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Dresden, 3. März. Die Verhandlungen in der gestrigen geheimen Sitzung der zweiten Kammer sollen | nicht auf die Vertagung der Kammer berzügliche Ge- genstände, sondern, man höre! die Betheiligung der ch sisch en Negieru ng an den spanischen Gold bergwerken betroffen haben. Die spanische Regierung, der es bekanntlich auch sehr an Geld fehlt, hätte die' sächsische Regierung zu einem solchen Com­pagniegeschäft eingeladen. Die Angelruthe, die mau zu diesem Zwecke ausgeworfen, scheint das Versprechen zu sein, die Kenntnisse und Erfahrung sächsischer Berg­leute benutzen zu wollen. Da man so geheim mit dem Projekte zu Werke geht, läßt sich fast vermuthen, daß das proponirte Unternehmen etwas von Schwindel an sich trage. Schwerlich dürfte auch die Ausbeute der spanischen Goldbergwerke mit der Kaliforniens gewinn­reich konkurireu können. (N. D. Z.)

Waldshut, 4. März. Der frühere Advokat Tho­ma von Freiburg, welcher zur Revolutionszeit Amts­vorstand dahier war und sich der damaligen Bewegung mit großer Theilnahme anschloß, darauf aber flüchtig wurde, hat sich am L März dahier bei Gericht gestellt und ist sofort verhaftet und in weitere Untersuchung genommen worden. (Fr. Z.)

Nürnberg, 5. März. Hiesige Blätter berichten heute:Nach eingelaufenen Nachrichten aus München sollen sämmtliche Mannschaften des zweiten Armee­korps zum Dienst einbernfen werden. Zu diesem Corps zählen das 4., 5., 6., 9., 10, 12., 13. und 14. In­fanterie-Regiment, das 1. und 3. Jägerbataillon, schließ­lich das 1., 2., 5. und 6. Cheveaurlegers-Rcgiment. Diese Abtheilungen haben ihre Garnisonen in dem nördlichen Theile des diesseitigen Bayern's und in der Pfalz. In Folge Dessen sind schon gestern hier sämmt­liche Beurlaubte des 4. Regiments einberufen worden. Privatbriefe melden , daß ein Lager mit dem Haupt­quartier in Lichtenfels bezogen werden soll.

Wien, 1. März. Ein seltsames Gerücht durch­streicht eine gewisse Schichte der Bevölkerung und verbreitet in vielen Gemüthern eine zweifelhafte Un­ruhe ; der Kaiser, so heißt es, wolle noch vor der Krönung zurücktreten mit der Erklärung, daß er sich der Last der Regierung in diesen schwierigen Zeitläuf­ten nicht gewachsen fühle und dieses kaiserliche Amt sich für reifere Jahre bewahren. Hierauf würde natür­lich sein Vater, Erzherzog Franz Karl, gleichfalls seine Entsagungsurknnde zurückziehen und den Thron be­steigen. Der Umstand, daß der Kaiser weder gekrönt noch ihm gehuldigt worden und auch davon gar nicht die Rede ist, bestärkt die Leute in ihrem Glauben, welcher vorzüglich in der Annahme wurzelt, die Thron­veränderung im December 1848 sei blos eine noth­wendige Conzession an die öffentliche Meinung gewesen, die jetzt nicht mehr berücksichtigt werden müsse. Wir geben das Gerücht als solches und wollen das Ukbrige von der Zukunft erwarten. (Bresl. 3 )

Wien, 2. März. Um dem Gedächtnißtag der vom Kaiser den Völkern Oesterreichs vertiefe neu Reichsver- fassung entsprechend zu feiern, wird auf Anordnung des Ministers des Innern Montag den 4. März d. I., um 10 Uhr Vormittags, in der Metropolitankirche zu St. Stephan ein feierliches Hochamt und Te Deum abgehalten werden. Ein Requiem möchte vielleicht pas­sender sein! (K. Z.)

Wien , den 2. März. Das in Ungarn ver­breitete Gerücht, daß alle Nationalgarden, welche wäh­rend des Aufstandes , mit Waffen in der Hand, das Weichbild ihres Wohnorts verlassen, asseutirt werden sollen, wird von den Behörden offiziell widersprochen.

Wien, 4. März. (A. Z.) Triestiner Depesche: Patras, 26. Febr. Blokade fortdauernd; Athener Briefe mangelnd. Rom, 27. Febr. Abermals Hinrichtung.

Ungarn.

Preßburg, 25. Februar. Es ist kaum glaublich, wie viele Stadien so ein Honved-Ofsizier durchmachen muß, bis er als Gemeiner zu einem Husaren - Regi­ment assentirt werden kann. Lassen Sie sich die Fata eines solchen in Kürze erzählen. Nach der Waffen­streckung bei Vilagos zu Arad wegen einer am Fuße erhaltenen Verwundung für untauglich erklärt, eilte der junge Mann nach Hause in die Arme seiner Eltern. Noch war die Freude des Wiedersehens nicht vorüber, als ihm ein Citationszettel vor die Affentirungs-Com- mission seines Geburtsortes zukam. Bei dieser zweiten Untersuchung ging es etwas strenger her, doch befreite ihn die noch nicht vernarbte Wunde zum zweites Male. Hierauf verlebte derselbe als Reconvalesccnt im Schooße seiner Angehörigen vier Monate, während welcher Zeit es dem Hausarzte möglich ward, den Invaliden zu heilen und derart herzustellen, daß ihm der erlassene Befehl, demzufolge sich alle Honved- Offiziere ohne Unterschied zu stellen hatten, um so unangenehmer überraschen mußte. Unter 120 an einem Tage Unter­suchten befand er sich unter den Fünfen, welche aber­mals als untauglich entlassen und angewiesen wurden, sich in drei Tagen das Certifikat abznholen. Drei Tage verflossen unter Jubel, der Freigesprochene nahm die Glückwünsche seine Freunde entgegen, traf in aller Eile die nothwendigen Anstalten zur Abreise und fuhr geraden Weges an den bestimmten Ort, um das Cer­tifikat in Empfang zu nehmen, und mit diesem ver­sehen abzureisen. Statt des Certifikats wird ihm er­öffnet, daß er sammt seinen vier Schicksalsgenossen auf direkten hohen Befehlnach dem Prinzip der Gleich­

heit" auch eingereiht werden müsse, und zwar würden sie, da sie zum gewöhnlichen activen Militärdienst nicht fähig seien , zu einem Garnisons - Bataillon in einer Festung eingetheilt werden.

Die Gemüthsstimmung der Houveds läßt sich leichter denken, als beschreiben; nach so vielen täuschen­den Hoffnungen auf Erhaltung seiner Freiheit trifft ihn zuletzt nicht allein dasselbe unglückliche Loos, er soll auch noch getrennt von Genossen, sein Leben unter' den ungewohnten, unangemessenen und widrigen Be­schäftigungen eines Garnison - Bataillons hinbringen. Das ist zn viel. In dieser Lage entschließt sich der Assentirte, den Ober-General persönlich um Aenderung seines Schicksals anzugehen. Der General zeigt sich gnädig und sagt ihm die Einstellung in ein Kavallerie- Regiment zu, wenn der Arzt es zulässig finde. Auch der Arzt macht nach abermaliger Visitation keine Schwierigkeiten mehr und der junge Magyar fühlt sich glücklich, zu den Lichtenstein-Hnsaren designirt zu werden. Mit 600 Genossen, zum großen Theile ge­bildete Leute, marschirt er nach Wien und die Aus­sicht so viele Schicksalsgefährten zu haben, läßt ihn der harten Zukunft mit weit mehr Heiterkeit, als man glauben sollte, entgegengehen. Da ist das Erste, was er im Transporthause von Wien erfährt, daß alle Honvedoffiziere in böhmische oder deutsche Jnfanterie- Regimenter eingetheilt werden müssen. Nun wird der frühere Weg der Bitte noch einmal versucht; mit Hilfe seiner Konnexion mit einem hochgestellten Be­amten und dessen Verwendung gelingt es abermals auch dieses Hinderniß zu beseitigen, Nach all' diesen Fahrten und Wechselfällen ist der ehemalige Honved- Offizier endlich auf dem dritten Marsche nach Steier­mark, wo das genannte Husaren Regiment cantonnirt. Ob hiermit die Fatalitäten des Rekruten ihr Ende er­reicht, kann derLloyd", dem wir diese Schilderung entnommen haben, nicht mit Gewißheit sagen.

Italien.

Rom. Aus dem Hauptquartier Radetzky's, von Verona, wird gemeldet, daß der Colonel Elgger sich nach Rom begibt, um auf Berufung des Papstes die päpstliche Armee neu zu orgamfiren. Die früheren Nachrichten, dahin lautend, daß die Militärmacht des Papstes aus Deutschen, Franzosen, Spaniern und Ita­lienern zusammengesetzt werden solle, bestätigt sich.

(Westv. Ztg.l

Rom. Am 25. Febr. führten 6000 Mann fran­zösische Truppen unter dem Befehle Baragnay d'Hil- lier's vor den Thoren Roms ein Scheingefecht aus, zu dem eine ungeheure Menge Zuschauer herbeigeströmt war. Die Geschwindigkeit der Bewegungen erregte allgemeine Bewunderung. Am Abend fand eine Soirè beim General statt, welcher fast der gestimmte römi­sche Adel beiwohnte; es fiel auf, daß keine Cardinäle anwesend waren. Eine Versammlung von zwanzig Bischöfen des Kirchenstaats, auf welcher die gegenwär­tige Lage der katholischen Kirche in Erwägung gezogen werden soll, wird binnen Kurzem in Loreto abgehal- ten werden. General-Lieutenant Gabrielli hat den römischen Kriegsminister Kalbermatten, welcher krank ist, provisorisch ersetzt. In der Nacht vom 21. ist die Post auf der Via Emilia wieder von Räubern an­gegriffen worden. In allen von den Oesterreichern besetzten Theilen des Kirchenstaates soll das Knegsge- setz verkündet und jeder der die Ruhe nur im Gering­sten störe, mit Erschießen bedroht sein. Ein Dekret des Polizei-Direktors von Perugia verbietet unter Androhung von Geld- und Gcfangnißstrafe den Ver­kauf und das Tragen von Hüten ü la Hemani, von dreifarbigen Schärpen und Taschentüchern u. s. w. DerOpinione" zufolge hatte der englische Consul in Mailand das englische Wappen am Consültatsgebäude wieder befestigt, die Flagge jedoch noch nicht wieder aufgezogen. Am 4. März, dem Jahrestage der Ver­kündigung der Constitution, werden alle Schulen der Universität in Turin geschloffen sein, und dieser Tag wird künftig zu den Festtagen der Universität gehören.

MepubLik Frankreich

Paris , 28. Februar. (Nat.-Z.) Das politische Leben in Paris pulstet in diesem Augenblick nicht in der Nationalversammlung: es ist in den Wahlver­sammlungen und seit einigen Tagen auf dem Bastil­lenplatz. Alles schlägt seit einiger Zeit zum Vortheil der Demokratie und der Republik aus. Wenn Sie den Bastillcnplatz und die Julisäule heute sähen! Kränze über Kränze und den ganzen Tag eine Wall­fahrt nach dem Orte, wo die Polizei auf eine so ge- scheidte Weise die heiligsten Gefühle des Volkes ver­letzt hat. Erst die Freiheitsbäume, dann die Todten- kränze. Wozu, warum? Welches abscheuliche Ver­langen nach Unruhen und Aufständen treibt denn die Regierung? Ich sage die Regierung: denn Niemand spricht sie frei, trotz der Erklärung des Ministers des Innern auf der Tribüne der Nationalversammlung. Unfähig oder schuldig, ruft die öffentliche Stimme dem Minister, zu vielleicht beides. Und diesmal ist die Bourgeoisie in den Strom des Unwillens hineinge­zogen. Indem sie Herausforderungen dieser Art hin­terher von der competenten Behörde vcrläuguen sieht, fragt sie sich ängstlich: Giebt cs denn mehrere Re­gierungen der Republik? und mehr und mehr wird ihr klar, daß die Einheit, die Wahrheit und Gesetz­

lichkeit nur bei der Demokratie und den Vertheidigern der Konstitution zu suchen ist.

In einer Wahlversammlung, die von Krämern, Kaufleuten und Gewerbtreibenden veranstaltet wurde, hat das Manifest der Montagne eine Aufnahme ge­funden, die keine Worte schildern können. Bei der Frage:Vor Gott und den Menschen, billigt Ihr das Bombardement von Rom und die einem freien Volke aufgedruugene Pfaffenherrschaft?" erhob sich der ganze Saal, der an 67000 Personen faßte, und ein furcht­bar einhelligesNein" war die Antwort, der alsbald eine dreifache L-alve: Es lebe die Republik! es lebe die Montagne! folgte. Wie wir es in den bedeutungs­vollsten Momenten des revolutionären Lebens in Frank­reich stets beobachteten: die Weiber hatten sich zahlreich eingefunden und nahmen an allen nationalen Gesin- nungsäußerungen warmen Antheil.

Paris, 3. März. Wer hindert Louis Napoleonr seinen vielbesprochenen Staatsstreich zu wagen, wek hindert die Monarchisten, dem Namen der Republi, ein Ende zu machen, wer verhindert die Nepublikaner- die rothe Fahne aufzupflanzen, wer befreitet den Be, lagerungszustand, wer knebelt die Presse, wer präsi dirt in dem Elysec Bourbon und in den Wahlver" sammlungei: aller Farben, wer treibt die Bourgeois den Sozialisten in die Arme, wer verschanzt sich hin­ter Constitution und dem gesetzlichen Fortschritt? Nie­mand anders, als die Furcht, ja die Furcht und noch­mals die Furcht!

Allons donc! Wenden wir uns zu ihrem gehor­samsten Söhne, zu Louis Napoleon. Da futt der Dupe in seinem Pallaste, umringt von Jntrignanten und Gläubigern, die ihn jeden Augenblick fühle , las­sen, daß er ihr Prügeljunge und'Werkzeug ist. Er gibt in diesem Winter keine glänzenden Bälle mehr, wie kurz nach seiner Thronbesteigung, denn die alten Rechnungen sind noch nicht bezahlt und es fehlt ihm an Geld zu neuen Festen. Er wird jetzt mürbe gc- macht und so oft j-r aus dem Elysee tritt, drängt sich die fordernde Schaar unbefriedigter Gläubiger an ihn heran, ja der Neffe des Kaisers muß es erleben, daß ihm ein Pferdehändler einen schönen englischen Hengsts den er.erhandelt, nur gegen baarc Zahlung überlasten will. Louis Napoleon hat kein Geld und und muß den Kauf rückgängig machen. Monseigneur erhält auch nicht die versprochene Zulage, er ist ein ruinirter Mann; aber er sitzt mit seinen Ministern zu­sammen und brütet und träumt von einem Heilmittel von einer Radical-Cur von einem Staatsstreich er will sich eines schönen Morgens zum Kaiser machen. Nur dann können die Gläubiger befriedigt und die intriganten Freunde zum Schweigen und zur Ruhe gebracht werden, nur dann kann er der Lösung jener höhnischen Frage unbesorgt entgegensehen, welche jüngst eine englische Dame auf seine dumme Anrede an ihn richtete:Est ce que vous resterez long-teins en France, Madame ?" lautete die Ansprache." Et vous Monsieur! die schlagende Antwort. Man hegt in Deutschland noch immer rege Hoffnungen und Be­fürchtungen vor dem vielbesprochenen, beabsichtigten Staatsstreiche. Beide sind, wenigstens vorläufig, un­begründet. Louis Napoleon denkt vorläufig nicht mehr daran. Möglich daß seine Pläne bei demnächstiger Lösung der augenblicklichen Ungewißheit wieder mit verdoppelter Macht auftauchen; für den Augenblick ruhen sie. Der Grund davon ist der:

Bis vor ungefähr 4 Wochen dachte L. Napoleon in allem Ernste an einen Staatsstreich, die zunächst liegenden Hindernisse waren beseitigt und es kam nur noch darauf an, den General Changarnier als den Chef sämmtlicher Pariser und benachbarten Truppen dafür zu gewinnen. Changarnier ist bekanntlich Legi­timist und ein alter ehrgeiziger Soldat. Als ihm von Seiten der Bonapartisten das Ansinnen um thätige Mithülfe bei dem Vorhaben gestellt wurde, schlug er es in höchst beleidigenden Ausdrücken für Louis Na­poleon rundweg ab. Dieser, der gerade von Chan- garnier's Seite keinen Widerstand befürchtet hatte, ist aufs Aeußerste erbittert und beschließt, um seine Ab­sichten ungehindert auszuführen, die Verhaftung Chan- garnkers und des ihm nächst diesem am meisten gefähr­lichen Lamoriciere, sowie Cavaignacs. Eine Einladung zum Esten sollte sie alle Drei ins Elisee und in die ihnen gelegte Falle führen. Changarnier ward vorher von diesen Plänen benachrichtigt; er konferirt mit La­moriciere und Cavaignac, und alle Drei beschließen, daß Changarnier am Tage der Einladung, je­doch vor der festgesetzten Stunde, um 11 Uhr, sich zu Louis Napoleon begeben solle, daß die beiden Andern aber, falls er nicht spätestens bis 1 Uhr zurückkomme, vom General-Quartier, denTuil- lerien aus, in die Nationalversammlung ziehen und dort sofort eine neue provisorische Regierung proklamireu sollten. Changarnier also, wie verabredet, geht zn L. Napoleon, und erklärt ihm sein und seiner Verbünde­ten Vorhaben, falls Napoleon einen Schritt gegen ihn wage. Dieser versichert hoch und theuer, daß er nicht an seine Verhaftung gedacht, umarmt ihn, bittet ihn um seine fernere Freundschaft, und erscheint Abends mit ihm in derselben Theater-Loge. Trotz aller Ver­suche aber, die L. Napoleon gemacht, Changarnier zu gewinnen, ist es ihm noch nicht gelungen, seinen Bei­stand zu erlangen. In neuester Zeit behaupten zwar einige Blätter, Changarnier neige sich jetzt mehr dem Elyfee zu, indessen widerspricht sein Charakter und sein Parteistandpunkt derartigen Gerüchten am schla-