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zogthümer nicht in der Lage, Hre Integrität zu schü­tzen. Preußen hat sie vor einem fait accompli be­wahrt , und unterdessen haben sie selbst eine tapfere Armee ausbilden können. Es konnte nie Preußens Aufgabe sein, die rechtliche Stellung der Herzogthümer zu verändern; seinen Arm bot es nur gegen "faktische Uebergriffe. Durch den Friedensabschluß ist res Integra hergestell,t UNd Deutschland aufgefordert, seine Pflicht zu thun. Dies ist das ganze Verbrechen der preußischen Negierung, daß sie zwei Jahre lang den öffentlichen Rechtszustand der Herzogthümer geschützt, das Recht des deutschen Bun­des gewahrt, und nun die Angelegenheit in die Hände der übrigen Bundes-Regierungen mit gelegt hat. Sie selbst wird in der Reihe derselben stehen und als Glied des ganzen Bundes ihr Gewicht in die Wag- schaale werfen. Durch die Niederlegung seines Man­dats hat Preußen Deutschland aufgerufen, eins zu sein in der Wahrung seiner Interessen, eins zu sein im Schutze seiner Autorität Angesichts der Pläne, welche das Ausland im Geheimen schmiedet. Die Sache der Herzogthümer wird nicht an der Treue Preußens schei­tern; wenn sie scheitern sollte, was Gott verhüte, so wäre es nur an der Fortdauer des Mißtrauens deutscher Regierun­gen gegeneinander und an den Versuchen, das zu neu- tralisiren, was Preußen mühsam angestrebt und er­reicht hat. (Wir wollen sehen, ob dies mehr als glatte Worte sind.)

DieLith. Corresp." meldet:Seit vorgestern werden täglich Sitzungen des Staatsministeriums ge­halten; die gestrige währte fast 5 Stunden. Gegen­stand der Berathung ist die Unionsangelegenheit, be­sonders die Stellung, welche die Unionsstaaten, Preu­ßen an der Spitze, nun Oesterreich gegenüber einzu- nehmen haben, nachdem die österreichische Regierung durch ihre jüngsten Schritte gezeigt hat, wie wenig die Hoffnung, daß nachdem die Gereiztheit etwas nach­gelassen, eine gegenseitige Verständigung möglich wer­den würde, eine begründete war."

DasFrankfurter Journal" bringt folgende tele­graphische Depesche: Berlin, 27. Juli.Heute ist die Abberufung der preußischen Bevollmächtigten von Frankfurt erfolgt."

DieConst. Ztg." schreibt: Die Ratifikation der Unionsstaaten ist durch das Fürsten-Kollegium geschehen. Eben so ist die Ratification Dänemarks eingetroffen.

Berlin, 26. Juli. Oesterreichs definitive Erklä­rung an Preußen soll laut der Const. Ztg. folgende Forderungen bestimmt aussprechen: D i e U n i o n d ü r fe nicht ssorteristiren; der Bundestag sey so­fort zu berufen; die Friedensratification dürfe nur vom Bundestage ertheilt werden; ferner habe Preu­ßen die badischen Truppen alsbald zurückzuschi­cken, Baden sie alsbald zurückzurufen, bei angedroh- terÄufbietung der Reichsmach t gegen Baden.

Dresden, 26. Juli. (D. Allg. Ztg.) In der ersten Kammer wurde heute unter Anderm ein könig­liches Dekret verlesen, betreffend, 1) die Revision der Verfassung, 2) Einführung deßhalb, 3) ein neues Wahlgesetz und 4) die Aufhebung der Grundrechte. Auf v. Friesen's Antrag wurde die Berathung dieses Dekrets einer außerordentlichen Deputation über­wiesen.

Aus Zwickau wird gemeldet, daß am 22. Juli gegen Abend der dort wegen seiner Betheiligung an den Maiereignissen in Haft befindliche Lehrer Kliet­sch e ans Auerbach entsprungen sei.

Augsburg, 26. Juli. (Augsb. A.) Gestern ist der königl. Advokat Titus von Bamberg, welcher sich freiwillig stellte, aus der Frohnveste entlassen wor­den. Auf gleiche baldige Erlösung hoffen noch der praktische Arzt Dr. Heinkel mann von Bamberg und der frühere Redakteur desfreien Staatsbürgers" Lang von Nürnberg.

Wien, 25. Juli, Nachmittags 3 Uhr. Die Elb- zollfreiheit zwischen Tetschen und der sächsischen Gränze wird auch auf fremde Schiffe ausgedehnt. 64 Ar­tikeln wird die zollfreie Einfuhr aus Ungarn jetzt schon gestattet. Darunter befinden sich Eisen, Federn Pott­asche, Reps, Schafwolle, Unschlitt, Wachs re. Herr von Prokesch ist definitiv jum Jnternuntius bei der Pforte ernannt; an seine Stelle kommt Herr v. Hübner aus Paris.

* Wien, 25. Juli. Die regierenden Herren im österreichischen Kabinett haben von den ehemaligen Commis desfranzösischen Systems", den Herren Guizot und Duchatel, etwas gelernt: nämlich wie man gut konstitutionell die Gesetze durch die Gesetze todtschlägt und mit der einen Hand Rechte und Frei- ; Heiken zuwiegt, die man mit der anderen wieder entzieht, s Einem schönen Beleg dazu giebt die Nat.-Ztg, welcher beweißt, wie es die Verfassung nur als ein Stück j Kautschuk betrachtet, das man je nach Belieben deh- ; neu und wieder zusammenpressen kann.Ein §. der : Grundrechte spricht im Kaiserstaate die politische Gleich­stellung aller Konfessionen aus. Dieser Paragraph stößt in Bezug auf die Gleichstellung der Juden aus ; vielfache Vorurtheile, die vielleicht nirgends tiefer wurzeln, als in einigen Provinzen Oesterreichs, zumal j in jenen, wo (wie in Tyrol und Steiermark) nie ein Jude wohnte. Es hätte der ganzen Energie der Re­gierung bedurft, um dort den Paragraphen der Ver­fassung zur vollen Geltung zu bringen. Statt dessen geht Minister Bach auf diese Vorurtheile ein, und

einer Deputation aus Laibach, die von ihm verlangte, es möge dieser Paragraph vorläufig für Kärnthen nicht rechtskräftig sein, antwortete er:Es sei ihm nicht möglich, dieser Bitte nachzukommen, doch biete ihnen das Gemeindegesetz das Mittel, die Inden aus­zuschließen." Minister Bach hatte in dem Momente, als er diese Antwort gab, seine jetzige Stellung im Staate vergessen, und als Advokat Bach, der einem Klienten aus der Verlegenheit helfen will, geantwor­tet. Der Minister hätte wohl nicht seinen geheimsten Gedanken, einen Artikel der Verfassung durch den an­dern zu beseitigen, verrathen dürfen. Die Antwort war einmal ertheilt, und nun kam es darauf an, den Weg zur Ausführung zu zeigen. Dazu Hot diese Woche Gelegenheit. Einige christliche Kaufleute einer mäh­rischen Stadt sträubten sich gegen die Aufnahme der Juden in die politische Geineinde. Sie wendeten sich an den Gouveneur von Mähren und dieser stellte eine Anfrage an den Minister des Innern, der den Be­scheid dahin ertheilte, das freie Gemeindeleben habe den Zweck, die Wohlfahrt der Gemeinde zu fördern; wenn diese durch Aufnahme der Juden das Wohl der Gemeinde gefährdet glaube, werde man sie in keiner Weise zwingen. Die Juden würden sich dann selbst­ständig konstituiren. Die meisten österreichischen Ge­meinden werden diesen ministeriellen Kommentar zu Gunsten ihrer Vorurtheile ausbeuten. Der Artikel der Verfassung ist dadurch faktisch aufgehoben, die Juden sind in ihr Ghetto zurückgedrängt. So bedeutend auch diese Angelegenheit an und für sich ist, indem sie aber­mals viele Millionen Menschen zu Parias macht, und mittelalterliche Trümmer wieder restaurirt, gewinnt sie noch mehr an Bedeutung, weil sie auf den Geist unserer Staatslenker ein Schlaglicht wirft, weil sie alle unsere Besorgnisse, daß diese Männer nie die Verfassung zur Wahrheit machen werden, nur zu sehr rechtfertigt. Mit dieser Unterdrückung der Juden geht natürlich die Bevorzugung des Clerus Hand in Hand. Die Eine wie das Andere soll den gleichen Zweck er­füllen, Vorurtheile im Volke wach zu erhalten, als antirevolutionäres Mittel. Die klugen Herren haben nur eins vergessen, nämlich, daß Louis Philippe ge­rade solchen Maßregeln den Sturz seiner Dynastie zu verdanken hat."

In Lemberg wird auf der sogenannten Türkeu- schanze der Bau einer Citadelle errichtet, weshalb schon vorigen Monats die in eigener Regie auszufüh- renden Erdarbeiten begonnen haben.

Der Kaiser hat den Prozeß gegen den Grafen Stephan Bathyany niedergeschlagen, so daß der Gras straffrei nach Oesterreich zurückkehren darf.

Wien, 26. Juli, Nachmittags 3 Uhr. Etwa 50 Amnestirungen wegen der Oktoberbewegungen 1848 verurteilten Wiener werden vorbereitet. Die von den Blättern besprochene MjMerkrisiö ist beendet. Schmerling bemalt das Justigportcfculte; der Gegen­stand, um dem es sich handelte, der oberste italieniche Gerichtshof bleibt in Verona. (D. Ref.)

* In Schleswig - Holstein ist der Stand der Dinge trostlos. Die Statthalterschaft, diese Beseler'sche Clique, ist noch so hochromantisch gestimmt, daß sie am Schluffe ihres letzten ungeheuern Manifestes ein Gottesurtheil forderte. Wenn das Volk in den über­elbischen Herzogthümern noch so mittelalterlich denkt, wie jene Professoren, so müssen die jüngsten Nachrich­ten aus Schleswig um so niederschlagender wirken; denn alsdann hat sich ja der liebe Gott im Sinne sei­ner Stellvertreter auf Erden durchaus legitim für die Dänen ausgesprochen. Jedenfalls steht fest, daß die Dänen von Anfang an ganz vortrefflich unterrichtet waren, wie es im schleswig-holsteinischen Heere und bei den Herren Professoren auf schloß Gottorf stand. Sie waren ihrer Sache so gewiß, daß sie, dies ist ihrer letzten Proklamation kurzer Sinn, an die Spitze ihrer Friedensbedingungen die Forderung stellten: erst löst eure Armee auf, dann wollen wir sehen, welcher Gnade ihr würdig seid! Die Schleswig-Holsteiner sind jetzt geschlagen; in Schleswig zogen die Danen mit klingendem Spiel ein; die Eckernförder Schanzen sind desarmirt worden, um das Geschütz wenigstens zu retten; in dem unglücklichen Lande wüthen alle Fu­rien, die ein roher, erbitterter Feind gegen eine wieder- eroberte Provinz losläßt. Es ist schrecklich, daß die gottlose demokratische Presse einmal wieder Recht hat; doch es gilt, jetzt, sich von der Furcht eben so wenig blenden zu lassen, wie es vorhin durch die Hoffnung geschah. Nach den neuesten Nachrichten der Kölner Ztg. stehen die Sachen so schlimm noch nicht, wie es den ersten Anschein hatte. Der Rückzug der Schles­wig-Holsteiner, deren sämmtliche Truppen gekämpft hatten, ging in guter Ordnung vor sich; die Eckern­förder Schanzen wurden freiwillig desarmirt und die Kanonen, nach Rendsburg gebracht, wohin sich auch die Statthalterschaft von Schloß Gottorp flüchtete. Noch stehen bei Wittensen 25,000 Mann Kerntruppen konzentrirt; von der Tann ist nicht zersprengt, wie es hieß, sondern steht vielmehr noch an der Spitze von 16,000 Mann , und auch die Gerüchte von der unge­heuren Anzahl Todter und Gefangener, welche die Schleswig-Holsteiner verloren haben sollten, bestätigen sich laut der Köln. Ztg. nicht in ihrem ganzen Um­fange. Die Gefion ist nach wie vor von Preußen be­setzt und scheint außer Gefahr. Unter den gefangenen Dänen befindet sich Oberst Baggessn. Ueber die Schlacht selbst liegt uns heute eine Anzahl von Be­richten vor, welche als Kinder der Aufregung, von den

übertriebensten Angaben und widersprechendsten Gerüch- ten angefüllt und deßhalb nur mit Vorsicht zu benutzen sind. Aus Allem geht hervor, daß die Dänen zuerst eine allgemeine forcirte Rekognoscirung in der Absicht, den linken Flügel des FeiuoeS zu umgehen und das Centrum zu durchbrechen, im Plane hatten. Das Ge­fecht bei Helligbeck und Idstedt war nur ein bloßes Vorpostengefecht. Willisen zog die Avantgarde zurück; nur schwer waren die Truppen zurückzubringen. Um 3 Uhr eröffneten die Dänen den allgemeinen Angriff» Nach einer sehr heftigen Kanonade begannen die Dänen auf allen Seiten vorzudringen und Willisen ließ sie bis ins Idstedter Holz vorrücken, vorgeblichum den Feind dann zusammenzuklappen und in die Flucht zu treiben." Um 7Uhr kam der rechte Flügel ins Feuer und hielt sich sehr tapfer gegen einen überlegenen Fkind. Um 10% Uhr scheint von der Tann auf die-

Flügel sei es über Willisens sonderbare Art, den Feind Heranrommen zu lassen undzusammenzu­klappen", oder weil er Hoffnung hegte, das schwan­kende Glück durch ein keckes Reiterstück zu entscheiden __ bie Geduld verloren zu haben: er ergriff die Offen­sive, worauf die Dänen Carrö's machten und ein hef­tiges Gewehrfeuer eröffneten. Die Reiterei dcployirte sich hierauf rasch und demaskirte die hinter ihr stehende Artillerie, welche ein mörderisches Feuer gegen die Dä­nen eröffnete. Schon posaunte man voreilig Sieg. Während die Dänen auf beiden Flügeln einen har­ten Stand hatten und auf dem linken in Gefahr schwebten durchbrochen zu werden, gelang es ihnen, durch Heranziehung immer neuer Truppenmassen, das unter Willisen stehende Centrum um 2% Uhr zu durchbrechen, worauf derZusammenklapper" sich eilends nach Sehstedt, zwei Stunden nördlich von der E'der, zurückzog und, nachdem die Dänen Abends mit klingendem Spiel in Schleswig eingerückt, sein Hauptquartier nach Rendsburg verlegte. Dem Man­gel an tüchtigen Offizieren uud Unteroffizieren schreiht die Statthalterschaft die Resultat zu, dieselbe Clique, welche die Anstellung fremder kriegskundigen Of­fiziere, bei denen sie demokratische Tendenzen witterte abwies, während bie Dänen ungarische und polni­sche^ Flüchtlingen öffentlich 311m Eintritt in ihr Heer anfforderten. Hierauf hat eine Anzahl polnischer Emi­granten folgende Erklärung, welche die Const. Ztg. bringt, veröffentlicht:

Wir, aus Anlaß der letzten Ereignisse der euro­päischen Bewegung in der Verbannung lebenden Polen, fühlen uns veranlaßt, unsere Ansicht darüber der Leser­welt mitzutheilen. Wenn gleich die Statthalterschaft Schleswig Holsteins das durch mehrere Individuen ge­machte Anerbieten wegen der Aufnahme in den bevor­stehenden Freiheitskrieg zurückgewiesen hat, so halten wir dennoch mit Stolz unsere große Mission fest, und weisen mit Verachtung jede derartige A n er- buWUr-freiheitsm0 rde mische Feind* zu- ruck. Durch das harte und unerbitterliche Schicksal unserer Verbannung dem größten Elende und der Ver­zweiflung ansgezetzt wollen wir eher ihre Opfer werden, a l s S ö ld linge d er kn ech tenden Kön ige Eur 0 p a's 1 e i n. Obgleich dieses Ausharren fast un­erträglich erscheint, so gewährt uns doch das Bewußt- sein die stiße Hoffnung und den Trost, daß wir den dem theuren Vaterlande schuldenden Pflichten als treue Söhne würdig entsprechen, und unbeflecht vor dem Urtheile der Welt dastehen. Wenn auch einzelne Individuen unserer Kampfgenossen aus'Ungarn der Versuchung sich hingeben und in die dänischen Dienste treten^ würden, ko erklären wir öffentlich, daß selbe uuensichlossen und nur durch Zufall unsere Genossen wurden und keinesfalls in die Zahl unserer Reihen zu zählen sind. Wir hoffen demnach, daß das durch schwankende und keinen politischen Charakter besitzende Individuen begangene Verbrechen keinesfalls unsere innere Ueberzeugung im Antlitze freier Männer Euro­pas zu brandmarken im Stande ist; indem unser Wahlspruch immer derselbe ist und bleibt, welcher er war, als wir unsere Laufbahn begannen. Und dieser lautet^ Glorreich zu siegen oder ehrenvoll sterben, und nie Söldlinge der Tyrannei werden."

* Der Alt. Merk. meldet in einer Nachschrift, daß die Dänen am 26. Morgens auch in Eckernförde ein­gezogen seien. Die N. fr. Presse behauptet das Ge­gentheil! Letzteres Blatt versichert auch, daß der rechte und linke Flügel gut erhalten und im Stande seien, in ihrer neuen Position den Kampf wieder aufzuneh- men; nur das Centrum habe sehr gelitten. Auf däni­scher Seite soll General Bülow gefallen sein. Von den Truppen, welche in Rendsburg einrückten, zog ein Theil am folgenden Morgen 10 Uhr wieder nord­wärts. Von den schleswig-Holsteinischen Truppen, die allesammt im Feuer waren, stand das 15. Batail­lon den ganzen Tag im Feuer. Munition und Ma­gazine sind gerettet. Ein Bataillon Schützen soll nur noch zwei Offiziere und 400 Mann am Leben haben. Der Rückzüg geschah theilweise über Schleswig, theil- weise über Missunde. Die Zahl der Kriegsschiffe bei Kiel hat sich bedeutend vermehrt. Die drei russische Linienschiffen und eine Fregatte behaupten neben dem Skiold" fortwährend ihren Platz vor dem Kieler Hafen.

Die Schlacht bei Idstedt.

* Wiesbaden, 29. Juli

Durch außec ordentliche Gelegenheit geht uns folgendes Nähere über den zweitägigen Kampf der SchleSwig-Hol« steiner zu: