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Karlsruhe, 24. März. In derKarlsr. Ztg." vom 22. finden fich Fahndungen, Strafurtheile u. s. w. gegen 392 flüchtige Soldaten. 3 find kürzlich zum Tode verurtheilt.

Aus dem Königreich Sachsen, 22. März. Seit Montag ist zu Leipzig das Schwurgericht wieder in Thätigkeit. Es sind bis heute sämmtliche Ange­klagte freigesprochen. Unter den Angeklagten waren zwei Redakteure, der eine Robert Binder, Redakteur derVolksblättcr" und desLeipziger Reibeisens", der jetzt beinahe ein Jahr im Leipziger Stockhause unter- suchungöhakber schmachten muß/ Er hat eine solche Masse von Preßprozeffen auf dem Halse, daß er in allen drei Assisensitzungcu, die bisher in Leipzig statt» gefunden haben, als Angeklagter figurirte, und trotzdem, daß er allemal für unschuldig erkannt wurde, doch noch immer nicht aller seiner Prozesse ledig ist. Ob er jedoch noch ferner in Haft wird bleiben müssen, weiß man vor der Hand noch nicht; da ihm die Gott­begnadeten auch einen Prozeß wegen Betheiligung bei den Maiereignissen angehängt haben. Der Mann ist bereits physisch so ziemlich ruinirt, und der Arzt der ihn besucht hat, hat behauptet, daß er bei längerem Kerkerleben versiechen müsse. Aber was geht das die Gottbegnadeten an! Im Gegentheil, es ist ja besser eine mißliebige Person weniger zu haben. Der an­dere Redakteur ist Buchhändler Keil, welcher den Leuchtthurm", eine weitere Zeitschrift, herausgibt. Er war augeklagt desHochverraths" wegen eines Auf­rufs zur Unterstützung der Ungarn, welchen derLeucht­thurm" im vorigen Jahre brachte, und ist so eben frei» gesprochen worden. Sein Vertheidiger war der Advo­kat und Landtagsabgeordnete Joseph. Ganz beson­ders zeichneten sich in dieser Assisensaison die Plai- doyer's des Advokaten Schaffrath aus. Trotz sei­ner scharfen Angriffe auf die Staatsanwaltschaft mußte der Staatsanwalt öfters förmlich refigniren. (W. Z.)

Dresden, 24. März. Hier ist die verhaßteste Per­sönlichkeit des vormärzlichen Ministeriums: v. Falcken- stein wieder in Thätigkeit gesetzt und zum Vorsitzen­den des evangelischenLandeskonsistoriums ernannt worden.

Hamburg, 22. März. Während auf dem dän. Reichstage ministerieller Scits zugestanden wird, daß die im Jahr 1848 fällig gewesene Kriegssteuer an vielen Orten sehr schwer, an manchen gar nicht ein­getrieben werden könne, und außerdem in den dän. Blättern besonders über den Geldmangel in Jütland der, wie wir hören, hauptsächlich eine Folge der niedrigen Kornpreise und des geringen Absatzes der (nicht mehr wie früher theilweise nach den Herzog- thümern ausgeführten) Naturproducten nach England ist geklagt wird, während man endlich sich auch am Sunde schwerlich verhehlen kann, daß die neue An­leihe zwar zur Fortsetzung der Kriegsrüstungen und zur Erhaltung der Land- und Seemacht auf dem Kriegsfuße für einige Monate auSreichen kann, eine vollkommene Ebbe im Staatsschätze aber dann schon wieder spätestens im Herbste eintreten muß, wäh­rend alle diese Anzeigen ein lautes Zeugniß von der Zerrüttung der dänischen Finanzen ablegen, sind Preu­ßen und Hannover so gütig gewesen, den Säckel der dänischen Regierung wieder etwas zu füllen. Im vo­rigen Jahre wollte es bekanntlich dem Baron Plessen nicht gelingen, das preußische Kabinet zur Wieder­erstattung der Wrangel'schen Requisitionen in Jütland aus dem Jahre 1848 zu bewegen, seit Kurzem aber hat Preußen bereitwillig auf die dänischen Wünsche einzugehen begonnen. So paradirt in der dänischen Finanzabrechnung für 1848 eine vorläufig ausgezahlte Summe von circa 216,000 Rbthlr., die Preußen als Abschlagszahlung für die obenerwähnten Requisitionen an die dänische Staatskasse entrichtet hat; auch das hannöversche Ministerium verlangt von der Kammer die nachträgliche Sanktion einer bereits an Däne­mark bezahlten Summe im Betrage von einigen tau­send Thalern und fordert noch außerdem die Bewil­ligung einer ähnlichen Summe zu demselben Zwecke. Endlich wird aus Ripen (einer dänischen Enclave von Schleswig, nahe an der Königsau) in den dän. Blättern berichtet, die preuß. Regierung habe die da­selbst reqnirirten Pferde und die dem Städtchens auf­erlegte Kontribution von 12,000 Rbthlr. wiedererstat­tet. Diese Kontribution war beiläufig erwähnt, die einzige im baarem Gelde, die während der beiden Kriegsjahre 1848 und 1849 von deutscher Seite ein­getrieben wurde, und zwar geschah diese Eintreibung im Frühling v. I. auf Befehl des Generals Prittwitz durch den Hannövrischen Obristlieutenant Brinkmann.

Uebermorgen find nun 2 Jahre verflossen, seitdem der Kampf für diesen selbstständigen, unabhängigen Staat begonnen, den man, wennDaily News" gut unterrichtet ist, in Kopenhagen wie in Berlin bei le­bendigem Leibe zu zerschneiden einig ist. Daß Däne­mark es will, ist begreiflich; aber wie will Preußen, das allerdings an derSelbstständigkeit" Schleswigs, wie sie in den Friedenspläliminarien skizzirt ist, fest* zuhalten scheint, seine jetzigen Friedensvorschläge mit dem anch in diesen Präliminarien versprochenen Fort­bestehen der Unzertrennlichkeit Schleswig-Holsteins in allen materiellen Fragen in Einklang bringen? In den preußischen Friedensvorschlägen findet sich nichts da­von, wohl aber eine entgegengesetzte An- und Absicht ausgedrückt, da von der Gemeinschaftlichkeit der Zölle

zwischen Schleswig und Dänemark die Rede ist. Al­so soll wohl gar eine Zollgrenze zwischen Holstein und Schleswig errichtet werden?

Flensburg, 21. März. Erlauben Sie, daß ich vor Allem die Versicherung, daß unsere sog. neutralen Truppen noch an keinen Abzug denken, wiederhole; es müßten sonst alle Zeichen trügen. Die Offiziere ver­meinen, hier noch lange zu bleiben; unsere Allwisser bezeichnen resp, den Mai oder Juli als Abzugstermin. Wir fürchten selbst in dem glücklichen Fall, daß die Statthalterschaft auf friedlichem Wege wieder zur Re­gierungNordschleswigs" käme, dennoch die Skandi- naven nicht los zu werden.

Berlin, 24. März. Wie wir erfahren, hat man mit Nächstem eine anderweitige Besetzung der Stelle des hiesigen Polizeipräsidenten zu erwarten, da man sich höhern Ortes von der Unhaltbarkeit der Stellung des Herrn Hinkeldey überzeugt hat. Derselbe soll nach Westphalen versetzt werden.

, In der vergangenen Nacht ist der bekannte Stu­diosus Friedrich in der Charitee gestorben, der im Jahre 1848 des Aufruhrs angeklagt wurde, weil er am Tage des Zeughaussturmes die rothe Fahne des demokratischen Klubs getragen hatte. Die Schwind­sucht hat seinem jungen Leben rasch ein Ende ge­macht. (Abdpst.)

Berlin, 24. März. Berichte aus Erfurt haben der Aufmerksamkeit gedacht, mit der das preußische Ministerium Sorge getragen, die Sitze der Abgeord­neten mit schwarz-roth-goldenen Schleifen zu schmücken. Während das am 20. geschehen, sind hier am 18. von einem Hauptmann beim Aleranderregiment seinen Untergebenen sämmtlich die deutschen Cocarden abge­rissen worden, trotzdem die Anlegung derselben auf Befehl des Königs erfolgt ist. (Fr. I.)

Berlin, 24. März. Die Abberufung des königl' Gesandten aus Stuttgart ist dem königl. würtemb. Gesandten hierselbst durch folgende Note angezeigt worden:Der Unterzeichnete findet fich in der Noth­wendigkeit, eine unerfreuliche Pflicht zu erfüllen, in­dem er dem königl. würtemb. außerordentlichen Gesand­ten und bevollmächtigten Minister, Hrn. Frhrn. v. Hügel, das gerechte Befremden ausspricht, welches die königl. Regierung bei Kenntnißnahme von der Thronrede hat empfinden müssen, womit Se. Maje­stät der König von Würtemberg am 15. d. M. die Ständeversammlung eröffnet hat. In diesem offtcieUen Negierungsact find Anschuldigungen gegen Preußen und Verdächtigungen seiner Handlungsweise ausgespro­chen worden, welche die königliche Regierung nur mit dem Ausdruck des tiefsten Unwillens zurückweisen kann. Sie muß es unter ihrer Würde halten, auf eine' nä­here Erörterung oder Widerlegung dieser An­schuldigungen einzugehen, welche fiè von solcher Stelle und von Seiten einer deutschen Bundesregierung zu vernehmen nicht hatte erwarten können. Sie kann es eben so wenig ihrer Würde angemessen erachten, un­ter diesen Umständen mit einer Negierung, welche ihr gegenüber eine solche Stellung eingenommen, den dip­lomatischen Verkehr fortzusetzen, und der diesseitige königl. Gesandte am königl. würtembergischen Hofe ist demnach auf Befehl Sr. Maj. des Königs angewie­sen worden, unter geeigneter Anzeige davon, mit dem ganzen Gesandtschaftspersonal Stuttgart zu verlassen. Indem der Unterzeichnete dem Herrn Frhrn. v. Hügel hiervon Mittheilung macht, beehrt er sich, demselben die Schritte anheimzustellen, welche der Herr Gesandte in Folge dieser Allerhöchsten Entschließung für ange­messen erachten wird, und ergreift diese Gelegen­heit rc. Berlin, den 22. Marz 1850. (gez.) Schleimtz."

Berlin, 25. März. Im Osten bereiten sich eigen­thümliche Dinge vor. Die englische Blokade der grie­chischen Häfen ist zwar aufgehoben, aber mit dein aus­drücklichen Bemerken, daß es nur auf gemessene Zeit geschehe; die französische Regierung anerkennt das Ent­schädigungsprinzip, das der brittischen Regierung bei dem Angriff auf Griechenland maßgebend war; das russische Kabinet schließt sich dieser Anerkennung an und verlangt nur in Betreff der auf jden englischen Besitz der Inseln Cervi und Sapienza gerichteten For­derung die russische Mitwirkung bei der Vermittelung. Indessen schleicht sich ein sonderbares, obwohl nicht neues Gerücht durch die österreichischen Zeitungen. Man will in den Donaufürstenthümern großen Ereignissen entgegensehen. Einer Correspondenz zufolge wäre von nichts Geringerem die Rede, als von der Herstellung eines unabhängigen Donaureichs unter einer deutschen Dynastie. Rußland stütze sich bei diesen Umtrieben auf eine gewisse dako-romanische Partei, sorge mittlerweile für strenge Ueberwachung der Presse in den Fürsteu- thümern und unterwerfe die Passagiere auf den die untere Donau befahrenden Dampfschiffen einer gehei­men Controlle. Während Rußland seine Truppen größtentheils aus den Fürstenthümern zurückziehe, suche cs dieselben gegen den Westen zu konzentriren. Neh­men wir dazu die Nachrichten von einer Hinneigung der österreichische Regierung zu einem Kongreß der Mächte auf den Grundlagen von I8l5, so fallen be- achtenswerthe Lichter auf die Absichten der russischen Kabinetspolitik, deren Athemzüge die diplomatischen Lungen von Petersburg bis Wien und weiter noch in Bewegung setzen. Außer der heiligen Allianz gilt an der Newa die Schwächling der Pforte nicht erst seit

dem Anfänge unseres Jahrhunderts als ein unverrück­bares Ziel, und unter allen europäischen Konflikten hat Nutzland stets mit eiserner Konsequenz danach ge­trachtet, diesem Zwecke immer ausgedehntere Erfüllung zu geben. Die Verpflanzung irgend einer deutschen Dynastie nach der untern Donau als Rekompensation für das Eingehen auf die britischen Forderungen, wäre unter den jetzigen Kabinets-Verhältnissen ein gar nicht unklug berechneter Vorschlag. Deutschland hat Ueber- fluß, und dem russischen Kabinet kommt es auf einen abhängigen Fürsten mehr oder weniger nicht an. Denn abhängig würde er sein auch als Fürst einesunab­hängigen" Donaureichs. In Schwaben wird ohnedies nur eine Großmacht Herr der Demokratie werden, so meinen österreichische Negierungsorgane, und alle Dro­hungen Rußlands haben im letzten Grunde nicht den Westen, sondern den Osten zu ihrem Ausgangspunkt. Wir verlassen diese Betrachtungen vor der Hand, um die Entwicklung der Ereignisse äbzuwarten.

Wien, 2l. März. Aus Przemysl wird derNeuen Zeit" geschrieben: Das frühere Gerücht vom Ein­märsche der Russen nach Galizien erneuert sich wieder. Im Frühjahre sollen nämlich 100,000 Russen in Ga­lizien einrücken. Zu Kaschau fand am 15. d. M. eine Erekution durch Pulver und Blei an dem Stuhl­richter Emmerich Esztoch statt. Acht andere hierbei Betheiligte wurden auf längere oder kürzere Zeit zu Festungsstrafen verurtheilt.

Wien, 22. März. In den Donaufürstenthümern will man großen Ereignissen entgegensehen. Einer Cor­respondenz zufolge wäre von nichts Geringerem die Rede, als von der Herstellung eines unabhängigen Do­naureiches unter einer deutschen Dynastie. Rußland habe dabei die Hand im Spiel, und sorge dabei für strenge Ueberwachung der Presse, wie denn auch so­wohl die Passagiere auf den die untere Donau befah­renden Dampfschiffen, als die Beamten des Dampf­schiffsbureau einer geheimen (russischen) Controle un­terzogen sind und während Rußland seine Truppen größtentheils aus den Fürstenthümern zurückzieht, suche es sie im Westen zu couzentriren. Die sog. drako-ro- manische Partei soll bei diesen Umtrieben besonders betheiligt sein.

Wien, 22. März. Mit dem gestrigen Abendpost- zuge sind unter polizeilicher Begleitung die politischen Gefangenen Ritter Stahlberg und Dr. Albert Tram­pusch, ehemaliges Mitglied der Nationalversammlung zu Frankfurt, nach der Frohnfeste auf dem Spielberg abgeführt worden. Ersterer ist zu fünf, Letzterer zu drei Jahren verurtheilt. Das Kriegsministerium hat verordnet, daß bei der Kassation eines k. k. Offi­ziers oder bei Dienstentsetzung der Militärbeamten die in der Strafnorm vorgeschriebene Klausel der ausdrück­lichen Ehrloserklärung in Zukunft fortzubleiben habe. Aus einem Vortrage des Ministerialraths Dr. Hock in der Industrie-Ausstellungs -Commission geht hervor, daß die österreichische Industrie-Aus­stellung auf das Jahr 1852 festgesetzt worden ist.

Stuttgart, 25. März. Für diesen Abend, unmit­telbar vor Postabgang, nur noch kurz, daß nach einer fünfstündigen Abendfitznng, nach langen Debatten, eine V e r e i n b a r u u g zwischen Ministerium und der L a n d e s v e r sa m in l u n g über die wichtige Frage der Abordnung von beiderseitigen Commissarien zu ver­traulichen Konferenzen über Verfassungsänderungen zu Stande gekommen ist, indem ein Dermittlungsvorschlag von Rey sch er, mit dem auch die Regierung sich ein­verstanden erklärte, mit 56 gegen 7 Stimmen von der äußersten Linken angenommen wurde. Die Ge­fahr eines durch den Beschluß vom Samstag Herbeige- führten Bruches zwischen Regierung und Landesver­sammlung ist somit vorerst beseitigt. Der preußische Gesandte ist gestern Nacht mit dem ganzen Gesandt­schaftspersonale abgercist; nur seine Familie ist noch hier. (Fr. I.)

Mainz, 26. März. Nach einer Mittheilung der derMainzer Zeitung" ist Dr. Mohr von Oberin­gelheim gestern von der Rathskammer des Kreisgerichts nicht etwa seiner Haft entlassen, sondern unter der Beschuldigung des Hoch- und Landesverraths der An­klagekammer des Obergerichts überwiesen werden.

Republik Frankreich.

Paris, 23. März. (Westd. Ztg.) Die heutige Nummer desNational" enthält Folgendes;

N a t i o n a l s u b s c r i p t i o n zum Nutzen der wegen politischer Ueberzeugung abge, setzten Lehrer.

Die royalistische Koalition, welche auf Frankreich lastet, decimirt täglich die Reihe jener Beamten, wel­chen das Gesetz die Erziehung des Volkes anvertraut hat.

Was sie in ihnen verfolgt, ist nicht, wie sie heuch­lerisch sagt, die Sache der Religion oder der verletzten Moral; es ist die Liebe zur Replcklik und zu t . Institutionen; es ist die Emanzipation, w - allgemeinen Wahlrecht hervorgellt, das sie vernichten will, um zur Unwissenheit <uvuit< . /

Es ist an den Republikanern, alle verläumdc.eu und proscribirten Lehrer in Schutz zu nehmen, sie zu ver­theidigen gegen solche gehässigen Verfolgungen. Möge