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Wiesbaden. Donnerstag, 18. April
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Ueber den Straßen ° und Wasserbau in Nassau.
II.
W: Von der Lahn. (Schluß.)
Daß, unser ehrenwerther Gegner kein Mann von Fach, beweist der Nachtrag zu seiner Erklärung über die Zweckmäßigkeit einer Straße. Zur Zweckmäßig, fett einer Straße gehört es allerdings, daß sie menschliche Wohnungen berühren muß, man darf jedoch niemals, um dieser Bedingung zu entsprechen, andere wesentlichere außer Acht lassen. ES ist dieses bei der Straße von Idstein nach Neuhof geschehen, wo das kleine Dörfchen Eschenhahn, das kaum 130 Seelen zählt, durchaus keinen Einfluß auf den Straßenzug hätte ausüben sollen; bei den vorwaltcuden Terrain- verhältnissen hätte man dasselbe umgehen müssen, wodurch nachzwei Richtungen aufjeder50—60FußSteigungen hätten vermieden werden können. Statt dessen muthet man dem Publikum und Fuhrwesen zu, diese bedeutenden Steigungen einem kleinen Dörfchen zu liebe, das nicht einmal die Straße durch das Oert- chen haben wollte und doch ganz in der Nähe der Straße blieb, zu bereisen, um dadurch nur an Zeit zu verlieren. Oh! oh! oh!
Die Straße von Höhr nach Baumbach war früher allerdings nicht nach der Ungünstigsten Richtung über Greuzhausen projektirt, indessen hatten sich die Techniker nicht durch eine Gemeinde wie Grenzhausen zu einer solchen zweckwidrigen Anlage verleiten lassen sollen, am allerwenigsten aber durch einen Beschluß der Staudekarnnier, welche — ohne dem Prinzip der Volks- souveränität, dem wir aus vollem Herzen huldigen, zu nahe treten zu wollen — durchaus keine Straßen projektiren kann, jn van um yitu^H ttfp. dar abgeschlossenen Verträge mag die Straßcnrichtung wohl durch die Orte SelterS, Vielbach, Mogendorf, Ransbach, Baumbach, Hilgert, Greuzhausen und Höhr bestimmt gewesen sein; zu jener Zeit lag jedoch noch kein Projekt vor, welches jene Richtung als die zweckmäßigste erscheinen ließ: eS war vielmehr die Absicht, diese Orte, wenn möglich, alle zu berühren. Da sich dieses jedoch später nicht alS zweckmäßig erwies, so wurde außer Greuzhausen auch noch Hilgert ausgeschlossen. Die Preußen haben wahrlich nicht verlangt, daß Grenzhausen berührt werde, sondern nur eine zweckmäßige Straßenanlage bis nach Höhr, wohin sie die'ihrige'führen. Ein lateinisches Sprüchwort sagt: Impossibilium non est conditio und so hätte man auch füglich Greuzhausen umgehen können, um so mehr, da cs im Interesse der beiden contrahirendcu Theile gewesen wäre.
Wie der Herr Z-Correspondent Straßenanlagen, wie die bei Heckholzhausen, über welche Techniker wie Nichttechniker bereits den Stab gebrochen haben, vertheidigen mag, ist zwar auffallend, bestätigt aber un
Ein Streifzug in die californischen Minen während der Regenzeit.
Von Friedich Gerst acker.)
(Fortsetzung.)
Dienstag den 30. passirten wir die kleine Zeltstadt Vernon. Der Feather-River der. östlich vom Sacramento eine Zeitlang mit dem Flusse parallel läuft, mündet hier in ihn, und Vernon liegt am linken User des Sacramento, während eine Schwesterstadl, Fermont, am rechten gegenüberliegenden Ufer errichtet ist. Eine Fähre groß genug, Wâgcu und Stiergespaune überzuführen, läuft zwischen den beiden Orten hin und her; an der gleich darüberliegcndcn Landspitze, die der Zusammenfluß der beiden Ströme bildet, sind übrigens auch schon Zelte errichtet und es ist wohl möglich, daß dieser Platz einmal in späterer Zeit von nicht unbedeutender Wichtigkeit werden könnte. Jedenfalls ist der Featherriver, ein Strom, der die volle Aufmerksamkeit nicht allein des Goldwäschers, sondern auch des Ackerbauers verdient, und schon jetzt fahren kleine Dampfboote bis Vernon und Fermont, während Wallfischbvote Provisionen bis in die untenliegcndenden Minen schaffen
An diesem Abend erreichten wir Bearriver oder Be- arcreek, wie er eigentlich heißen sollte. Ein ziemlich bedeutender Bach, nichts weiter, der in den Featherriver mündet. Wir wateten nicht einmal die Knöchel netzend, hindurch und lagerten auf der andern Seite. An diesem
sere Aufsicht, daß er auf dem Gebiete des Wasser- und Straßenbaues ein Laie ist, hätte er auch den Titel eines OberingeuieurS.
Was der genannte Corrsspondent über die Straße von Diez nach Nassau gesagt, bedarf bei Sachverständigen und Lokasiuudigen gar keiner Widerlegung; wenn uns die Aufgabe gestellt worden wäre, eine Straße von Diez nach Nassau zu projektiren, so würden wir nicht ermangelt haben, das in unserm vorigen Aufsätze angeführte Projekt, die Straße durch die sog. Au zu führen, zu „koustatireu". Je näher wir dann bas „Ideal einer Chausseerichtung" erreicht hätten, desto angenehmer wurde es sowohl für uns, wie für das Publikum sein, und wir sind überzeugt, eS würde uns mehr Dank wissen, als dem Erbauer der alten Straße, die, wie es uns scheint, nur aus PietatS- rücksichten beibehalten worden! Unter Projektion einer Straße will nicht blos das Abstecken einer beliebigen Straßcnrichtung verstanden sein, sondern es gehört dazu, daß man von allen möglichen Richtungen die zweckmäßigste aussucht; wenn dieses geschehen wäre, so würde man unter Anderin wahrscheinlich nicht die Straße über den Hollerich, sondern um denselben geführt haben. Was schon das bloße Anschauen der Lokalität ergibt, würde eine Aufnahme zur Evidenz darthun, daß nämlich der Einschnitt, welcher durch die Umgehung des Hollerichs nöthig würde, weniger tief ist, als wenn die Straße über den Hollerich geführt wird. Mit den mathematischen Kenntnissen beö genannten Correspondenten kann cs keine große Bewauv- niß haben, wenn er das Gegentheil behauptet, denn mag auf der äußersten Spitze der Einschnitt, was wir jedoch nicht glauben, auch tiefer werden, so ist dies nur auf eine sehr kurze Ausdehnung , und das steht angegebenen Projektes viel geringer ist, als bei dem zur Ausführung gekommenen Projekt.
Der erwähnte Correspondent redet von einem „technischen Theil" unserer Correspondenz; unsere Corre- spondenz ist rein technischer Natur, und wir können unserem chrcnwerthen Gegner die Versicherung ertheilen, daß, wenn uns die Aufgabe gestellt worden wäre, die fragliche Straße zu projektiren, wir sie anders projektirt haben würden, namentlich am Hollerich, wo man bei der zur Ausführung kommenden Anlage im Winter Tunnels durch den Schnee wird anlegen müssen.
Wir gehen nunmehr zu dem Wasserbau über, der schon so viele Tausende von Gulden verschlungen und verhältuißmäßig so wenig Resultate geliefert hat. Der Herr Correspondent würde sowohl uns, als auch den Erbauer des Biebricher Hafens, sehr zu Danke verpflichtet haben, wenn er die „höchst verwickelten Verhältnisse", welche die Beseitigung einiger bedeutender Anlagen bedingten, der Oeffentlichkeit übergeben hätte. Die Bauten zu Biebrich und weiter abwärts nach Rü-
Abend halten wir den ersten kleinen, aber noch ga-nz unbcdcutcnden Regenschauer, der uns aber doch schon den Mangel eines Zeltes bemerken ließ. Wir waren nämlich, schon unserer Casse wegen, genöthigt gewesen, ohne Zelt aufzubrechen, und vertrösteten uns, mit der Hoffnung, bei eintretcndem schlechten Wetter, leicht einen Regenschutz für die Nacht Herstellen zu sönnen. Als ich aber das Laud, das wir durchreisen mußten, selber sah, fand ich bald, mit welchen Schwierigkeiten die E-rich- tung eines allnächtlichen Regendaches für sechs Personen verbunden sein müßte, denn erstens, eignet sich das Gesträuch nur höchst mittelmäßig selbst zu Zeltstange«, jpK nicht zum Decken des Daches und dann fehlt es gänzlich an der Rinde umgestürzter Baume, die sich in den nordamerikanischcu Wäldern in so bedeutenden Massen finden, und so leicht in großen Stücken sich vom Stamme abschälen läßt. Dennoch hofften wir die Minen in Zeit, d. h. vor dem Eintreten der Regenzeit, die etwa mit Anfang Decembers beginnen sollte, zu erreichen und dort ließ sich dann leicht im Anfang ein Wetterschutz, später ein ordentliches Blockhaus, Herrichten. Das waren unsere Ideen.
Am andern Abend, den Tag über fortwährend in der Nähe des Featherriver und an dessen Ufer hinaufwandernd, erreichten wir die Mündung des Vuba, und kreuzten auch diesen ziemlich bedeutenden Fluß. Allerdings konnten wir ihn in dieser trockenen Jahreszeit und an der seichtesten Furt noch durchwaten. DaS Wasser
desheiikt zu waren nicht einem früheren Zustande an- gepaßt, sondern mußten, mit oder ohne Bezug auf das hessische Attentat, als zweckwidrig entfernt werden, was indessen der eingetretenen Versandung wegen nicht voll- stankig geschehen so inte, und es haben dieselben neben der herbcigeführten Versandung des einen RheinarmeS fortwährend nachtheiligeu Einfluß auf die Herbeiführung deS Wassers, wie es früher bestanden. Bei Gei. seuheim befindet sich ein ähnliches Meisterwerk der Wasserbaukunst, dessen unüberlegte Anlage gewiß nicht mit hinein hessischen Attentat entschuldigt werden will.
Solche Resultate konnten übrigens auch nicht anS- bleibeu, da man allen diesen Anlagen Anfnierksamkeik und wissenschaftliche Behandlung gerade nicht im übertriebenen Maße geschenkt hat, worüber auch dermalen am Rhein beschäftigte Techniker einig sind.
WaS wir bezüglich der Limburger Schleußt gesagt, hat der Herr Corresp., wie Nicht anders möglich, zugegeben; man war damals noch Neuling in dem Ni- veUfren. Wollte ja d0ch damals der Erbauer jener Schleußt einen guten Theodolit nach dem Wasserspiegel der Lahn justiren!!!
Der von unserem Gegner angeführten Ansicht, als ob durch eine Wehranlage bei O. anienstein eine grö» pere Tiefe des Wassers im Untergraben der Schleußt zu Limburg herbeigeführt würde, können wir nicht Raum geben, da der dadurch herbeigeführte Aufstau sich nicht bis nach Limburg erstrecken dürfte.
Wenn der Herr Corresp. die fehlerhafte Anlage der Balduinsteiner Schleußt dant t zu beseitigen sucht, daß durch Baggern der Versandung vorgebcugt werden könne ,^so ist dieses mindestens sehr naiv; man mußte die Schleußt so anlegen, daß einer Versandung durch die Anlage selbst vorgebcugt wurde. Es hatte aÄiAënfe*e^ auf der kapital allerdings bedeutender geworden wäre; rechnet man indessen die Kosten für das Baggern, sowie den Aufenthalt, den die Schisser dadurch haben, zu den Kosten der nunmehr gebauten Schleuste hinzu, so möchte, selbst was die Kosten anbelangt, unser Projekt noch vorzuzithen sein.
Wenn unser Gegner von einem vorhandenen hydrotechnischen Plan bezüglich der Lahn-Regulirung spricht, so weiß er entweder nicht, was ein folger bedeutet, oder es müßte in allerncuester Zeit ein solcher an gefertigt worden sein. Der vermeintliche hydrotechnische Plan ist, wie den Technikern bekannt, eine Charte der Lahn, von Geometern ausgenommen, die freilich nicht wissen konnten, welche Punkte unb verschiedene Gegenstände ein hydrotechnischer Plan enthalten, soll um solchen fortwährend den vorhandenen und veränderten Zuständen richtig anschließen zu können. Der fragliche Plan entbehrt insbesondere der festen Anhaltspunkte, und kann daher aus diesem Grunde, außer seinen übrigen Unvollständigkcitcn, höchstens als Bild benutzt werden.
Was nun die Berliner Commission anbelaugt, so
lief uns doch in die hohen Stiefel und die Strömung war ungemein stark.
Am andern Ufer des Puba trafen wir, mit einem aus den Minen rückkchreiiden Geschirr, einen Deutschen, der uns anri-th, jedenfalls nach den sogenannten Readings diggings am Sacramento zu gehen, es sei dort — seiner Versicherung nach — alles wie wir cs nur wünschen könnten, Provisionen billig, Geld in Menge und viele nette Familien die dort überwinterten. Der Mann hatte leider — eS fing schon an dunkel zu werden, und er wollte noch durch den Strom — keine Zeit, uns das Nähere der Reise auseinander zu setzen, nur die Entfernung sagte er uns noch, etwa 150 Meilen von wo wir unS befanden. Mir war es aber besonders recht, da Readings Mine eine der nördlichst gelegenen war, und wir kamen bald überein unsern Weg dorthin zu nehmen.
Eins mußte aber mir doch jetzt auffallen, die Verschiedenheit der Berichte nämlich, die wir über sämmtliche Minen bis dahin gehört hatten. Die Readings- minen waren uns z. B. als die ungesundesten und unsichersten von mehreren Leuten geschildert. Ebenso rühmten einige Featherriver, während andere nicht genug Schlechtes über diesen Fluß zu sagen wußten; dem Yuba und Bearriver ging es nicht anders, kurz von zehn Menschen konnte man fest überzeugt sein, auch zehn in sich selbst wesentlich verschiedene Ansichten über einen und denselben Ort zu hören. Welchem sollte man nun folgen, welchem
