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Dresden, 6. Juli. Aus einem Artikel des alten Dresdener Journals geht hervor, daß die Meinung, j welche ministerfreundliche Seelen zu verbreiten gesucht haben, als sei Bakunin nur zum Verhör an Oester­reich ausgeliefert worden und als werde er nach been­digtem Verhör von Oesterreich wieder nach Sachsen geschickt werden, eine irrige ist. Die sächsische Re« . gierung erklärt vielmehr, daß sie auf Grund eines Bundesbeschlusses von 1836 Bakunin für immer an Oesterreich ausgeliefert habe.

Stuttgart, 7. Juli. Der König hat aus Anlaß der Auflösung der Landesversammlung eine Ansprache an das Württembergische Volk gerichtet, worin auf die zweimalige Auflösung jener Versammlung hin- gewicsen wird, weil mit derselben keine Vereinbarung hätte erzielt werden können.

Berlin, 5. Juli. Das hiesige Corresp. - Bureau meint heute: „Durch den letzten Beschluß des Ministe­riums, die definitive Constituirung der Union für jetzt nicht vorzunehmen, sind die entschiedensten und treuesten Anhänger der Union sehr unangenehm berührt worden. Man sieht plötzlich Preußen mit seinen 400,000 M. Soldaten und mit außerordentlichen Crediten wieder der Politik des Temporisirens huldigen.

Berlin, 6. Juli. Aus einem Urtheil des Bres­lauer Appellationsgerichts geht hervor, daß dieses Ge­richt die Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung, welche den Betrieb des Buchhandels von einer Kon­zession abhängig machen, als gegenwärtig nicht zu Recht bestehend erachtet. (N-Z.)

Groß-Glogau, 3 Juli. Heute wurde unser Po­lizei-Senator Teichert von der Negierung suspendirt und zur Disziplinaruntersuchung gezogen.

Griechenland.

Athen, 25. Juni. Das Ministerim ist gegen die Presse in die Schranken getreten und hat einen Ge­setzentwurf in die Kammer eingebracht, der als Modi­fikation des bestehenden Preßgesetzes betrachtet werden muß. Durch dasselbe wird jede Uebertrerung des Ge­setzes zum Verbrechen und nicht zum Vergehen gestem­pelt. Das Gesetz lautet folgendermaßen, „Mit sieben Jahren Gefängniß wird bestraft, wer durch Schrift oder bildliche Darstellung mittelbar oder unmittelbar den König oder dessen Gemahlin, die Königin, belei­digt oder Unwahrheiten über sie ausstreut, oder wer Mißachtung oder Verachtung gegen die Personen der­selben oder gegen die königl. Regierung auszuftreuen versucht." Dieser Gesetzvorschlag wurde in der Kam­mer einstimmig ohne Debatte sogleich angenommen und an den Senat gesendet. Dieser bemächtigte sich zwar sogleich des Gegenstandes, sendete ihn aber in die Sektionen.

G V o ß b r è L a A R i e K.

London, 3. Juli. Als Kuriosität melde ich Ihnen, daß am Tage nach dem Votum der 2,600,000 Frs. in Paris, hier an den Herzog von Braunschweig 10,000 Pfd. St. ausbezahlt wurden, welche er zu der Flucht aus Hamm vorgestreckt hatte. Ich weiß das aus der authentischsten Quelle. Also die kostspielige „Providence" ist der Herzog Karl.

So eben zeigt mir ein Italiener ein gedrucktes Pla­kat aus Parma, worin der Herzog dorten den Bäue­rinnen verbietet, hinfüro weißes und rothes Kraut auf grünen Blättern (die italienische Trikolore) zu Markt zu bringen, „damit dieser Skandal ein Ende nehme!" Da könnte am Ende Hr. v. d. Heydt noch was lernen! Seitdem die Königin mit einem Stöckchen geschla­gen worden ist, erwartet man täglich, daß den libe­ralen Blättern die Benutzung der Post entzogen werde. Es ist aber merkwürdiger Weise noch nicht geschehen. (M. Z.)

London, 5. Juli. Die Familie Sir Robert Pcel's hat beschlossen, daß die sterblichen Ueberreste des ehren- werthen Baronets heute Abend mit einem Specialtrain nach Drayton gebracht und daselbst an einem der näch­sten Tage beerdigt werden sollen. In Brighton wurde

beamten ab, fragen wir: hat dieser Tag für das öster­reichische Volk Bedeutung? hat es an diesem Tage die Wohlthaten einer freien unabhängischen Justiz er­halten? Diese Frage müssen wir mit „Nein" beant­worten , und darum muß diese offizielle Freude für uns unverständlich bleiben. Oeffentlichkeit des Ge­richtsverfahrens, und Geschworene, die aus der Volks­wahl hervorgegangen, dieses sind die 2 Grundbedin­gungen einer freien Rechtspflege. Was nützt es unS, daß die Titel der Justizbeamten moomüftrt, nach fran­zösischem Zuschnitte gebildet sind, daß der ehemalige Appells tionSpräsident jetzt Oberlandesgerichtsprasident rc. 2C. heißt? Sollte wirklich ein neues Gerichtsver­fahren organisirt werden, so mußten zunächst die Aus­nahmezustände aufgehoben, die Geschworenenlisten an- gcfcrtigt, die nächsten Assisen festgesetzt werden. Von Alledem ist nichts geschehen; in zwei Drittheilen der Monarchie herrscht das Kriegsgesctz, die theresianische Halsgerichtsordnung ist dort der Coder. Und selbst in jenen Provinzen, die ausnahmsweise sich nicht im AuSnahmszustande befinden, wird an die Feststellung von Geschwornenlisten auch nicht im entferntrsten ge­dacht. Aber, sagen die offiziellen Lobpreiser, mit die­sem Tage ist die letzte Schranke des Privilegiums vor Gericht gefallen. So wenig erhaben auch der Ge danke wäre, daß wir sechszig Jahre nach der ersten französischen Revolution, welche die Feudalrechte stürzte, endlich zur Grundbedingung des civilisirten Staates — „Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz" gelangt sind, wir wollten uns, an Bescheidenheit gewöhnt, auch dieser Errungenschaft freuen, wenn sie ihrem ganzen Umfange nach wahr wäre. Aber die neue Gerichtsverordnung erhält Ausnahmsgerichte aufrecht: das Hofmarschallsgericht und das Militärgericht. Der Soldat kommt nicht vor den Civilrichter und der Hof- bedienstete hat seinen eigenen Gerichtshof. Und diesem Werke des Ritters von Schmerling sollen wir zuju­beln! Lichtenberg würde dasselbe ein Messer ohne Stiel dem die Klinge fehlt, nennen. Formen, Titel, kein Leben, kein Mark, und darum auch keine Lebens­fähigkeit. (Nat.-Ztg.)

Wien, 4. Juli. Aus glaubwürdiger Quelle ent­nehmen wir über die Reduzirung der Armee Folgen­des: „Der Stand der Jägerbataillone und der italie­nischen Infanterie-Regimenter ist von 180 auf 150 Mann pr. Compagnie herabgesetzt; weiteres sind mit dem 1. d. jene Offiziere des- Fuhrwesencorps, welche nicht bei den Batterien eingetheilt wurden, in den dis­poniblen Stand versetzt worden; auch wird sich das Fuhrwesen bloß auf die nothwendigen Kriegs- und Friedenstransportdivisiouen in der Folge beschränken. Dies zur Berichtigung der „Reichszeitung", welche die Armee mit 80,000 Mann reduzirte.

Bon der bairisch -tyrolischen Grenze. In ganz Tyröl und Vorarlberg sind alle Dörfer und Flecken längs der Grenze noch gedrängt voll von Truppen; Infanterie, Jäger, Artillerie und Kavallerie liegt in großer Menge überall zerstreut umher, und auch die kleinste einsamste Gebirgshütte hat 2—3 Mann Ein- quartirung; auf ein winziges Dorf kommt oft eine ganze Kompagnie und die Bauern wissen häufig ihr Vieh gar nicht mehr unterzubringen, da sie ihre Ställe für die Pferde und Leute der Einquartirung haben Her- geben müssen.

München, 5. Juli. Gestern war zufolge der von der bairischen Gesandtschaft zu Berlin hierhergemachten Meldung vom Abschlusse eines Separatfriedens zwi­schen Preußen und Dänemark eine Berathung unter den Ministern. Es scheint, diese Nachricht kam ziem­lich unvermuthet und man will wissen, daß unsere Re­gierung sich entschieden für die Unabhängig­keit der Herzogthümer aussprechen werde.

Dem Vernehmen nach hat die hiesige Polizeidirek­tion den Musikgesellschaften das Spielen der Marseil­laise an öffentlichen Plätzen bei Strafe von 20 bis 50 Thlrn. verboten. (A. Abdz.)

auf die Kunde von dem Hinscheiden Sir Robert's mit allen Glocken zum Zeichen der allgemeinen Trauer geläutet.

Italien.

Rom, 28. Juni. (M. Z.) Man hat so eben die Bekanntmachungen über die Organisation der päpst­lichen Truppen erlassen. Es wird 3 Jufanterieregi- menter geben, darunter ein Elitenregiment, ein Regi­ment Cavallerie, 8 Batterien und besonders eine große Vermehrung der politischen Armee. Man verlangt ungefähr 4000 Menschen. Das Handgeld beträgt 12 römische Thaler. Der Rekrut muß 4Certifikate: vom Pfarrer, von der Polizei, vom Kriminalgericht und vom Vikar der Provinz, d. h. dem Bisch,of, beibringen. Unterdessen nimmt der heilige Vater zu den höheren Offizieren Ausländer. Baron Kalbermatten, Er -Ge­neral-Kommandant der Armee des Sonderbundes — so lautet der Tagesbefohl, — ist mit dem Grade eines Brigadegenerals zum Kommandanten des Elitcuregi- ments, Guardie, ernannt worden. Wenn Montalem- bert Papst wäre, würde er es nicht besser machen kön­nen. Die Bischöfe rekrutiren die Soldaten und der Sonderbund liefert jedem Regimente einen General.

Die Offiziere der Restauration lassen mich nicht die der Republik vergessen, und ich ergreife gerne diese Gelegenheit, um die Erklärung, welche Oudinot in der französischen Nationalversammlung abgab: „Die Führer der republikanischen Truppenkorps präsentirten sich ihm, um dem Papste ihren Respekt zu bezeugen" Lügen zu strafen.

Die Führer der römischen Republik sind: Gari­baldi, Roselli, die beiden Galletti, Avezzana und Bar- talucci. Nicht Einer von ihnen hat mit Oudinot ge­sprochen. Der alte General Stuart, aus der königl. Familie, wurde von der Republik respektirt, die Reak­tion hat ihn erilirt, nachdem sie ihn seiner Pension beraubt hatte.

Ich habe hier die Liste der Obersten. Alle sind der republikanischen Fahne treu geblieben. Alle sind verbannt, mit Ausnahme von Calendrelli, Pichi und Roselli, welche" sich im Kerker befinden. Zwei davon sollen zum Tode verurtheilt werden. Der Einzige, welcher Oudinot seine Komplimente gebracht hat, ist Calderari, Oberst der Karabinier, welcher den Repu­blikanern schon während der Belagerung verdächtig war. .Die Lügen kosten, es ist wahr, 7 Jahre Feg­feuer , aber der Sohn des Marschalls Reggio schöpft mit vollen Händen aus dem Schatze der Gnade, wel­chen der heilige Vater seinen Anhängern geöffnet hat.

In den römischen Staaten gibt es nur ein einziges Tribunal für politische Angelegenheiten, und das ist die Sacra Consulta. Ihre Richter sind Priester. Man kann sie als Centralisationspunkt des Ausnahmesystems pfäfsischer Justiz betrachten. Für jeden Prozeß/ wel­cher in Rom oder in den Provinzen eingeleitet, für jede Anschuldigung, welche in Folge der republikanischen Epoche erhoben wird, ernennen die Behörden, d. h. die Statthalter und Unterstatthalter: Untersuchnugsrich- ter; es versteht sich von selbst, daß diese Beamten, um des Zutrauens der Kardinäle und Monsignores, welche sie ernennen, theilhaftig zu werden, nicht unparteiisch sein dürfen. Der Kommissar leitet nunmehr das Ver­hör ein, eraminitt die Thatsachen und vernimmt die Zeugen; die letzteren sind ebenfalls aus der reaktionären Elite rekrutier. Demnach wird die Sache der Sacra Consulta überschickt, welche ihrerseits einen Auszug des Prozeßes dem Armenadvokatcn übersendet, damit er dem Angeklagten einen derjenigen Vertheidiger zu­weife, welchen die Sacra Consulta autorisirt hat, den Prozeß ex officio zu plaidiren. Ein anderer Advokat wird nicht zugelassen. Wenn nun der also vom Ar­menadvokaten Guoli bezeichnete Vertheidiger sich die Freiheit nimmt, seinen Klienten zu gut zu vertheidigen, so verliert er sein Amt, das ihm monatlich 200 bis 250 Lire eintragen kann; außerdem erhält er aber auch noch einen strengen Verweis. Der Fall kam beim Ad-

nichts mehr zu thun gewesen war; er ist auch deßhalb schuldig, daß er nicht wenigstens die schwer Cvmpromit- tirteii rettete, dadurch, daß er ihnen zur Rettung ihres eigenen Lebens gerathen hätte und Khülflich gewesen wäre. Sie haben ihr Leben einer falsch verstandenen Ehre zum Opfer gebracht, sie haben unklug, aber edel gehandelt. Jener aber, welcher sie geopfert, Görgey, hat sie leichtsinnig, unedel, verbrecherisch geopfert. Hay- Mu bat die Schlachtopfer gelobtet ; Görgey hat sie ihm angeführt. _ .....

Und nun noch einen Blick von Vilagvs auf Szölös, denn hier ist es, wo Görgey die Waffen zu den Füßen der Kosaken niedcrgelegt hat. Nur einen raschen, flüch­tigen Blick — die Scene ist zu erschütternd, zu pein­lich. Es ist das Leichenbegängniß meines heißgeliebten Vaterlandes.

Schon am 12. August, also am Vorabende, haben die Truppen erfahren, daß sie kommenden Tages ihre Waffen abgeben müssen. Sie wollten es Anfangs gar nicht glauben, bald aber machte dem Zweifel der Unwille Raum, und edler Zorn leuchtete von den Gesichtern der kampflustigen, todesmuthigen Krieger. Die Mannschaft schrie offen über Verrath, die Offeriere knirschten mit den Zähnen. Es wäre nicht schwer gewesen, den allgemeinen Unwillen zum Ausbruche ;u bringen, und Görgey wäre entsetzt, vielleicht zusammengehauen worden; doch wozu hätte dies gefrommt? Görgey würde bestraft, die Ar- mte aber nicht mehr gerettet worden sein. In Üirab

wäre dazu noch Zeit gewesen; in Vilagvs war cs zu spät. Indessen verstrich die Nackt, und der 13., jener schwarze Tag des schwarzen Monats Ungarns, brach heran, Es wurde zum Marsche die Trommel gerührt, und der Zug setzte sich in Bewegung, Görgey an seiner , Spitze, mit einer herabhangenden Binde um den Kopf, welche eine von zweifelhafter Hand bei Komorn erhaltene ; Wunde zudeckte. In Szölös angelangt, ging der ergrei­fende Act der Waffenstreckung vor sich. Der Honvcd drückte zum letzten Mal seine Muskette an sein Herz, der Husar umhalste seinen Braunen, der Artillerist küßte sine Kanone beim Abschiede, — Alle aber weinten bit­tere Thränen vb des Vaterlandes und fluchten gräuliche Flüche obder Demüthigung, Görgey allein blieb kalt, ungerührt; er verleugnete sich auch in diesem letzten Au­genblicke nicht-

Was hierauf gefolgt, das weiß die Welt. Weiß sie aber auch, wie das Volk die Nachricht dieser Waffen­streckung ausgenommen hat, weiß sie aber auch, wie das Volk heut zu Tage denkt ? Jenes Volk, um dessen Frie­dens willen Görgey vorgegeben hat, die Waffen nieber- zulegen; jenes Volk, welches anderthalb Jahr hindurch in der That alle Gräuel, alle^Lasteu des Krieges gese­hen , empfunden und getragen hat: hat es mit Vergnü­gen die Kunde vernommen, daß dieser Krieg endlich sein Ende erreicht? ES wollte lange Zeit Niemand solche Mähre glauben, sie schien wahrhaft unglaublich, sie war zu überraschend, zu schrecklich. Doch als das Volk von den

heimkehrenden Söhnen die Nachricht bestätigen hörte und alle Zweifel geschwunden waren, da erscholl das ganze Land von Einer Verwünschung, aber aus dem Munde ; von Millionen, und diese hat ihm gegolten, ihm, der dem Volke solchen Frieden und auf solche Weise um solche Opfer erkauft hat. Es ist gräßlich, aber es .ist ; nicht minder wahr. Sein Name ist auf ewig geächtet. ! Er wollte Kossuth verderben und hat das Laub dem Der- ' derben Preis gegeben; er wollteKossuth stürzen und hat sich selbst gestürzt. Wol hat er Kossuth auch gestürzt, aber nur den Gouverneur Kossuth — den Propheten, den Messias seines Volkes konnte er nicht stürzen. Die Mutter lehret den Säugling seinen Namen lallen; der Vater, wenn er in der Abendstunde seine Lieben um sich versammelt und sie alle niederkuiee», betet auch für ihn und segnet seinen Namen; — für dich aber, für dich, Arthur Görgey, betet kein Mund, kein Herz. Doch ja! Einer, den du uneingedeuk der früheren Jahre, nneinge- denk seiner Freundschaft für dich so unwürdig behandelt hast; Einer, der seitdem viel gelitten, und jetzt noch die Qualen der Verbannung leiden muß; siehe, dieser Eine betet auch für dich, für deiner Seele Heil. Die Men­schen können dir nicht verzeihen; möge dir der barmher­zige Gott verzeihen!

Paris, Anfangs April 1850.