wollte, erlangen konnte!!!) und dachte durch ein stren- es Ho sceremoniel die Blutspuren am Königsthron zu verwischen.
Unter Carl, diesem Freunde der Edelleute und Diener der Geistlichkeit, entwickelte Villelc das System der Ultra's vollständig.
Die Censur wurde zwar bald nach der Thronbesteigung Carls abgeschafft, aber nur, um sie in Kurzem unter verletzenderen Formen wieder einzuführen.
Der bereits übermächtige Jesuitenorden sprach allen Gesetzen des Staates Hohn, trat allerwege mit der größten Rücksichtslosigkeit auf, stiftete immer neue Pflanzschulen (in Saint-Anne, dÄnray, Bordeaur, Billom, Moutrouge, Saiiit-Acheul) und schickte sich an, sich der Erziehung der ganzen Jugend zu bemächtigen, d. h. die Geister einer ganzen Generation der Fänlniß, der Versumpfung zu überantworten.
Die Zahl der Klöster mehrte sich fabelhaft rasch (1827 zählte man allein über 2800 Nonnenklöster), faiiätlschc Predigten bearbeiteten das Volk im Sinne deS Jcsuitismnö und der absoluten Monarchie, Proces- sionen, welche die Ruhe der Städte störten und den Müßiggang heiligten, überzogen das ganze Land, Buß- Ceremonien und Miserere's trafen auf allen Landstraßen das Auge und Ohr des Wanderers.
(Schluß folgt.)
Die Entscheidung naht!
X Es wird immer deutlicher, daß die Entscheidung in dem deutsche» Verfassungskampfe herannaht. Die deutsche» Verfassung?» sollen von allen „revolutionären" Elementen gesäubert, die Kammern zu bloßen bkirathendeil Versammlungen herabgedrückt, die Volks- souveränität mit Stumpf und Stiel vernichtet und der KonstitutionaliSmns zu Grabe getragen werden. Oesterreich duldet feine Institutionen im „Reich", die mehr bedeuten, alS die seiner Kronländcr. In Kurhessen hat der Kehraus begonnen, und wenn der Plan Anfangs schlecht gelang, so sind jetzt Maßregeln getroffen, daß der Spruch des Rehabcam erfüllet werde: „Mein Vater hat euch mit Ruthe» gezüchtigt, ich will euch mit Skorpionen züchtigen!" — Daß die kurhessischen VersaffimgSwirren vom „Bundestag e" nach Schwarzenbergs und Neffelrodes Konfereuzbeschlüsse» in Ischl arrangirt sind, ist für denjenigen kein Geheimniß mehr, der die neuesten Berichte der österreichisch-rnfsischen Organe gelesen hat. Die Wiener „Austria" bestätigt, „daß alle Schritte Herrn Hassenpflugs aus gemcim famen Berathungen mit den übrigen Bun- destazsgesandten hervorgegangen sind", und daß „die Gesandten von Württemberg und Hannover den Auftrag der „Bundesversammlung" m i t Dank entgegen genommen haben, Truppen (10.000 Mann) bereit zu halten, um beim ersten Wink in Knr-
Hessen einzurücken." 'V •
Ferner erfahren wir aus dem amtlichen Blatte der sächsifchenRegierung, der „Leipziger Zig." in einer Wiener Correspondeiiz, daß der Reisezweck des Kaisers nach Bregenz, fein anderer, als .ein politischer sei. Die Truppenübungen im Vvralberg seien vorüber, das Corps werde aber nicht aufgelöst, und zwar „selbstverständlich" nicht. Der König von Wimemberg und der König von Preußen treffen mit dem Kaiser zusammen, um über die nächste Zukunft zu berathen: „Die Wähle» in Wür- temberg sind wiederum in der Mehrzahl demokratisch ausgefallen," setzt die „L. Z." hinzu, „und alle Anzeichen sind da, daß die Landesversammlung die ihr an gebotene überaus freisinnige (?) aber den Zeilverhältnissen entsprechend beschränkte (das wissen die Götter!) Verfassungrcsorm zurückwciscn werte. Damit wäre der letzte Versuch der Verständigung gescheitert und die Regierung sehe sich zu Maßregeln genöthigt (?!), zu deren Durchführung sie sich indeß nicht früher entschließen dürfte, als bis sic aller dazu erforderlichen Hülfsmittel versicher-t wäre. Darüber ins Reine zu kommen, ist ein bestimmter Zweck für,dic Begegnung der beiden Monarchen in Bregenz."
Daß'diese Konferenzen zugleich mit Demonstrationen gegen Preußens Auftreten in der hessischen Frage zusammenhängen, erhellt aus dem Leitartikel des mi- nistericllcn „Oesterr. Corresp." vom 27. September, worin die Erklärung Preußens in der Depesche vom 23., durch welche der Widerstand des kurhessischcm Volkes als legal gebilligt wird, als eine Manifestation bezeichnet wird, „worüber nicht bloß Gotha, sondern auch das Komite der europäischen Propaganda zu London laut jubeln werde". Ueber Radowitz's Ernennung heißt es dann weiter: „Der Name des Staatsmannes gilt für identisch mit den Uniousbestrebungen. Bis zu diesem Augenblick hat sich die Wirksamkeit desselben nicht als erfolgreich bewährt. Erhabene Naturen fühlen in sich mitunter den Drang, selbst das treulose Glück sich iin- terthänig zu machen. Diesen Versuch scheint Herr v. Radowitz machen zu wollen. Wird doch bei diesem Spiele nur die Ruhe Deutschlands, vielleicht auch Europas ein klein wenig eingesetzt! Der göttliche Preis sind so und so viel Mediatisirungen und so und so viel Quadratmcllcn Landes und etliche Millionen untonistischer Bevölkerung mit einem Anhänge paffender Militärkonventionen und was sonst dazu gehört. „Eines ist aber jetzt schon leider! nur zu gewiß. Die Union tritt jetzt nicht mehr bloß propagandistisch, sie tritt gewaltsam , erobernd auf. Der Kurfürst von Hessen widerstrebt der Union; der Widerstand des Volkes und der Behörden verscheucht ihn vom Sitze der Regierung; Preußen nimmt die Partei der Bevölkerung/ um sie sammt dem Regenten in die Union hinein- zuzwingen. Beispiele sind verführerisch, und wer weiß, ob es nicht im Interesse liegt, das kurhessische Drama auch anderwärts in Scene zn setzen, etwa in Darmstadt und Württemberg, wo auch demokratische Kammer- mehrheiten die vorübergehende Unterstützung monarchischer Kräfte recht passend und angenehm finden könnten. Preußen erklärt den Widerstand des kurhessischen Volkes für legal? Das thut dagelbe Preußen, welches seine . eigenen Slcncrvcrwelgerer vom Jahre 1848 geriWttid) verfolgte, Md sogenannte Recht der Slcmrverwcigcrmig in seiner neuesten Verfassung ausdrücklich verpönte und im Jahr 1849 ein passendes Wahlgesetz zu fuperoctropiren nicht bloß für unerläßlich, sondern auch für gerecht c>kannte ) Es gibt aber noch eine Saite, welche die Ernennung des Hrn. v. Radowitz und die in ihm zur Jncarna- tion gelangte Politik berühren muß, zwar die empfindlichste von allen, die zarteste — aber nicht Oesterreich wird es gewesen sein, welches zuerst daran rührte. Es ist nicht vorauSzusktzen, daß Oesterreich und seine treuen Verbündeten, deren Staaten sich Gottlob! zum größten Theile in solcher Verfassung befinden, daß eine Recapitulation der Kasseler Vorgänge bei ihnen nicht denkbar erscheint, ihr gutes Recht um einer dro- ’-^m längerer ^wrumvii uuer vugru öegenjwnp jieur
henden Attitüde des preußischen Cabinets willen fallen He Huer den Antrag, die Kammer möge erklären, daß
lassen werden, wie Preußen die Union, ohne seiner "us der Bewilligung der Gelder für die Rechnungs-
Ehre zu vergeben, fallen lassen könnte, die auf keiner kammer kmie Zustimmung zu dem provichrischen Ge-
rechtlichen Grundlage emporgewachsen, zuerst ein Gedanke sth/, das Fortbestehen der Rechnuiigskainmer betreffend,
war, sodann zur Prätension sich gestaltete, und neuestens 111 f^ern let. Der Antraa des Ausscvusses in Be
als Usurpation sich zu entwickeln beginnt. Beharren jedoch beide Theile, die bundestreuen Regierungen einerseits mit Oesterreich, und die abgefallenen, unionisti- schen andererseits mit Preußen an der Spitze, bei ihrem Vorhaben, dann wäre an eine Eoustituirung Deutschlando in keiner Weise zu denken. Wir wollen
hüt ^m ........ — ......... , gUuchmlis angenommen da sich die Klagen über zu
entscheidenden Kampfe sprechen — hohe Papleransatze in diefem, wie in fast allen übrigen - * Büdjet-Beruhten wiederholen. Wehrfritz berichtet
nicht von einem i , , zum Kampf gezwungen, würde Oesterreich im Be wußtsei» seines Rechtes und seiner Macht den Kampf
platz entschlösse» betreten.
Aber Schwarzenbergs Herz erbebt bei dem Gedanken, „daß dies das Ende der schönen Hoffnungen sein sollte, welche einst jedes wahrhaft deul,chfuhle»de Herz tM) höher schwellte." Deshalb droht die „Oesterr.
i nicht unthätig bleiben sönne und dürfe, „ wenn alle ! Versuche, Deutschland auf Grundlage der ii nu in - stößlid^c» Verträge des Jayres 18)3 zu rekonstitu-
Corr." schließlich damit, daß Europa (v. h.Rußland) aufmerksam, welcher der Bank gestatte, Schulde» zu
Iren, fehlschlagen." Um diese Wendung der Dinge zu Dinge zu hintertreiben und Preußens Monarchie aus den Fallstricken „Gothas und der Londoner Propaganda" zu retten ist, während die Könige des Südens mit dem Kaiser tagen, wie der „O.P.A, -Ztg." aus Dresden vom 28. September gemeldet wird, „soeben das Zusammentreffen des Königs von Preußen mit dem Kaiser von Rußland auf Schloß Erdmaunsdorf 'm Schlesien erfolgt," wo „ein gewichtiges Wort in der deutsche» Angelegenheit gesprochen und vor Allem die Frage, ob Union, ob Staatenkund, gelöst werden werden dürfte." Zugleich „scheint die russische Diplomatie ihre Vermittellung zwischen Preußen und den von der Union abgegangenen Staaten Sachsen und Hannover hier ins Werk setzen."
Zn dem Zwecke j^ftitbeu sich gegenwärtig in Dresden: Graf Nesselrode, ferner Graf Mansuroff, russischer Gesandte in Hannover, ferner der sächsische Gesandte in St. Petersburg, Freiherr von Seebach, so wie Herr von Meyendorf. Die Verhandlungen sollen bis 1. Oktober dauern, worauf sich Graf Nesselrode in Erdmannsdorf oder Warschau dem Czar wieder anschließen wird.
So steht die Sache jetzt, und wohl gemerkt: es ist Rußland, welches Deutschlands Geschick entscheiden soll, es ist der furchtbarste Feind Deutschlands, der unerbittlichste Vorkämpfer des Absolutismus, dem der Kaiser von Oesterreich, wie der König von Preußen diese „Vermittlerrolle" willig in die Hände geben! Wie kleinlich und lächerlich ist es daher, wenn sie Minister kleiner Staaten noch mit langen Rechts- dedukticmen auftreten! Sagt: „Der Ezar will es so; wir müssen gehorchen; wir handlen auf allerhöchsten Befehl!" Redet die nackte Wahrheit, damit die Geschichte dermaleinst euch wenigstens mehr bedauere, als mitverdamme! — Die Zeit der Illusionen ist vorüber: Wahrheit, die ganze Wahrheit wollen die Völker, denn sie sind stark und muthig genug, die ganze, nackte Wahrheit vernehmen zu können!
S? assaui < cker Landtag.
//Wiesbaden, 1. Oktober. (3te Sitzung.) — (Schluß.) Preiß erstattet Bericht über das Büdjet der NechnungSkammer; er beantragt den Strich von
1650 fl für" Besoldung deS überflüssigen Hülfsperso- nalS, wogegen Nechnlmgskammerpräsident Vigelius protestirt, da das jetzt angestellte Personal durchaus nothwendig sei, um das Rechnungswesen in Ordnung zu erhalten, das nicht durch das Liegen gut werde, wie dieß wohl bei andern Dingen der Fall wäre. Nach längerer Diskussion über diesen Gegenstand stellt
zu folgern ,ei. Der Antrag des Ausschusses in Betracht auf Strich der 1650 fl. für überflüssige Besoldungen wird gegen 19 Stimmen verworfen; He Huers Antrag dagegen angenommen. Fresenius Antrag
auf Anschaffung des sämmtlichen für die Staatsbehörden nöthigen Papiers auf dem Wege der Submission wird
über das Baukbudjet, Justi macht aufmerksam auf den verfehlten Zweck der Bank, indem Private sehr selten Geld aus der Bank erhalten könnten, weil die Staatsregierung fast den ganzen Schatz absorbire. Außerdem verlangt er einen Rechenschaftsbericht über den jetzigen Stand der Bank. Naht unterstützt Justi, und macht besonders auf den §. 22 des Bankgesetzes
contrapiren, und so den Lrtaat in große Verbindlich-
feiten zu verwickeln, ohne daß die Stände ihre Einwilligung gegeben haben.
mit Hülfe ihres Geldes erzwangen, verschafften sich die Frauen durch ihre geistige ttcberleqcnhcit den Play in
der Gesellschaft
Die liebenswürdigsten und geistvoll- und war gleich seine Gestalt von großer, ja aussalleu.
verweigerte batte.
sten Kreise des Berliner Lebens bewegten sich in jüdischen Häusern, welche magnetisch alle die hervorragenden Persönlichkeiten anzogen, deren Bedürfnisse über die hausbackene Kost des Spießbnrqerthums hinausgingen.!
Innerhalb der frühesten Jugenderinneruügcn der Frau Herz nimmt Mirabeau einen bedeutenden Platz ein, welcher sich zur Zeit seines Berliner Aufenthaltes bei ihr einführe» ließ und den Umgang mit der schönen Jüdin sehr eifrig pflegte. Ihre Schilderung der Persönlichkeit des^große» Nevolutionsmannes, obgleich nur flüchtige Umrisse gebend, liefert ein so sprechendes Bild, daß uns der Leser eine Wiederholung derselben wahrscheinlich Dank wissen wird.
„Mirabeau's Gesicht, sagte sie, schwebt mir, so viele Jahre vergangen sind seit ich ihn sah, doch noch ganz deutlich vor. Denn es zu vergessen, war schwer, wenn man ihn auch nur einmal gesehen hatte, wie es doch andererseits wegen seiner großen und absonderlichen Häßlichkeit immer von neuem aufsiel, wenn man ihn wiedersah. Am wenigsten trugen seine Pockennarben zu dieser Häßlichkeit bei, wenn gleich sein Gesicht gänzlich von ihnen zerrissen war; weit mehr die Eigenthümlichkeit, daß das Ganze, sowie alle einzelne Theile desselben auf eine kolossale Weise in die Breite gezo-
gen waren. Breiteste Nase, erdenklich größter Mund mit dicken, wulstigen Lippen. Dabei war er zur Zeit
der Kräftigkeit, so waren über sein Gesicht die Ausschweifungen seiner Jugend doch nicht spurlos hinweg- gegangen. Aber man vergaß Alles, wenn er sprach. Denn er sprach hinreißend, wie ich nie Jemanden sprechen gehört habe, und namentlich ist mir eine solche Eleganz der Sprache in der Leidenschaftlichkeit — und in diese geriete er leicht — nie vorgekommen. Leider weiß ich nichts mehr vom Inhalt seiner Unterhandlungen mit Mir, was vielleicht daran liegt, daß es das Ganze seiner Erscheinung war, was mich zunächst in Anspruch nahm. Aber ich weiß, daß, als er einige Jahre später einer der ersten Helden der französischen Rcvolnlion wurde, nichts von dem, was man über die gewaltigen Wirkungen seiner Reden las und hörte, mich in Erstaunen setzte."
Ueber Friedrich v. Gentz spricht Henriette Herz ein sehr strenges und augenscheinlich vom sittlichen Unwillen eingegeb.nes Urtheil aus, welches durch eine und die andere fast unglaublich klingende Thatsache unteriliiyt wird. Leidenschaftlich! genußsüchtig, beredt, machte Gcny viel Glück bei den Frauen, war aber in Folge einer weit über seine Mittel hinausgehenden Verschwendung fortwährend in den peinlichsten Geldverlegenheiten. In den Augenblicken der höchsten Noth verschmähte er kein Akit-
tct ter augenblicklichen Abhülfe, so wenig, daß er eines
Tages einer Frau seiner Bekanntschaft, wie im Scherz einen kostbaren Siamantring vom Finger zog, um ihn zu versetzen. Seine anfängliche Begeisterung für die französische Revolution hatte sich freilich nach und nach etwas abgekühlt, aber nichts desto weniger war er fortwährend der Mann des Fortschritts, der Freund der bürgerlichen Freiheit, der heftige Gegner der Censur u. s. w., bis eines schönen Morgens, wie von unsichtbarer Hand, ein Theil seiner Schulden bezahlt war. Zu gleicher Zeit war sein Liberalismus wie durch Zauberei verschwunden. Der preußische KriegSrath hatte sich nicht gescheut, eine auf sein politisches Talent berechnete österreichische Pension anzmichmen, die er in Berlin durch Schriften für Oesterreich und gegen Preußen so, lange verdiente, bis seine dortige zweideutige Stellung endlich unhaltbar wurde, so daß ec sich genöthigt sah, dieselbe au^ugcben , und nach
Oesterreich überzusiedclu.
(.Fortsetzung folgt.)
Verschiedenes.
In Hörde, in der Grafschaft Mark, ist von einem Mechaniker Rossignol, einem gehonten Franzosen, vor einiger Zeit ein Transportwagen für Eisenbahnen erfunden worden, welcher bei Anwendung der gewöhnlichen Dampfkraft in gleicher Zeit und Schnelligkeit wenigstens die doppelte Last bewegt. Unter der Voraussetzung, daß nur die doppelte Last unter den ange-
