reich und Herrn Rau setzt/ beginnt die Sitzung mit der Vereidigung des neu gewählten Abg. Schürg, der die Nähe des Herrn Zollmann sucht. Alsdann wurden die Budgetvorlagen mitgetheilt. 4/164,000 fl. sind zu decken, wozu außer den indirekten Steuern und sonstigen Jntraden noch 4 weitere simpel erforderlich sind, also 5 Simpel für daS Jahr 1850. Darauf werden noch besondere Anforderungen zu Helmen für das Militär gemacht, „in Voraussicht eines baldigen Ausrückens", wie sich der Herr Ministerpräsident ansdrückte. Darauf Schluß der Sitzung. Morgigte Tagesordnung: Prüfung der Wahl des Abgeordneten Schürg, Wahl der zwei Mitglieder zum Erfurter Staatenhaus, und der verschiedenen Ausschüsse.
* Wiesbaden, 7. März. Herr v. Gödecke nimmt also Platz neben Herrn Heydenreich, d. h. auf der Rechten, und doch wohl auch, besonders in Betracht der Abstimmung des Hru. V. Gödecke über die Größe der Civilliste im vorigen Jahr, mit der Absicht, mit der Rechten zu stimmen. Wir Demokraten haben hiergegen nicht das Mindeste einzuwenden, und freuen uns von Herzen, daß die Regierungspartei diezen unerschütterlichen und bei Gott! ausdauernden Kämpfer für ihre Fahne gewonnen hat. Recht so! Gerade mit der Farbe heraus — das ist cs ja, was auch wir wollen. Hr. v. Gödecke erschien auch in Uniform.
Diese Uniform wird gewiß Herrn v. Gödecke stets daran erinnern, welche Pflichten ihm gegen das Volk obliegen, und welche Fehler und Mißgriffe er nicht sich zu Schulden kommen lassen darf.
Flir die braven Leute, welche erst seit neuster Zeit Politik treiben wollen wir noch bemerken, daß Herr v Gödecke, so lange er ein Mitglied der demokratischen Seite der Kammer war, in der Kammer in Civilkleidung auftrat, und auch selbst außer der Kammer, unseres Wissens sehr selten die Uniform anzog.
Herr v. Gödecke wird wohl seit dein letzten Tagen der Volksvertretung die Einsicht gewonnen haben, daß die Principien der „Wühler" durchaus jeder gesunden Begründung entbehren.
Nun auch wir Demokraten — und
„Wir sind das Volk, die Menschheit wir" — haben unterschiedliche Dinge gelernt; z. B.:
„Wir lernten hassen wie Schirlingssaft Das Vertrauen, unsere Leidenschaft."
Sollte Herr v. Gödecke blos auf der Rechten sitzen, aber gleichwohl vor wie nach mit seinen „alten Freunden und Gesinnungsgenossen" stimmen, so müssen wir wegen unseres Irrthums um Entschuldigung bitten. Doch „wir werden ja sehen", und wir werden
auf der Warte stehen, und den guten vertrauenden Bürgern der Aemter Weilburg und Runkel Mittheilungen machen über den Mann, den sie im Jahre des Heils 18-18 zum Abgeordneten wählten.
-ö- Vom Taunus, 5. März. (Märzfeier zu Hofheim am Taunus.) Gestern wohnte ich in dem benachbarten Hoshkim einer erhebenden Feier bei, welche dem Andenken des 4. März zu Ehren von dem , erst seit wenigen Monaten bestehenden Hofheim - Krift- ler Leseverein veranstaltet worden war. I
In einem festlich geschmückten, mit Kränzen, Guir- ; landen, Fahnen, Transparanten, den Portraits der j deutschen Volksmänner und einem typographisch sehr schön aüsgestatteten Exemplar der Grundrechte des deutschen Volkes dekorirten Saale waren 150 — 200 , Theilnehmer aus Hofheim und den benachbarten Orten versammelt, um den Jahrestag der Erhebung des nassauischen Volkes durch ein Banquet zu feiern. i
Unter dem Vorsitze des Herrn Abgeordneten Wehrfritz wurde die Feier um 7 Uhr Abends durch Musik und Gesang und eine darauf folgende Festrede eröy- net, welcher dann begeisterte Toaste folgten, zwischen denen die Pausen durch Musik und trefflich erecutirte Mannerchöre ansgcfüllt wurden. — Die ausgebrachten
Toaste galten den deutschen Freiheitshelden, der frau-. zösischen Revolution, den Ungarn, Robert Blum, Hecker, den deutschen Flüchtlingen, den Vertheidigern und Angeklagten des Idsteiner Prozesses, Waldeck, der freien Presse und Oppermann, der Demokratie, der Linken der Nass. Kammer. — Als in dem Toast auf die deutschen Flüchtlinge der Redner das traurige Loos dieser Heimathlosen mit lebhaften Farben geschildert und zur Unterstützung derselben durch Geldbeiträge aufgefordert hatte, trug ein Jeder in der Versammlung sein Scherflein bei, und Jeder gab mit freudigem Herzen.
Nach dem Toast auf die französische Revolution verlangten viele Stimmen die Marseillaise, welche denn auch, da hier kein Deutscher Verein Einspruch that, (nur Demokraten hatten Eintrittskarten erhalten) unter großem Applaus der ganzen Versammlung gespielt wurde. — Einen Vortrag über die Feinde der Demokratie schloß der Redner mit den Worten: „i hncn bringe ich kein Hoch!" und verließ die Tribüne.
Um 12 Uhr schloß der Präsident die Versammlung, die jedoch noch bis nach 2 Uhr zusammen blieb. Jetzt wechselten in ungezwungener bunter Reihe ernste Vorträge mit launigen, unter denen besonders eine die jetzigen Verhältnisse mit vielem Humor scharf geißelnde : Parodie der Kapuzinerpredigt aus Wallensteins Lager ! sich sehr auszeichnete. Lobende Erwähnung verdienen die Leistungen des Hofheimer Gesangvereins, der unter der Leitung eines dasigen Bürgers ein sehr reges Leben zeigt, und mit vieler Präcision mehrere dieser Feier angemessene Gesangstücke vorgetragen hat.
5 Aus dem Amte Limburg, Anfangs März. sErwiede run gJ Ein □ Correspondent aus dem hiesigen Amte glaubt, in Nr. 52. der Freien Zeitung, einen tüchtigen Schuß auf ein gewisses Schulmeisterlein gethan zu haben. Allein es war nur ein Puff aus einem gewissen Kubb von Ohnewitz, wozu ein Alter das allgemein bekannte Commißpulver geliefert und dadurch mehr ein frohes Lachen, als einen Schreck verursacht hat. Denn das Männlein, dessen rein menschliche Grundsätze der Q Correspondent auf eine lächerlich witzige Weise in Zweifel zu ziehen, und sie in reaktionäre ninzuwandeln sucht, ist heute noch, was
es von jeher war. niß ist und bleibt
Sein politisches Glaubenbekennd
natürliches Recht
volkSthümliche Einheit, wirkliche Freiheit, rich
tige Kenntnisse, reine Sitten und gute Thaten. Dies wird wohl genug sein, um vor Gott und alter Welt bestehen zu können.
Für den ersten, den politischen Theil des □ Cor- respondenten Artikels wäre dies also einstweilen schon genug.
Des eigentlichen Pudels Kern steckt tiefer, er kommt am Ende jenes Artikels, in Form einer persönlichen Verdächtigung in moralischer Hinsicht, gepaart mit einer Drohung, zum Vorschein. Aber auch das sind Ohnewißer-Klubbs-Puffe, die das feststehende Schul- meisterlein weder erschrecken noch beunruhigen können. Denn es hatte ja schon selbst am 20. Jan. d. I. auf ein, am Weihnachts-Abend v. I., zusammengeschlme- detes Machwerk, wegen des eidlichen Zengenverhörs, in einer Schrift an H. Justitzamt auf eine Untersuchung angetragen; auch find die betreffenden Personen damals aufgeforbert worden , ihr ausgehecktes schwarzes Werk, persönlich vor den Richter zu bringen. Da sie dies aber bis jetzt noch nicht gethan haben, so hat sie das freimüthige Männlein in einem Sendschreiben an alle redliche und rechtschaffene Männer, der öffentlichen Meinung, welche starker ist als alle Richtersprüche, Preis gegeben.
Auge um Auge. Zahn um Zahn. Dem Reinen ist Alles rein. Wer Teufel austreiben will, muß rein sein. Aus trüber Quelle fließt kein klares Wasser. Wer nicht traut, thut keine Treu. Matt. 7, 1—12.
Aus Thüringen meldet die R. E. Z., daß sich die Weigerungen, Casscnschcine zu nehmen, mehren.
Reuwied, 1. März. Der am 22. d. Mts. vordem Schwurgerichte verurtheiltc Redakteur Krumscheid zu Altenkirchen hat wegen Formverletzungen und unrichtiger Anwendung der Gesetze das Rechtsmittel der Kassation ergriffen und ist gegen Kaution seiner Haft entlasten. Die ganze Verhandlung legte offenbar die Suprematie der Vcrurthcilnng an den Tag, und es hat einen durchaus ungünstigen Eindruck bei dem zahlreichen Auditorium die bittere Ironie, das höhnische Lächeln des Oberstaatsanwaltes, mit welchem er den Angeklagten fortwährend verfolgte, hervorgerufen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, da wahrscheinlich die Sache bei einer neuen Aburtheilung dem Geschwornengerichte unterworfen werden wird, die Freisprechung unbedingt erfolget. — Von der 2. Anklage, der Beleidigung des Landraths Jakob von Hilgers, in Bezug auf sein Amt, sprachen die Geschwornen den Angeklagten frei. Die Zurückführung desselben ins Gefängniß erfolgte geschlossen und in Begleitung von 4 Gens- darmen, ein Benehmen, das bei seinem Bekanntwerden selbst in tun conservativsten Kreisen die tiefste Entrüstung hervorrief
N. S. In Linz ist derselbe von vielen politischen Freunden bei seiner Ankunft mit dem Düsseldorfer Dampfschiff bewillkommt worden, und geht uns eben von Altenkirchen die Nachricht zu, daß dort seine politischen Freunde ihn mit Böllersalven begrüßten.
(Westd. Ztg.)
Würzburg, 5. März. Die „Neue Würzburger Zeitung" meldet Folgendes, das übrigens noch sehr der Bestätigung bedarf: Eine heute hier angekommene Privatnachricht will wissen, daß Heubner, Nöckel und Bakunin glücklich aus ihren Gefängnissen entkommen seien."
Erfurt, 1. März. Das Kasinogebäude wird für die Abendsitzungen mit Gas beleuchtet werden; auch denkt man jetzt daran, eine solche Beleuchtung zu Ehren der Parlamentsglieder in der Stadt cinzu- führen. Die „Erfurter Zeitung" wird das Organ des Reichstages bezüglich des hierher übersiedelnden Verwaltungsrathes werden; sie erscheint dann täglich zweimal, wird mit Specialredakteurs aus Berlin "vermehrt und von daher auch die Schnellpressen verschrie- { ben. Sittenfeld in Berlin tritt mit Kramer, dem Be- ■ sitz er jener Zeitung, in Verbindung. Letzterer ist schon lange ein eifriger Treubündler. Die Polizei am Bahnhöfe wird bereits verschärft. Auch sagt man, General V. Voß habe die Errichtung einer Kaserne in der Nähe desselben in Berlin beantragt. Das hier statio- nirte 31. Regiment werden mir verlieren, es ist für Baden bestimmt; dagegen erhalten wir Garden von Berlin. Sonst wird die Garnison in und um Erfurt um 14,003 Mann erhöht.
Hagen, 28. Februar. Sie erinnern sich, daß • während des Iserlohner Aufstandes sich hier ein Si- ; chcrheits-Ausschüß ans 16 Mitgliedern, mit dem Dr. i Grevel an der Spitze, gebildet hatte. Als der Putsch die schiefe Wendung nahm, flüchtete sich Grevel und die andern Mitglieder wurden in Untersuchung gezo- I gen. Vor einigen Tagen ist nun vom Anklage-Senate i zu Hamm auf Antrag der Staatsprocurator ein Urtheil ergangen, welches die Angeklagten außer Verfolgung setzt, indem sie während ihrer Thätigkeit als I Sicherheits-Ausschuß nichts Ungesetzliches begangen 1 haben. (Elb. Z.)
Stuttgart, 3. März. Die Uebersiedelung des Königs nach Friedrichshafen ist entschieden; die Gemächer im dortigen Schlosse werden in aller Eile in Stand gesetzt. Von Friedrichshafen gelangt man bekanntlich in wenigen Stunden nach Bregenz, wo die Oester- . reicher stehen und — umgekehrt. (K. Z.)
Berlin, 3. März. In der Sitzung des Verwal- , tungsrathes vom 1. März wurde auch die Botschaft ; der Regierungen an den Reichstag mit geringer Modi- ’ fikation in der Fassung genehmigt, und es liegen nun also alle Vorlagen vor. (K. Z.)
Rani, die biö jetzt vom Schrecken gelähmt im Grase gelegen und dem unheimlichen Zauber zusah und zuhörte sprang jetzt auf und lief wie von Gespenstern getrieben weit fort von der weißen Halde und immer weiter, bis ter Chor der Vögel: die Liebe, ach die Liebe! hinter ihr verhallte. Erst auf der Halde, die man des hohen üppigen Grases wegen die grüne nannte, machte sie Halt. Aber da begann der Zauber wieder, nur in anderer Gestalt. Aus den Büschen und Gräsern traten Hirsch und Reh, Hâjelcin, Kaninchen und allerlei vierfüßiges Gethier des Waldes hervor und auf den Zweigen sammelten sich die Eiwhörnchen. Die Hirsche und Rehe, Hasen und Kaninchen stellten sich um sie im Kreise. Sie sahen traurig aus und neigten ihre Köpfe zu Boden. Auch sie begannen zu sprechen, jedes nach seiner Art.
Der Hirsch sagte: Dich rühren die Thränen meiner Augen nicht, im üppigen Glücke meiner Freiheit tödtest du mich! Ach!.mein Geschlecht ist dazu verdammt, gehetzt, gejagt und grausam gemordet zu werden, aber nicht von Juugfrauenhand. Sich, andere Jungfrauen gehen durch den Wald und liebkosen uns und sammeln süße Kräuter und bringen Brod uns zu nähren. D u bringst uns den Tod! Aber anders als sonst blickt jeyt dein Auge. Du bist nicht mehr grausam, das Blei versagt dir zu .todten, und das ist die Liebe!
Es sprach das Reh: Du hast die Mutter getödtct dem Kinde und hast das Kind heranwachscn lassen um
cs auch zu todten! Du weißt nicht wie cs ist Mutter zu sein! Du hättest es nicht gethan! Denke nicht daran, wenn Du einst Mutter bist, wie wir blutend flohen zur verborgensten Quelle des Waldes, um unsere Wunden zu waschen und zu sterben. Jetzt ist Barmherzigkeit eingczogcn in deine Brust, denn du liebst!
(Fortsetzung folgt.)
Schöne Litteratur.
Von den „Neuen deutschen Zeitbildern* , dercn^erste Abtheilung, der dreibändige Roman „Anna Hammer", großes Aufsehen macht, erscheint demnächst in Eisleben als zweite Abtheilung: Josefe Münsterberg, ein Roman der Gegenwart in drei Bänden". Es ist ein lautes Geheimniß, daß Temme der Verfasser dieser Romane ist, die in seinem Kerker zu Münster entstanden sind. Die „Anna Hammer" gehört zu den besseren Revolutions- romanen und verräth ein bedeutendes Talent, welches Tcmmc übrigens bereits früher in belletristischen Arbeiten an den Tag gelegt hat. Die Schilderungen des Garnisonslebens, der Intriguen an einem kleinen Hofe, der Bedrückungen der unteren Stände sind sehr gelungen und einige Uebertreibungen abgerechnet voll Wahrheit;
der Dialog ist sehr gcwnndt, während dagegen der Stil im allgemeinen häufig die Biegsamkeit vermissen läßt. Vor dem Verfallen in Extreme bewahrt sich der Verfasser besser als Sternberg in seinen »eupreußischeu Zeitbildern , die wohl die Entstehung der neuen deutschen veranlaßt haben. Ueber den im Druck befindlichen zweiten Roman schreibt ein thüringisches Blatt: Der Roman schildert in lebhaften Skizzen die Ereignisse des Jahres 1847, die reaktionären Bestrebungen des Adels und die Hebelgriffe einer engherzigen Geistlichkeit, die ränkevollen Umtriebe eines diplomatischen Jntriguanten und cin.'r berüchtigten Abenteurerin, den Glanz und Luxus der Höfe, daS Elend und Verkommen des Volkes, den russischen Einfluß auf deutsche Verhältnisse und die Bevormundung von oben, so wie die vergeblichen Bestrebungen einzelner, das schlummernde politische Bewußtsein im deutschen Volke zu wecken. Von allem diesem sehen wir getreue Spiegelbilder der Wirklichkeit. Die Charaktere sind in scharfen Umrissen gezeichnet, die Triebfedern der Handlungen psychologisch wahr geschildert, die Verwicklung und Entwicklung der Begebnisse lebendig, rasch, spannend und das Interesse des Lcserö von Anfang bis zum Ende gleich mächtig fesselnd."
(F. C. B.)
