Vorfällen, wie der oben geschilderte, selbst in der Hauptstadt der Provinz ausgesetzt sind und sich dabei nicht einmal des rechtzeitigen Schutzes der Behörden zu erfreuen haben, dann kann es ihnen Niemand verargen, daß sie es vorziehen, sich von dem Versicherungs-Geschäft in Ostpreußen immer mehr zurückzu- ziehen. (N. O. Z.)
Berlin, 8. Januar. (N. Od.-Ztg.) Große Aufmerksamkeit erregt gegenwärtig der Tagesbefehl des Prinzen von Preußen, welchen er am 1. Januar an sein herrliches Kriegsheer erlassen hat. Nachdem er demselben — Linie, wie Landwehr, seinen Dank für die Hingebung und Treue, die sie in Baden bewiesen, ausgesprochen, sagt er: „Mögen alle diese Truppen stets ihres Eides gedenken, in ihren Reihen den Geist der Ordnung und des Gehorsams fortpflan- zen, wie es preußischen Soldaten geziemt, damit wir jeden Augenblick bereit sind, den Kampf wieder aufzunehmen. Unsere im vorigen Jahre besiegten Gegner ruhen nicht; sie sind in ihren geheimen Umtrieben gefährlicher, als im offenen Kampfe; daher ist Wachsamkeit nothwendig. Dieses wollen wir in und außer dem Dienste üben, und uns in allen Soldaten- Tugenden befestigen, damit wir kampfgerüstet dastehen, wenn der König uns von Neuem rufen sollte, um unter Gottes Beistände zu neuen Siegen zu gehen." — Die Kriegslust in diesem Tagesbefehl ist unverkennbar. Deßhalb sollen die Soldaten wachsam sein, in und außer dem Dienste, das ist eine ganz neue Art und Weise, die Soldaten anzufeuern, die aber ganz dem entspricht, was wir über die jetzige Erziehung derselben aus den einzelnen Regimentern hören. — Aber der Prinz fühlt es doch auch, daß ihm und seiner Sache große Gefahren drohen. Die Gegner ruhen nicht und sie sind gefährlicher in ihren friedlichen Agitationen, als im offenen Kampfe. — Das ist ein wichtiges Ge- ständniß.
Berlin, 11. Januar. Das Tagesinteresse dreht sich natürlich um die Vorschläge zu Verfassungsänderungen, welche die Minister am 9. b. M. den Kammern überreichten. Werden sie angenommen oder werden sie verworfen werden? — so fragt man sich allgemein. Es hätte eigentlich diese Frage gar nicht aufgeworfen werden können, wenn Alles so wäre, wie es sein sollte. Aber bei dem bisherigen Gebühren der Kammermajorität ist auch das Unglaublichste glaublich, und es läßt sich mit eben so großer Wahrscheinlichkeit Vorhersagen, daß die Abänderungsvorschläge werden angenommen werden, als cs, wenn wir eine wirkliche Volksvertretung hätten, unzweifelhaft wäre, daß sic würden verworfen werden. Dennoch scheint es, als ob bei einer sonst sehr milden Fraktion der zweiten Kammer ein Gefühl der Wichtigkeit der Situation, bei der es sich um Sein oder Nichtsein parlamentarischen Lebens handelt, aufleben wolle. Die „Parlaments- Correspondenz", die unablässige Vertheidigerin der „starken" Regierung, sagt heut unter anderem: „die zweite Kammer nahm die octroyirte Verfassung en bloc an — und ward aufgelöst. Die jetzigen Kammern gehören zu den gutmüthigsten Volksvertretungen, welche die Welt je gesehen hat, wer damit nicht mit Lust regieren kann, der ist ein unbrauchbarer politischer Stümper. Diese zahmen Kammern revivirten das Geschenk vom 5. Dezember im Interesse einer starken Regierung; das Weck ist abgeschlossen; das Resultat einfach: da wo die 3 Gewalten nicht einig sind, bleibt die geschenkte Verfassung Und nun treten die Minister hin, um durch völlig durch und durch reaktionäre Vorschläge, — gleich dem Saturn ihr eigenes Kind zu erwürgen! Sind das die Männer der That, die sich durch einige Dutzend Ritter aus der Manch« völlig aus dem Sattel heben lassen und die Krone kompromittiren? Ungeheuer unpolitisch ist dieser Schritt. Die Kammern können keinen moralischen Selbstmord begehen, sic werden — dem Volke gegenüber verantwortlich — standhaft bleiben ,. ihre Weigerung wird sie in den Augen der Nation wieder auf ein anständiges Maaß von Ansehen erheben und die andere Schaale wird leichter!! Wie konnte man eine solche Pairskammer Vorschlägen in dem Augenblicke, wo der Adel noch als Kaste mit dem Volk im Hader liegt über Grundsteuer, Nentengesetz, Gemeindeordnung, Fideikommisse und eine Menge andere Dinge? Hält man denn das Volk für so verzweifelt dumm, daß es nicht merke: man bedürfe einer solchen ersten Kammer, um diese Maßregeln rückgängig zu machen, wie im Jahre 1811? Liegt nicht das Grundsteuergesetz als handgreiflicher Beweis vor?"
Der Artikel schließt: „Wir erkennen in einigen Vorschlägen die unmittelbare Einwirkung des Grafen v. A. Vor ihm als Gentleman beugen wir uns gern, als Politiker hat der feine Mann sich und Andern durch diesen Schritt ungemein geschadet. Die Herren Minister aber bitten wir: hinter sich zu sehen, wo das Volk steht!"
Berlin, 11. Januar. Sämmtliche Fraktionen ans beiden Kammern haben gestern Abend die königlichen Verfassungspropositionen zum Gegenstand ihrer Berathungen gemacht. Was die zweite Kammer angeht, so erklärte sich die äußerste Rechte, die Stiel-Arnim'sche Fraktion, welche am Dönhofsplatze in der Conversa- tivnshalle tagt, ohne lange Debatte einstimmig für die en trlooAnnahme der Propositionen. Die Bodel- schwingh'sche Fraktion in Mylius' Hotel dürfte größ- tentheils folgen. Dagegen sind sowohl die Riedel'sche
Partei in Stadt London, als die Beckerrath-Simson- Auerwald'sche Partei bei Milentz mit aller Entschiedenheit für eine Verwerfung. (Köln. Z.)
Wien, 16. Januar. Die Wiener Journale und Correspondenzberichte vom 9. und 10. Januar sind ziemlich inhaltsleer; das Thatsächliche läßt sich in we- nige Zeilen zusammenfassen. Von weiteren Veröffentlichungen der Landesverfassungen für die einzelnen Kronländer ist gestern die Landesverfassung für Kärn- then, heute die für das Herzogthum Krain, veröffentlicht worden. Die Conferenzen wegen der ungarischen Angelegenheiten dauern noch fort. — Der ehemalige Reichsverweser, Erherzog Johann, ist von Frankfurt a. M. gestern hier angekommen und hat seine frühere Privatwohnung wieder bezogen. — Eine in der heutigen Wiener Zeitung aufgenommene Nachricht vom Eintreffen einiger Wagen mit Marodeurs in Prag uud vom Abmarsch einiger Compagnien an die sächsische Grenze ward heute Morgen dahin ausgelegt, daß es zu blutigen Auftritten an der Grenze gekommen sei; im Laufe des Tages aber ergab sich der Ungrund dieser Vermuthung. — In Betreff des Gemeindegesetzes vernimmt man, daß sich wichtige Gründe zur Umänderung dieses Gesetzes herausgestellt haben sollen; man erwartet daher neue Modifikationen desselben. — Nach Anordnung des Landesinilitär-Coinmando's sollen zu allen in diesem Carneval hier stattfindenden öffentlichen Bällen k. k. Offiziere zum Jnspektionsdienste komman- dirt werden. — Der Kreis, in welchem die „Presse" frei cirkulareu darf, zieht sich immer enger zusammen; dies Journal ist nun aud/ für die serbische Wojwo- diita verboten worden. — Der bisherige österreichische Gesandte in Florenz, Baron Neumann, ein natürlicher Bruder des Fürsten Metternich, wird in des Letzteren unmittelbare Nähe gebracht; er geht als kaiserlicher Minister an den Hof nach Brüssel.
— Dem Vernehmen nach wird der erste Schritt zum Fallenlaffen der österreichisch-ungarischen Zollschranken nächstens erfolgen. Vor Allem wird die Frage des Tabakmonopols erledigt werden. Sobald die Grundbesteuerung in Ungarn, Siebenbürgen und Kroatien eingeführt sein wird, dürften sich die grenzamtlichen Durchsuchungen lediglich auf Tabak beschränken. Einstweilen soll der österreichische Ausfuhr- und ungarische Dreißigstzoll auf Fabrikate gänzlich aufgehoben werden, da selber die Waare vertheuert und dem Staatsschätze nur einen unbedeutenden Zufluß gewährt.
Aus Schleswig-Holstein, 10. Januar. In der Festung Rendsburg hat in diesen Tagen die Wahl eines Abgeordneten zur Landesversammlung stattgefunden, deren Resultat, weil es als eine Gesinnungs-Demonstration unserer Armee betrachtet werden kann, auch außerhalb unserer Grenzen vom Interesse sein wird. Der Mitredakteur der „Norddeutschen freien Presse", Otto Fock, ist mit einer großen Majorität zum Abgeordneten der Landeöversammlung gewählt worden. Die Candidaten,, welche ihm die conservativ-aristokratische Partei entgegengestellt hatte, und für deren Wahl sie sehr thätig gewesen war, waren der interimistische Kriegsminister General Krohn, und der interimistiichc Gouverneur der Stadt und Festung Rendsburg, General Graf Baudissin. Die „N. fr. Pr." ist das Organ der Demokratie in unserem Lande, sie hat von ihrem Entstehen an mit großem Freimuth deren Interessen vertreten, unaufhörlich auf das Verderbliche der schwachen und flauen Politik unserer Regierung und der Abhängigkeit derselben von dem preußischen Cabi- net hingewiesen, schonungslos den verfassungswidrigen, allmächtigen Einfluß des Oberbefehlshabers der Armee auf die Regierungsgewalt aufgedeckt und gerügt. — Begreiflicherweise ist und war sie daher immer unsern Aristokraten und Konservativen, vor Allen aber unserm Militärregiment ein Dorn im Auge. Schon während des vorjährigen Feldzuges und im Lager vor Fribericia suchte man auf jede Weise zu verhindern, daß sie bei unsern Truppen Eingang finde, und ließ gagegen eine beträchtliche Anzahl Eremplare des „Altonaer Merkur", eines Biattes das sich dadurch hinlänglich charakterisirt, daß es seit Menschengedenken unter allen verschiedenen auf einander folgenden Regierungen stets als halboffiziell und konservativ sich erhielt, gratis unter dieselben vertheilen. Diese Maßregel, auf den Geist des Heeres einzuwirken, blieb indessen ohne Erfolg. Unsere Armee ist von der glühendsten Begeisterung für die Freiheit des Vaterlandes beseelt, für diese, für dessen Befreiung von fremdem Druck hat sie gekämpft, und brennt sie vor edler Begier ferner zu kämpfen. Sie hat nur dem äußern Feinde und mit Ruhm gegenübergestanden, sie nie zu Tchergen- diensten verwandt worden. Sie ist daher der Srolz deS Bürgers und im vollen Besitze der Liebe desselben, weil dieser in unsern braven Truppen nicht ein Werkzeug in der Hand der Machthaber erblickt, mit dem man ihn zu knechten strebt, sondern seinen Schutz und Hort gegen Druck und Unterjochung. Dabei herrscht unter den wackern Truppen, denen von allen Seiten die Anerkennung ihrer Tapferkeit zu Theil geworden ist, denen selbst der Feind sic nicht versagen konnte, die trefflichste Ordnung, die beste Disziplin, aber nicht dadurch, daß eS gelungen ist, sie zu bloßen Maschinen herabzuwürdigen, sondern weil sie selbst einsehen, daß Disziplin und Gehorsam dem Gesetze durchaus nothwendig, und unabweisliche Erfordernisse eines Heeres sind, das mit Erfolg dem Feinde die Spitze bieten soll.
Diese Ueberzeugung hat sich besonders seit dein
Feldzuge jedem einzelnen Soldaten tief eingeprägt und deshalb erfüllt er seine Pflichten und seine Obliegenheiten gegen seine Obern mit Freuden. Das ist der allein eines vernünftigen Wesens würdige Gehorsam, der um so größer, weil er gewissermaßen ein freiwilliger und gern geleisteter ist. Daher sind auch, trotz der für unser kleines Land so großen Truppenmasse, Soldatenerzesse wie sie leider jetzt aus allen Theilen des Vaterlandes gemeldet werden, und wie sie auch in unserer nächsten Nähe in diesen Tagen stattgesunden haben, ungekannte Dinge. Ein aus solchen Elementen bestehendes Heer wird sich aber auch von ungebührlichen nicht zur militärischen Zucht gehörenden Einflüssen von oben frei zu halten wissen, und das stellte sich eben bei der obenerwähnten Wahl glänzend heraus. Rendsburg hat eine starke ans allen Waffengattungen bestehende Garnison, auf die einzuwirken man den Versuch nicht unterlassen hatte.
Der Gouverneur, Graf Baudissin, ging so weit/ Plakate, die man an den Straßenecken angeschlagen hatte, und in denen Otto Fock den Wählern empfohlen wurde, was in unserem Lande durchaus gesetzlich ist, abreißen, und als man sie wieder anzukleben versuchte, die Betreffenden arretiren zu lassen. Natürlich forderten und erlangten die Bürger sofort deren Wie- derfreigebung, und am Abend erschienen diese Plakate als Transparente an vielen Fenstern. Der Erfolg war, daß von 2359 im Ganzen abgegebenen Stimmen Otto Fock 2113, General Krohn dagegen nur 105, Graf Baudissin 74 Stimmen erhielt. Eine solche Mehrheit kann doch wohl mit Recht eine eklatante Kundgebung der Gesinnung der Bürger und des Militärs, das nämlich sich bei der Wahl stark de- theitigt hat, genannt werden. (Nat.-Z.)
I t a l i e v.
Neapel, 31. Dezember. Der Winter ist mit ungewöhnlicher Kälte bei uns eingekehrt: nicht nur die Apenmenfette, welche Terra di Lavoro von dem Sam- nlterlaiwe trennt, glänzt weiß, sondern der Vesuv auch und der Monate Sant' Angelo und das ganze Sorrcntiner Vorgebirg, und das Jahr geht mit rauhem Schneewetter zu Ende. Ehe die Tage so unfreundlich wurden, besuchte der Papst, der wie man glaubt noch auf kurze Zeit unser Gast ist, die Katakomben bei St. Gennaro de poveri, welche sich, wenn nicht an historischer und künstlerischer Wichtigkeit (obgleich sie auch in dieser Beziehung vielfach bedeutend find), doch an Umfang mit den römischen messen können, und die Tufsteinhöhen, welche nach Norden und Westen die Stadt begrenen, in vielen Richtungen durchschneiden. Auch dem benachbarten neuen Komposanto ward bei dieser Gelegenheit ein Besuch zu Theil, dieser großartigen Anlage, welche vor etwa zwanzig Jahren begonnen ward und in kurzer Zeit zu einer wahren Monumentenstadt geworden ist. Das WeihnachtS- feft verbrachte Pius IX. in Kaserta im Kreise der . königlichen Familie, welche diese großartige Schloß- Villa noch längere Zeit hindurch bewohnen zu wollen scheint. (Ä. Z.) — Diese Korrespondenz der A. Z. ist von einem um 3 Tage jüngern Datum, als die neulich in der Conftit. Zeitg. enthaltene, welche den Wiederausbruch von Unruhen in Sicilien berichtete. Auch französische und englische Journale enthalten bis jetzt i nichts, was die letztere Nachricht bestätigte.)
Mailand, 28. Dec. Der hiesige Adel hat beschlossen, in dieser Saison das Scalatheater nicht zu besu- ■ chen. Die Damen gaben bei diesem Beschlusse den Ausschlag und in der That war bei der Eröffnung keine Dame aus der Haute voléë im Theater sichtbar. Die Logen waren von Bürgerlichen besetzt.
Großbritannien.
London, 9. Januar. Lieutenant Waghorn, bekannt durch seine Bemühungen zur Herstellung der Verbindung zwischen Ostindien und England auf dem i Wege über Trieft und Deutschland, ist gestern im Al- I ter von 49 Jahren hier plötzlich gestorben. Er war eben erst am Weihnachtsfest von Malta zurückgekehrt, wo er sich eine kurze Zeit zur Wiederherstellung seiner Gesundheit aufgehalten. Dieselbe hatt durch Sorgen und geistiges Leiden bedeutend gelitten, welch letzteres hauptsächlich aus den Geldverpflichtungen entsprang, die er bei seiner Betreibung der Triester Er- ' perimente im Jahre 1846 eingegangen war, und zu i deren Erfüllung die Aufopferung aller seiner Mittel ; und seines ganzen Vermögens nicht hinreichte. Abge- ■ sehen von den Hauptereignissen seiner Geschichte in ; Verbindung mit der Ueberlandspost, welche seinen Namen als einen der größten praktischen Wohlthäter des ! Zeitalters unsterblich gemacht, war seine Lufbahn eine höchst außerordentliche, voll der seltsamsten Wechsel ; und reich an Charakterproben, die in jeder Beziehung eines dauernden Andenkens werth sind. Von der kürzlich durch die Regierung ihm bewilligten Pension hat er erst eine Vierteljahrsrate bezogen. Seine Wittwe ‘ ist nun in Folge jener Hochherzigkeit ihres Mannes in peinlichen Umständen; hoffentlich jedoch wird die Regierung etwas für sie thun.
Als eine der Folgen des Freihandels wird von den . Anhängern desselben triumphirend unter Anderm auch ■ auf die seit Eintreten desselben verminderte Zahl der i Bankerotte hingewiesen. So sind in der „London ; Gazette" in der Periode vom 14. Dezember 1849 bis 8. Januar 1850 nur 45 Bankerotte^angczeigt, wäh- ! rend die Zahl derselben in der entsprechenden Periode ! des vorigen Jahres sich auf 95 beläuft.
