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von Skandal zu Tage forderte — hält leider! beharr­lich an der barokken Idee fest, daß es eine Sünde sei, wenn Kranke beim Arzt Hilfe suchen, daß sie viel­mehr ihre Heilung einzig vom eigenen Gebet und von der Fürbitte erwarten sollen. Daß die durch das amt­liche Ansehen erleichterte Verbreitung solcher irrigen Begriffe verderblich wirken müsse, ist klar. Hier ein neues Beispiel davon, welches dem Einsender auf glaubhafte Weise erzählt wurde!" — Ein Bürger der Filialgemeinde aß von einer sauer gewordenen Leber­wurst und erkrankte daran. Ohne Zeitverlust hatte er feine Zuflucht zum Arzt genommen, und als er gerade im Begriff war, eine vor ihm stehende Arznei einzu­nehmen, -soll er durch den ihn besuchenden Pfarrer mittelst eines schlechten Witzes ans den unangenehmen Geschmack der Arznei davon abwendig gemacht und auf die Gcbctskur verwiesen worden sein. Die Folge davon war, gleich Tags darauf, der Tod des armen Kranken!"

Stuttgart, 21. Mai. Die Discussion über die Verfassungsfrage hat heute, in der 28. Sitzung unse­rer Landesversammlung, unter großem Menschenzu­drange I begonnen, aber in einer gegenseitig so bittern Weise, daß sich das Ende wohl absehen läßt, das freilich auch ohne dieses abzusehen war, aber hierdurch nur noch rascher herbeigeführt werden wird. (Fr. I.)

Ulm, 19. Mai. Nachdem gestern mehre Probe­fahrten, heute Vormittag aber eine sollennc auf der Eisenbahnftrecke von hier nach Biberach stattgefunden hatte, wurde diese Bahn heute Nachmittag nm 3 Uhr auch dem größern Publikum eröffnet und sechs Perso­nenwagen durch die festlich geschmückte Locomotive nach Biberach befördert, welcher Fahrt morgen mehrere fol­gen werden.

Frankfurt, 17. Mai. Der Trierschen Ztg. wird von hier geschrieben: So schlimm wie in Berlin, von dem uns jüngst die Nat.-Ztg. berichtet, daß es unter den Linden um die Mittagsstunde von kleinen Fürsten wimmele und man sehr vorsichtig sein müsse, um nicht einen deutschen Fürsten niederzurennen oder von feinen Pferden niedergestoßen zu werden, ist es nun zwar hier nicht mit unsern Staatenbevollmächtigten; aber um so gemüthlicher und behaglicher richten sie sich ein im alten wiederbezogenen Neste. Wie Nevenants, die an den Orten ihres früheren Lebens herumspuken, un­zufrieden und boshaft werden sollen, wenn sie eine wesentliche Veränderung finden, fo hat sich der Grund­kern des heiligen Areopags vor einer nnstaatömän- nischen Aufregung und Leidenschaftlichkeit weislich zu bewahren gewußt. Es war ihnen gar nicht wohl, bis Alles wieder in integrum zurückgebracht war und die letzte Spur einer gottlosen Zwischenzeit von dem etwas gewaltsamen Tode bis zum Wiedererstehen verwischt. So mußte denn der große runde Ti,ch des Plenums der Bundesversammlung, den die Wogen der Revolu­tion in die Rumpelkammer geschwemmt,-ans seiner unfreiwilligen Verbannung herbeigeholt werden, um wieder Metternichs Schüler an sich zu sehen; die Stühle der Weisheit, die Vorhänge, Fußteppiche, Alles mußte herbei, die süße Täuschung zu unterstützen, es sei nun ganz wieder beim Alten. Der kleine Mephisto­pheles von "Hannover reibt sich vergnügt die Hände und grmzt in der süßen Erinnerung an die dummen Teufel der Paulskirche, die seinen „Piepmeyer" von der Karrikatur zur schonen Wahrheit erhoben. Die alten Bundeötagsbeamten sind aus ihren Höhlen her­vorgekrochen und schlenkern stolz wie Kraniche die stei­fen Glieder; bis auf die triumphirenden Pedelle hinab ist Alles wieder wie sonst. Seliglächelnv sitzen sie um den grünen Tisch und singen: „Wir haben ihn, wir haben ihn schon lange nicht gesehen!" Es geht ein bannender Zauber aus von diesem Palais der Cßchen- heimer Straße; und — glauben Sw uns — er wird die Andern herbeiführen; sie müßen kommen; es ist der unaufhaltsame Zug, der den Spieler an den grünen Tisch reißt, bis er - Alles verloren.

„Aber (so krächzt das widerliche Bundestagsorakel in der O berpostamts - Zeitung) wer eine Stimme füh­ren will in dem neu zu bildenden Rathe Deutschlands, wird der That nach vollständig souverän sein müssen; denn je großartiger (suberb!!) die neue Versaßung aufgekaßt"werde, desto weniger werde man Halbsou­veräne zuzulassen vermögen. Wer nicht zur Theil­nahme an der neuen Centralgewalt gelangt, oder eine indirekte Vertretung zugestanden erhält, verliert seine volle Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, die Gleich­berechtigung mit Oesterreich und Preußen , und hört ans, Mitglied des Bandes zu sein." Adieu, Ihr dii minoruirt gentium! Ihr Halbsouveräne! Vom Olymp herab­gestoßen ereilt Euch von Euren eigenen hohen Vettern die Strafe, daß Ihr vom Volke gelassen. Die De­mokratie hat dies längst vorausgesagt; sie konnte Euch getrost die Unersättlichkeit Eures eigenen Gottergeschlechts überlassen. Legt Euch ruhig schlafen mit den „Euch verbleibenden Rechten!" Selbst Rußland hat sich ge­gen Euch verschworen. Hort die Triumpfgesäuge aus Berlin, die ächtdeutsche Genugthuung der „deutschen Partei" über die freundschaftlichen Manifestationen Ruß­lands für Preußen, über den „guten Nutzen, den die russische Freundschaft für die Union hat!" Die Union aber ist der Schlund des Walisisches, in den Ihr hin­abfahren werdet, wie Jonas, ohne, wie dieser, je wieder unversehrt an die Küste geworfen zu werden. Die Union unter dem hohen Protektorate des ureigen Czaren, und am Ende wirklich mit der leitenden Weishell des „Edlen" beglückt — nein 1 Deutschland

ist noch nicht verloren! Gott erhalte uns den „Edel­sten der Edeln" und bewahre ihn vor dem tollen Ge­danken, etwa seine geographischen Kenntnisse durch eine Reise an den Hof des hohen Unionsprotektors erwei­tern zu wollen; denn wie ihm einst bei seinem Spa­ziergange nach Berlin, ob des „ungeheuren" Preußens der Kopf schwindlich geworden, so wäre in jenem Falle beim Anblick des „ungeheuerlichsten" Rußlands ein totaler Verlust des Verstandes zu fürchten — zum entsetzlichsten Nachtheile des Vaterlandes!

Hadersleben, 16. ^Slai. Die oktroyirten Lehrer an unsern Bürgerschulen haben den Unterricht begon­nen, aber, wie zu erwarten stano, nur mit dem sieben­ten oder achten Theile der schulpflichtigen Kinder. Als nun zwei der suspendirten Lehrer (Hr. Willatzen jun. und Hr. Bruhn) Miene machten, durch das Geben einzelner Privatstunden in Häusern deutschgesonnener Bürger dem tief gefühlten Bedürfnisse des Unterrichts abzuhelfen, wurden sie sogleich zum Etatsrath Lassen zitirt, der ihnen unumwunden erklärte, daß, wenn sie sich unterständen, ohne Erlaubniß des Schulkollegiums zu unterrichten, sie sofort aus der Stadt verwiesen würden. Ihr Protestiren, daß, wenn anch nach der vom Herrn Etatsrath zitirten Schulverordnung das Anlegen von Privatschulen nur mit Genehmigung des Schulkollegiums geschehen könnte, sie ja nur auf Auf­forderung von Familienvätern einzelne Stunden ge­ben würden, und also den Hauslehrern gleich zu ach­ten wären, mithin der Erlaubniß des Schulkollegiums nicht bedürften, half ihnen nichts.

„Die Schulen werden anfangs leer stehen, aber ich werde die deutschgesonnenen Bürger schon zwingen, ihre Kinder dahin zu senden," so ungefähr äußerte sich der oktroyirte Bürgermeister und EtatSrath Lassen, und ich frage: Konnte der deutschen Gesinnung der Haderslebencr Bürger ein kräftigeres und mehr gel­tendes Zeugniß von einem dänischen Beamten ausge­stellt werden, als eben dieses? Leider bekundet das­selbe andererseits die hier gegenwärtig stattsindende Gewaltherrschaft zur Genüge. Doch Sapienti sat!— Schon vorgestern hatte man die sichere Nachricht aus Kolding, der zufolge die Permittirten der däni­schen Arm^e einberufrn würden und sich in­nerhalb 24 Stunden bei ihren respektiven Bataillonen einzufinden hätten. Eine freudige Botschaft in deut­schen Kreisen, da der Druck nicht länger zu ertragen ist, und man zehn Mal lieber den Krieg wünscht, der uns eine Entscheidung bringe, als die Fortdauer eines solchen Regiments. Leider aber scheinen unsere Hoff­nungen in dieser Beziehung wenigstens noch auf ei­nige Tage in die Ferne gerückt zu sein, da unsere bisherigen Neutralen „das Nummedalske-Negiment" uns zwar verlaßen haben, wir aber wieder mit schwe­discher Infanterie beglückt worden sind; es also auf eine Dislokation, aber nicht auf ein Nachhausereisen abgesehen ist. (N. f. Pr.)

Wien, 17. Mai. (N.D.Ztg.) Heute wird Fürst Schwarzenberg zurückerwartet. Der Finanzaus­weis über das Jahr 1849, dessen Veröffentlichung mit nächstem bevorsteht, und wovon die„Oesterr. Cor- resp." heute Auszüge mittheilt, ist ganz geeignet, die Besorgnisse vor einer früher oder später eintretenden Katastrophe zu vermehren« Die Einnahmen betrugen 144 Mill., darunter 55 Mill, direkter und 77 Mill, indirekter Steuern. Die Ausgaben hingegen beliefen sich auf 279 Mill., darunter 41 Mill, für Verzinsung der Staatsschuld und 158 Mill« für das Armee­budget (14 Mill. mehr als die ganzen Staatsein­nahmen!) — Im Ganzen ein Defizit von 135 Mill.!!

— Die Theuerung hier steigt auf eine seit Men­schengedenken nicht vorgekommene Hohe. Das Pfund Rindfleisch kostet 14 fr. C.-M., worüber in den untern Volköklaßen eine Erbitterung herrscht, welche gewalt­same Demonstrationen gegen die Fleischer befürchten läßt. Das wachsame Volk bemerkte mit Entrüstung, daß unmittelbar nachdem die hohe Fleischtare firirt war, große Transporte von Schlachtochsen ankamen. Man schreit laut über Bestechlichkeit der Marktbehörde« Auch das Brod wird täglich kleiner und schlechter und sogar das Bier ist theurer geworden. Dazu gestalten sich die Aussichten für die nächste Erndte sehr traurig. Die Weinstöcke sind großtentheils erfroren und die trockene stürmische Witterung wird der Frühlingssaat gefährlich. Wenn zu unserer politischen und kirchlichen Aufregung noch der Hunger kommt, so werden wir schreckliche Ereignisse erleben, denn unser Proletariat ist in einem Grade erbittert, daß von der früher so sehr gepriesenen Wiener Gutmüthigkeit keine Spur mehr zu finden ist.

Berlin, J7. Mai. Heute ist.das Protokoll des Fürstenkongreßes in den Druck gegeben. In wenigen Tagen wird das Protokoll gedruckt vor Ihnen liegen, darum setze ich vorläufig nur ein paar Punkte davon aus dem Gedächtniß her. 1) Von einer Anerkennung der revidirten Verfassung ist so wenig die Rede als ob dieselbe gar nicht vorhanden wäre. 2) Das Maibündniß ist in ein Interim von zwei Monaten aufgelöst; d. h. nach Ablauf dieser zwei Monate müssen die Verhandlungen von Neuem angeknüpt werden, wenn dann ernstlich etwas Dauerndes gestaltet wer­den soll. (Wes. Ztg.)

Berlin, 20. Mai. Im Tagesgespräch tritt die Kokardenfrage wieder in den Vordergrund. Die offi- ciellen Berichtigungen gaben seiner Zeit zu verstehen, die Abnahine der deutschen Kokarde' von bäh' Feldmü­

tzen habe nichts zu bedeuten, da sie sich an den Hel­men befinde. Die kürzlich einberufenen Landwehrmän­ner erhielten aber auch Helme ohne die deutsche Ko­karde geliefert, und auf ihre Nachfrage den Bescheid, es seyen keine deutschen Kokarden vorräthig.

Berlin, 22. Mai. Se. Maj. der König ist heute Mittag, als er auf dem Potsdamer Eisenbahnhofe in seinen Wagen steigen wollte, von dem im Herbste vo­rigen Jahres vom Garde-Artillerie-Regiment als In­valide entlassenen Feuerwerker Su feloge aus Wetz­lar durch einen Pistolenschuß in das Fleisch des rechten Unterarms verwundet worden. Der Verbrecher, der seit seiner Entlassung bei dem Ka- sernen-Oeconomen beschäftigt gewesen, hatte sich durch die Uniform eines Artillerie-Unteroffiziers Eingang zu verschaffen gewußt und befindet sich in Verwahrsam. Die Wunde des Königs ist, nach ärztlicher Versiche­rung, ohne alle Gefahr. Der König ist nach Charlottenburg gefahren, um seine Genesung abzuwar-

Mepublik Frankreich

Paris, 20. Mai. (Mz. Ztg.) Mehr als jemals spricht man von der baldigen Versöhnung der beiden Linien der Bourbons. Dies ist nicht ein zufälliges, vereinzeltes Faktum, sondern hängt aufs Innigste mit den Angriffen auf das allgemeine Stimmrecht, mit allen, Gewaltmaßregeln gegen das Volk und mit den Intriguen zusammen, die so eben in der Zurückberufung unseres Gesandten ans Tageslicht koinmen. Das Spiel wird im Geheim gespielt, aber doch sind die Karten mitunter sichtbar. Wer konnte wohl leichtgläubig und beschränkt genug sein, um sich einzubilden, daß die VoUblutmänner der Contrerevolution, die Orleanisten und Legitimisten nur daran arbeiten, sich gegen die demokratische Richtung desLandes zu wahren und deren Ueberfluthen zu verhindern? O nein! es handelt sich dabei um etwas ganz Anderes! Es handelt sich um einen langst entworfenen Plan, dessen Endzweck genau bestimmt ist, dessen verschiedene Momente, dessen Mit- tel und dessen Chancen aufs Klarste entworfen und präcisirt sind. Jedein ist seine Rolle zugetheilt, jeder Helfershelfer hat seine Instruktion, und der hohe Rath der Siebzehner ist das Allerheiligste, worin die Fäden zusammenlaufen, an denen die Contrerevolution Frank­reich zur Monarchie zurückführen will. Die Mo­narchie, die unbeschränkte absolutistische Monarchie mit Adelsherrschaft, mit Privilegien und Kastenwesen! das ist der eigentliche Zweck dieser Verschwörung und alles, was bis jetzt geschehen, nur der erste Schritt zum Um­sturz der Versagung, der Republik und Ausrufung der Monarchie. Deshalb diese Hast nach einer blutigen Unterdrückung des Volks, nach dem Belagerungszu­stand, nach der Militärdiktatur, deshalb die Bereinigung der beiden Linien, um die beiderseitigen Anhänger nicht durch die herrschende Feindschaft im Augenblicke des Kampfes gegen einander wirken zu sehen, deshalb die­ser überraschend schnelle Schritt gegen England, den das Ministerium ohne Vorwißen Napoleons that, und zu seiner größten Bestürzung, denn Napoleon ist ein Hinderniß für die Pläne der Royalisten, und gegen ihn vorzugsweise war dieses Manöver gerichtet. Ein zweiter Monk liegt Changärnier, der Vertraute, der rechte Arm der Siebzehn, auf der Lauer, um zu rech­ter Zeit auf den Ruinen von Paris das Ende der Republik, das Ende der Napoleonischen Herrschaft und die Zurückberufung der Bourbons auf den Thron von Frankreich zu proklamiren, und zu seinem nicht geringen Erstaunen würbe der von eigner Große träumende Präsident dann einsehen, daß er nur die Puppe in den Händen seiner Umgebung war, daß er, sein Name und seine Eitelkeit die Brücke bilden mußten, über welche die alte königliche Dynastie wieder in den Louvre einziehen sollte. Freilich ist bis dahin noch weit, noch lebt das Volk von Paris, noch lebt die Republik, noch leben Tausende für die Freiheit begeisterte Männer, die Alles zu opfern bereit sind, und selbst wenn der erste Streich gelungen wäre, würde die Feindschaft der Orleanisten und Eegiti misten auf's Neue ausbrechen und den Erfolg des ganzen Spiels unsicher machen. Gestern versuchten einige Agenten Carlier's in Blousen auf einem der Plätze des Faubourg St.-Marceau durch Aufpflanzen einer rothen Fahnesund unter dem Rufe: Vive la République démocratique et sociale, die Arbeiter zu verführen, sie mußten aber zu ihrer Ueberraschung bemerfett, daß die Arbeiter wußten, wen sie vor sich hatten, denn sie wurden auf die handgreiflichste Weise von ihrem Versuche geheilt. Girardin ist vor das Zuchtpolizeigericht gefordert und zwar wegen der Pe­tition, die auf der Nebenspalte der Presse abgedruckt und worunter nicht besonders der Drucker angegeben war. Auf seiner letzten Reise hatte der Präsident einige kleine Widerwärtigkeiten zu erleben, die überall die Runde machen. Auf der Fahrt nach St.-Cloud warf ihm eine Blümenverkäuferin einen Strauß von rothen Tulpen in den Wagen. Da er bekanntlich kein großer Freund der Rothen ist, so nahm er dieses Kom­pliment gewaltig übel und warf den Strauß zornig sofort wieder zum Fenster hinaus. In der Bannlisue hatte sich eine kleine Abtheilung einzelner National- garden en revue aufgestellt und zwar handelte es sich darum, ihm recht lebhaft ein Vive Napoleon zUzu- rufeii.~ Unglücklicher Weise waren aber grade sehr viele Spaziergänger zugegen, die den Ruf: Vive la République, anstimmten, in den dann auch bon gré