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Türkei.

Nach Wiener Blättern ist eine neue Post aus Konstantinopel vom 25. Dezember eingelausen. Sie bringt die Nachricht von einer nächstens zu er­wartenden definitive» Lösung aller Schwierigkeiten zwi cheu Rußland und der Türkei. Die erstere Macht hat sich dazu bequemt , die Antwort der Pforte auf das „Bertrcibungsbegehren" anzunehmen. — Die eng­lische Flotte ankert noch immer in den Gewässern der Levante, und England scheint jetzt ihre dortige An­wesenheit dazu benützen zu wollen, die Räumung der Donaufürstenthümer nach den Bestimmungen des Ver­trags von Balta-Liman zu fordern. Ueber die Be- stimmung der französischen Flotte, ob sie nach Hause zurückkehren oder in der Levante überwintern werde, lauten die Berichte widersprechend. Näheres gibt der „Wanderer" in folgender Korrespondenz:

Konstantinopel, 24. Dezember. Die Frage der Flüchtlinge ist der endlichen Lösung zugeführt. Rußland hat sich entschlossen, die Antwortsnote der Pforte anzunehmen — sie ist im Grunde auf den Paffarowitzer nnd Kutschuk-Kainardischeu Vertrag ge­stützt, und wurde nur durch das hinzugefügte Verlan­gen Rußlands so lange in dcrSchwcbe erhalten. Diese Macht findet es nunmehr geeignet, davon abzustchen, beharrt nur noch scheinbar auf dem Worte „Vertrei­bung" für diejenigen Flüchtlinge, die daS'ottoinanische Reich verlassen sollen , und verlangt gleichzeitig die Verbannung des Murad-Pascha (Bem). — Das Mi­nisterium der hohen Pforte hat sich in Folge dieser Stimmung Rußlands in einem Minlsterrath vereinigt und dem Sultan über dessen Ergebniß einen umfassen­den Bericht erstattet. Der türkische Kaiser hat seine Bereitwilligkeit für die endliche Austragung der so lange sich hinziehenden Schwierigkeit ausgesprochen, zugleich aber entschieden erklärt, ihr die Würde seines Reiches nicht im Geringsten zum Opfer bringen zu wollen. Sonach wurde beschlossen, über den anstößigen Ausdruck hinauszugehen, aber die Verbannung des Murad-Pascha nicht anzunehmen, sondern vielmehr ihm die freie Wahl des Verbleibens in Aleppo, Koniah, oder in feder anderen Stadt zu lassen, wo er mit aller Auszeichnung behandelt und in feder Weise frei ohne Bewachung sein soll, bis die Pforte sich bestimmt finden möchte, ihn in den aktiven Dienst einzusetzen. Es scheint, daß Rußland keine weitere Schwierigkeit zu erheben gesonnen sei. Dieses wollte zwar ein spe­cielles Uebereinkommen erwirken , wodurch Frankreich und England in dieser Frage fern gehalten werden sollten; doch die Pforte kann und wird hierauf nicht Angehen, sie erhält die Vertreter dieser Mächte über den Gang der Verhandluug in steter Kenntniß, und Rußland wird ohne Zweifel dieser Nothwendigkeit wei­che» müssen.

Die Nachgiebigkeit Rußlands im Allgemeinen, an die man eben nicht sehr gewöhnt war, scheint einiges Bedenken bei denen, welche die Unbeugsamkeit dieser Macht in Verfolgung ihrer Pläne kennen, zu erwecken, und sie wollen dahinter eine List entdecken, welche sie dahin auszulkgen glauben, Rußland wolle um jeden Preis die vereinigten Flotten aus diesen Gewässern entfernt haben, um dann bei bester Gelegenheit, die ihm niemals zu fehlen pfiegt, auf die Türkei zu wir­ken und Concessionen zu erhalten. Diese Auslegung scheint nicht ohne allen Grund zu sein, um so mehr, wenn die angelangte Nachricht von Lord Blomfield aus St. Petersburg sich bestätigen sollte. Lord Blom­field meint nämlich, Rußland werde aus Anlaß der Flüchtlingsfragesich nicht in den Krieg entlassendes werde aber sich zu rächen suchen, und man müsse sich nächstens für einen Conflikt bereit halten. Was Oesterreich be­trifft, so will es den Anschein gewinnen, als wollte es in dem Bestehen auf seinem Verlangen sich schwie­riger zeigen als selbst Rußland, es besteht auf der un­begrenzten Dauer der Znternirnng, es besteht auf der Ueberwachung derselben durch von Zeit zu Zeit aus­gesandte Kommissäre — doch wird die Pforte diesem

Verlangen nicht nachkommen können und Oesterreich wird wohl der endlichen Lösuug ein Opfer bringen müssen.

Stratford Canning will die Flotte nicht eher ab- scgeln lassen, bis die Frage nicht entschieden ausgetra­gen ist, ja er ist entschlossen, selbst die moldo-wala- chische Frage so lange er noch die Flotte zur Hand hat, anznrcgcn. Man behauptet, daß auch General Aupick bis ans Ende im gemeinsamen Handeln aus- harren werde; doch scheint dieser Glaube keinen Be­stand zu haben, vielmehr ist cs fast sicher, daß die französische Flotte im Kurzen absegeln werde und man nur die Abschließung der Protokolle abwartet, um ihr diesen Befehl zukommen zu lassen. (Doch hatte vor einigen Tagen die Pariser „Presse" behauptet, aus zuverlässiger Quelle zu wissen, daß die französische Flotte nicht zurückkehren, sondern in der Levante über­wintern werde.) —

Die türkische Fregatte „Medjioic" hat den Befehl erhalten nach Varna abzusegeln — man glaubt, sie sei bestimmt, die Flüchtlinge, die den mahomedanischen Glauben angenommen haben, nach Asien hiuüberzn- schiffen. Es scheint beschlossen zu sein, daß diese Neo- phiten, mit Ausnahme der Generäle, unmittelbar dem Armeekorps von Irak und Arabistan zugetheilt wer­den — über die Stellung der Generäle hat man sich bis jetzt nicht ausgesprochen. — Die christlichen Flücht­linge werden auf unbestimmte Zeit in Schumla be­lassen.

Republik Frankreich.

Paris. Der Antrag des Kriegsministers auf eine Solderhöhung der Unteroffiziere fand heute einen gro­ßen Widerstand in den Bureaur der Nationalversamm­lung, in welchen er zur Berathung kam. Man be­schuldigte den Präsidenten der Republik, sich durch die­sen Antrag populär machen zu wollen. In den meisten Bureaur wurde die Zuweisung an den Staatsrath oder an die Kommission über das organische Gesetz hinsicht­lich der bewaffneten Macht beschlossen. Die Mitglie­der dieser letzter» Kommission sind einstimmig gegen diesen Antrag gerichtet.

— Der Vizepräsident de Boulay (de la Meurthe) hat auf die Summe von 35,000 Fr. den Betrag sei­nes Gehaltes vom 11. April 1849, an welchem Tage er dieses Gegenstandes halber an die konstituirende Ver­sammlung schrieb, bis zum 31. Dezember Verzicht ge­leistet. Die gekrankte Eitelkeit, welche diese Handlung veranlaßte, kommt den Armen zu Gute, welchen er dies Geld zuwies.

— Es schwebt etwas in der Luft, eine politische Gewitterschwüle erregt die Gemüther. Anonyme Be­sorgnisse bestehen, über welche die „Assemble nationale" heute Folgendes sagt: „Es ereignet sich etwas Außer­ordentliches in der Welt. Es scheint, daß der Entwurf eines wichtigen Stückes Geschickte fertig sei. Man un­tersucht die Schwierigkeiten, man rechnet auf die Mit­tel der Handlung, man bestimmt die Rolle einer jeden Person für den entscheidenden Augenblick. Wir wer­den auf die seltsamen Gerüchte zurückkommen, welche sich im Umlauf befinden." (Westd. Z.)

Paris, 12. Januar. (Mz. Z.) Die gesetzgebende Versammlung hat mit einer bedeutenden Majorität das Gesetz über die Elementarlehrer angenommen. An 50 Mitglieder der Ordnungspartei stimmten mit der Minorität. Die Bergpartei hat die Wichtigkeit des Gesetzes sogleich erfaßt und einen Aufruf an alle Gemcindklehrcr erlassen, unmittelbar ihre Entlassung zu geben, um ihr Amt als Privatlehrer fortsetzen zu können Die Folgen des jetzigen Zustandes bedrohen sie mit einer Absetzung oder Suspension. In beiden Fällen können sie an demselben Orte keine Schule er­öffnen. Um dieser Maßregel zuvorzukommen, mußten sie sogleich aus dem Staatsdienste treten.

S ch w e d e n.

Stockholm, 3. Jan. (N.-Z.) Die gegenwärtige politische Stimmung in Schweden ist keineswegs eine

so befriedigte, als man gewöhnlich im Auslaude glaubt. Es ist ebensowohl der Stillstand in der innern poli­tischen Entwickelung, als die Bahn, welche unsere Regierung in der auswärtigen Politik befolgt, was Unzufriedenheit erregt. Der Reform verein zu Orebro verursacht daher der Regierung viel Unbe­quemlichkeit; sein ruhiges, aber energisches Wirken läßt indessen hoffen, daß beim nächsten Zusammentritt der vier Reichsstände (im Herbst d. I.), von denen der Bauernstand der gewichtigste ist, die auffälligsten hinter der Zeit zurückgebliebenen Bestimmungen unse­rer Verfassung zur Sprache kommen und reformirt werden. Ebenso herrscht hier in Stockholm, wie in den vereinigten Königreichen überhaupt, große Unzu­friedenheit über die Einmischung der Regierung in die schleswig-holsteinische Angelegenheit. Schon bei der Rückkehr des Königs aus Norwegen, wo er drei Mo­nate zubrachte, gab das Volk sein Mißfallen in auf­fälliger Weise kund. Die in letzteren Jahren vermehr­ten Militäransgabeu haben ferner eiv.e Erhöhung der Steuern nothwendig gemacht; es ist daher nicht zu verwundern, daß die Unzufriedenheit des größtentheils sehr armen Volks dadurch neue Nahrung erhalten hat und in manchen Theilen des Landes bereits zu einer bedenklichen Höhe gestiegen ist. Das schwedische Volk haßt die Russen, und die Ueberzeugung, daß die schwedische Regierung sich zur Ausführung russischer Pläne gebrauchen laßt, vermehrt die allgemeine Unzu­friedenheit. Daher beklagt man hier laut und bitter sowohl, daß Ungarn gefallen ist, als auch, daß das deutsche Volk vergebens nach Einheit und Freiheit ge­rungen hat. Bei einer Trauerfeier in Upsala zu Ehren der „hcldcumüthigen ungarischen Nation" sah ich neben der ungarischen auch die deutsche Fahne mit schwarzem Flore umhüllt, von schwedischen Musen- söhuen unter Klagegesang und bei Fackelschein umher­tragen — ein Anblick, der mein deutsches Herz mit Wehmuth zwar, aber auch mit Freude und Hoffnung erfüllte.

Asstsenverhandlungèn zu Wiesbaden.

Zweiter Proceß.

Anklage gegen Friedrich Scheerer von Lan- genschwalbach wegen Mün;verbrechens.

ch Wiesbaden, 15. Januar. Friedrich Scheerer von Langenschwalbach, 47 Jahre alt, Mehl Händler, ist angeklagt, falsche Guldeustücke, wissend, daß sie falsch seien, ausgegeben zu haben. Zur Constatirung der Thatsache sind 20 Zeugen geladen, 19 erschienen. Als Präsident funkte Hr. Forst (der heute außerordent­lich viel zur Aufklärung des Thatbestandes dadurch bei­trug, daß er die Aussagen jedes einzelnen Zeugen noch­mals deutlich wiederholte, ein Verfahren, was nur fördern kann) als Staatsanwalt He. Flach; als Ver­theidiger Hr. Prokurator Wilhelmi II. Der Ange­klagte gibt an, ein Guldenstück habe er zwischen Bär- stadt und Schwalbach von einem Fruchthändler, der es für falsch befunden habe, für 30 fr. gekauft, in dem Glauben, es sei dem nicht so. Das zweite will er in Geisenheim eingenommen haben, während er die drei übrigen von Philipp Pfeifer von Schwalbach an verschiedenen Tagen, erst eins, dann zwei ge­schenkt erhalten haben will. In der Voruntersuchung gab er an. dieser habe sie ihm gegeben mit der Be­merkung, sie seien falsch, er möge sie nicht weiter aus- geben, heute sagt er, dieser habe von der Unächtheit wohl selbst nichts gewußt. Uebrigeiis erregt die Art und Weise der Verausgabung, wie der Umstand, daß die fünf Guldenstückè alle die Jahrzahl 1843 tragen und großherzoglich hessisch sind, besonderen Verdacht. Wir werden das Wesentlichste der Zeugenverhöre w. morgen berichten.

Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.

Bekanntmachungen.

Die Wahlen der Abgeordneten zum Volkshause betr.

Zur Vollziehung der Mmistenalverordnung vom 29. Dezember v. I. bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die Wahlen der Wahlmänner für den Kreisbezirk Wiesbaden

Sonntag, den 20. Januar 1830

im Saale des Gasthau'es zum Adler dahier und zwar:

.->. für die erste Abtheilung der Wähler von 8 bis 10 Uhr Vormittags, b für die zweite Abtheilung der Wähler von 10 bis 1 Uhr Mittags,

c. für die dritte Abtheilung der Wähler von 2 Uhr Nachmittags an stattfindet. Die Wähler der verschiedenen Abtheilungen werden daher ersucht sich zur bestimm­ten Stunde einzufinden.

Wiesbaden, den 15. Januar 1850. Herzoglich Nassauisches Kreisamt.

(29) Ferger.

(1269) Bei Aug. Sorge in Osterode ist soeben erschienen und in der un terzeichneten Buchhandlung vorräthig:

Allgemeiner und immerwährender

auf jedes Jahr und jede Zeit anwendbar.

Für das deutsche Volk herausgegeben, nach den besten Quellen bearbeitet, wie auch theils durch eigne Praris bewährt gefunden und zum Wohle desselben an's Licht gestellt

von

Carl Pauli.

Preis 54 Kreuzer.

H W. Ritter'sche Buchhandlung in Wiesbaden.

Feuerversicherungsbai i k für Deutschland in tiotha.

Die Feuerversicherungsbank für Deutcshland wird ihren Theil nehmern ungeachtet zahlreicher und grosser Brandschäden im Jahre 1849, nach vor­läufiger Berechnung, doch wieder ungefähr

50 Proceiit ihrer Einzahlungen als JErsparaaiss BsayéickgeliCEae

Die Agenten der Bank werden den genauen Rechnungsabschluss der- selben in einigen Monaten jedem Theilnehmer zu fertigen und sind für Jeden welcher dieser gegenseitigen deutschen Versicherungsgesellschaft noch bei­zutreten geneigt ist, zu dessfaHsiger Auskunft und Vermittelung bereit Gotha, den 12. Januar 1850.

Eile Feuerversicheiuiigsfmnk für »eutselUanil.

Becker.) Nagel,

Director. Bevollmächtigter.

Samstag, den 19. Januar findet der dritte Gesellschaftsbau im Adler statt.

Wiesbaden, den 15. Januar 1850.

(30)

W. Block.

(24) 23,000 fl. find ganz auch geiheilt

in hiesige Stadt über in's Amt gegen gericht­liche Hypothek gleich zu beziehen.

(10) Eine erfahrene Person, die schön nähen und vollständig bügeln kann, da­bei einer gut bürgerlichen'Küche vorzu­stehen weiß, findet auswärts eine gute Stelle und kann sogleich eintreten. Wo? sagt die Erped. d. Bl.

(y, G. Aßmann, Langgasse, kauft fort­während Fässer verschiedener Größe.

rwrf und Verlag der C. Ritter'sche» Buchdruckerei.