macht hätte, sei die gewesen, daß er Hunger habe. Obwohl die Kost hinreichend genüge, einen gesunden Menschen zu ernähren, so habe man ihm dennoch einen Zusatz bewilligt. Ein Beweis seiner Verstocktheit sei der, daß er, unmittelbar darauf, als man ihm die blutigen und beschmierten Kleider der ermordeten Frau vorgezeigt, zu Essen verlangt habe. Manchmal sei er aber so verstimmt gewesen, daß man es für gut gefunden, Handtuch re. aus seiner Zelle zu thun, um einem Selbstmorde vorzubeugen. Dicje Mißstimmung sei aber gänzlich verschwunden, seitdem der Vertheidiger, Hr. Procurator von Schütz, ihn besticht habe. Er sei nach diesem Besuche sehr freundlich und gut aufgelegt gewesen und habe dem Gefangenwärter Au- dreas auf die Frage, wie ihm der Vertheidiger gefalle, geantwortet.: „recht gut/ sie können mir nichts anhaben, ès hat Niemand etwas gesehen, ich leugne Alles und sage nichts als „ja" und „nein"". Der Herr Kruni- minalrichtcr erklärt nun weiter, der Herr Vertheidiger habe ihm dies auch im Vertrauen selbst gejagt, dieser erklärt aber die Sache dahin, daß er seinem Klienten nur gesagt habe, „das einfältige Mährcheu, was er als Geständnis; abgelegt habe, z u wi d e r r uf e n und d i e W a h r h e i t z u sagen t in Uebrige n m i t „j a" und „n e i n" z u a n t- morte n." ' Der Staatsanwalt läßt die Aussagen des Hrn. Kriminalrichters Zinn und die des Gefan- genwärters Andreas, der Obiges bestätigt, zu Protokoll nehmen. Hr. von Schütz erklärt weiter, daß er diese Unterredung ohnedies in seiner Verthelhigungs- rete berührt haben würde.
Es beginnt nun das Zeugenverhör. Ueber 50 Zeu- gen sind geladen und erschienen. Philipp Enders, 11 Jahre alt, und Anton Enders, 13 Jahre alt, beide von Breithardt, wichen nichts davon, dem Angeklagten etwas von 5 Stichen gesagt zu haben. Die Protokolle über dix Lokalbesichtigung, wo die Leiche gelegen und über den Befund der Leiche und deren Sektion werden verlesen, und geben hierauf die beiden Aerzte, die Herren Medizinalrath Dr. Stutz und Me- dizinalacc. Vr. Träget von Wehen ihr Gutachten dahinab, daß die Wunde in das Herz die köstliche, der äussere Blutverlust aber kein sehr bedeutender gewesen sei 2C. Dem Zeuge Bürgermeister Joh. Ph. Ewig von Breithardt wurde am Abend des 1. September die Anzeige von dem Ausbleiben der Frau gemacht, und da doch gerade nach einem Deserteur Lutter gestreift worden sei, so habe er nach der Frau suchen lassen und sei sie darauf ermordet gefunden worden. Er beschreibt das Nähere hierüber und wie Kopp an diesem Tage so verschlagen gewesen sei. Man habe gleich Verdacht auf ihn gehabt, da chn auch mehrere Personen aus dem Distrikte, wo die Frau gelegen, am Morgen hätten kommen sehen. Er sei darauf des folgenden Tages Abends verhaftet worden und die ausweichenden Antworten desselben hätten den Verdacht nur bestärkt. Die Leiche sei bis zur Ankunft des Amts- personals genau bewacht worden. Der Zeuge Bürgermeister Krieger von Born bekam ebenfalls Anzeige von dem Ausbleiben der Ehefrau Weber. Auch er ließ suchen. Er sagt, daß die Frau eine sehr brave gewesen wäre re. Das Vermögen sei nicht sehr bedeutend. Der Zeuge Georg Philipp Weber von (ter
Ehemann der Ermordeten) gibt an, daß seine Frau des Morgens zwischen 6 und 7 Uhr fortgegangen sei, in der Regel sei sie dann gegen 12-1 Uhr Mittags wieder gekommen. Er habe erst Abends die Anzeige gemacht? Sie habe den Handel mit Butter und Eier schon seit ihrer Consirmation betrieben, am 1. September habe sie 10 fl mitgenommen, dieses Geld sei beim Aufsinden der Leiche fort gewesen. Er erkennt die blutigen Kleidungsstücke seiner Frau wieder (er weint). Sie Zeugin Wittwe Seel von Born ist die Mutter der Gemordeten. Sie bestätigt das von ihrem Schwiegersohn Gesagte. Sie selbst hat ihrer Tochter das Geib hingezählt. Auch sie erkennt unter Weinen und Schluchzen die Kleidungsstücke wieder. Drei weitere Zeuginnen aus Breithardt bestätigen, daß die Gemordete Eassee, Salz, Butter und Eier bei ihnen an jenem Tage gekauft habe. Gegen 10 Uhr habe sie das Dorf verlassen. Die Zeugen Ruber, Stöcker, Fuhr, Feir, Enders 2r von Breithardt haben die Leiche suchen helfen, Fuhr hat sie zuerst gesehen, Stöcker den Geldbeutel gefunden. Feir ist derjenige, dem der Angeklagte von 5 Stichen erzählte. Er verwunderte sich hierüber, da doch noch Niemand die Leiche untersucht habe und sie die ganze Nacht bei ihr gewacht hätten, während Kopp eben erst aus dem Dorfe kam. Am Abend habe dieser von 3 Stichen gesprochen, weshalb er beim Bürgermeister die Anzeige gemacht habe, worauf die Verhaftung erfolgt sei. Der Zeuge Martin Müller von Breithardt war auch bei teil? jenigcn, denen von den 5 Stichen erzählt wurde. Abends hätten sie vor einem Hause gesessen und der Angeklagte, der-früher ein so „großes Maul" gehabt habe, sei sehr kleinlaut gewesen. Wie dieser von den 3 Stichen gesprochen habe, habe er ihm ein Paar „Patschen" gegeben, wenn sie dainals genau gewußt hätten, daß Kopp der Thäter gewesen sei, so wäre er „massakrirt" worden.
Der Zeuge Salomon Nassau kam mit dem Angeklagten am Sonntag Morgen (2. September) aus dem Walde, wo die Leiche lag. Der Angeklagte sei sehr mißgestimmt gewesen, er habe Abscheu vorder Frau gehabt und erzählt, wenn er den Mörder wüßte, er würde ihn von Hunden zerreißen lassen oder den ersten besten Apfelstützen vom Baum nehmen und ihn todt schlagen. Vor dem Dorfe hätten Leute gesessen, an denen vorbeizugehen, er sich geschämt habe. Dies sei ihm (dem Nassau) sonderbar vorgekommeu. Kopp habe auch gesagt, der Sonntag sei ein unglücklicher Tag für ihn. Der Zeuge Karl Dietz von Breithardt hat den Angeklagten um % 10 Uhr aus dem Distrikte kommen sehen, wo die Ermordete gefunden wurde.
Die Zeugin Wittwe Rettert von Breithardt hat den Angeklagten kurz vor dieser Zeit an sich Vorbeigehen sehen, er sei nach der „Zwissel" (da lag die Ermordete) gegangen. Der Zeuge Conradi von Breithardt hat ihn um dieselbe Zeit dort gesehen. Die Zeugin Joy. Cath. G r t in in von Breithardt, bei welcher der Angeklagte wohnte, erzählt, d^ er um 8 Uhr Morgens an jenem Tage wcggegangeh'und um 10 Uhr nach Haus gekommen sei. Er sei sehr schnell gelaufen und habe mit Ungestüm verlangt, man solle ihm sein Kamisol waschen; er habe seinen Kittel an
gezogen, sei wieder weggegangen und habe dann eine Handhabe zu einem Dreschflegel mitgrbracht. Auf die Frage an seine Mutter, was gegessen würde, habe diese geantwortet: „Kartoffeln und Milch", worauf er sehr unwillig gewesen wäre. Er habe sich ein Messer mit- genommen, da er vorgegeben, das (einige habe er verloren. Um 3 Uhr sei er mit einer Last Holz aus dem Walde gekommen. Seine Leute seien nicht am Waschen gewesen. Der Angeklagte habe nie eine Stube an gestrichen. Er habe mit Eltern und Geschwistern immer im Streit gelegen (die Zeugin zankt sich mit dem Angeklagten, der bei jeder Zeugenaussage einredet). Die Mutter des Angeklagten, welche nicht vereidigt wird, erzählt vollständig, was sich an diesem Tage mit ihrem Sohne zugetragen; es ist nicht geeignet, ein anderes Licht auf ihn zu werfen. Ebenso die Aussagen seiner Schwester und seines Vaters. Die Schwester^ hat den Wamms am Bache ausgewaschen, will aber nichts von Blut daran bemerkt haben. Der Zeuge Sato ui und sein kleiner Bruder sind dem Angeklagten kurz vor der That im Walde begegnet, er fragte diese: ob Niemand da unten herkomme ? worauf diese antworteten: „Eine Frau mit einem Korbe." Er sei darauf in den Wald zurückgegangen. Der Müller Gehn von Adolphseck kam mit einer Fuhre des Weges her, die Ehefrau Weber sei ein Stückchen vor ihm hergegangen, später habe er sie nicht mehr gesehen. — So weit sind die • Verhandlungen bis zum Abend des 28. gediehen.
(Schluß folgt.)
Nachschrift. Der Angeklagte ist zu 18 Jahren Zuchthaus verurtheilt.
# Wiesbaden, 30 Januar. Wir vernehmen soeben, daß Martin Kopp heute Morgen dem Herrn Untersuchungsrichter Zinn ein ausführliches Geständ- niß über den von ihm an der Ehefrau Weber verübten Raubmord abgelegt habe.
Amtliche Nachrichten.
(Konzefstun zur Vermittlung des Transports von Answandernden Mreffenb.)
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, .daß der Kaufmann Joh. Jos. Möhler zu Wiesbaden als Hauptagent des Mainzer Vereins zur Beförderung deutscher Auswanderer von Strecker, Klein und Stock die Erlaubniß zum gewerbsmäßigen Betrieb der Vermittlung des Transportes von Auswanderern unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1849 enthaltenen näheren Bestimmungen erhalten hat.
Wiesbaden, den 25. Januar 1850.
Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, Abtheilung des Innern.
Gieße. vdt. Ler.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Einladung zur Kubscriplion!
Vor einigen Tagen haben die Quartalsitzungen der Assisen des Herzogthums wieder ihren Anfang genommen und im Laufe dieser Sitzungen wird auch die Angelegenheit des
Idsteiner Landes - Congreffes, welcher sich bekanntlich die Ausgabe gesetzt hatte, durch gesetzliche Mittel die Durchführung der teutschen Reichsverfassung vom 28. März zu bewirken, — zur Verhandlung kommen.
Da die unterzeichnete Buchhandlung sich überzeugt hält, daß die den Idsteiner Landescongreß betreffenden Verhandlungen mit großem Interesse nicht allein innerhalb des Herzogthums, sondern auch außerhalb der Grenzen desselben verfolgt we»ben möchten, und da es gewiß auch Vielen erwünscht sein wird, wenn ihnen diese Verhandlungen nicht allein sehr rasch, sondern auch in erschöpfender Vollständigkeit zugänglich gemacht werden: so hat die Verlagshandlung sich dazu entschlossen, die Affisenverhandlungen, welche die wegen des Idsteiner Landescongresses Angeklagten (die Abgeordneten: Hof- und Appellationsgerichtö-Präsident Naht von Dillenburg; AdvokatMüller 11. von Nastätten; Prokurator Lang; Liqueursabrikant I usti von Idstein; Amtssekrc- lär Hehner von Rennerod; Pfarrer Snell von Langenbach; Landober- schultheiß Wenkenbach von Wehen; — und Carl Schapper, Corrector der früher erschienenen „Neuen Rheinischen Zeitung" in Cöln; Dr. Meyer von Catzenellnbogen und I. Oppermann, Redakteur der „Freien Zeitung" in Wiesbaden.) betreffen, stenographireu und in einem besonderen Abruck in gr. 8° erscheinen zu lassen.
Der Subscriplionspreis beträgt 4 fr. per Bogen und dürste nach vorläufigem Ermessen das ganze Werk nicht über 8 — 10 Bogen stark werden. Die unterzeichnete Buchhandlung erlaubt sich daher zum Abonnement auf diese stenographische Abdrücke einzuladen und die Bitte auszusprechen, die Subscriptionslisten baldigst franco zurückzuschicken ; da die bedeutenden Kosten des Unternehmens das Erscheinen desselben nur dann möglich machen, wenn eine genügende Betheiligung an der Subscription erfolgt — zu recht zahlreichem Unterzeichnen ladet deßhalb ein die
Wiesbaden, den 16. Januar 1850.
H. W. Nitter'sche Buchhandlung.
VenHergermtg.
(82) Nächsten Dienstag, den 3. Februar d. J. Nachmittags 2 Uhr läßt der Theodor Kaumann in Mosbach ein Pferd, sammt Geschirr, einen Lüagen, einen Karrn, zwei Pflüge und eine Egge, freiwillig versteigern.
Biebrich, den 29. Januar 1850. Der Bürgermeister
Reinhardt.
i8ö> Montag, den 4. Januar wird zum Besten der Armen von dem hiesigen Gesangverein unter gefälliger Mitwirkung der Fräulein Hummel und Grim in, der Herrn Stepan undVincent, des Herrn Kapellmeisters G. S S midt und mebrerer anderer Op e rn« Mitglieder, sowie des gcsammten Tchcater-Orchester s ein großes
Foc«?- ' wul ^nstrittnesUaS - Concert
im großen Saale des Gasthauses zu den Bier Jahreszeiten gegeben werden. Zuerst wird die Symphonie von L. v. Bethhoven in A dar unter Leitung des Herrn Kapellmeister Schmidt von dem ganzen Theater-Orchester Borgetragen. Sodann folgt die Durchführung des zweiten Theils des Oratoriums von M c nd elso hn - B ar t h old n, Elias, dessen Solo- Parthien, die Fräulein Rummel und Grimm, wie auch die Herrn Stepan und Vincent vortragen werden.
Eintrittskarten a 1 fl. sind in der Schcllenberg'schen und Kreidl'schen Buchhandlung, und bei Kaufmann Käsebier, sowie Abends an der Gasse zu haben, ebenfalls auch der Text der Gelänge ä 6 fr
I KROSSER MASOi-BALL 8
M zum Besten der Wittwen und Waisen des Orchesterpenjionfonds 8
E mit verstärktem Orchester, Sontttag de» 3. Februar d. I. im Gasthaus zu den M
M Wer ^rii'^^fe^. M
W Billets zum Snbskriptionsprekß für Herrn st 36 fr., für Damen M M ü 24 fr. sind von Montag, den 28. Januar an in der L. Schellen- M be rg'schen Hofbnchhandlung, in der H. W. Ritter'schen Buchhandlung M und bei Herrn Kaufmann F. W. Kaesebier zu haben. (68)
«WWWWWWWWWWWAWWN 'ÄKKNWWM8
(83) Eine perfekte Kötbin, die schon seit mehreren Jahren in sehr frequenten Gasthöfen ohne Beihülfe eines Koches conditionirte, sucht zu Anfang April eine Stelle. Auskunft ertheilt die Erpedition d. Bl.
Theater zu Wiesbaden.
Donnerstag, den 31. Jan. Der Spieler, Schauspiel in 5 Akten von Iffland.
Druck und Verlag der C. Rittcr'schcn Buchdrnäcrci.
