Einzelbild herunterladen
 
  

über welches das ganze Ministerium, das sich kaum wieder sicher fühlte, in den Abgrund stürzen kann.

Halle, 3. Jan Der gestrige Tag bereitete dem ; Constitutionalismus der Gothaer eine, wenn auch zu- nächst nur äußerliche Niederlage. In Folge einer : Aufforderung von jener Seite an die Gesinnungsge­noffen hatte sich auch eine imposante Masse von An­hängern des Preußenvereins in dem dazu bestimmten Lokal eittgefunden. Da der prädestinirte Ordner, Professor Meier, Krankheits halber nicht an­wesend war, und die anveren Koriphäen der „Con- : stitutionellen" das Amt ablehnten, so entschloß sich endlich der Rechtsanwalt Gödecke zur Uebernahme der undankbaren Mühe. Als er den Vorschlag machte, daß ohne vorhergehende Erörterung der maßgebenden Grundsätze sofort zu den persönlichen Wahlfragen ge­schritten werde, erhob sich Professor Leo mit der ihm eigenen göttlichen Grobheit und höhnenden Manier, und suchte zu beweisen, daß in Preußens Interesse keiner von den Leuten nach Erfurt gesandt werden dürfe, welche in der Frankfurter „Kaiserfabrik einen „Kronenschacher" getrieben chatten (Duncker). Es wa­ren zwei Frankfurter zugegen; Professor Schwarz, welcher schwieg, und Schwetschke, welchen denn doch diesmal dieser Hohn eines Gastes aus seiner Ruh aufrichtete, und unter Anderm zu der Aeußerung ver­anlaßte, er werde solchen Angriffen mit den schärfsten Waffen entgegentreten, eine Aeußerung, welche Leo auf eine DueUforderung bezog, welche indeß nicht wohl so gemeint sein konnte. Bekanntlich hat Leo, welcher das Duell unter Studenten nur für ein nothwendiges Uebel hält, bereits einmal eine solche Herausforderung durch seinen Kollegen Wippermann mit Spott zu- rückgewiesen. Da der Vorsitzende einsah, daß jetzt der Zweck der Einladung vereitelt sei, forderte er die Gegner auf, den Saal zu räumen, was aber diese entschieden ablehnten, worauf die 80 bis 90 „Wirthe" den 200 Gästen den Saal überließen und in einem Nebenzimmer die Wahlangelegcnheit (Dunkers) fort» setzten, während die Sieger die Berathung über die Wahl ihres Candibaten, des Präsidenten von Witzle­ben, aufnahmen. (Magdcb.Z)

Stuttgart, 7. Januar. Herr Römer hatte vor einigen Tagen in seinem Organ, der Württemb. Ztg., sich über die Sprengung der Nationalversammlung damit entschuldigt, daß einige ReichStagSabgcordMe, welche später der Anklage auf Hochverrath gegen ihn beigetreten, (die er aber nicht nennen wolle, da das Gewissen denselben schon sagen werde, wen er im Auge habe) ihm zu wiederholtenmalen erklärt hätten, „es bleibe der Württembergischen Regierung, wenn sie nicht verloren sein wolle, nichts übrig, als die Ver­sammlung aufzulösen und für die ohnehin verlorene Versammlung sei ein solches Ende wohl auch das wünschenswertheste." Die Reichstags-Abgeordneten Fetzer, Moritz Mohl, Pfähler, Röoinger, Schoder, Schott, Tafel und Zimmermann erklären hierauf im Beobachter, daß diese Bemerkung Herrn Römers auf sie keinen Bezug haben könne. — Durch das Hervortretcn wird sich wohl herausstellen, wen Herr Römer gemeint haben kann. (N. D. Z.)

Böhmen. Prag. Palacky's plötzlicher Rück­zug und das rasche Vorrücken der politischen Ad­ministrations-Reformen sind die beiden Knoten­punkte, an denen sich gegenwärtig alle unsere Aufmerk­samkeit schürzt. Die Art und Weise, wie Dr. Palaeky den Kampfplatz und gestern auch Prag verließ, hat hier alle Parteien in gleich hohem Grade überrascht. Man frägt sich allgemein um den eigentlichen Grund der Resignation, da man von einem Manne — wie Palaeky — nicht voraussetzen darf, daß er einen Kampf um seine Meinung gescheut, und deshalb die Flucht ergriffen habe. Im Gegentheile ist er ja über­zeugt, „daß seine Ansichten etwas sehr Wahres an sich' haben müssen, da sie sonst nicht so viel Aufsehen veranlaßt hätten." — Aber das kritische Moment war, daß er seine Gegner blos im Lager der Eonservativen und der Deutschen erwartet hatte. Dahin richtete er daher seinen Blick, den Rücken wähnte er sich gedeckt. Hierin aber täuschte er sich und das war's, was ihn außer Fassung und zu dieser Art Kapitulation gebracht haben mochte. Palaeky wurde das Opfer seiner Par­tei. In dieser erhoben sich sehr viele Stimmen gegen das Memorandum, weil cs ihren Plänen in die Quere gekommen war. Nicht weniger föderalistisch, aber we­niger offenherzig als Palaeky, wollten diese alle ihre Kräfte bis zu der Zeit concentriren, wo bei der Re­vision der Charte föderalistischen Manövers mehr Spiel­raum gestattet sein würde, als jetzt, da keine Hoffnung auf irgend einen Erfolg dafür vorhanden ist. Durch die redliche Offenheit Palacky's kamen sie plötzlich in die Verlegenheit und Furcht den „gut österreichischen Patriotismus" einzubüßen, wodurch sie gezwungen wurden, das Projekt ihres einstigen Führers als un­zeitig zu desavouiren. Palacky's Abtreten ist eine große Niederlage der Partei, es dürfte ihr schwer werden, die Kluft auszufüllen, die in ihrer Mitte durch den Verlust dieses Mannes entstanden ist.

Der zweite Punkt betrifft bas baldige Jnsleben- treten der politischen Behörden Böhmens. Mit dem 31. Dezember 1849 ist das Landes-Guber- ntum aufgelöst. Die Statthalterei wird bis zum 15. Januar 1850 die laufenden Geschäfte des ehemaligen Guberniums besorgen, zu welcher Zeit die Kreisregie- rungen ihre Amtsthätigkeit zu beginnen haben. Mit

dem 1. Februar treten dann die Bezirks-Hauptmaun- schaften in Wirksamkeit; die Patrimonial-Gerichte und die politische Sphäre der Magistrate sind mit diesem Tage eingestellt. Den Beamten ist ein Termin zum Eintreffen an ihren Bestimmungsorten bestimmt, und die ganze Organisation derart berechnet, daß vom 1. Februar 1850 in allen politischen Verwaltungs-In­stanzen, mit Einschluß der Bezirks-Steuer-Aemter, der Geschäftsgang seinen Anfang nehmen wird. — Die große Beamten-Wanderung ist bereits im Zuge.

— Am 30. Dezember rückten die in Prag statio- nirten Dragoner an die sächsische Gränze ab. Nach Theresienstadt werden große Waffen- und Mu- nitionsvorräthe geschafft. In Prag haben die dortigen Faßbinder den Auftrag erhalten, mehrere 1000 Fässer für militärischen Bedarf sofort anzufertigen und in allen Militär-Bäckereien wird nur Zwieback für die nächstens durchziehenden Truppen gebacken, während die andern Bäckereien den Brodbedarf für die Garni­son zu liefern haben. Man erwartet große Trnppen- maffen, die alle nach der sächsischen Grenze vurchmar- schiren. Nach den neuesten Nachrichten aus Prag fa^ man daselbst fortwährend einer Ueberschreitung der sächsischen Grenze von nach dieser Seite vorrückenden Truppen entgegen. Das Hauptquartier des Erzherzog Albrecht ist jetzt in Theresienstadt.

Wien, 4. Jan. Die „Wiener Zeitung" von ge­stern enthält den Vortrag des Ministerrathes in Be­treff der Landesverfassung en und Landtags- Wahlordnungen. Es wird ein Rückblick auf die Neugestaltung des Reiches geworfen, was bisher ge­schehen und was für die nächste Zukunft eingelettet wird; nunmehr könne die Landesverfassung in den einzelnen Kronländern in Wirksamkeit treten. Die Grundprinzipien — heißt es ferner — welche die Re­gierung bei Feststellung dieser Landesverfassungen an- nahm, sind in der Reichsverfassung begründet; es mußten nur die Grenzlinien aufgefunven werden zwi­schen der gesetzgebenden Reichs- und Lanvesgcwalt, zwischen der unheilbar der Krone zustehenden Ereku- tivgcwalt und zwischen der Entscheidungs- und Ver- waltungsbefugniß der Landesvertretungen und ihrer Organe. Die Zusammensetzung der Landtage gründet sich auf Jnteressen-Vertretung mit unmittelbaren Wah­len. Die Wahlkvrpcr sind in 3 Theile getheilt: Grund­besitz, Industrie und Intelligenz in sich fassend. Die Wahlkörper werden nach einem Census gebildet und zwar in demselben Maßstabe, wie bei den Reichstags­wahlen; die Landtage werden daher die Höchst-, Mit­tel- und niedrigst-Besteuerten zugleich reprastutiren. Die Höchstbesteuerten des ganzen Landes (500 fl.) bil­den einen einzigen Wahlkorper; die jübrigen Wahlbe­zirke richten sich nach der politischen Eintpeilung des Landes. Die Wahlen geschehen durch mündliche Stimm- gebung; die Landtagsvaucr ist vierjährig. Die Zu­sammenberufung der nächsten Landtage ist nicht be­stimmt, da vorerst unumgänglich nöthige Vorbereitun­gen getroffen werden müßten; die Regierung werde mit gewissenhaftem Eifer alle dazu führenden Maßre­geln zu fördern streben. Der Kaiser hat diese Grund­sätze und die Durchführung der vollzogenen Patente genehmigt, die jedoch erst für Böhmen, Mähren, Schle­sien, Oesterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnthen und Krain, Istrien, Tyrol und Boralberg entworfen sind, und deren Publikation in den nächsten Tagen bevor» steht. -

Ungarn.

Pcsth, 1. Januar. (K. Z.) Alle hier befindlichen Deputirten des bestandenen ungarischen Landtages, ohne Ausnahme, haben nach einer Kundmachung vom 30. Dezember binnen drei Tagen die schriftliche ge­naue Anzeige ihrer dermaligen Wohnung beim Mili­tär -Distrikts-Commando einzureichen, und diejenigen von ihnen, welche bis nun ihre Rechtfertigungsschrift noch nicht vorgelegt, haben mit der Einreichung ihrer Wohiiuilgs- Eingabe auch jene ihrer Rechtfertigungs­Aeußerung unfehlbar zu verbinden. — Der Verkehr belebt sich wieder; doch klagt der Handetöstano sehr über die Unsicherheit der Landstraßen und den verwe­gensten Straßenraub. — Wie wenig die Gemüther noch beruhigt sind, beweist ein Beschluß der hiesigen slawischen Protestanten, sich von der ungarisch-deutschen Gemeinde, mit der sie stets vereinigt waren, zu tren­nen. — Die Wittwe des auf den Wällen Ofens ge­fallenen Generals Hentzi hat den handschriftlichen Nach­laß desselben dem k. k. Kriegsministerium übermacht, und sollen sich darunter höchst ansprechende und nütz­liche Arbeiten militärischen Inhalts befinden; denn Ge­neral Hentzi gehörte zu den gebildetsten Offizieren des kaiserlichen Heeres und diente stets in einem wissen­schaftlichen Corps, dem Ingenieur-Corps. Besondere Wichtigkeit soll aber ein Tagebuch über die Belagerung von Ofen besitzen, indem daraus erhellt, daß der Gar­nison von Ofen von vorn herein die Rolle der 300 Spartaner bei Thermopylä zugetheilt worden und Hentzi sich hierüber gar keine Illusion machte, was seine tapfere Ausdauer und seinen Selbstmord nach dem Sturm in einem ganz andern Licht erscheinen läßt. Es dürfte aus jenen merkwürdigen Aufzeich­nungen ein geheimes Einverständniß des österreichischen Oberbefehlshabers mit Görgey hervorgehen, dem durch die Festhaltung Ofens durch die f. f. Truppen ein Vorwand geboten werden sollte, sich der Ausführung des von dem genialen Dembinski entworfenen Opera- tionS-Planes zu entziehen, der nichts Geringeres an­

strebte, als auf Wien loszurücken nnd die EManded zu insurgiren, bevor noch die Russen Zeit hatten, auf dem Kampfplatze zu erscheinen. In der Belagerung OfenS liegt der Grund der Begnadigung Görgey's.

— Die Mutter Kossuth's ist vor einigen' Tagen aus Preßburg hierher zurückgekehrt. Die Patrioten be­schäftigen sich viel mit dem Loose der beiden Enkel, und hat die Nachricht von ihrer Erziehung im There­sianum in diesen Kreisen freudig überrascht. Bei die­ser Gelegenheit hörte ich aus zuverlässiger Quelle fol­gende Aeußerung, die Koffuth als Minister gethan.

Zu einer Familicntafel im Verlaufe des vorletzten Sommers geladen, wurde der jüngere Knabe gefragt, was er denn werben wolle. Ein Redner, wie mein Vater, war die Antwort des Kleinen. Der Vater aber bemerkte dazu: „Besser, mein Kind, Du wirst ein Ingenieur, da hast Du doch Dein täglich Brod."

Italien

Florenz, 29. Dez. Am Christage hatten zwei In­dividuen aus angesehenen Familien in Livorno, im dortigen Kaffchause zur Minerva, unweit der Haupt­wache, viva la republica! ausgerufen, und hielten dort aufrührerische Reben. Der Kommandant der österreichischen Hauptwache kaum hiervon in Kenntniß, sendete sogleich eine Patrouille zur Arretirung der Be­treffenden ab; allein die beiden Individuen erhielten von der Ankunft der Patrouille einen Wink und flüch­teten sich. Auf Bekehl des österreichischen Stadtkom­mandanten, Oberst Graf Greneville, wurde dies Kaf­feehaus gleich gesperrt. An dem elben Tage hatte dort die toskanische Gendarmerie in einem entlegenen Stadt­theile fünf Matrosen eines sardinischen Kauffahrers arretirt, welche in den Gassen herumzogen und von denen drei die Republik ansriefen. Diese letzteren wurden von der österr. Militärbehörde jeder zu fünf­zig Stockstreichen die übrigen zwei jeder zu vierzehn Tage Arrest bei Wasser und Brod verurtheilt. Die Bestrafung der ersteren wurde im Castellhofe zu Li­vorno vollzogen. — Soeben vernehme ich, daß auch die oben erwähnten zwei Individuen, welche im Kaf­feehause die Republik proklamirten, bereits arretirt sind und nun ihre Verurtheilung erwarten. (W. Z.)

Turin, 3. Jan. In der Deputirtenkämmer sitzen 55 Beamte. Das Gesetz läßt nur 5l zu. Die Kom­mission verlangte, es sollten 4 ausgeschlossen werden.

6 Stimmensammler sind unter den Deputirten, die nicht Beamte sind, ernannt worden. Das Loos ent­schied, daß der Prof. GaSpard Cefano, die Herren Cuoja, Gonizzardi und Borsarelli als Beamte aus der Kammer scheiden müssen.

Rom, 31. Dez. Hier herrscht eine Kälte von 5 Grad und der Schnee bedeckt die Hausdächcr! — Der Papst hat sich alle Feierlichkeiten verbeten, die ihm die Städtbehörven beim Empfange bereiten woll­ten. 45 Offiziere, ja »ach Andern 96, sind vom Staatssekretariat benachrichtigt worden, daß sie nicht mehr zu den Bediensteten gehörten, und daß sie das Vaterland verlassen müßten, Oudinot hatte bei sei­nem Einzuge diesen Offizieren die Beibehaltung ihres Grabes versprochen, und daß sie in der Amnestie begriffen seien. — Der Geistliche Maroni, der dem Minister Rossi den Anschlag auf fein L Ren einige Stunden vor des­sen Ausführung anzeigte, ist dieser Tage in seiner Vaterstadt Faenza durch zwei Pistolenschüsse gefallen.

Rom. (Ein liebender Vater.) Der Pabst hat eine Eucyclica erlassen, von der der Pariser „Na­tional" sagt: Sie ist ein so außergewöhnliches Akten­stück, so schnurstracks dem Geiste der Versöhnung und der Mäßigung zuwider, so wenig übereinstimmend mit der Sanftmuth, die man zu einer andern Zeit so freigebig Pius IX. beimaß, daß man sich zu fragen genöthigt ist, ob es in Portici genügt, Breve's zu unterzeichnen, die in den Werkstätten des Zankes und Hasses zu Paris, in denen ein Verfasser der „honaéte femine" arbeitet, verfaßt sind. Um unser Erstaunen über diese Eucyclica begreiflich zu machen, lassen wir die ersten Zeilen dieses beleidigenden und ehrenrühri­gen Auathems folgen; man vergleiche die darin ent­haltenen Angriffe mit den heftigsten Ausdrücken, in welche die glühendsten Organe der demokratischen Presse gegenüber all jenen sozialen und politischen Un­gerechtigkeiten ausbrachen, von denen wir 'aglich Zeu­gen sind und antworte dann, ob etwa unsere obigen Bezeichnungen nicht zutreffen; wir lassen die üblichen Anreden fort:

„Ihr wisset und sehet wie wir, mit welcher Ver­ruchtheit in der letzter Zeit gewisse verderbte Menschen, Feinde jeder Wahrheit, jeder Gerechtigkeit und Ehren- ! Hastigkeit, entweder durch Hinterlist und verschiedene andere künstliche Mittel, oder offen, indem sie, wie daS tobende Meer seinen Schaum, die Hefe ihrer Verwirrung auswerfen, sich bemühen, nach allen ! Seiten hin und unter das treue italienische Volk die zügelloseste Gedanken-Rede- sowie die Freiheit der ver­wegensten und gottloseste Handlungen zu predigen, und selbst in Italien die kath. Religion zu zerstören oder wo möglich ganz zu vertilgen. Ihre teuflischen Absichten haben sie an verschiedenen Orten kund gege­ben, namentlich aber in der vielgeliebten Stadt, dem Sitz unseres oberhirtlichen Pontifikats, wo sie, nach­dem sie uns gezwungen hatten, dieselbe zu verlassen, sich während einiger Monate desto ungestörter ihren Ungebundenheiten hingeben konnten. Dort hat sich in einer schaudererregenden und gotteslästerlichen Ver-

I