Einzelbild herunterladen
 

treuer zn stehen kommen würde. Wenn nicht AlleS trügt, hat man von Berlin aus an verschiedenen Thü­ren im Auslande angeklopft, um außerdeutsche Hülfe für sich zu gewinnen, was allerdings mit den deut- schen Gesinnungen, mit denen mau sich stets brüstet, nicht sehr harmonirt, auch sonst nicht sehr ruhmvoll ist, indessen hat man doch so viel damit erreicht, daß man die Gewißheit erlangt hat, sich überall desavou- irt und abgewiesen zu sehen."

Und was hat die preußische Regierung darauf ge­antwortet^ Sie hat genau gethan, was die Münche­nerin höhnend vorhersagte. Der Telegraph meldet aus Berlin 24. Oktober: „Der „Staatsanzeiger" bringt heute folgenden halbamtlichen Artikel: Die bei Wetz­lar cantonnirenden föntest Truppen, unter dem Com- mando des Generals v. Bonin, haben den Befehl erhalten, sich mit den in Thüringen stehenden königl. Truppen zu vereinigen. Sic haben zu dem Ende gestern den Marsch auf der Etappen­straße über Alsfeld und Hersfeld gegen Er­furt angctreten, und werden am 25., spätestens am 26. d. M. sämmtlich das großherzoglich sächsische Gebiet erreicht haben."

Die „O.-P.-A.-Z." bestätigt dies insofern, als sie berichtigt, das „Observationskorps" sei von Wetzlar nicht nach Marburg, sondern nach Hersfeld und Vacha dirigirt und als Ersatz in Wetzlar ein Bataillon Garde- reserve eingerückt, das jedoch in den nächsten Tagen nach Frankfurt verlegt werde. — Obige Nachrichten wohl erwogen, scheint es nur auf Condukteursgerüchten zu beruhen, wenn das „Fr. Jr." durch den Telegraphen den bei Eisenach stehenden Preußen Ordre zum Auf­bruch nach Kassel ertheilt. In einem andern Briefe wird gemeldet: „Dem Vernehmen nach wird die Stellung der beiderseitigen Truppen folgende sein: Die Bayern rücken in den Winkel ihres Gebietes an der Rhön bei Tann und Fladungen; die Preußen stellen sich auf der Etappenstraße im Großherzogthum Hessen und in Kur­hessen, und bei Butthar im großherzoglich sachsen-wei- marischen, also befreundetem Gebiete, auf, beide also noch auf berechtigtem Boden." Das Ganze reducirt sich also bis jetzt noch auf ein gegenseitiges Anbrummen und Umeinanderherumgehen. — Der Kurfürst thut in­deß alles Mögliche, um einen Putsch zu requiriren. Wie es heißt, "ist die Verabschiedung des Offizierskorps in Kassel wirklich erfolgt.

Das italienische Nationalkomite.

* Noch ist Italien nicht so fest begraben, daß es die Hoffnung der Auferstehung verloren hätte. Das italienische Nationalkomite in London hat folgendes Dokument veröffentlicht, das wir als bedeutsames Ak­tenstück der Gegenwart seinem Hauptinhalte nach unsern Lesern verlegen:

„Das italienische Nation al-Komite an die Italiener.

Als Rom am 4. Juli 1849 in die Gewalt frem­der Waffen gefallen war, unterzeichneten mehrere Re­präsentanten des Volkes, überzeugt, daß dies nur die erste Seite des italienischen Epos sei, und stark in dem Glauben an die Zukunft, im Namen Gottes und des Volkes folgendes Aktenstück:

In Erwägung: daß eine Negierung nur so lange rechtmäßig ist, als sie den nationalen Gedanken : des Volkes repräsentirt, welchem sie vorsteht, und ; als sie aus der freien Abstimmung dieses Volkes her- ; vorgeht; I

Daß der nationale Gedanke Noms heute unzwei- : felhaft der der Unabhängigkeit, der Freiheit und der Einheit Italiens ist;

In Erwägung: daß es zur Entwicklung und zum ' endlichen Triumphe des nationalen Gedankens nöthig ist, daß alle die Elemente, welche heute isolirt und zerstreut sind, zu einer regelmäßigen Thätigkeit ver­einigt werden, daß dieser Zweck ohne die Erschaffung

selben hier nicht zu äußern. Wie wollen Sie, daß Gott und die Geschwornen Ihnen vergeben, wenn Sie sich selbst nicht zu verzeihen wissen?

Angekl.: Ich weiß nicht, wie Sie, Mylord, und die Geschwornen über mich beschließen werden, aber in Wahrheit, Gott hat mir fchon vergeben. Sie wissen nicht, ich selbst kenne kaum all das Leid, das dieser Mensch mir angethan hat. Als mitleidige Men­schen meine Tochter zu mir ins Gefängniß brachten, war sie nicht mehr lieb und engelartig wie früher; sie war an Leib und Seele verdorben, sie war befleckt und ausgeartet. Ich hörte sie fluchen, sie erkannte mich nicht--— sie erkannte mich nicht einmal wieder. Begreifen Sie jetzt? Den Leib, die Seele meines Kindes hatte der Elende gestohlen; und ich — — habe ihn nur einmal getödtet.

Der Obmann der Geschwornen: Mylord, unsere Ueberzeugung steht schon fest--

Richter: Ich verstehe Sie, meine Herren, aber dem Gesetze muß genügt werden. Wie groß Ihre Theil­nahme für den Angeklagten auch sein mag, so müssen Sie doch erst mein Nesumö anhören und dann in Ih­rem Zimmer berathschlagen.

Dies geschah denn auch; aber die Geschwornen kehrten unverweilt zurück und sprachen ihr „Nicht­schuldig" aus. — George Hammond mußte mit Bedeckung nach Hause gebracht werden, damit das Volk auf dem Platze ihn nicht angriff und im Triumph nach Hause führte. —

eines dirigirenden Centrums nicht erreicht werden kann;

Daß der Ort, von wo dieses Centrum agirt, we­nig ausmache, vorausgesetzt, daß es besser, als irgend eine andere bestehende Negierung den nationalen Ge­danken repräsentirt und ihn der Zukunft entgegen- führt;

In Erwägung endlich: daß die römische konstitui- rende Versammlung durch das direkte und legale Man- dat des Volkes, durch die Prinzipien, welche sie bei ihren ersten Berathungen sanktionier hat, durch den Glanz, welchen ihre Beschlüsse auf die Ehre der Na­tion geworfen haben, und durch die Hoffnungen, welche sie erweckte, noch vor Kurzem die Macht war, welche den nationalen Gedanken am Rechtmäßigsten und am Vollständigsten repräsentirt?;

Daß Venedig, wo die Repräsentanten desselben, nach dem Falle Roms ihren Mittelpunkt haben soll­ten, in diesem Augenblicke vom Feinde umgeben und nahe am Untergang ist;

Daß das Unglück und die Verbannung die Rechte und die Pflichten des Volkes und seiner Repräsentan­ten weder verringern, noch aufheben, im Gegentheil sie bestätigen und Heilgen ;

Setzen wir, die Repräsentanten des Volkes, Mit­glieder der römischen Constituante, provisorisch und bis das Volk die freie Aeußerung seines Willens wie­der erlangt hat, ein italienisches National-Komite ein, bestehend aus den Bürgern J. Mazzini, A. Saffi, Er-Triumvire der römischen Republik, und M. Mon- kecchi, Mitglied des Erekutiv-Komite's der Republik, indem wir ihnen zugleich das Mandat und die noth­wendige Gewalt übertragen, im Namen des römischen Volkes und zum Wohle der nationalen Sache eine Anleihe zu machen, jeden politischen und finanziellen Akt vorzunehmen, welcher zur Wiederherstellung der rechtmäßigen Autorität des Volkes führen könnte, und sie autorisiren, zwei oder mehrere italienische Bürger zuzuziehen und alle Italiener aufzufordern, ihnen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu helfen und sich, so viel als möglich, den Bestimmungen, welche erstere im nationalen Interesse treffen sollten, zu unterzeichnen.

Rom, den 4. Juli 1849.

(Folgen die Unterschriften. *)

Dieses ehrenvolle Mandat wurde von den drei Bürgern, welche sich zusammen ins Eril begaben, an­genommen, während Umstände den dritten Triumvir der Republik nöthigten, einen andern Welttheil auf­zusuchen.

Alle Elemente der Bewegung sind, soweit es Mit­tel und Zeit erlaubten, organifirt worden, alle Fäden der nationalen Partei in einem gemeinsamen Mittel­punkte vereinigt. Obiges Aktenstück wurde bis jetzt nicht veröffentlicht, weil die vorbereitende Arbeit kein anderes Mandat erforderte, als das, welches jeder mit Glaube, Liebe und einem Herzen, das Erniedri­gung scheut, begabte Mensch aus der Noth des Va­terlandes schöpft; aber es wurde allen denjenigen un­serer Brüder mitgetheilt, mit welchen wir zusammen­trafen, und hat die Unterschrift von 60 Repräsentan­ten der Republik und hundert anderen Bürgern er­halten, welche allen Provinzen Italiens angehöreu und ihren Mitbürgern als Mitglieder der Versamm­lungen von Venedig, Sizilien und Neapel, oder der Regierungen, welche den Bewegungen der letzten Jahre beistanden, oder der Armee bekannt sind.

Heute, nachdem die Arbeit vollendet ist, glauben wir dieses Dokument veröffentlichen zu Üüiffen. Eine neue Periode beginnt für die europäische Demokratie, für die gerechte Sache der Völker. Eine Allianz ist geschlossen worden zwischen den Männern des Gedankens und der That, welche den verschiedenen Nationen an-

*) Der Ausruf bemerkt, daß die Nanieu der unterschriebenen Repräsentanten weg^elaffeu seien, um diese, welche sich in ver­schiedenen Ländern befinden, nicht den Lerattvnen ter Regierun­gen auszusetzen, daß aber die Unterschriften jederzeit beim Sekre­tär des Kviiute's einzusehen sind.

Verschiedenes.

* (A m erikanische Baumwolle in Ostindie n.) England arbeitet mit aller Kraft daran, sich durch rie­sige Anpflanzungen der amerikanischen Baumwolle in Ostindien nach und nach ganz von den Märkten der Vereinigten Staaten zu emanzipiren. Schon ist das Unternehmen in vollem Gang und es verspricht die glänzendsten Erfolge, da sich der Bau der amerikanischen Baumwolle in Judien trefflich bewährt. So sind im Distrikt Bombay, wo vor 2 Jahren nur erst 20,000 Leiter amerikanischer Baumwolle bepflanzt waren, diese Plantagen in diesem Jahre schon auf 100,000 Acres angewachsen und europäische Häuser, die zu dem Zweck in Bombay etablirt wurden, haben sich mit Herzens­lust auf diesen Industriezweig verlegt.

* Der englische „Globe" macht bei Besprechung der neuesten römischen Projekte zur Verbreitung des Katholizismus die Bemerkung, daß in unserer Zeit, wo Alles nach Freiheit und Duldung strebe, der katho­lische Cleruö dieselben überall für sich in Anspruch nehme, dagegen gleichzeitig den Klerikalgeist in sich mit dem vollen Charakter barbarischer Jahrhunderte wieder auferwecke. Die Freiheit für die Jesuiten , die Knecht­schaft für die Völker, welche ihnen Duldung und Frei­heit lassen — das ist freilich eine merkwürdige Gegen­seitigkeit ! __________________

gehören, die für die Wahrheit und das ewige Recht gegen die Lüge und die Willkür kämpften. Es ist nöthig, daß die italienische Nationalpartei eine Stellung einnehme, welche ihrem Geiste, ihrer Kraft und ihrer Mission entspricht.

Das Wort, welches das nationale Komite, voll­ständig und definitiv konstituirt, heute an seine Brüder richtet, ist nur der Vorläufer einer Reihe von Hand­lungen, bestimmt, den Triumph der nationalen Idee wirksam vorzubereiten. Die Prinzipien, welche unsere Handlungen leiten werden, sind bekannt; sie sind in den Worten unseres Mandats niedergelegt und wieder­holt durch großartige Manifestationen des nationalen Willens bestätigt worden:

Unabhängigkeit, Freiheit, Einheit als Zweck, den Krieg und die italienische Nationalver­sammlung als Mittel.

Wir sind alle mehr oder weniger Sklaven von In­stitutionen und Regierungen, welche in uns die Würde und das Bewußtsein des Bürgers tödten. Wir wollen frei fein, ganz frei, frei wie Gott es will. Wir sind durch Gesetze, durch Zollschranken, durch Armeen, durch die verschiedenartigsten fremden Einflüsse, durch Ehrgeiz und Traktate getrennt — und wir wollen uns ver­einigen !....

Italien, sagten wir in einem Cirkulär der natio­nalen Association, will eine Nation sein, für sich selbst und für Andere. Italien will eins sein, nicht nach der Art napoleonischer Einheit durch eine über­triebene Centralisation der Verwaltung, welche zum Vortheil einer Hauptstadt und einer Regierung die ein­zelnen Theile der Nation ihrer Freiheit beraubt, — sondern eins durch die Verfassung, durch die National­versammlung, eins für die inneren Beziehungen, für die Armee, für das Gesetzbuch, für die Erziehung u. f. w. Neben dieser Einheit in der politischen Organi­sation bestehen Provinzen, welche durch hervorstechende Züge, lokale und geschichtliche, begränzt sind; in diesen große und starke Kommunen, die so viel als möglich durch Wahlen an der Macht theilhaben und mit allen Kräften ausgestattet find, um den Zweck der Vereinigung zu erreichen.

Aber damit das italienische Volk eine Nation sei, muß es durch Thatkraft und Opfer das Bewußtsein seiner Rechte und Pflichten erwerben. Die Unabhängig­keit und Freiheit müssen nicht blos für das Volk, son­dern auch durch das Volk errungen werden. Es ist ein Kampf, an welchem Alle theilnehmen müssen, da­mit der Sieg Allen gehöre.

Diese Prinzipien find heute die unsern, wie sie es gestern, wie sie es fchon vor Jahren waren, als die N atio n a l p a rt e i nur die Hoffnung einzelner zer­streuten Individuen und die Formel „Gott und das Volk" der Traum einer kühnen und jugendlichen Phan­tasie war."

Nachdem das Manifest nachgewiesen hat^lffrfl W zwei Phasen in der nationalen Bewegung gibt, und daß beide nach verschiedenen Gesetzen und Regeln ge­leitet werden müssen; nachdem es gezeigt hat, daß wäh­rend des Kampfes die Gewalt in den Händen weniger Manner concentrirt sein muß, aber nach demselben die Regierung dem Volke allein angehört, welches feine Gedanken in einer Nationalversammlung aus­spricht, fährt es fort:

„Diese Partei ist heute konstituirt und mächtig. Diefe Formel hat die Dekrete der Versammlungen von yiom und Venedig geweiht, der beiden Städte, welche als die letzten die italienische Ehre, gerettet haben. Den­noch sind wir weder überspannt in unseren Forderun­gen, noch intolerant. Jeder von uns trägt in seinem Herzen Ueberzeugungen, welche uns durch Studium und Leiden theuer geworden sind; jeder von uns fühlt die Verpflichtung, sie als das Werk individuellen Apo- stelthums auszudrücken; aber die nationale Souverä- netät ist die unverletzliche Regel für jede gemeinsame Manifestation: Krieg und Constituante!

Dies ist das einzige Programm, welches auf einem gemeinfchaftlichen Terrain alle Gutgesinnten aller Pro­vinzen Italiens vereinigen kann. Auf dieses Terrain rufen wir sie; zur Verwirklichung dieses Programmes fordern wir Alle, welche ihr Vaterland aufrichtig lie­ben, zur Mitwirkung auf. Gibt es eine Negierung, welche dieses Programm annehme», welche mit dem Volke und für dasselbe den Privilegien, den Vorur­theilen, den inneren Spaltungen und der fremden Usur­pation einen Krieg ohne Waffenstillstand erkläre» wollte? Sie zeige sich, unsere vereinten Kräfte werden ihr zu Hülfe kommen. Wenn diese Regierung nicht eristirt, so werden wir für uns selbst handeln. Ein Volk, welches sich durch seine heroische Aufopferung während des Kampfes, durch seine Großmuch nach dem wiege und durch seine stolze Größe im Unglück als würdiger Erbe seiner Väter gezeigt hat, ein Volk, welches Brescia und Palermo, Bologna und Messina, Rom, Venedig und Mailand unter seine Städte zählt, ein solches Volk ist geschaffen, um frei zu sein; es hat das Bewußtsein seiner Rechte und seiner Pflichten; es ist fähig, seine Geschicke selbst zu regeln und zu erfüllen.

Nur eil?'Krieg kann das Heil Italiens gründen, der Krieg aller Kräfte der Nation, kommandirt von Männern von bewährtem Patriotismus, geleitet durch eine oberste Autorität, welche keine andere Verpflich­tung hat als die, zu siegen, keine andere Hoffnung als die eines heitern und ruhigen Gewissens, kein an­deres Vertrauen als in den Kampf, keine andere Stütze als die freiwillige Bewegung der Völker, kein ande­res Programm als das der Volkssouveränetät.