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seit über das gute Recht der deutschen Stämme, wie über das hirnlose Treiben ihrer Dränger. Das alte konstitutionelle System, das in der Revolution Schiff­bruch gelitten, wird von der absolutistischen Contre- revolution vollends mit Flintenkolben todt geschlagen; aber „wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hin­ein. "Nur die Demokratie steht da mit unbefleckten Hän­den, mit reinem Banner; sie hilft ihren ungetreuen Freunden aus den Märztagen redlich mit Rath und That, ohne auf Dank zu rechnen, denn sie hat nie auf andere Anerkennung und andern Lohn speculirt, als der ist, der in der Wahrheit einer guten Sache liegt. Sie könnte spotten über ihre altklugen Tadler, doch sie weinet mit den Weinenden, nur darf sie keine Opfer, welche Konzessionen waren, bringen. Sie hat die Farben der .Zukunft unbe­sudelt zu retten aus dem Schmutze der Gegenwart; sie hat den Glauben des Volkes an sich selbst 511 wahren; sie hat der Hoffnung ein Anker, der Gerechtigkeit ein MK zu sichern. Denn die Demokratie ist das künftige Volk: sie ist das Gewissen der Gegenwart, das Be­wußtsein der Zukunft. Sie haben die Demokratie ge­kreuzigt, und ihrer feigen Anhänger viele sind entflohen; doch sie ist aufcrstandtn in höherer Lauterkeit. Wer darf noch sagen, daß die Demokratie todt fei? Wer möchte noch leben, wenn sie es wäre? Wer müßte nicht verzweifle» in dieser Welt voll Larven und Trug- gespenstern, wenn er ihren Stern nicht hell durch das zerrissene Gewölk erglänzen sähe? — Die Demokratie hat lange schon vorherverkündigt, was jetzt ihre Spöt­ter mit Grauen erleben; sie ist oft eine Trugprophetin gescholten, eine gottlose Lügnerin genannt worden. Wir fragen jetzt: wer hat gelogen, wer Illusionen gefröhnt, wer sich die Augen verbunden, wer den Abgrund mit schönen Redeblumen verdeckt? Die Demokratie wahr­lich nicht. Sie war illusionslos, weil wahrheitsgetreu; scharf und unerbittlich, weil gedankenschwer. Ihre Feinde, die Absolutisten, haben sie erkannt und deßhalb gehaßt und verfolgt, weil sie merkten: sie vernichtet, sec die Bolkssouveränität vernichtet und das Volk, das durch die Freiheit zu Menschen wird, wieder eine wil­lenlose Heerde, eine Beute ihrer Hirten!

Die Wahrheit, welche wir als Apostel der Demo­kratie verkündet seit Jahr und Tag, sie wird jetzt den Völkern gepredigt auf allen Gayen, gepredigt von de­nen, welche sie so lange geschmäht und verhöhnt ha­ben; sie wird offenbart von den Verstockten, so viel ihrer noch den Muth haben, zu bekennen, daß sie geirrt haben. „Irren ist menschlich", einmal irren; doch wieder und wieder sich bethören layen und von Neuem an der Wahrheit ein Petrus werden, ist unmänn­lich, ist mehr als dumm, es ist gemein, niederträchtig!

Die Zeit der Entscheidung ist gekommen —die Zeit der Entscheidung nicht allein in unsern dermaligen po­litischen Institutionen, die Zeit, wo es heißt: mit oder ohne Verfassung, mit oder ohne Recht und Gerechtig­keit; — auch die Stunde der i n n n e r n Entscheidung ist erdröhnt vom Dome der Zeitgeschichte! Wer jetzt noch Bedenken hat, wer jetzt noch alten Rücksichten frohnt, wer jetzt noch bis Schule schwänzt, wer jetzt noch Memme ist, der sei und bleibe zu den Todten gewor­fen, zu denen er gehört von Gottes und Rechtswegen. Die Gegenwart will Klarheit und Wahrheit, Entschie­denheit, Hingebung an den Gott im Menschenherzen und Gehorsam gegen dir Stimme des Gewissens. Denn an der Büberei ist des Vaterlandes große Sache ge­scheitert, an der eingewurzelten Leisetreterei, am innern Jesuitismus, der selbst der Berufenste» und Begabtesten Viele angefressen hatte. Diese schwere Zeit will Män­ner haben zum Lernen und Erkennen, Lehren und Ent­wickeln. Nur Männer der ernsten, unbestechlichen, un­erschütterlichen That können dermaleiirst das Vaterland und die Freiheit retten, wenn es nach Abend und Mor­gen wieder in der deutschen Geschichte Tag wird. Ler­nen, lernen, lernen! rufen wir Allen zu, ob sie uns jetzt Freund oder Feind; lernen, lernen, ler­nen! rufen wir noch einmal, damit, wenn des Vater-

ren nächst vielsachen Kenntnissen und warmer Liebe zur 'Kunst, ibie Eigenschaften, durch welche sich der Kronprinz die herzliche Zuneigung aller derer zu gc- . Binnen wußte, mit denen er in Rom verkehrte. Vor- I zugsweise aber die der deutschen Künstler, mit denen er auf einem Fuße lebt, welcher den Rangunterschied vollkommen vergessen machte. Gegen Frau Herz zeigte der Kronprinz eine ganz besondere Aufmerksamkeit, und ein Wohlwollen, welches dieselbe berechtigte, in einem vertraulichen Augenblicke die Frage an ihn zu richten: „Werden Sie denn auch als König so blei­ben, wie Sie jetzt sind?" Der Kronprinz antwortete mit'der Variation eines Schiller'sche» Verses: „Was der Jünglin verspricht, leistet der Mann euch gewiß." Frau Herz fügt hinzu: „Es that mir fürwahr leid, wenn'ich später manche Stimmen des Tadels gegen ihn sich erheben hören mußte."

Den Schluß unseres Buches macht die Erzählung eines Erlebnisses bei Ernst Moritz Arndt. Auf der Rückkehr aus Italien war Frau Herz zum Besuch bei Arndt, als die berüchtigte Beschlagnahme seiner Papiere ausgeführt wurde. Jede Zeile der einfachen Darstel­lung dieses Vorgangs zeugt von einer Erschütterung, die noch nach vielen Jahren nachwirkle. „Arndts Hal­tung nach diesem Vorfälle," das sind die Schlußworte, wie ernst sie auch war, verrieth keine Bestürzung. Aber seine große innere Aufregung äußerte sich dadurch, daß er Nachts so heftig perorirte, daß ich in meinem

laudes.Schickfal wieder endgültig auf eine Reihe von Jahren entschieden wird, alle Morgennebel geschwunden sind und die Ordner unserer Geschicke sagen können: Wir wissen, was wir wollen und wir wollen, was wir wissen; wir sind getreu bis in den Tod; was geschieht, ist die reife Frucht unserer Erfahrungen, unserer Ge­danken, unserer Entschließungen! Nur so oder nie kann uns geholfen werden.

N a s s a rr i f ch e r Landtag.

Z/ Wiesbaden , 3. Oktober. (4tc Sitzung.) (Schluß.) Großmann. Der Bericht der Majori­tät ist eins der Kunstwerke, die man schon oft gehört; daran gewöhne man sich, und könne sogar darüber lachen, wenn man nicht weinen müßte. Er hoffe, der Glanz der „Steuervcrweigercr", der jetzt zur Mode­sache geworden, werde unserer Kammer für diesmal noch nicht zu Theil werden. Die Majorität sei offen­bar in Verlegenheit gewesen um Gründe für Steuer- verweigerung, das sehe man an deren Geringfügigkeit. Großmann vertheidigt alsdann mit denselben Gründen, ja oft mit denselben Worten wie der Ministerialpräsi- dent das Verfahren des Ministeriums in der Civilliste- angelegenheit, bekämpft die Möglichkeit und Gesetzlich­keit einer Steuerverweigerung und gefällt sich, in seine Rede plumpe Ausfälle gegen die Mitglieder der Ma­jorität des Ausschusses, gegen die Linke und die ganze demokratische Parthei einzuflechten, welche auch nicht verfehlen, am Ministertisch und bei einem Theil der Gatterie freudige und triumphirende Mienen hervorzulocken. Zu­letzt gibt der Redner noch zu bedenken, welche Ver­antwortlichkeit man auf sich lade, wenn man das Land in unabsehbare Verwirrung stürze; die Geschichte werde dereinst richten, ob seine Parthei, die mit das Mögliche auf dem Wege des gemäßigten Fortschritts erreichen wolle, oder die Parthei, die, ihren Idealen nachjagend, sich fortwährend überstürze, das Wohl des Vaterlandes am meisten gefördert habe.

Lang: Er finde in dem Vortrag des Abgeordnc- teu Großmann kein Kunstwerk und werde sich nicht darauf einlassen; er finde in dem Vortrag lediglich eine Blumenlkse aus Redensarten der Partei, die Revolu­tion mache und dann zur Gegenrevolution Vertrauen habe, und die allzeit fertig sei in Auffindung von Grün­den, die ihr einen Schein von Schutz verliehen gegen den Vorwurf des Eigennutzes und der Feigheit. Das Steuerverweigerungsrecht könne nicht bezweifelt wer­den; die Steuerverweigerung sei sogar Pflicht, wenn man die Ueberzeugung habe, daß das Ministerium nicht das wahre Wohl des Landes im Auge habe. — Wenn überall das Volk sich in Opposition befinde ge­gen die Regierungen, so sei dies ein Zeichen von einer allgemeinen Verschwörung der Regierungen und nicht umgekehrt. Der Redner weist sodann ans den Kam- merprotocollen, den Erklärungen des Ministeriums, seinen bisherigen Vorlagen und Versprechungen und durch eine Critik der damaligen Gesetzesvorlagen nach, daß es zur Ausführung der Grundrechte und zur noth­wendigen Fortbildung unserer Gesetzgebung auf Grund­lage der neuen Ordnung der Dinge gar Nichts ge­than haben und Nichts thun wolle; ja sogar die Ver­fassung verletzt habe; ferner, daß die Kammer hierüber bereits früher mißstimmt und blos deshalb im März d. J. zur Verwilligung der Steuern nicht ge­neigt und deshalb vertagt worden sei. Dies Alles sei jetzt noch mehr der Fall. Er hält cs deshalb für Pflicht, keine Steuern zu verwittigen, um so mehr, als das Ministerium in willkührUcheu Absetzungen, Pensio- nirungen, Quiescirnngen und Entlassungen, sodann durch das Entgegenhandeln gegen die Beschlüsse der Kammer gelehrt habe, daß man mit Redensarten und Vergleichen zu Nichts komme. Er fordert schließlich die Kammer auf, unbekümmert um Vorwürfe ihre Pflicht zu thun und nicht zuzulassen, daß das Volk

Schlafzimmer, welches neben dem seinen war, öfter dadurch aus bem Schlafe geweckt wurde."

Miszelle.

Unterhaltend und mehr als das ist ein Aitikel des „Globe" über die Michaelisgans. Jeder rechtschaf­fene Engländer ißt seine Bratgans nicht wie der Pom­mer am Martinstage, sondern am 29. September zur Erinnerung, daß in dcrselben Stunde, wo ihre Admi­rale die Armada des aUerkatholischsten Königs zerfetzten, Queen-Bess — Gott segne sie — dieselbe Operation an einer Bratgans bewirkte. Der „Globe" vergleicht die damaligen Besitzungen und Hülfökräfte Englands mit den jetzigen, Burleigh's Politik mit Palmerston's, Elisabeth, „die von allen despotischen und glaubens- wüthi'gen Fürsten Europa's angegriffen wurde," mit Victoria und fragt: „Und thun wir nicht jetzt An­gesichts des entarteten Europa's und eines abgelebten Despotismus dasselbe, was wir thaten, als wir nur eine Handvoll stämmiger Britten waren ohne Koh­len, Bauinwolle und eine einzige Dampfmaschiene?" Zum Schluß .wird dem heutigen Philister sein Bild vorgehalten in einem Gespräche Ehren Fall- staffs mit Shakspeare. Der Würdige ist mit einer Kanne Kaimriensekt beschäftigt, wie die Nachricht von dem Siege einläuft. Er beweiset gründlich, daß die Armada nicht geschlagen sein kann, und

I selbst als Theilnehmer erscheine an der Erwürgung ! seiner Rechte; er verweigere die Steuern.

v. Wintzingerode vertheidigt sich gegen den Vorwurf der falschen Auslegung der Grundrechte. Eine stärkere Thätigkeit in der Gesetzgebung sei nicht mög­lich gewesen, weil alle Kräfte bei Organisation der Verwaltung in Anspruch genommen wurden.

Franz Bertram hält eine sehr lange Rede (oder liest sie vielmehr ab) deren kurzer Sinn nm/ daß der Herzog auch Rechte an den Domänen habe' die man nicht einseitig festsetzen könne, sonst constituire man sich ja zu einem — 0 wie schrecklich!—zu einem Convent! Das Ministerium sei sehr gut, und man möge bedenken, daß man bei einer Steuerverweigerung Gefahr laufe, dasselbe zu verlieren!

Rath. Die Handlungen, durch welche das Mini- sterium seit seiner Einsetzung systematisch auf die unbe­schränkte , an keine Verfassung gebundene Herrschaft zuschreitet, zählt er in Form von Anklagepunkten, da sie keiner weiteren Ausführung bedürfen, zu dein Zweck hier auf, damit das Volk erkennt, daß man nur aus gerechter Nothwehr zur Beseitigung der schwersten Verletzungen seiner Rechte zu dem äußersten Mittel schreite, um einer .'solchen verderblichen Regierungsweise ein Ziel zu setzen, oder doch die linke Seite des Hauses von der schweren Verantwortlichkeit zu befreien, die mit der Gewährung der Mittel zur Fortsetzung derselben verbunden wäre. Es gehört dahin: 1)'Der am 11. Juni 1849 erklärte Abfall von der gesetzlich verkün­digten und beschworenen Reichsverfassung. 2) Die Verfolgung der eides- und verfassungstreuen Anhänger derselben mit peinlichen Anklagen. 3) Die zu gleichem Zweck unternommene Vernichtung der Unabhängigkeit des Richterstandes durch die Entfernung eines Richters von seinem Amte und Entziehung seines Gehalts ohne Urtheil und Recht mit Uebertretung des §. 44 der Grundrechte blos zur Bestrafung der treuen Erfüllung seiner Pflichten als Volksabgeordneter. 4) Die mit derselben Absicht verfügte willkührliche Entlassung meh­rerer Staatsbeamten, die zugleich Volksabgeordnete sind, eingeständlich mit dem Zweck der Röthigung des ganzen Beamtenstandes, sich bei der Vollziehung der Gesetze der ministeriellen Ansicht und Willkühr unbe­dingt zu fügen, womit denn zugleich die Unabhängig­keit der Abgeordneten, welche Beamte sind, angetastet wurde. 5) Die Eingehung von Sonderbündniffen zur völligen Vernichtung der in der Reichsverfassung begründeten Einheit Deutschlands und der darin ge­währleisteten Rechte des Volkes, namentlich durch den Beitritt zu dem Vertrag mit Preußen vom 23. Mai 1849 uiiD um jede Einigung vollends unmöglich zu ma­chen, und die Verwirrung aufs Höchste zu steigern durch den Beitritt zu dem Vertrag vom 20. Sept. 1849 zur Ein- setzung der preußisch-österreichischen Commission in Frankfurt, endlich die in der Erklärung über die-Be- schickung des Bundestags hervortretende entschiedene Neigung zur Eingehung eines neuen Bündnisses, wel­ches unter dem Namen des Bundestags den Partiku- larismus und Absolutismus mit der Knechtschaft Deutsch­lands im Innern und nach Außen sichern soll. 6) Die Vernichtung der §§. 3 und 4 der Grundrechte durch willkührliche Ausweisungen und Verbannungen von Deutschen und selbst nassauischen Bürgern. 7) Die Unterdrückung aller Lehrfreiheit trotz den §§. 22 und 26 der Grundrechte durch willkührliche Entlassungen ausgezeichneter tadelloser Lehrer, ohne Beachtung der Rechte der Gemeinde», mit offenbarem Mißbrauch der Amtsgewalt. 8) Die hartnäckig und erfolgreich fort­gesetzte Verhinderung des Zustandekommens einer Ver- fassungsurkunde, wodurch vollends jeder Zweifel über die Tendenz beseitigt wird. 9) Völlige Mißachtung der Volksvertretung durch unzeitige Vertagung der Ver- sainmlung der Abgeordneten, ungeachtet der Staats- crigeuzetah nicht festgesetzt und die nothwendigsten Ge­setze nicht beschlossen waren, sodaß die Ausgaben nach ministerieller Willkühr bestritten, selbst da^ wo Fest­

daß, auch wenn sie geschlagen sei, das Land unter Burleigh zu Grunde gehen müsse. Die Erörterung greift ihn so an, daß er auf dem Heimwege durch Bankside ein Glas Wasser mit Branntwein nehmen muß, in George, „dem berühmten Zufluchtsorte Hay- nau's." Wir sehen, der „Globe," der so entrüstet war, kann jetzt schon guten Humors sein über Haynau. Cecil und die andern Personen auS der Zeit Elisabeths, sind in England jede,» wohlerzogenen Kinde bekannt. Frage man doch einmal in Deutschland unter den gebildeten, vielfach eraminirten Leuten nach, wer 1588 in ihrem Vaterlande regiert hat; es wird kläglich mit der Ant­wort aussehen. Liegt es nur daran, daß Deutschland keinen Shakspeare hat? Ich glaube nicht. Es liegt auch daran, daß die Unterrichts-Ministerien die neuere Geschichte „nur ganz kursorisch" gelehrt haben wollen. Weßhalb sie das wohl thun? — In voriger Woche ist in Rhuddlan im nördlichen Wales ein Eisteddvod abgehalten, d. i. ein Wettstreit der wälischen Barden, eine Art Wartburgskrieg. Man sagt, dies Fest sei das glänzendste, seit Prinz Gruffud vor 1100 Jahren die berühmtesten irischen Barden hatte herüber­kommen lassen. Harfenspiel, Gesang, Improvisation in dem Schloßhofe wechselten mit festlichen Banketten in der Halle, Alles wie zu Ossians Zeit. — Um eine Idee von dem Wohllaut der wälischen Sprache zu bekommen, schreibe ich hier den Namen des gekrön­ten Sängers: Anyswr Cyndyn ab Cynfarchc.