Einzelbild herunterladen
 

— Es wird im Publikum viel von einem katho- lischen Kloster gesprochen, welches dem Vernehmen nach in einer unweit des Aleranderplatzes gelegenen Straße erbaut werden soll. Die Anregung dazu soll von einer hohen Dame gegeben sein und von dieser auch die Ausführung Patronin werden. Es wird hin- zugefügt, daß noch in mehreren anderen protestanti­schen Theilen der Monarchie die Errichtung von katho­lischen Klöstern projektirt werde, wozu aus den neu­ern Staatsverhältnissen der Anlaß entnommen erscheine.

Berlin, 12. Jan. (M.Z.) Es ist keinen Augen­blick zu bezweifeln, daß die Kammern die „Verbesse­rungen" der königlichen Botschaft im Wesentlichen an­nehmen werden. Unwillkommen ist bie Botschaft auch den Couservativen, das leugnen sie nicht.

Aus der Grafschaft Mark, 10. Jan. (Nat.-Z.) Auch dem Verstocktesten muß es doch nachgerade recht bedenklich werden mit der „ungeheuren Majorität", die He. v. Manteuffel hinter sich zu haben meinte. Selbst unsere Mark, die wegen ihrer Treue so hoch und viel belobte, „der Edelstein der Krone", stellt dazu nur ein recht geringes Kontingent. Durch die ganze Gegend hin, wo früher die unbedingteste Anhänglichkeit an das absolute Regiment herrschte, zieht sich jetzt der Geist der Demokratie, mindestens der entschiedenen Opposition gegen das jetzige System der Staats-Rettereien, wel­ches den Staat behandelt, wie jener berühmte Doktor seinen Patienten, der so viele glückliche Operationen erleiden mußte, bis er darüber zu Grunde ging. Nur ein kleines Häuflein geht durch Dick und Dünn mit diesem Ministerium, mit jedem Ministerium; etwas müde noch von so manchen schwarzweißen Demonstra­tionen der jüngsten Zeit, auch wohl etwas verdrossen, nicht weil ein Kreuzzeitungsministerium auch nicht schon recht wäre, nein, blos weil man an dessen Dauer nicht glaubt, die Demokraten der Bildung eines solchen so ruhig-heiter entgegen lächeln. — Ein unverwerfliches Zeugniß über die Stimmung hier liefert die hiesige Presse und das Maß der Verbreitung der verschiedenen auswärtigen Zeitungen. Fast alle Lokalblätter haben durchaus oppositionelle Färbung, eben so die hier sehr verbreiteten größern Provinzialblätter, die „Westphäli- sche Zeitung" und „Volkshalle". Von den Berliner Zeitungen bekommt man bis auf die einzelste Aus­nahme nur die „Rationalzcitnng" und von kleineren Blättern die „Urwähler"- und die „Bürger- und Bauernzeitung" (den sog. Hahn) zu Gesichte, welche letztere besonders unter den kleinern Gewerbtrcibenden äußerst zahlreiche Leser hat. Die vor Jahresfrist hier überall verbreitete „Kölnische Zeitung" ist seitdem im- mermehr, namentlich auch wieder bei Beginn dieses Jahres, durch jene Blätter, durch die „Westdeutsche Zeitung" und die aus Lokalgründen vielgelesene „El­berfelder Zeitung" verdrängt worden; die „Deutsche Zeitung ist fast ganz verschwunden — kurz in Betreff aller hat die konservative Presse der^Oppositions-Presse fast gänzlich das Feld räumen müssen.

Aufs deutlichste wird die hiesige Gesinnung bei den nächsten Wahlen sich offenbaren, die so ausfallen wer­den, daß doch ein oder der andere Gewählte Bedenken tragen dürfte, auf Grund solcher Wahlen anzunehmen und als Nepräsentent des Volkes aufzutreten. Frei­willig wird eben nur das oben bezeichnete kleine Häuf­lein wählen und dabei seine Stärke resp. Schwäche zeigen; wer vor den Augen solcher Wähler Gnade finden wird, mögen die Götter wissen; ein Beckerath, Vincke wohl kaum — die besten Männer taugen in den Augen dieser allerbesten längst nichts mehr — wahrscheinlich wird Herr vor Bodelschwingh mebrsach der Ehre der Wahl theilhaftig werden. Wie verein­samt übrigens jene Partei sich fühlt, jedes Interesse für solche Wahl fehlt, zeigt der Umstand, daß bis jetzt weder öffentliche Besprechungen der Wahl statt­finden, oder man auch nur dazu anzuregen wagt. — Freilich würden solche Aufrufe den Eindruck eines in die See fallenden Fünkchens machen. Ob das von den schlesischen konservativen Vereinen angeblich ange­rathene Mittel, das Volk dadurch zur Wahl zu brin­gen, daß der König sich ausspreche, wie ihm die Be­theiligung genehm sei, hier und in der Nachbarschaft sich bewähren würde, ist recht zweifelhaft.

Aus Westpreußen, 9. Jan. (Fr. I.) Marien- bürg hat beschlossen, Waldeck das Ehrenbürgerrecht zu geben, das er mit Burggraf v. Schön dann theilt und wird sich eine Deputation von Bürgern freiwillig dazu nach Berlin begeben.

Stuttgart, 14. Jan. (Beob.) Wir sind nur durch Hörensagen in den Stand gesetzt, einige spärliche Mittheilungen aus Kleindeutschland, d. h. aus Erfurt- Plochingen zu machen. Es waren gestern daselbst et­wa 20Ö Stuttgarter und 100 andere schwäbische Er- fürtler anwesend. Der Rest der Versammlung bestand aus einigen hundert gebornen Plochingern, welche wohl mehr Neugier als Erfürtlerei in diese borusso-suevische Nationalversammlung getrieben hatte.' Immerhin kann dieselbe sich rühmen, daß das Waldhorn für ihre großpreußische Anzahl zu klein gewesen sei. Sie über­siedelte daher in die evangelische Kirche, in welcher auf manches Mitglied der Geist herabgestiegen sein mag, um ihm zu sagen, daß man es in Preußen noch bis zum Bischof bringen .könne. Als Erzbischof

fungirte inzwischen Herr Duvernoy, d. h. er nahm die ihm von der Versammlung durch Zuruf übertragene Stelle des Präsidenten ein und schlug seinen Präsiden­tenstuhl vor dem Altare auf. Die neuste Berliner Oktroyirung, welche die preußische Verfassung mit ei­nem Zauberschlag in eine östreichische verwandelt, machte der Versammlung, wie vorauszusehen war, nicht den mindesten Skrupel, sondern sie ging mit fliegenden Fahnen über sie zur Tagesordnung, und diese hieß: Preußisch um jeden Preis! Mit Un­recht jagen wir: der Versammlung; denn diese soll sich ziemlich passiv verhalten haben, und wenn gefragt wurde, wer das Wort ergreifen wolle, so seien — erzählt unser Gewährsmann — bedeutende Stockungen entstanden, ja ein Redner soll erklärt haben, er habe nicht sowohl Ideen mitgebracht als solche hier holen wollen. Dafür war auch gesorgt, denn der Kapff'sche Antrag wurde in Tausenden von Exemplaren ausge­theilt. Man versuchte auch, da man ja gerade in der Kirche war, die Partei zu taufen, und ein Redner schlug den Namen Gothaer Deutsche vor — eine sehr sinnige Bezeichnung der e r ft e n Fahnenflucht, eben­daher aber jetzt nicht mehr paffend, nachdem allbereits die zweite Fahnenflucht und Unterwerfung unter die k. preuß. Oktroyirungsbotschaft so gut wie vollendet ist. Ein noch sinnreicherer Vorschlag war der, den Mann Gottes Gotthelf Aufrecht zum Verfasser einer anlockenden Geschichte Preußens zu ernennen. Das Ergebniß der Verhandlungen war der Beschluß, „deut­sche Vereine" auf die Beine zu bringen, welche ein in Stuttgart niederzusetzender Central verein, „gemeinhin deutscher Verein" genannt, zusammenhalten soll, und die Unterschriftensammlung für eine Erklä­rung des Anschlusses an Preußen. Als ein Redner auf eine Abschweifung hin mahnte, bei der Hauptsache zu bleiben, hieß es: „die Hauptsache ist das Un­terschreiben!" Letzteres Geschäft suchte man dum auch schwunghaft zu betreiben und es wird weder an Unterzeichnern noch an Unterzeichneten (wenn man die­sen Unterschied machen darf) fehlen; aber viele liefen, mehr fürchtig als erfürtig geworden, davon. Am Schlüsse theilte der Vorsitzende mit, es sei ihm eine Erklärung von Oberndorf zugekommen, in welcher die volle Zustimmung zum preußischen Anschluß ausge­drückt sei. Er verlas dieselbe und äußerte, daß es erfreulich sei, auch von katholischen Gegenden Sympa« thieen für diese Sache wahrzunehmen. Die Obern­dorfer Erklärung hatte 10, sage zehn Unterzeichner! Die Namen wurden nicht mitgetheilt. „Verstand ist stets bei Wenigen gewesen", sagt Schiller, oder viel­mehr, er läßt es einen auf fein Veto eifersüchtigen polnischen Magnaten auf einem polnischen Reichstage jagen. Wir haben wenig gegen den Spruch, den man nach verunglückten Abstimmungen häufig zu hören be­kommt; wenn man aber daraus beweisen kann, daß stets die Minderheit bei Verstände sei, dann wünschen wir der Minderheit Glück dazu. — Es hatte sich vaS Gerücht verbreitet, die Regierung werde einen Kom­missär in die Versammlung schicken und ihr sagen lassen, sie habe sich unterdessen an Baiern und Oestreich angeschlagen. Der erwartete Kommissär blieb aber aus, woraus sich freilich noch nicht gerade der Schluß ziehen läßt, daß nichts Derartiges geschehen sei. Das Volk wird diesen Dingen in verneinender Haltung mit dem Feldgeschrei: „kein Preußen, kein Oestreich!" zu- sHen und allen Verlockungen trotzen, bis die Na­tion wieder spricht: Dieß kann nicht ausbleiben, denn es wird bei uns so vormärzlich gehaust, daß wieder ein März kommen wird, und der wird sodann über Gotha, Plochingen, Erfurt, über dieses und noch Anderes mehr zur Tagesordnung übergehen.

Koblenz, 14. Jan. (Rh.- u. M.-Z.) Ein in den 70er Jahren stehender Greis wurde vorgestern von Soldaten des 17. Regiments auf so gräßliche Weise und, wie man erzählt, ohne alle Veranlassung zuge­richtet, daß derselbe lebensgefährlich darniederliegen soll; einige der Thäter sind verhaftet, darunter auch ein Unteroffizier. Wozu uns noch die Ausbrüche einer rohen Soldateska führen werden, weiß der liebe Himmel.

Republik Frankreich

Paris, 13. Jan. Emanuel Arago wollte gestern eine Anfrage ans Ministerium stellen wegen der an­geblichen Aeußerung Foulds: „Die Versammlung ist verloren in der Achtung des Landes. In Kurzem muß man mit ihr zu Ende kommen." Da erklärte jedoch Herr Dubois: nicht ihm direkt hätte der Minister diese Worte gesagt; er habe sie von einem Andern, der sie gehört haben will.

Die Gerüchte von Staatsstreichen finden in den verschiedenen Journalen großen Anklang, und das hält die „Presse für Unrecht. Sie meint, man mache sich hierdurch zu einem unwillkürlichen Mitschuldigen. Je mehr man von solchen sträflichen Unternehmungen spreche, desto mehr gewöhne man das Volk an die Idee von solchen Frevelthäten. Die „Presse" rechnet auf den Degen des General Cavaignac, der von der Tri­büne herab erklärte, die Verfassung mit Gefahr seines Lebens zu vertheidigen. Auch die übrigen Militär­personen der gesetzgebenden Versammlung werden ihre Schuldigkeit thun; die Journalisten werden an ihrem Platze sein. Wagt man dann einen Staatsstreich, so mißlingt er und wird die Thore von Doullens hinter

denen zuschließen lassen, die nicht sie durch eine Am­nestie geöffnet, obgleich sie es konnten. Diese Worte der Presse, denen eine gewisse Energie nicht abgeht, sind insofern von Bedeutung, als sie ein gewisses Wohlwollen gegen Cavaignac ausdrücken.

Die Abdankung des Central-Consistoriums der fran- zöjijchen Israeliten wegen mehrerer Akte von Intole­ranz erregt allgemeines Aufsehen besonders da seine Mitglieder der konservativen und sogar der minister« teilen Partei angehören.

Die Cameraden eines von der Zaatcha an der spitze jeiner Compagnie gefallenen Capitäns von dem einheimischen Tirailleurbataillon haben dessen Mutter, dessen einzige Stütze er war, gebeten, sie alle an Kin­desstatt aufzunehmen und von ihnen in der Zukunft die von ihrem Sohne bisher ihr gewordene Unterstü­tzung zu empfangen.

Der Polizeipräfekt erläßt eine Aufforderung an alle Buchhändler, Beiträge zur Bildung einer Bibliothek für die Gefängnisse zu liefern.

Alexander Dumas stellt seine Mitarbeiterschaft am „Napoleon" im Abrede. „Ich glaube, sagt er, an Gott, ungeachtet Proudhons, an die Republik, ungeachtet Mole's, an Frankreichs Ehre, ungeachtet der Allianz mit Oesterreich, ungeachtet ter Belagerung von Rom, ungeachtet des Aufgebens von Montevideo.

Dem „Journal des Debats" schreibt man aus Rom, daß der Bestand unserer Armee auf 14 bis 15,000 Mann reduzirt ist. Der General Baraguay b'Hilliers werde, wie es heißt, dem Papst mit einem Dragoner-Regiment bis Albana entgegengehen und ihn nach Rom führen. Der Papst wird nicht durch die Lateranspforte, sondern durch die von San-Lorenzo einziehen. Die französischen Truppen werden von die­sem Thore bis zum Vatikan ausgestellt sein. Der Ge­neral Baraguay d'Hilliers und Cordova werden sich an der Wagenthüre aufhalten. (Mainz.Z.)

Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Zweiter Proceß.

Anklage gegen Friedrich Scheerer von Lan­genschwalbach, wegen MünzverbrechenS.

. (Schluß.)

v Wiesbaden, 15. Januar. Der Angeklagte gibt über die Verausgabung ber, falschen Guldenstücke fol- gende Auskunft. Er sei auf der Johannisberger Kirch- weche gewesen, habe da bei Wittwe Möhr er einen Schoppen Wein getrunken, wofür er einen Gulden hingelegt habe. Die Frau habe ihm bemerkt, das Geld sei falsch, und er habe sie deshalb mit anderein Gelde bezahlt. Einige Zeit nachher sei er, um Geschäfte zu machen, nach Winkel gegangen, sei da bei dem Wirth Brustmann eingekehrt; dieser habe ihm den zurück- gewlkjenen Gulden, den er nicht für falsch gehalten, abgenommen, und ihm aus einen Schoppen Wein 57 Kreuzer herausgegeben. Ebenso sei es ihm in Winkel noch bei einigen Wirthen ergangen, theils hätten sie ihm das Geld abgenommen, theils es als falsch zurück- gewieseu; auch in Erbach sei ihm das Geld abgenom­men worden. Nach zwei Tagen wieder nach Winkel gekommen, habe er bei Wirth B r u st in a n n abermals einen Schoppen Wein mit einem seiner Gulden bezah­len wollen, worauf dieser einen Reservisten beordert habe, ihn zu arreliren; er fei dann nach Rüdesheim abgeführt worden. Bei den Wirthen Buch und Hirschmann sei er aber nicht gewesen, das sei nicht wahr. Er habe nicht gewußt, es wenigstens nicht geglaubt, daß das Geld falsch sei.— Nachdem der Staatsanwalt mit kurzen Worten die Anklage begrün­det hatte, wobei er namentlich aus frühere Aussagen beö Angeklagten sich bezog, die dieser nun leugnet, vor- gebkird, er habe solche damals aus Mißverständniß und in der Verzweiflung gethan, wird zum Zeugenverhöre geschritten, das durchschnittlich im höchsten Grade dem Angeklagten nachtheilig ist. Die Zeugen bestätigen nicht allein das von ihm schon uothvürftig Eingestandene, sondern geben über alle'zweifelhaften Punkte, bis auf einen, woher er das Geld erhalten, den klarsten Aufschluß. Buch und H i r sch m a n n von Mittelheim behaupten unerschütterlich, der Angeklagte sei auch bei ihnen eingekehrt und habe sie mit seinem falschen Gelde betrogen, resp, betrügen wollen, dieser aber leugnet es. Sowohl der Zeuge Bru ft mann, der ihn verhaf­ten ließ, als auch der Reservist, der die Verhaftung vollzog, wollen deutlich gesehen haben, daß der Ange­klagte das falsche Guldenstück aus einem Beutelchen nahm und dies, sich umwendend, zu verbergen suchte; auch dies lättgnet er. Was aber am meisten nachthei­lig für ihn ist, das sind die Aussagen der Zeugen Wilhelm Pfeifer, der Ehefrau Elisabethe Pfei­fer und des Friedrich Pfeifer (Sohn des Erstge­nannten) von Langenschwalbach. In Gegenwart der beiden letzten will der Angeklagte von Wilhelm Pfeifer drei von den falschen Gnldenstücken, erst eins, fünf Wochen später die zwei andern geschenkt erhalten haben. Die Zeugen wissen von dem Allem auch gar nichts, namentlich die beiden letzteren behaupten fest, es sei nicht wahr. In einem Wirthshause, wo ihm auch ein Guldenstück zurückgewiesen worden war, hakte er dasselbe unwillig mit den Worten auf den Tisch geworfen: „es rappelt ja doch ordentlich!" Dieses und noch vieles Andere war nur zu sehr geeignet, die An­klage aufrecht zu erhalten.