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menstellung, welche die Vorlage zur Prüfung und Genehmigung des Landtags fordert, bei Seite chiebt, so kann man sich sehr bald auch dieser Clausei, faf^ überflüssig, überhebeN.

Dasselbe Verordnungsblatt bringt eine zweckmäßige Abänderung der Instruktion der Gerichtsvollzieher. Es ist dieselbe, welche, als sie der Abgeordnete Naht nebst mehreren anderen Verbesserungen jener Instruktion in der Kammersitzung vom 10. Februar 1849 (Landtags- Verhandlungen v. 1848, 4. Band, S. 6H bis 616) beantragte, vordem Negierungs - Commissär sehr be­stritten wurde. Natürlich, aus'jener Quelle darf man nickt schöpfen; die Initiative der Kammer darf die Regierung nichts lehren. Jetzt, nachdem das Volk den Nachtheil der verkehrten Einrichtung anderthalb Jahre getragen hat, drängt die Gewalt der Dinge zur An­nahme jenes Vorschlags. Wir hoffen auch die übrigen sachkundigen Vorschläge des Abgeordneten Naht, wo­durch die drückenden Gebrechen dieses Instituts, unbe­schadet seiner vollen Wirksamkeit, abgestellt werden, unter dem gleichen Drange nach einander ins Leben treten zu sehen.

Die „Nass. Allg Ztg.", welche in affektirter oder wirklicher Unkunde über diese Verbesserungsvorschläge in einem Artikel den Abgeordneten Naht vorwurfs­voll auf die Hülfsvollstreckungsorduung, als ein von ihm vernachlässigtes Felo 'praktischer Tätigkeit, statt der leidigen Politik, hinwies, wird sich nicht wenig be­friedigt finden, daß man ihrem guten Rathe zuvorge- kommen ist, freilich ohne auch hier Dank zu mitten, vielleicht weil die Freiheit von Verationen und über­triebenen Gebühren der Unterbeainten auch ein poli­tisches Recht des Volkes und nicht das unerwünsch­teste ist.

△ AuS dem Amte Wiesbaden 11. Juni. (Die Blüthe der Polizei.) Heute wurde mir folgender Vorfall bekannt, der gewiß veröffentlicht werden muß. Ein Bursche von Bärstadt, Amts Langenschwalbach, war am verflossenen Sonntag in Wiesbaden und hat gebadet und geschröpft. Nachmittags ist er zum Wirth Scheerer gekommen, wo getanzt wurde; er verweilte sich daselbst bis wahrscheinlich gegen Morgen und be­gleite sodann ein Mädchen bis beinahe nach Dotzheim. Seine Mütze hatte er bei Wirth Scheerer zurückge- lassen und war nun km Begriff, solche zu holen, als ihm ein Gensdarm begegnete und ihn nach seinem Paß fragte. Natürlich hatte derselbe es nicht für nö­thig gehalten, sich einen Paß nach dem nahe gelegenen Wiesbaden zu Haus geben zu lagen und so konnte er daher das Verlangen des Gensdarmen nicht befriedi­gen; sie gingen also zusammen zurück zum Wirth Scherrer, der aber während der Zeit die Musik be­endigt und seine Hausthüre zugeschlossen hatte. Der GenSdarm nahm nun den Burschen mit in den Stüm­pert und derselbe wurde erst Dienstag Morgens 10 Uhr wieder freigegeben, nachdem er verhört worden war. Es ist wohl nöthig, daß dieses zur öffentlichen Kennt­niß kommt, damit man sich jetzt mit Papieren vorsieht, selbst wenn man nur nach dem nächsten eine Viertel­stunde entlegenen Orte spazieren geht, um nicht in ähn­liche Schwierigkeiten zu kommen.

* Wiesbaden, 12. Juni. Die „Westdeutsche Ztg." enthält folgende Erklärung: „Unsere Leser werden cs sich wohl schon selbst gesagt haben, daß die „Westd. Ztg.", wenn sie von der Benutzung der Post ausge­schlossen wird, nicht mehr bestehen kann. Wir werden mit Ablauf dieses Monats uns für einige Zeit zur Ruhe begeben. — Ob das „Rheinische Echo" als Magazin für Geschichte und schöne Wissenschaft weiter erscheinen wird, hängt von der Zahl der Abon­nements-Anmeldungen ab. — No. 136 der „Westd. Ztg." (2te Ausg.) und No. 32 dcs „Rhein. Echo's" sind auf Befehl des Oberprokurators mit Beschlag be­legt. (10. und 11. Fall in diesem Quartal) — Un­sere Leser ahnen wahrscheinlich nicht, welche Strapatzen die 1. Ausgabe von No. 136 der „Westd. Ztg " aus­

gestanden hat. Fast die ganze Auflage wurde von dem Polizeiinspektor Hru. v. Schleinitz mit Beschlag belegt, wurde aber von Herrn Oberprokurator John wieder freigegeben.

'l' Wiesbaden, 12. Juni. An der Spitze der neuesten Nummer der „ Westdeutschen Zeitung" vom 12. Juni finden wir folgende Erklärung: „Unsere i gestrige Erklärung, daß wir uns äm 1. Juli zur Ruhe ; begeben würden, hat von Seiten unserer politischen Freunde eine Menge von Gegenvorstellungen hervor- gerufen. Wir nehmen deshalb Veranlassung zu be­merken: 1. Wenn die Post sich weigert, Bestellungen auf die Westdeutsche Zeitung anzuuehmen, so bleibt Nichts übrig, als dieselbe durch Privaterpeditioneu in den benäckbaitkn größern Orten und im Wege des Buchhandels zu verbreiten. 2. Hierdurch wird es unmöglich gemacht, die politischen Nachrichten so schnell als durch die der Post genehmen Blät­ter zu geben. Die Westdeutsche Zeitung würde sich also darauf beschränken, Leitartikel, Originalkorrespon- denzen und ein Feuilleton zu bringen. 3. Es würde alsdann hinreichen, wenn die Westd. Ztg. 2 höchstens 3 Mal wöchentlich, und jedesmal nach Umständen

1 bis 1 % Bogen stark erschiene. 4. Hierzu würde eine Caution von 2500 Thaler nöthig sein. 5. Die Herstellungskosten der Zeitung würden nicht allein nicht vermindert, sondern wegen des Buchhändlerra­batts und der gesteigerten Redaktion-Kosten vermehrt werden, mithin der bisherige Abonncmentspreis von 1 Thl.

7 %■ Sgr. pro Quartal wenigstens bestehen bleiben. — Unsere Parteigenossen werden ersucht, cs sofort in Er­wägung zu ziehen, ob rs möglich ist, durch freiwillige Beiträge die Kautionssumme von 2500 Tylr. und die nöthigen Abönncmknts aufzubringen. — Wir werden dann hoffentlich morgen schon in der Lage sein, des Weitern über das Fortbestehen der Zeitung in der vor- gcschlagcnen Weise zu berichten. Außerdem würde es endlich an der Zeit fein, in den größern Orten Prcß- vereine zu ähnlichen Zwecken zu gründen.

Aus der Pfalz. 10. Juni. (Mz. Ztg.) Ich habe schon wieher Gelegenheit, Ihnen ein neues Pröbchen solhatischen Uebermuths zu melden. Diesmal sind es nicht die gemeinen Ehevaurlcgers, foumn die Herren Offiziere selber, welche die schon so hoch gestiegene Achtung vor ihrer Bildung und ihrem Anstandsgefühl um einen Grad mehr erhöht haben. Am 25. Mai (Samstag) machte das Landauer Ofsizierkorps, circa 60 Mann , mit Musik eine Bergpartie nach der Ma- denbnrg bei Eschbach. Dort befand sich ein Stein von circa 14 Eentncr Schwere, welchen die Bürger Laudau's und her Umgegend zu Ehren des gefallenen Märtyrers der Freiheit, Robert Blum, errichtet hatten. Wie schon das Bild unseres Todten in Rheiupreüßeu zu Heldenthaten', einer Erckution von Pfeifenköpfen, Veranlassung gegeben, so mußte auch hier her Name desselben die Ursache zu einem Akt der brutalsten Roh­heit werden. Nachdem die Inschrift von dem Lieute­nant Eger zerschlagen worden war, walzten die Her­ren den Stein selbst an einen Abhang und stürzten tyn hinunter. Der Stein schlug erst durch einen Kie- ferwald, riß dann Kastanien- und Obstbäume nieder und richtete zuletzt in einem Weinberge große Zerstö­rungen an. Nur durch Vermittelung des Bürgermei­sters kamen sie mit unbedeutendem Geldcrsatz davon. Die Heldenthat selbst, die Beschimpfung eines von ganz Deutschland verehrten Märtyrers, blieb ungestraft. Der Major, welcher davon abgerathen hatte, entfernte sich vorher. Das sind die Lorbeeren, welche sich un- sere Krieger nachträglich erwerben!

München, 9. Juni. Morgen wird in der zweiten Kammer die deutsche Frage zur Berathung kommen. Der Referent des sog. deutschen Ausschusses, Abgordn. Freiherr v. Lerchenfeld, hat folgenden Antrag ge­stellt: „Der Ausschuß wolle erklären, daß er in den porgelegten Aktenstücken keine Veranlassung gefunden,

Anträge an die Kammer zu stellen, und daher den An­trägen der Abgg. Schmied und Tafel (dieselben be­antragten ein Mißtrauensvotum für das Ministerium) keine Folge zu geben sei. Der Außschuß ist diesem An­trag seines Referenten mit allen gegen zwei Stimmen beigetreten. (O-P-A-Z.)

Koblenz, 10. Juni. Gestern ist auch für die hie­sige Garnison durch Parolbefchl die Ablegung der dentschen Kokarde an den Jnterimsmützen' anbe­fohlen worden. Als Grund hierfür werden ökonomische Rücksichten vorgeschoben. (F. I.)

Berlin, 9. Juni. Es ließ sich erwarten, daß die neueste Preßvcrordnnng der preußischen Regierung nicht unerhebliches Aufsehen machen werde. Man ist hier in der Erwartung, daß die Kammern dieses Proviso­rium bald durch ein besseres Definitivum ersetzen wer­den. (? ?)

Königsberg, 6. Juni. Heute in aller Frühe fan­den gleichzeitig bei zehn Mitgliedern der hiesigen „Volkspartei" Haussuchungen Statt.

Kiel, 7. Juni. Das Neueste, was ich Ihnen heute mittheilen kann, ist, daß das Bureau der Landesver- jammlung in einer gestern Abend abgehaltenen Be­rathung beschlossen hat, die Versammlung gegenwärtig nicht zusammenzuberufen, und ferner, daß nach völlig zuverlässigen yiachrichten aus Kopenhagen die Ver- trauensmänuer in den nächsten Tagen zurückkehren wer­den. Gegenwärtig stehen nun die Sachen so, daß die Feiedknsvcrhandlungen in Berlin ruhen, in London nicht angeknüpft und in Kopenhagen ohne Zweifel in diesem Augenblicke schon abgebrochen sind. Aber wie lange wird es währen, bis die Diplomaten aller Na- tiöuen-wieder unsere Sache durchwühlen und die ab­surdesten Versuche gemacht werden, zu pacisieiren — - oder auch den Frieden zu verhindern, damit Deutsch­land hier eine offene Wunde behalte? Vielleicht das einzige Heilmittel besteht in einem kühnen Ent­schluß. (N. fr. Pr.)

Wien, 5. Juni. Während das „Bürgerwehrgesetz" (denn eine Nationalgarde werden wir nicht mehr er­halten), das Belagerungsgesetz und die Reorganisation des Kriegsrechts, welche nach der Rückkehr des Kaisers aus Triest verkündigt^ werden sollten, noch im­mer auf sich warten lagen, soll in dem Ministerium eifrig an dem Polizcigesetz gearbeitet werden. Auch sollen sämmtliche Polizcidirektoreu der Kronläuder zu einer Berathung über Organisirnng der Polizeibehörden hierher berufen werden, da die Negierung die Absicht hat, die Polizeibehörden mit den Bezirkshauptmann- schaften zu vereinigen. Die Organisirnng der Wiener und Prager Stabthauptmannschaft ist bereits vollendet und wird in den nächsten Wochen veröffentlicht wer­den. Das neue Strafgesetz über schwere Polizeiüber- tretungen ist im Entwürfe gedruckt, um einer nochma­ligen Revision unterzogen zu werden. Wahrscheinlich werden alle politischen und Erekutivbehörden erst in Wirksamkeit getreten sein müssen, ehe wir an eine Rückkehr der „gesetzlichen Ordnung" und somit an Auf­hebung der Ansnahmsznstände denken dürfen. — Die ungarischen und siebenbürgischen Kriegsgerichte scheinen wirklich tabula rasa machen zu wollen, denn die Ur­theile häufen sich massenhaft. In Klausenburg wurden kürzlich 49 Personen zu Freiheitsstrafen von größerer und geringerer Dauer verurtheilt, worunter auch Sa­muel Fülöp, Hauslehrer zu Klauscnburg, welcher den Pfarrer 3!oth mit verurtheilen half und dafür von 3 Instanzen 1311m Tode verurtheilt, | von dem .Kaiser aber zu LOjähriger Festungsstrase begnadigt wurde. In Temcsvar wurde der gewesene Stuhlrichter in Mo- dos, Villiui Stefanovic, wegen seiner Theilnahme am Aufstande, zum Tode durch den Strang verurtheilt, jedoch zu 10jähriger Schanzarbeit begnadigt. In Groß­wardein wurden drei Offiziere wegen Theilnahme am Aufstande ebenfalls zum Tode durch den Strang ver­urtheilt, auch dieses Urtheil aber im Wege der Gnade

Bilder anS dem ungarischen Kriege.

(Fortsetzung.)

Am 29. Dezember trat bei Kriegsminister Mescaros vor'S Haus. Er gestand, daß cs früher in der Absicht des Ministeriums gelegen hatte, Preßburg und Raab zu halten — — „aber der Winter kämpft gegen uns, wie gegen die Franzosen anno 1812. Raab, welches am Durchschnitte punkt mehrerer Straßen und Flüffe gelegen ist, hätte zu jeder anderen Zeit einen vortrefflichen Stütz­punkt abgcbtn müssen, wo wir kic Feinde trotz ihrer Ueber macht hätten erwarten und schlagen khmun; aber das Wasser bietet uns jetzt keine Deckung mehr, denn der Winter hat co erstarren gemacht zu festen Straßen für die österreichischen Reiter und ihr schweres Geschütz. Freilich wäre es noch immer möglich, teil Österreichern vor den ersten Häusern Pcsth's eine Hauptschlacht zu liefern und diese zu decken; aber damit wäre weniger gewonnen. als Viele glauben mögen; das Land stände nichtsdcstow-uigcr dem Feinde auf allen Seiten offen; wir säßen in Pesth, während eine zweite österreichische Armee (unter Graf Schlick) uns von Norden aus um­schlösse und die Theiß überschritte, um im Herzen unseres Mater lauè cs festen Fuß zu fassen." Hierauf entwickelte Mescaros die Vortheile, welche daraus erwüchsen, wenn man die Hauptstadt prcisgebcn und die Regierung ins

Innere des Landes zurückzièhcu wolle. Die Thcißübcr- gänge könnten mit unzweifelhaftem Erfolge vertheidigt werden, während ein starkes Korps im Norden die Oester- reicher unter Schlick im Schach halte; in den rein magya­rischen Comitaten liege Ungarns Kraft, dort seien seine herrlichsten Hülssguellen, dort werde man Armeen schaffen und heraubildcu können, dort werde der Oesterreicher sein Grab finden.

Kossuth mußte mit dem ganzen Ansehen seiner Per­sönlichkeit auftreten, nm die linke Seite der Kammer zur Ruhe zu bringen, welche in der Preisgebung der Haupt­stadt eine Schmach für die ungarische Nation erblickte, und den Kriegsminister mit den bittersten Vorwürfen überschüttete. Es gelang ihm, und die Ueberstedelung des Repräsentantenhauses nach Debreczin, sowie der Plan des Wlutcrfeltzugcs wurden beinahe einstimmig ange­nommen, nachdem noch Szegedin und Grvßwarbcin als Zufluchtsort der Regierung vvrgcschlagcu worden waren.

Man beschloß ferner, die Bevölkerung Pcsth's von dem Resultate dieser Berathung durch Plakate in Kennt­niß zu sitzen, aber es ist nicht bekannt, daß dieses gc. schchen wäre. Vielmehr erzählten später Kaufleute, man habe in Pesth von der Nähe der Oesterreicher keine Ahnung gehabt, bevor ihre ersten Marschkolonnen in der Ofener Straße sichtbar wurden. Ja komisch genug — diese Kaufleute waren Vormittags in's Cafe des Casino (hart an der Kettenbrücke) gegangen und eben

beschäftigt, ein neues Plaeat von Csany (sprich Tschahni) zu lesen, worin er die Bürger auffordert, nicht ängst, lich zu sein, indem für die Hauptstadt nichts zu fürchten fei , als am jenseitigen Brückenkopf die ersten Kavallerie, zage der Oest rreicher erschienen.

Zur selben Zeit zogen die letzten Ungarn auf der ent- gegcugesitzten Seite ab. Csani war, wie mit 23cstimmt« Heil versichert wird, noch am andern Tage nicht fort, nachdem Windisckgräy und Jellachich schon ihren fried, lieben Einzug gehalten hatten Kossuth aber soll drei Wächte und drei Tage ununterbrochen gearbeitet haben, um die Fortschaffung aller Effekten auzuordnen und zu überwachen, und so wenig war er auf den Rückzug vor« bereitet, daß es nur durch Aufopferung Pcrczcl's bei Moor möglich wurde, die Bauknotcupresse bis auf ihre geringsten Bestandtheile wohlgeordnet aus Pesth wegzu­bringen. Dies, so behaupten Viele, wäre der Grund gew.siu, warum Perczel die Weisung erhielt, den Feind um jeteu Preis aufzuhalten, dies sei das Aloliv der Schlacht bei Moor gewesin, deren Ausgang nicht über­raschen konnte, wenn man die Kräfte bemaß, die sich in ihr gcgcaüberstanvcii.

Stallneuswerth bleibt es immer, wie eine solche Un­masse von Gegenständen binnen wenig Tagen sortgeschafft werden konnte. Von den schweren Lokomotiven ange- fangen, bis hinab zum einfachsten Büchsinriemen wurde Alles eingepackt und abgcführt. Nicht ein brauchbarer