bilden dann die Garnisonbatälllone^K aus alten Soldaten, die unter der Fahne bleiben wollen — circa 55,000 Mann), die Gensdarmerie (26 Schwadronen zu 200 Pferden), die Invaliden (40—50,000 Mann). Alle diese Korps kommen für den auswärtigen Krieg nicht in Betracht. — Sofort mobil zu machen möchten von der Gesammtmilitärstarke Rußlands etwa 365,000 Mann Infanterie, 95,000 Mann Kavallerie und' 1080 Kanonen sein, zusammen circa 520,000 Mann; nicht mobil 280,000 Mann Infanterie, 45,000 Mann Kavallerie, einige Hundert etnef Geschütze und die Kosacken. Das Effektiv für die aktive Armee ist aber keineswegs ganz disponibel für einen auswärtigen europäischen Krieg. Man hat davon abzuziehen die Besatzungen in und an den Donauländern, die Garnison Polens, die Verstärkungen, die in diesem Fall dem Kaukasuskorps geschickt werden müßten, da ein westeuropäischer Krieg Rußlands die Bergvölker zu neuen Anstrengungen ermuthigen würde; ferner die für Moskau und St? Petersburg unentbehrliche Garnison, den beträchtlichen Ausfall, den die Truppen auf den weiten Märschen zur Grenze erleiden würden und endlich die vermuthlich sehr bedeutende Differenz zwischen dem thatsächlichen Effektiv und den auf den Etats der russischen Obristen — die Strohmänner. Für Polen werden 90—100,000 Mann, an der Donau nicht unter 40,000 Mann nöthig sein. Dies alles abgerechnet, bleibt eine disponible Truppenstärke von nur etwa 310,000 Mann, freilich immer noch eine imposante Macht. Vor etwa 1—2 Monaten befanden sich die Garden in St. Petersburg, die Grenadiere in Litthauen, das 1te—4te Armeekorps in Polen, das 5te am schwarzen Meer, das 6te um Moskau, die Dragoner rückten nach Polen zu, ebenso auch ein Theil der Kavalleriereserve. Um die Korps für das Frühjahr komplet zu haben, geschah die letzte Rckrutirung im Oktober 1849, 6 Monate früher als in der Regel.
DeutfchlO«-
ff., Wiesbaden, 29. Mai. So eben kommt uns von Kirberg die betrübende Nachricht zu, daß das am 27. d., Mittags um 12% Uhr, daselbst ausgebrochene Feuer, durch widrigen Wind begünstigt, binnen wenigen Stunden 43 Wohnhäuser und 26 Scheunen in Asche legte. Daß unter diesen Umständen nicht viel mehr als das nackte Leben gerettet werden konnte, ist leicht erklärlich; auch soll sich nun, nachdem die Unglücklichen einigermaßen zu sich selbst gekommen sind — die ganze Summe des Jammers und Elendes erst recht zeigen: denn viele, sehr viele dieser unbemittelten Leute haben alle ihre fahrende Habe — die, nebenbei bemerkt, nicht versichert war — verloren, und wer heute durch den Ort der Verwüstung schreitet, begegnet einer Menge dieser Unglücklichen, die verzweifelnd und obdachlos umherirren! ,
Es bedarf wohl keiner Appellation an alle Menschenfreunde, das Elend der armen Unglücklichen in werkthätiger Liebe mildern zu Helsen.
m Wiesbaden. Aus einer Erwiederung gegen unsern ersten Artikel ersehen wir
ad 1) mit Vergnügen, daß Herr v. Franque den Collegialsitzungen in Person beiwohnen wird. Wir werden seiner Zeit berichten, wann und wie oft dieß während des Sommers geschehen ist, können aber nicht umhin, uns Herrn v. Fran que, der dem Vernehmen nach jetzt mit geognogstischen Studien über den innigen Zusammenhang zwischen den Goldminen Califor- niens und den Emser Thermen beschäftigt ist, in seine wissenschaftlichen Forschungen so versunken zu denken, daß er möglicherweise dem hereineilenden, ihn zur Sitzung einladenden Boten die Worte des Archime- des zurufen könnte: „zerstöre mir meine Zirkel nicht".
ad 2) Würden wir uns freuen, wenn unsre Quelle keine gute wäre. Denn wir müssen nochmals wiederholen , daß die Stelle eines Medizinalraths mit der eines Brunnenarztes durchaus unvereinbar ist; wir
wissen nur zu gut aus Erfahrung, daß ersteres Amt mit dem letzteren häufig in Eollifion kommt, und daß der dem menschlichen Gemüthe leider zu tief eingeprägte Eigennutz häufig den Conflikt entscheidet. Am wenigsten aber können wir eine solche Vereinigung zweier Stellen billigen, wenn das Bad mehrere Stunden vom Amtssitz entfernt ist oder gar außerhalb des Amts liegt, wie dies bei Schlangenbad in Bezug auf Eltville der Fall ist; denn der Medizinalrath gehört dahin, wohin ihn seine Pflicht als Amtsarzt ruft, ebenso wie der Regierungsrefereut am Sitze der Regierung und nicht in einem 12 Stunden davon entfernten Bade seinen Aufenthalt zu nehmen hat. Einen besondern Badearzt in Schlangenbad anzustellen, dünkt uns nicht von Nöthen, sowie wir überhaupt dem Institut besoldeter Badeärzte entschieden abhold sind; man lasse nur einen Coneurs zu, und eS wird sich zeigen, daß tüchtige Aerzte ohne Gehalt für eine solche Stelle zu finden find, und wäre dieß wider Erwarten nicht der Fall, so übertrage man wenigstens einem Schwalbacher Ärzte, der im Amte wohnt, die Stelle, und entziehe nicht einen Medizinalrath auf beinahe 5 Monate gänzlich seinen Dienstverrichtungen.
Zu 3) haben wir auf den Hauptpunkt, um den es sich handelt, leider keine Antwort erhalten. Wir haben nämlich den Mißbrauch hervorgehoben , der jetzt von älteren Accessisten mit dem Entsagen auf Assistenten- stellen getrieben wird, ohne daß sie ihre Anciennetät verlieren, wodurch die besten Stellen auf Jahrzehnte in festen Händen bleiben, die nebenbei auch noch das Marimum der Besoldung cinstrcichcn. Wir haben bedauert, daß auf diese Weise methodisch ein Accessisten- proletariat gebildet wird.
Wir bedauern, daß einem Manne, der Tausende von Gulden für seine Studien geopfert, der oft mindestens dieselbe wissenschaftliche Bildung und Leistungsfähigkeit besitzt, als der aristokratische Accesfistencollege, zuletzt nur noch der Trost auf einen glücklichen Zufall übrig bleiben soll, und grade über diesen Punkt hätten wir Aufklärung gewünscht.
Außerdem bemerken wir, daß uns mehrere Assistenten bekannt find, die gerne die Stelle in Eltville angenommen hätten, welche älter sind, als Herr Dr. Bertrand, und welchen eher nach langjährigem Aufenthalt in beschwerlicher!! und firmern Bezirken diese bequemere und einträglichere Stelle zugekommcn wäre, werden jedoch deren Namen nicht nennen, um den Streit nicht auf das Feld der Persönlichkeiten hinüber- zujpielen.
Anstatt des „vielleicht" hätte man besser sogleich die „zureichenden" Gründe zu der Handlungsweise des Collegs angeführt, da auf diese Weise Regierungs- Maßregeln oft verständlich werden, welche sonst, wenn sie auch noch so klug und weise sind, dem beschränkten Unterthanenverstand rein unerklärlich bleiben.
Aus dem Rheingau. Nr. 123 der „Freien Zeitung" bringt einen auf das Nassauische Medicinalwesen bezüglichen Artikel aus Wiesbaden, zu dessen pos. 3 Einsender dieses sich folgende berichtigende Bemerkung erlaubt. Der hier genannte Medicinal-Accesfist Bertrand in Oestrich ist bis jetzt nicht in der Lage gewesen , irgend eine schlechte Asfistentcustelle auszuschla- gen, da ihm niemals eine solche angetragen war. Wohl aber hat derselbe schon im Jahre 1846 nach einem überstandenen schweren Augenleiden bei der betr. Behörde den Wunsch ausgesprochen, dereinst im Rheingau verbleiben zu dürfen, wenn ihn die Reihe zum Vorrücken treffen sollte. Dieser Wunsch war lediglich durch Gesundheitsverhältnisse der dringendsten Art molivirt, und hat als solcher Berücksichtigung gefunden. Daß die Assistentenstelle des Amtes Eltville so rasch erledigt würde, lag außer aller Berechnung, und kann versichert werden, daß dem Accessisten Bertrand nie der Gedanke an diese Möglichkeit gekommen ist, da
sein Vorgänger Kulesling- sich einer bessern Gesundheit erfreute als er selbst, auch das Rheingau nicht leicht zu verlassen gedachte. Von einem ruhigen Abwarten, um sich behaglich in die frei gewordene Stelle niederzulassen, kann hier nicht wohl die Rede sein. Der Oestricher Accessist hatte vielmehr die Aussicht, vielleicht für Lebenszeit bei einem relativ geringen Accefistenge- Halt und ohne irgend welche Garantie von Anciennetät auf einer Stelle zu verbleiben, deren pecuniäre Vortheile — wie alle Rheingauer Aerzte dies sehr wohl wissen — weit überschätzt zu werden pflegen, welche ihm jedoch hinsichtlich des Klima's, günstiger Lage der Orte und freundlicher Rücksicht von Seiten des ihm seit vielen Jahren befreundeten Publikums solche Vortheile für seine Gesundheit gewährte, daß er nach Umständen sich hätte entschließen müssen, selbst als praktischer Arzt in Oestrich zu verbleiben. Schließlich noch die Bemerkung: Es muß als Prinzip anerkannt werden, daß die Aerzte unseres Landes ordnungsmäßig vorzurücken jmben, so lange es bei der bestehenden Me- dicinalverfastung sein Bewenden hat. Daß jedoch Gesundheitsverhältnisse berücksichtigt zu werden verdienen, fand bei früheren Reformbesprechungen allgemeine Anerkennung. Das Gegentheil könnte nur hart, nach Umständen selbst unmenschlich erscheinen. B.
Frankfurt, 29. Mai. Nach einer Bekanntmachung der Thurn- und Taris'schen Generalpostdirektion wird das Briefporto vom 1. Juni d. J. an in folgender Weiße ermäßigt: Für einen einfachen bis 1 Loth Zollgewicht wiegenden Brief bis auf 3 Meilen 2 fr., über 3 bis 15 Meilen 4 fr., über 15 bis 30 Meilen 7 kr., über 30 Meilen 10 fr. Für schwerere Briefe und zur Briefpost geeignete Schriftenpakete wird erhoben von 1 bis 2 Loth Zollgewicht Lfaches, von 2 bis 3 Loth 3faches, von 3 bis 4 Loth 4fachcs, von 4 bis 8 Loth öfaches und von 8 Loth an 6faches Briefporto. Auch hinsichtlich der Versendung von Waarenproben, Zeitungen, Journalen, Brochüren, Preiskonranten zc., der rekommaudirten Briefe re. werden Ermäßigungen, resp. Erlcichternn gen festgesetzt.
Frankfurt, 29. Mai. Die Ankunft der Bevollmächtigten der Unionsstaaten erfolgt ganz sicher in den nächsten Tagen. — Die Bundescentralcommission setzt unterdessen ihre gewohnte Thätigkeit fort und alle Gerüchte von der Abberufung einzelner Mitglieder derselben, wie z. B. des kais. öftere. G.-F.-M.-L. von Schön hals, sind ungegründet.
Berlin, 27. Mai. Die anfangs so lauten Gerüchte über Zufainmenhänge des Sefeloge'schen Attentats mit demokratischen Parteibestrebungen verstummen allmälig; die bisherigen Maßnahmen und willkürlichen Verhaftungen, wohl berechnet, Makel und Verdacht auf Personen und Zustände Berlins zu werfen, haben nichts zu Tage gefördert. Alle angeblichen Thatsachen und Spuren, die die reactionäre Preße der Polizei insinuirte, sind als unwahr erwiesen; so die Beseitigung des Pistols, die Arretirung zweier Bewaffneten in Potsdam auf dem Bahnhöfe und vieles Andere. Bei dieser Rathlosigkeit der Polizei ist, wie es heißt, Hr. Dunker berufen, die Sache in die Hand zu nehmen. Dagegen erhält sich die Erwartung von außerordentlichen Schritten der Regierung gegen das Vereinswesen und die Presse; speciell heißt es, daß die Urwähler-Zeitung, die man am gefährlichsten hält, suspendirt und beseitigt werden soll. (Fr. I.)
Leipzig, 25. Mai. Wie man vernimmt, ist an alle Justizbeamten des Königreichs Sachsen die Weisung ergangen, in Worten und Handlungen sich jeder Opposition gegen die Politik der Regierung zu enthalten, und deßhalb, falls sie sich dazu nicht zu entschließen vermöchten, aus dem Staatsdienste zu scheiden.
Rastatt, 25. Mai. Gestern wurde der junge Sigel, Bruder des Kriegsministers, früher Adjutant bei Tiedemann, zur Erstehung dreijähriger Zuchthausstrafe nach Bruchsal abgeführt (B. L)
die Bürger nicht schießen würden, wenn die Truppen das Feuern einstellten. Wir theilten ihm unsere Ansicht über die Sachlage und das, was wir bereits gesehen und gehört hatten, mit, und glaubten, cs komme i h m zu; sich in das Schloß zu begeben, da er durch den Ruf Bodelschwingh's sogar eine Verpflichtung dazu habe. Vincke ging auch hieraus ein, nahm ein auf der Straße stehendes Detachement Dragoner zur Bedeckung und Hrn. Clässen zur Begleitung mit ins Schloß. Dr. Ginnen kehrte sehr bald zurück, er hatte den ganzen Nachmittag . nicht an Barrikadenkampf glauben wollen, weil er nicht ausgegangen war und also keine Gcllgcnhcit gehabt hatte, sich von dem Sachverhälmiß zu überzeugen, obgleich der Barrikadenkampf in unserer unmittelbaren Nähe und zwar in der Friedrichstraße, mit furchtbarer Erbitterung tu d nachhaltig geführt worden war. Bei seiner Rückkunft vom Schlosse erzählte.er uns, wie er in der .Gegend des Lustgartens einige Knaben gesehen hätte, die mit geladenen Pistölchen sich bis in die Nähe des .Militärs schlichen und dann die Pistölchen losschossen. Hierauf hätte das Militär jedesmal eine volle Salve nach der Richtung hin gegeben, von wo die Schüsse gekommen seien Las mache nun zwar viel Spektakel, aber sei dock) im Ganzen nichts. Nach dieser Erzählung sprang der. Stadtrath Reefer’s wüthend vom ^uhle aus und rief: „Herr Doktor , halten sie uns denn Alle für Esel, daß wir so dumm seien, Ihren gelehrten Quark zu glauben, ich habe Mr Geschwätz nun satt; und wenn Sie
sich davon überzeugen wollen, daß Ihre Geschichte von den kleinen Pistölchen ein Unsinn ist, dann kommen Sie mit mir, ich werde Sie htusührcn, wo Verwundete und Todte liegen und cs Kugeln regnet." Auf eine solche Erwiderung schien Dr. Clässen nicht gefaßt, das Gespräch stockte und einige von uns gingen wieder auf die Straße, um zu sehen, wie die Sachen ständen. Ein Wagen mit blessirten Soldaten, welcher nach dem Thore hiuge- sahrcn wurde, überzeugte uns, Laß die Barrikadenkämpfer noch immer diejenigen Stadttheile inne hatten, in welcher sich Spitaler und Lazarethe befinden, oder wenigstens die Straßen besetzt hielten, welche zu diesen Lokalen führten. In der Friedrichsstraße hatte eine Kompagnie das fernere Feuern verweigert, sic stand der (Häuserreihe entlang aus dem Trottoir, mit dem Rücken I nach den Häusern gekehrt. Die Solraten, welche beinahe einen ganzen Tag ohne Speise und Trank geblieben ; und schon an den vorhergehenden Tagen Durch beschwerlichen Dienst abgemattet waren, erhielten von den Lür- ; gern, welche ihre Häuser den Soldaten sorgfältig ver- schlossen, auch nicht einmal einen Trunk Wasser. Ich i selbst habe Lie abschlägliche Antwort einer Frau auf die . flehentliche Bitte eines Soldalcu, ihm nur ein Glas. Wasser zu reichen, mit eigenen Ohren gehört. Die j Ausdrücke, womit jene Frau die Bitte des Soldaten zu-, ; rückwies, waren der Art, daß man sich hieraus wohl ! eilten Begriff von der furchtbaren Wuth und Gereiztheit ; und der Stimmung der Bevölkerung machen konnte.
Als obige Kompagnie einige Minuten lang das Feuern eingestellt hatte, sah man die Fenster und Thüren in Den nächstliegenden Häusern sich öffnen. Man erkundigte sich über die Ursache Les Einstellens der Feindseligkeiten und in wenigen Minuten wurden jene Soldaten von allen Seiten mit L bensmittelu überhäuft. Ein Ordonnanzoffizier versuchte eS mehrmals, den Kvmmandircnden jener Kompag je von Neuem zum Kampfe zu bewegen, allein er ritt jedesmal wieder unverrichteter Dinge nach dem Schlosse zurück. In der Konigsstraße soll um dieselbe Zeit ein Gardebataillon ebenfalls das Feuern eingestellt haben.
Als wir in unfern Gasthof zurückkehrteu, trafen wir den Herrn v. Vincke, welcher so eben unverrichteter Dinge vom Schlosse zurückgekchrt war. Er erzählte uns, daß er, im Schlosse angekommen, sogleich zum Könige geführt worden sei. Der König war umgeben von Prinzen und Generalen; auch einige Prinzessinnen hätten sich in dem Saale befunden. 'Als er dem Könige den Zweck seines Erscheinens mitgetheilt und dabei erwähnt, daß er bei seiner Ankunft gesehen habe, wie Soldaten ihre Gewehre planlos gegen die Fenster eines Hauses in der Nachbarschaft abgefeuert hätten, und wie dies einen höchst fatalen Eindruck auf ihn gemacht, hätten die im Saale befindlichen Generale höhnisch gelacht — und als er (Vincke) cnjrüstet hierüber geäußert habe: „lachen Sie nicht, meine Herren, denn Morgen dürften Sie vielleicht nicht mehr lachen!" (hibe der König beruhigend geantwortet: „Sie
