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Mächten Europas trotzen und in seinen eignen Marken haben die Verräther von Gotha zu viel Gewicht bei ton zu ergreifenden Maßregeln.

Schleswig-Holstein wird dänisch werden, die Reaction ihren Kreislauf vollenden und Rußland triumphiren.

Und das deutsche Volk?

Die einzige Möglichkeit, dem nordisclien Stamm Hülfe zu bringen, bestünde darin, daß das deutsche Volk beschließt, eine Na­tion zu werden und daß es diesen Beschluß auch ausführt.

Das deutsche Volk wird eines Tages, wir zweifeln nicht daran, seiner Schande bewußt werden und seine Ehre wieder herzustellen suchen und damit auch Schles­wig-Holstein sofort befreien.

Bis dahin aber einige Groschen zusammentragen, hieße nur offen bekennen , wie elend und schwach das deutsche Volk geworden sei, ohne irgend Jemand nach­haltige Hülse zu bringen.

Wir sagen Euch daher heute, spart Eure Groschen für eine bessere Zukunft! M a r t i u s.

Assrscnvcrhaudlungeu zu Wiesbaden.

Fünfter Proceß.

Anklage gegen Io h a n n es Graf v o n Eschborn wegen Giftmords.

$ Wiesbaden, 19. Juli. Nachdem der Angeklagte mit seiner Erzählung zu Ende ist, ersucht ihn der Prä­sident nun auch einmal das zu wiederholen, was er als Geständniß vor dem Criminalgerichte deponirt habe; davon müsse er doch auch noch wissen, weil dies spä­ter geschehen sei.

Bon diesem Geständnisse will jedoch der Angeklagte sich nichts'mehr erinnern. Der Präsident liest das­selbe nun Latz für Satz vor und fügt die jedesmalige Frage bei, wie es sich damit verhalte? Der Ange­klagte gibt bei jeder Aèage die sternotype Antwort: Es ist Unwahrheit." Auf die weitere Frage:Haben Sie denn dies (das Vorlesen) vor dem Criminalgerichte gesagt?" antwortet er immer gleichmäßig:Gesagt hab' tdfgp ich mußte es sagen." Als Grund gibt er an, daß er in der größten Verzweiflung gewesen sei und geglaubt habe, durch ein solches erlogenes Geständniß seiner Quai los zu werden. Wahr sei, daß er von dem Kuchen habe essen wollen, um sterben zu können.

Zuerst wird nun der Criminalrichter Zinn als AnÄnnftsperson und deshalb unvereidigt vernommen. Er erzählt, daß der Angeklagte gleich einen unfreund­lichen Eindruck auf ihn gemacht habe, weil er so kalt und einsylbig gewesen sei und sich dumm gestellt habe. Bei dem ersten Verhöre habe Graf mehrmals die Farbe gewechselt, bald sei er roth, bald bleich geworden und habe ängstlich nach Ausflüchten gesucht. Er habe ihn gefragt, ob er unwohl fei, was er verneint habe. Es war dies an dem Tage, als er eingebracht worden war und damals leugnete er noch Alles. Eines Tages habe er sich znm Verhöre melden lassen. Kaum ein- getreten, habe er bitterlich zu weinen angefangen und seine (des Criminalrichters) Hand begehrt. Er habe sie ihm (dem Angeklagten) aber nicht gegeben mit dem Bemerken, er solle ihm dann erst sagen, was ihn drücke. Darauf habe er dann das Geständniß abgelegt und verlangt, daß er gleich seine Strafe besomme. Des­selben Tages ließ er sich nochmals zum Verhöre mel­den. Er fragte, ob noch Kuchen da sei, er wolle da­von essen, dies solle seine Strafe sein, jedoch möge man einen Arzt bestellen, der ein Brechmittel bereit halte. Helfe dwses, daß er nicht sterbe, dann sei es gut für ihn, sterbe er aber, so sei es seine Strafe. Darauf hätte nun natürlich nicht eingegangen werden können. Später habe der Angeklagte Unterredungen mit anderen Gefangenen gehabt und von dieser Jeit an habe er (der Criminalrichter) schon vermuthet, daß ein Widerruf erfolgen würde. Dies sei denn auch ge-

Sie müßte »och^ etwas .zerstören, das erhaben in der Mitte zwischen Metsch und Gott alle Bücher geschrie­ben, alle Künste erfunden, alle Welten entdeckt, alle Civilisationen gegründet hat; etwas das immer wieder als Revolution auftritt und nimmt, was man ihm als Fortschritt verweigert, ungreifbar wie das Licht und un­erreichbar wie die Sonne, und das ist der mensch­liche Geist! (Lange anhaltender, stürmischer Beifall.)

Ich stimme gegen das Gesetz. (Wiederholter Bei­fallssturm.)

Verschiedenes.

# Von Kossuth stehen nächstens bedeutende Ent­hüllungen über Ungarn zu erwarten. Schon in Schumla ! äußerte er, sobald sein Schicksal entschieden sei, werde er zur Feder greifen. Auch Szemere, der frühere un­garische Ministerpräsident, arbeitet an einem Werke über ! die ungarischen Verhältnisse.

*

Ein Concurrent des Luftschiffers Lcpoitevin, Herr Godard, will hinter demselben nicht zurückbleiben. Ersterer ist bekanntlich zweimal auf einem Pferde in die Luft l gestiegen, Letzterer kündigt nun an, daß er nächstens einen Luftritt auf einem lebenden Hirsch machen ! werde. ,

schehen und er habe die Ruhe und die Kälte, die arge Verstocktheit des Angeklagten nicht genug bewundern können, die er von jener Zeit an an ihm wahrge- nommen habe. ' " |

Die Aerzte Philen ins, Schüler, Strittet und Kolb und der Apotheker Kaiser von Höchst werden vereidigt, und empfangen die bezüglichen Akten­stücke, um daraus ihre Gutachten abgeben zu können. Sie ziehen sich in das Berathnngszimmer zurück.

Zeuge Friedrich Ä«t Hes 86»., Schultheiß von Sulz­bach erzählt, am 11. März, des Nachmittags um 4 Uhr, hätten sie durch die Post in Soden das Paquet mit einem Brief erhalten. Der Brief sei von Ent- heim datirt und Joh Emmerich unterschrieben ge­wesen, das Paquet habe 3 Stücke Küchen enthalten. Sie hätten schon öfters von dort Kuchen und Zwieback bekommen, doch nie mit der Post. Die Hand des Emmerich, der ein weitläufiger Verwandter zu ihm sei, habe er nicht gekannt. Nach dem Nachtessen habe Jedes ein Stückchen von dem Kuchen gegessin, er aber habe sich seinen Theil für den Morgen aufheben wollen. Gegen 11 Uhr des Nachts hätten Alle zu schreien an­gefangen, er sei aufgestauden und habe, da zugleich heftige Erbrechungen erfolgt seien, Leute aus der Nach­barschaft gerufen, die ihm beigestanden hätten, die Erkrankten zu behandeln. Des anderen Tages sei ärzt­liche Hilfe gekommen und durch Anwendung von Gegen­mitteln habe sich dann bald bei Allen das liebel ge- I hoben, nur bei seiner Tochter Katharine, die am wenigsten zu Nacht gegessen hätte, sei Verschlimmerung I eingetreten, so daß sie am 18. unter den heftigsten Schmerzen gestorben sei. Mit Graf habe er immer j auf freundlichem Fuße gestanden, er wisse nicht, was 1 ihn zu diesem Schritte bewogen haben konnte. Em­merich habe von der ganzen Sache gar nichts gewußt. 200 fl. habe er seinem Schwiegersohn noch zu geben gehabt, doch dieser habe sie ihm noch nicht gefordert.

Mit dieser Zeugenaussage stimmen im Wesentlichsten die Aussagen der Ehefrau Margaretha Anthes, des' Friedrich Anthes jun., der Sophie Anthes, Bertha Anthes und die verlesenen Protokolle der Wittwe Rudolph, (Mutter der Ehefrau Anthes) und der verstorbenen Katharine Anthes überein. Alle bestä­tigen, daß der Kuchen süß geschmeckt habe, daß ihnen der Leib davon angeschwollen und heftige Kopf- und Magenschmerzen eingetreten seien. Ebenso bestätigen sie auch, daß sie Alle im besten Einvernehmen mit dem Angeklagten gelebt 2C.

Backer Georg Bauer von Offenbach theilt mit, es sei am 10. März ein Mensch zu ihm gekommen, der brel runde Küchelchen verlangt habe, es seien keine mehr da gewesen, wohl aber noch sog. Butterkuchen, den er ihm angeboten habe. Von diesem habe der Fremde 3 Stück 5 6 kr. verlangt. Er habe sie ihm mit Zucker bestreuen wollen, was er aber mit dem Bemerken ahgelehnt habe, er möge ihm für 1 Kreuzer Zucker geben, er wolle diesen selbst darauf streuen. Er habe dann 19 fr. bezahlt, den Kuchen in Papier verpackt, unter den Rock genommen und sich mit der Aeußerung entfernt, damit wolle er Jemand ein Prä­sent machen. Bauer kann sich indessen des Menschen nicht mehr erinnern und erkennt ihn deshalb auch in dem Angeklagten nicht wieder.

Es^ erscheinen nunmehr die Aerzte Thilenius und Schüler und der Apotheker Kaiser. Diese geben ihr Gutachten ab über die chemische Untersu­chung des Kuchens und der von Kath. Anthes und den übrigen Familiengliedern gebrochenen Speisen, so wie über den Krankheitsznstand der Beschädigten. Die Gutachten sind so ausführlich, so gründlich und genau, die chemische Analyse so sehr gelungen, daß gar kein Zweifel mehr darüber bestehen kann, daß die Ober­fläche des Kuchens mit Arsenik vergiftet und dieser Kuchen die Ursache der Erkrankungen, resp, des Todes­falls war. Die Aerzte Strikter und Kolb erstat­ten Bericht über die Sektion der Leiche der Katharine Anthes. Auch durch diese Gutachten wird jedweder Zweifel über das Nichworhandensein von Gift in dem genossenen Kuchen gehoben, sowie auch dadurch festge- stellt wird, daß das Gift die alleinige Ursache des Todes war.

Anton Pfalz und Joseph Granier von Offen­bach haben genau gesehen, wie ein Mensch am Main in Offenbach drei Stücke Kuchen befeuchtete und aus einer Düte eine weiße Substanz darauf streute. Sie erkennen in dem Angeklagten jenen Menschen wieder, ; doch nicht so ganz genau. Dieser behauptet, es sei die I Unwahrheit, obgleich Alles, was die Offenbacher Zeu- j gen überhaupt aussagen, genau mit feinen früheren i Geständnissen übereinstimmt.

Zu Wirth Stein von Offenbach kam der Ange­klagte an jenem Tage, ließ sich ein Gias Bier geben und fragte denselben, nachdem er lange sich scheu um- gesehen hatte, ob er ihm nicht einen Brief schreiben ; wolle. Stein war bereit dazu und fragte, was er denn geschrieben haben wolle? Der Angeklagte habe ! daraus gesagt, es sei an einen guten Freund oder auch ' eigentlich an einen Verwandten. Diese wolle er zu Ostern besuchen uno ihm hier ein paar Stückchen Ku­chen übersenden. Der Brief wurde geschrieben, der Kuchen verpackt, worauf sich Graf entfernte. Der Zeuge kennt ihn genau als Denjenigen, der bei ihm war. Ebenso sein Söhnchen, der ungefähr dasselbe aussagt.

Die Zeugen Adam Lotz und Chr. Merz von Offenbach haben ebenfalls den Brief schreiben sehen

und die Unterredung mit angehört. Auch sie erkennen den Angeklagten wieder. (Es muß hier bemerkt wer­den, daß die meisten Zeugen von Offenbach den An­geklagten bei der Voruntersuchung nicht erkannten, weil er ohne Bart war, während sie ihn jetzt alle wieder er linnen, da der ursprüngliche Bart wieder vorhan­den ist.)

Philipp Dell, Postassistent von Offenbach, erzählt, daß der Angeklagte am 10. März am Postschalter das bewußte Päckchen habe abgeben wollen. Da es jedoch nicht postgerecht verpackt gewesen sei, so habe er ihn zu Kaufmann Börner geschickt, daß dieser es ihm besser verpacken möge. Nachdem dies geschehen gewe­sen lei, habe er es zur Beförderung in Empfang ge­nommen. ' '

Kaufmann B ö rn e r von Offenbach bestätigt, daß Graf das Päckchen bei ihm umpacken ließ. Er er­kennt das Papier, die Siegel, seine Handschrift und den Angeklagten wieder, letzteren ganz genau.

Jacob Eschenbach von Offenbach war während der Verpackung bei Börner anwesend und erkennt auch den Angeklagten.

Johann Christ von Sossenheim, der mit dem An­geklagten schon seit dessen zwölftem Jahrè an bekannt

9 um 10. März gegen 5 Uhr Nachmittags

111 ksi nbach gesehen. Der Angeklagte will diesen Zeu­gen gar nicht kennen.

Posterpeditor Himmelreich von Sahen erzählt, haß ci das Päckchen am 11. März erhalten und noch am nämlichen Vage durch Jacob Heiduck von Sulz­bach weiter befördert habe.

Jacob Heiduck bestätigt dies, er habe das Päckchen gegen o Uhr Nachmittags dem Schultheis Anthes übergeben.

Auswanderungsagent Joh. Kappel von Frank­furt stand mit dein Angeklagten wegen der Abschlie- ßung eines Accordes zur Reise nach Amerika am 25. März in Verhandlung. Er erzählt umständlich den ganzen Hergang. Graf habe indessen heute noch den Accord zu holen.

Karoline Preußer von Eschborn hat gesehen, wie der Angeklagte Montags, den il. März seinen Bart abcasirtc. , Sie hat ihm auch seine notwendigsten Ef- secteu, die er nach Amerika mitnehmcn wollte, vor das Lors getragen, als er arretirt wurde.

Psster Staab von Eschborn, früher in Grafs Diensten, meint, dieser habe seinen Bart schon am Sonntage 10. März abgemacht.

Handelsmann Liebmann May von Eschborn, hat am 12. März, in Lulzbach gerade anwesend, den Vor­fall mit der Faniilic Anthes gehört, er erzählte es in Eschborn bei Wirth Roges und dem Vater des Ange- tlagun. Letzterer (der Angeklagte) hätte cs gar nicht glauben wollen und jei gleich nach Sulzbach gegangen, um sich zu überzeugen. Später, als dieser in Verdacht gekommen sei, nachdem einige Offenbacher Herren in Eschborn gewesen waren, um sich der Entdeckung des Thäters, anzunehmen, sei Johann Graf ganz unruhig geworden, er habe ihm den Wunsch geäußert^ mach- Ameiika auszuwandern, um den üblen Nachreden zu ent­gehen. Er (May) habe ihm davon abgerathen; wenn er ,ich uu>chuldig wisse, bann solle er getrost da bleiben, er habe ihm ferner gerathen, sich zur Untersuchung zu stellen, dann würde ja wohl seine Unschuld zu Tage kommen. Der Angeklagte habe denn darauf auch die Reist nach Offenbach gemacht. Von da zurückgekommen, sei indessen seine Unruhe immer gestiegen, er habe den feiten Entschluß gefaßt, auszuwaudern. Sein Vater sei damit einverstanden gewesen und habe ihn (May) rufen lassen, und gebeten, 300 Gulden- für die Reise nach Allserika zu leihen. Dieses Alles sei ihm auffal- lend vor gekommen und habe er sofort bei dem Bürger- meister die Anzeige gemacht, zugleich aber dem Graf Vorgctprvcheu, das Geld des andern Morgens nach Znuilfnit zu besorgen. Es sei nun mit dem Bürger- meister rc. veiabredet worden, den Angeklagten bei der dbreifc zu greifen. Diese sei so sehr beschleunigt wor­den, daß er mchremals des Morgens sowohl von die- fcm als seinem Vater an die Zeit der Abreise und die schleunige Versorgung erinnert worden sei. Die Ar- restation [sei denn auch, wie verabredet, ^vollzogen worden. Der Angeklagte habe niemand gebeten, ihn doch gehen zu lassen.

Wirth Repes, zugleich Gemeinderath in Eschborn stimmt im Wesentlichen mit der Erzählung des Lieb­mann M â y überein, er war bei der Verhaftung zu­gegen. Ebenso noch ein anderer Zeuge.

Es werden nunmehr noch einige Actenstücke, Pro- tocolle und Berichte re. rc., die zur Aufklärmrg her Sache dienen, verlesen, womit das Zeugenverhor und die Sitzung geschlossen wird. (Schluß folgt.)

$ Wiesbaden, 22. Juli. Soeben hören wir, daß Johannes Graf von Eschborn gestern ein voll­ständiges Geständniß abgelegt hat. Vier Tage vor­der That habe er den Entschluß dazu gefaßt. Er habe die ganze Familie Anthes ermorden wollen, um de­sto früher zu dem Vermögen derselben gelangen zu können, da er überschuldet gewesen sei. Er gestehe dies nun, da er ja doch jetzt verurtheilt sei, sein ganzes Le­ben lang zu sitzen. Dieses Geständniß ist ein wahrer Triumph für das Schwurgericht und namentlich eine große Beruhigung für die zu Gericht gesessenen Ge­schwornen.