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„âeèßeit und tteeht!"

^ZH. Wiesbaden. Mittwoch, 14. August 1850.

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Die „Freie Zeitung" erscheint, mit auJnaJme des Montag», täglich in einem Bogen. — Der Avonnemcnlüprcks betragt v eertellayrtg hier in WieSoaven 1 fl. 45 fr., aus­wärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und fiao bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirk intern Erfolge. — Die ZnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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Ein Preßprozeß der Freien Zeitung.

oo Wiesbaden, 9. August.

(Schluß.)

Wie schon bemerkt, erhob K ü n stier, von der Ober- behörde speziell dazu aufgefordert, bei dem Justizamt zu Wiesbaden Klage wegen Beleidigung und Berlâum- duna durch dcu oben mitgetheilten Artikel und zwar gegen den frühern Redakteur dieser Blätter, Jul. Oppermann. Das Justizamt leitete auf die wun­derliche Klagschrift, die Künstler eingeschlckt hatte, auch alsbald eine Untersuchung gegen Oppermann ein. Der letztere machte, davon abgesehen, daß er mit Rücksicht auf den 8« 297 des Strafgesetzbuchs behaup­tete der angeblich Berläumdete sei nicht „kenntlich" bezeichnet, weil Künstler selbst in seiner Klagschnft sich feierlich davor verwahre, daß er je in Halle stu- dirt habe, daß er je in Haiger angesteUl gewesen scr; daß er je in Diez die „Fleischtöpfe Ägyptens" gehabt habe, wie solches von der Person des augeklagtcu Ar­tikels gesagt sei,--zu seiner Berthewigung aus­führlich geltend, daß das Borgebrachte nicht nur wahr, sondern auch durchaus nicht in der Form der Belcibi- gung vorgebracht sei.

Der amtliche Richter ließ hierauf in einer höchst sonderbaren Manier, durch das Diczer Ami bei cu.ee Anzahl Personen in Diez, welche Künstler Vorschlag und die mit wenigen Ausnahmen insgesammt der Rückschritls- parthei angehören, — anfragen: wer mit dem fraglichen Artikel gemeint sei?

Die Zeugen deponirten fast alle, sie könnten das nicht geradezu mit Bestimmtheit sagen; aber sie glaubten es müsse wohl auf Künster gehen.

Um den Beweis der Wahrheit zu erbringen, machte nun Oppermann verschiedene Personen in Diez nahmhaft, die über die in dem Artikel berührten Fakta Zeugniß ablegen sollten. Aus den Aussagen dieser Zeugen ging auch evident hervor, daß Künstler die Jungen in der Schule mit großer Energie geprügelt habe; daß er ferner Kindern, die bas Hcckerlieb sangen, auf der Straße nach­gelaufen sei und sie auf der Straße geohrfeicht habe und auch über die feurigen Kanzelreden wurde der gewünschte Aufschluß ertheilt.

Der amtliche Richter, der wie Künstler Gewicht darauf legte, daß Künstler mit dem (Leibhaftigen)!! ver- glichen sei, was bei ersterem sehr unbegreiflich, bei letzterem sehr begreiflich ist,--hielt aber die Form für be­leidigend; er sprach schließlich die diesen Lesern schon be­kannte Geldstrafe aus und auch das Hof- und Appella- tionsgericht zu Wiesbaden nahm an, der Thatbestand der Injurie sei vorhanden und bestätigte sonach das Erkennt­niß des Unterrichters.

Indem wir heute in dem großen Sprechsaal der Presse diese Sache zur Sprache bringen, richten wir an das ganze nassauische Volk die Frage: ist mit Aufnahme des obigen Artikels, der die Interessen, der Stadt Diez zu wahren bestimmt war, aber die Absicht des Belei­

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Reiche der Natur *).

(Fortsetzung.)

W Der Besitzende aber deutet hinauf zu der Höhe, die das Proletarierkind so mühsam erklommen, und läßt sich also vernehmen: „An biejem jungen Menschen kann man recht deutlich sehen, wie ungerecht der Vorwurf ist, daß es bei gegenwärtiger Gescllschaftseinrichtung der Arme zu nicht» bringen könne. Es ist recht l)eil|am, wenn die junge Kraft Hindernisse zu bewältigen hat. Gut gesprochen, Du verdienst, daß man Dir ausführlich antwortet. „Wir sind durchaus nicht der Meinung, daß der Mensch ohne Aufgebot seiner ganzen Kraft seinen höchsten Wunsch solle erreichen können, daß die Gesell­schaft wie eine Elfenschaar den Einzelnen umschweben und ihm ohne sein Bemühen zauberhaft verleihen solle, was das Herz sich wünscht und der Sinn begehrt: wir sind vielmehr der Ansicht, daß jede persönliche Errungen­schaft die Furcht persönlicher Anstrengung persönlichen Kraftaufwandes sein müsse. Auch die Pflanze muß die Erdkruste " durchbrechen und durch Aufwand von Kraft sich aus sich selbst berausbilden und gestalten. Ist aber die Erdkruste durchbrochen, dann strömen ihr die allge- metnen Naturkräfte zu, welches auch ihre Herkunft sei,

*) In der gestrigen Nnnimer lieS auf Spalte 4 Zeile 2 von

unten kräftigen statt künftigen.

digens nicht hatte, nicht haben konnte, eine straswülvige Handlung begangen worden ?

Eine Appellation an eine weitere Instanz ist nicht mehr statthaft: aber darin besteht ja gerade der hoye Beruf und dw unbegrenzte Bedeutung der Presse, daß sie die Berwung, den Appell an das gesummte Polk möglich macht und vermittelt.

Die deutsche Reizbarkeit ist zu Genüge bekannt. Ohne Kraft, das Licht der Oeffentlichkeit in seiner gan­zen Fülle zu ertragen, überfallt den durch Jahrhun­derte alten Absolutismus mürbe und scheu gemachten Deutschen allemal ein panischer Schrecken, wenn sein Name irgendwo öffentlich mit einem Tavel, und sei er auch'noch so gering und sei er auch noch so wohl begründet, genannt wird. Es ist fürwahr keine Ueber­treibung wenn wir sagen, daß wegen spitziger Reden, wie sie die englischen und nordamerikanischen Blätter täglich gegen die höchsten Personen des Staats, gegen den Präsidenten und die Königin bringen, ohne daß es den getroffenen Personen auch nur im entferntesten einfiele, einen Proceß zu beantragen,--— ver nnbcdeutenste deutsche Polizeibüttel alle Gerichte bestür­men, und von Pontius bis zu Pilatus laufen wurde. In einem öffentlichen freien Staatsleben werben die Handlungen öffentlicher Personen begreiflich von Bielen beobachtet, besprochen und beurtheilt, und daß hier Mißverständnisse, Verdrehungen, ja böswillige Ver- läumdungen möglich, ja geradezu unvermeidlich, sollte nie vergessen werden.

Ein in sich selbst klarer und seiner reinen Absich­ten bewußter Mann wird sicher in dem ruhigen Be­wußtsein und in der Ueberzeugung, daß die Gerechtig­keit, wenn auch oft spät, an's Licht gezogen wird, einen sicherern Schutz gegen unverdiente Unbilden fin­den, als in dem eingeholten Spruch eines Gerichts. Während man aber in freien Ländern selbst gegen un­verdiente Kränkungen durch die Presse, niemals Hülfe durch die Gerichte sucht, sondern sich daselbst stets des Satzes erinnert, daß die Presse vermag, die Wun­den , welche sie schlug auch wieder zu heilen — möchte man in unfreien, geknechteten Staaten, wie z. B. in allxn deutschen Vaterländern, selbst bei dem gerecht­fertigsten Tadel, bei der begründesten Kritik auö der Haut fahren.

Daß der evangelische Clerus in seiner höhe­ren und niederen Regionen, seine Ehre, wenn sie an­geblich angetastet werden, durch Gerichtsstrafen wieder zu restauriren sucht, scheint uns übrigens noch begreif­lich: die Autorität dieses Standes ist so zerstoben, der Nimbus dieser Klasse so aufgelöst, daß sie in der Wahl der Mittel, welche das gesunkene Ansehen wie­der restauriren sollen, nicht sehr ängstlich zu Werke gehen kann. Die schwarzen lutherischen Kutten sind sehr im Preise gesunken; wer wird es den Inhabern verdenken, wenn sie denselben insbesondere durch alle Apparate, welche die Maschine des modernen Rechts­staats an die Hand gibt, zu heben suchen? Wenn wir

dann empfängt sie die Mittel zu ihrer lcbcnsfrischcn Ent­faltung, ob sie von der stolzesten Eiche oder vom un­scheinbarsten Gräschen stamme. Die Hindernisse, die sie bei ihrem Keimen zu bewältigen hatte, wurden ihr von der Natur oder von der pflegenden Hand des Gärt­ners liebend in den Weg gelegt, damit der junge Keim gehörig erstarkt ins allgemeine Naturleben hinaustretc; es waren darum diese Hindernisse gerade so ^gemessen, wie eö zur Erreichung dieses Zweckes erforderlich ist, — Dem nach geistiger Ausbildung strebenden Prolecarierkind aber hat eine selbstsüchtige Gesellschaftsklasse Hindernisse in den Weg gelegt, nicht zum Zwecke innerer Erstarkung, sondern um es vom Lichte des Geistes abzusperren, und deßhalb sind diese Hindernisse so beschaffen, daß sie nur durch einen unnatürlichen Aufwand von Kraft bewältigt werden können. Der junge Mensch, den Du für Dich anführst, hatte in früher Jugend schon alle Sorgen der Existenz und dergleichen zu tragen — noch ein zarter Knabe, traten Kämpfe zu ihm heran, denen nur die ge­reifte Manneskraft gewachsen ist. Mit den Blüthen seines Geistes mußte er den Boden düngen, au» dem er feine materielle Kraft sog. Ganz und gar auf sich angewiesen, lebte der Körper vom Geist und sein Geist auf Kosten deS Körpers, und nun befindet er sich in der traurigen Lage, einen ausgebildeten, jugendlich strebenden Geist in einem frühgcalterten, zerrü tteten Körper herum schleppen zu müssen. Hättest du hundert strebenden Geistern die Mittel zu ihrer Ausbildung gebot n, cs hätte dich nicht

also unsere Nachsicht, Mitleid mit dem priesterlichen Zorn haben, so bleibt es uns doch sehr auffallend, wie 2 Gerichte des Staates den heiligen Beruf der Presse, eine stets sorgsame Wacht über alle öffentlichen Handlungen aller vffcntlichtn Diener zu halten, so sehr verkennen mögen.

Marr sage uns hier nicht, der Tadel sei erlaubt, aber er dür fe nicht unangemessen in der Form sein, er dürfe nicht satirisch sein; er müsse „ehrerbietig" sein.

Zwei Dinge stehen fest: sämmtliche Personen, die die Ämter des Staats in Händen haben, betrachten sich gewifferufaßen als eine moralische Person, die in Verletzung der Glieder sich selbst getroffen fühlt; und dann: jeder Tadel dünkt der herrschenden Klasse, und sei er auch noch so ehrerbietig, mische er auch wie der alte Musikant Miller in Kabale und Liebe, zwi­schen jede Derbheit, ein ganz devotes „Halten zu Gna­den", an und für sich unehrerbietig, und jwarZschon deßhalb, weil eS eben ein Tadel ist.

Wenn irgendwo der Spruch der gelehrten Richter am unrechten Platze ist, so ist eS bei allen Jnjurien- pkvceffen, dir nur allein durch eine Jury, durch ein aus dem Volke grbiloetos Ehrengericht, zugleich wür­dig und gerecht ansgetragen werden können.

^ e u t f ^ i < * B.

R Vom Taunus , 9. August. Bekanntlich hat die von den Lehrern ernannte Bchulkommission deS Jahres 1849 trotz der vielen inwohnende» geistlichen Elemente beim höhèrn Schulregimente wenig Beifall gefunden und man war deßwegen Juli 1851) bestrebt zur all­seitigen Mehrung der christlichen Gesinnung und Be­förderung des Glaubens eine Gesellschaft zusammen­zubringen, die sich mehr als jene frühere den „wahren B e v ü r f n i fse n " der Zeit accomodireu würde — unter steter Hinsicht, w.e sich von selbst versteht, auf den Paragraphen der G und rech re, wo eS heißt: „Die Schule ist der Aufsicht des Geistlichen als solchen ent­hoben". Dieser neuen Eommistwu wurde der von ihrer Vorgängerin auSgearbeitete, von dem neuen Schulkol­legium verbesserte SchulreorgauisationSent- wurf zur weiteren Begutachtung überwiesen und daß sich da nur ganz Außerordentliches erwarten läßt, wird schon aus den bloßen Persönlichkeiten der Mitglieder ersichtlich. Wir wollen diese indessen nicht nach ver Confession, sondern nach dem Gewicht der im Wein­berge des Herrn erworbenen Verdienste arrangiren und die Katholiken gewohnter Weise mit einem t versehen. 1) I Domherr vr. Diehl aus Limburg, 2) Professor Pfarrer Ntnk aus Bergebersbach, 3) Dekan Keim aus Hachenburg. 4) s Pfarrer Tripp aus Niederzeuz­heim, 5) J Decan Schröder aus Eamp. 6) Kir- chenrath Decan Dilthey aus Mosbach. 7) I Pfar­rer Siegle r aus Flörsheim, 8) Decan D o inboiS aus Braubach.

so viel gekostet, wie dein theurer Bauch, den du. An­gesichts der enterbten Brüder so gehäbig streichst."

«In der 9iatur geht die Freiheit mit der Gleichheit Hand in Hand. Das zarte Veilchen fühlt sich der stäm­migen Eiche gleich und ebenbürtig, es wurzelt ja in Dem nämlichen Boden, es trinkt den nämlichen Thau, cs blüht in dem gleichen Lichte; es fühlt sich aber auch frei, denn das allgemeine, es umspielende Raturleben tödlet keine Seite seines Wesens ab, sondern bringt die volle Individualität lcbcnsfrisch zur Erscheinung. Jede Individualität findet in Der einen Erde, in der einen Sonne, in der einen Luft die Bcdiiiguugen ihrer lebens- krästen Entfaltung. Das ist die wahre Manigfaltig- kcit, die in dieser Weise aus der Einheit sich entwickelt.

In der Natur entwickeln sich aus den gleichen allge­meinen Lebensbedingungen die Individualitäten in voller, ungebrochener Weise ; die allgemeinen Raturkräfte sind nur die Mittel zur Entfaltung, zur Ausschließung der einzelnen Raturperspnlichkcitcn. In der communistifchen Gesellschaft werden auch Die einzelnen Persönlichkeiten auf den Boden Der gleichen Lebensbcbingnngen gestellt, aber nicht in der Absicht, Die Individualitäten zu ent­wickeln , sondern vielmehr, sic in uniforme Wesen zu verwandeln, das persönliche Fleisch und Blut gänzlich zu ertöbten. Die aristokratische Gesellschaft vertheilt die allgemeinen Mittel und Kräfte so, baß sich hier völlige Ent­blößung, dort Ucbcrsällc zeigt, vaß also nirgends Die Bedingungen zur naturgemäßen Entwicklung vorhanden