr unseliger Terrorismus gegen die Demo­kratie, mit der allein sie den Kampf mit Rußland und Oesterreich, ja mit der ganzen europäischen Contre- revolution anfnchmen könnten. Wie die Sachen jetzt stehen, glauben wir jedoch noch immer an keine ent­scheidende That: man wird vermitteln, vertuschen-der monarchischen Autorität wegen; aber je länger die Entscheidung aufgeschoben, desto schwerer wird sie auf­gehoben.

Mittags. Der Telegraph meldet aus Berlin vom 30. Oktober, daß die verschiedenartigsten Gerüchte die preußische Hauptstadt durchkreuzen: nach dem einen hatte Manteuffel seine Entlassung gegeben, was so viel bedeuten würde, als daß Radowitz sich der russischen Drohung unterwerfen werde: nach einem mrdeLN—GeL. -rüchkessoute einë neue sehr bekraMicheül-obilgirung des Heeres befohlen worden sein. Daß die Nachrich­ten aus Warschau keineswegs günstig für Preußen lau­ten, war schon am 28. in Berlin bekannt. Das rus­sische Kabinet geht laut der „Nat.-Ztg." noch weit über Oesterreichs Politik in der kurhessich)-preußischen Frage hinaus. Im Ministerrathe, der am Samstag gehalten wurde, erschien Radowitz nicht, es kam des­halb zu keinem Entschlusse. Dieser scheint nach obiger telegraphischen Depesche jetzt erfolgt zu sein.

* Wiesbaden, 31. Oktober. Für die bevorstehen­den Assisen (IV. Ouartal) wurden gestern folgende Bür­ger zu Geschwornen durch das £oo$ bestimmt:

A. Hauptgeschworne: Bürgermeister Johann

Peter Jäger von Wehrhcim; Jakob Bischof 4ter von Camp; Georg Heinrich Wink 1ter von Brecken­heim; Mathias Helsper von Neudorf; Philipp Pulch von Laufenselden; Martin Hewel von Ober- seltcrs; Konrad Eisinger von Grävenwiesbach; Ge­meinderath Georg Stoll von Geisenheim; Bürger­meister Ludwig Bleichen bach von Kronberg; Fried­rich Lugenbühl von Wiesbaden ; Adam Adam von Niederhöchstadt; Bürgermeister Philipp Jakob Gärt­ner von Lautert; Gemeinderath Michael Schlitz von Geisenheim; Bernhard Frorath von der Nieverner Hütte; Jakob Hertling von Katzenellenbogen; Post­halter Joseph C o I l o s se u s von Königstein ; Karl F i - sch el von Nastätten; Bürgermeister Heinrich N oh- stad t von Heddernheim; Ludwig Schmidt von Nau- rod; Bürgermeister Heinrich Koch von Erbach; Da­niel Rohr von Wiesbaden; August Halberstadt von Camberg; Bürgermeister Johann Philipp Noth von Eschknhahn; Johann Peter S ch m i d t von Schweig­hausen Jakob Fischer -von DaSbach; Müller Hein­rich Pfeifer von Anspach; Bäcker Johann Woll­stadt von Höchst; Adam Salziger von Wambach; Apotheker Geißler von Nastätten ; Peter Gotts ch a l k von Kronberg

6. Ersatzgcschwornc: Heinrich Ritzel von Wiesbaden; Schreiner Linne kohl daselbst; Ludwig Neuendorf daselbst; Heinrich Thon daselbst; Phil. Schramm daselbst; Lorenz Petri daselbst; Geometer Balzer daselbst; Karl Götz daselbst; Kappenmacher Fr au nb daselbst.

!> Wiesbaden, 3l. Oct. In dcr heutigen Sitzung unserer Kammer sahen wir endlich wieder einmal auf der Regicrungsbank den Herrn Ministertalrath Werren, den das Ministerium Wintzingerode bisher mit großer Sorgfalt aus den Sitzungen ferne gehalten hat. Wie man sich erzählt, geschah dies Fernhalten deshalb, weil Herr Werren nicht un Stande war, die parlamenta- rischen Formen sich so weit anzueignen, daß nicht fort­während lediglich durch die Art und Weise des un­passenden Auftretens des Herrn Werren die Regie­rung mit der Kammer in Conflikt gerieth. Dies wird durch die heutige Verhandlung aufs Neue bestätigt. Die Opposition in der Kammer kann nichts eifriger wünschen, als daß die Negierung fortwährend den Herrn Werren als Commissar schicke. Sie kann dann sicher sein, daß alle die schwankenden Mitglieder, die in öffentlicher Sitzung bei geeignetem Auftreten der Regierung für dieselbe gewonnen werden, durch das kategorische Auftreten des Herrn Werren, so wollen wir es gelind bezeichnen, der Regierung entfremdet werden. Es ist merkwürdig, wie wenig auch Herr Schepp, der heutige College des Hru. Werren, trotz seines mehrjährigen Stimmens in der Frankfurter Na­tionalversammlung , im Stande ist, eine Entgegnung ruhig anzuhören und zu beantworten. Seine Leiden­schaftlichkeit verdirbt natürlich immer mehr, als sie gut "macht. Dle"Nrgierung ist denn auch heute mit ihrem Vorschlag auf Vermehrung der Gensdarmerie richtig durchgefallen.

* Wiesbaden, 31. Okt. Die gestern ausgegebene 59te und letzte Kurliste der diesjährigen Saison meldet 14,566 Kurgäste. Die Saison war eine sehr brillante, obwohl die letzten Monate hindurch die ungünstige Witterung verhinderte, daß sie noch glänzender wurde. Unser Bad hat seinen alten Ruhm von Neuem bewährt.

□ Diez. Vor einigen Tagen hat sich in unserer Nähe ein schauderhaftes Ereigniß zngetrageu. In der Gemeinde Birlenbach wurde ein armer Bergmann, der gegen den Abend in den Wald gegangen, um eine Last Holz zu holen, vermißt, den andern Morgen zog die

Gemeinde hinaus und fand ihn endlich mit fürchterlich zerschossenem Kopfe so auf der Erde liegen, daß es ganz unzweifelhaft, daß derselbe in voller Flucht er­schossen worden. Wie es scheint, hatte er jenseits eines kleinen Wiesengrundes einen Raidel abhauen wollen, war überrascht worden und wurde auf der Flucht von hinten in den Rücken und indem er sich mit dem halben Kopfe nach seinem Verfolger umgewendet zugleich in die­sen mit Nro: 0 Schroten so getroffen, daß er augen­blicklich todt zu Boden stürzte und in dieser Stellung liegen blieb, die ganz unzweifelhaft die Flucht nach­wies.

Der Verfolger hatte auf dreißig Schuh Entfernung geschossen, wie die Stopfen und die zerschmetterten Zweige mehrerer Büsche (genau die Richtung angebend) nicht verkennen ließen. Der Todte hielt noch in der einen Hand die Kappe, in der andern ein Beil, lag mit zusammengezogenen Knieen auf der Seite des Kopfs, die verwundete dem Schuß zuwendend. Die Schrote waren in etwas schiefer Richtung durch eine leinene Jacke gedrungen, die Derselbe trug, was die schnelle Flucht und gebückte Stellung mit der dieser in die Büsche springen wollte, klar sehen ließ. Die Stimme des Volks bezeichnete den Förster von Holzheim hier als den Thäter, der, nachdem das Amt die Untersuchung eiugeleitct, in der Nacht arretirt wurde und auch so weit^ gestanden haben soll, daß er in einen Busch ge­schoben. Der Todte ist Vater von 6 Kindern, seine Frau erwartet das siebente; der Förster soll ebenfalls Vater mehrerer Kinder sein.

Möge doch unsere Regierung aus diesem nun schon so oft sich wiederholt habenden Falle Veranlassung nehmen, den Förstern das Tragen von Flinten zu ver­bieten. Man waffne dieselben mit Hirschsängern oder Säbeln und kurzen Terzerolen mit Schrot geladen, diese sind ihnen im Handgemenge mehr werth, als lange Flinten, und haben nicht deren tödtliche Wirkung. Ich bin überzeugt, daß die Sache, so ausgeführt, viel zweck­mäßiger ist als die nur hindernde Flinte. Die Förster sollen letztere nur als Vertheidigungswaffe führen und Pi­stole und Hirschfänger sind doch unbezweifelt dafür zweckmäßiger als diese; denn nur mit nahen Feinden können sie kämpfen und dann sind die Angriffe auf die Forstbeamten auch so selten, daß die Flinte nicht oft gebraucht wird. Dem Erschossenen gab der ganze Ort das ehrende Zeugniß, daß er nicht allein ein ge­schickter und thätiger, sondern auch ein Mann gewesen, der jedem seiner Mitbürger gerne bei jeder Gelegenheit helfend beisprang. Möge dieser das letzte traurige der­artige Opfer sein.

Frankfurt, 27. Oktober. (Schwäb. M.) Lord Cowley hat, wie auch in dem Protokoll der Bun­desversammlung vom 26. d. M. ausdrücklich zu lesen, der Auswechslung der Natisikationsurkunden zwischen Graf Thun und v. Bülow nur in seiner Eigenschaft „als Repräsentant der vermittelnden Macht" und in Folge der ganzen Stellung Englands zu dem Frie­den mit Dänemark, beigewohnt. Keineswegs gilt diese Theilnahme einer Anerkennung der B u n d e s v ersa in m- lung von England gleich oder kann dieselbe als ein dahin führender Schritt gedeutet werden. Im Gegen­theil soll sich Lord Cowley dawider besonders verwahrt haben, wie denn auch andererseits verlautet, daß Eng­land von einer Anerkennung jener Versammlung als deutscher Centralbehörde gerade jetzt am Weitestes) ent­fernt sein würde.

A Frankfurt, 30. Oktober. Die Auflösung der kurhessischen Armee durch Beurlaubung der Soldaten und Abschiedsertheilung der Offiziere schreitet voran. In Fulda sind sämmtliche Offiziere bei ihren Entlas-

Stände auf der Stelle, und er sprach: „Meine Herren, Sie find entlassen!"

Die Landtagswahlen waren bei^ wachsender Theu- rung und Noth vorzunehmen. Scheffer suchte in seinem Sinn und nach seiner Weise darauf einzuwirken. Gegen Mitglieder der aufgelösten Ständeversammlung wurden strafgerichtliche Untersuchungen eingeleitet. Auch andere Männer vcm Freisinnigkeit wurden vor Gericht gezogen, freilich stets ohne Erfolg, denjenigen ausgenommen, daß Scheu vor der Aeußerung eines freien Wortes entstand. Unter Handhabung eines immer ärger werdenden Ver- folgungssystcms kam der Mai 1847 heran, wo die Stände wieder einberufen werden mußten. Henkel und ein paar andere wurden wegen der gegen sie erhobenen Anklagen ausgeschlossen, auch noch andere Wahlen be­anstandet. Die Standeversammlung bewies dabei große Schwäche, und hierdurch wurde Wtppermann bewogen, in der ausgesprochenen Erwartung, daß einst Aner­kennung finden werde, was er seit fünfzehn Jahren in die Landtagsverhandlungen niedergelegt habe, den Verzicht auf seine abermals beanstandete Wahl zu er­klären. Nun erfolgte Henkel's Freisprechung, und Scheffer kündigte nach vorgängiger Verlängerung der Steuererhebung bis zum 31. Dec. den Ständen wiederum eine dreimonatliche Vertagung an!!!

Um dieselbe Zeit begab sich der Prinz-Regent in die Grafschaft Schaumburg zum Jubelfeste der zwei­hundertjährigen Vereinigung dieses Gebietes mit den kurhessischep Landen! Er fand überall den herzlich­sten Empfang. Jedoch richteten. Wippermanns Wähler die durch dessen Verzicht erforderlich gewordene Wahl so fin, daß sie das angefochtene. Princip wahr­

ten. Als die Vertagungsfrist abgelansen war, kam neuer Zwist über die Legitimation der Abgeordneten, und zog sich durch die ganze Dauer der Versammlung hin. Sichtlich war das Bestreben vorherrschend, die dem Ministerium unangenehmen Depntirten, zum Theil auS noch niemals vorgebrachten Gründen, sei es auch nur auf einige Zeit oder für eine einzelne Abstimmung, zurückzuhalten. Von eigentlichen Geschäften war kaum die Rede auf diesem Landtag, der mit einem Fest­mahle schloß, welches die Stände zu Ehren Scheffers veranstalteten!!!

In dieser Zeit starb Wilhelm II. zu Frankfurt. Der Prinzregent nannte sich sofort Kurfürst uud sou­veränen Landgrafen von Hessen. Die Verkündigung war nicht contrasignirt; wegen der einzunehmenden Huldigung behielt er sich weitere Entschließung vor. Wilhelm 11. hatte vor seinem Ende in einem an die Landstände gerichteten Schreiben der Verfassung gedacht. Adresse n, welche auf diese Bezug nahmen, wurden von seinem Nachfolger nicht angenommen! Man Vermu­thete Beseitigung der Verfassung, die auch wohl nur durch die Verfassungstreue des Militärs abgewendet wurde! Der Condolenzdeputation der Stände sprach der Kurfürst von Modiffcationen , die er beabsichtige, und die in alle Zukunft die Landesverfassung sicher stellen sollten. Bickel, Schröder und Müuscher (der bald darauf starb) erhielten den Auftrag, eine Revision der Verfassung zu bewirken. Der Landtag beanstan­dete das Finanzgesetz für 1846 bis 1848 nur in einem Punkte wegen der Hofdotation, die jetzt nach den Ver­trägen sich hätte vermindern müssen, während das Mi­nisterium proponirt hatte, sie auf der bisherigen Höhe zu belassen! Sonst wurde alles Geforderte bewilligt.

War einmal Schwarzenberg irgend einer Ausgabe ent­gegen, so erwiedert statt Scheffers Bickel, von einem AuögabenverwiUigungsrecht sei in der Verfassung nicht die Rede, sondern nur von einem Steuerbewilligungs- rechtc, und er fand Unterstützung aus der-Mitte der Stände selbst! Diesesmal wurde Wippermann dadurch fern gehalten, daß ihn das Ministerium in eine strafrecht­liche Untersuchung verwickelte, und der Landtag ihn gänzlich im Stich ließ. Scheffer nahm jene Unter­suchung zum weiteren Anlaß, ihn auch seiner Stellung im Gemeinderath von Kassel zu entheben. Nach mehreren Monaten seit der Eröffnung des Landtags im Oct. 1847 kam es zur Entscheidung über die Wahl des Frhrn. v. Waitz. Das Ministerium kämpfte drei Tage lang gegen die Zulassung desselben — und mittelbar gegen das Repräsentativsystem — gestützt auf eine Ansicht und Auslegnngsweise, die, mochte sie nun richtig oder unrichtig seyn, einer siebzehnjährigen Uebung wider­sprach. Am 18. Jan. 1848 erklärte ein Beschluß der Ständeversammlung, Waitz für unfähig in dieselbe als Deputirter von Kassel einzutretenj! „Das war eine Abstimmung die auf den Standpunkt von 1815 zurück­zuführen schien. Kaum war es der Hauptstadt des Landes noch möglich einen Mann unabhängigen Sin­nes zn finden, der sich dazu hergeben mochte, sie am Landtag zu vertreten, zumal das Ministerium sich un­mittelbar in das Wahlverfahren und dessen Leitung einmischte. Es zeigte sich ein so gedrückter Zustand wie er 1830 hervorgetreten war; ja es schien die Stimmung vom Jahr 1806 zurückgekehrt; denn gleich der damligen Zeit fühlte Alles eine ängstliche Beklem­mung, wie bei einem aufsteigenden Wetter svon dem man Verderben ahnet, mit immer finstrerem Horizonte