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die letzten Nachrichten lauten für das Zustandekommen sehr günstig und macht man sich in England bereits große Hoffnungen auf diese neue Absatzquote für In­dustrie-Erzeugnisse.

Es kann auch nicht geleugnet werden, daß beide Länder große Vortheile dadurch erzielen würden, und England in doppelter Hinsicht durch den erneuten Ab­satz und den Aufschwung in seinen Fabriken, sowie durch die Einfuhr russischer Produkte direkt aus russi­schen Häfen gewinnen muß; wer aber wiederum der verlierende Theil dabei ist, das liegt klar genug zu Tage. Auf Deutschland, respektive Preußen, ist es abgesehen, Preußen dessen Kabinet in den freundschaft­lichen Beziehungen zu Rußland steht, das seine poli­tischen Inspirationen theilweise von dort herholt, das den russischen Truppen kürzlich den Durchzug durch sein Land gestattete und sogar seine Eisenbahn dazu hergab. Daßelbe Preußen, dessen einst blühende Pro­vinzen Ost- und Westpreußen und Schlesien, der her­metisch verschlossenen Grenzsperre halber, gänzlich dar­nieder liegen und auf eine Weise dem Verfall entge­gen gehen, wovor keine künstlichen Regierungsmaßre- geln, etwa wie die jetzt in Vorschlag gebrachte Unter­stützung der schlesischen Leinen -Industrie es schützen könntn, „konnte oder wollte keine Konzessionen zu ei­nem Handelsverträge oder einer theilweisen Oeffnung der Grenze erlangen" und wird jetzt zusehen müssen, wie Rußland dem stets als entschieden feindlich bezeich­neten England seine Abzugsquellen vergrößert, wäh­rend das freundnachbarlichk Preußen seine Bevölke­rung der gänzlichen Verarmung Preis giebt. Es ist daher für die preußische Regierung sehr an der Zeit, ernstlich Acht zu haben auf die Dinge, die da vor sich gehen, damit nicht wie gewöhnlich ein „zu spät" auch hier eintrete.

Oppeln, 2. Januar. Gestern durchflog die Stadt ein Gerücht — Oskar Reichenbach auf Dometzko würde verhaftet; — obgleich der hiesige und der Ratiborer Obergerichtshof den Antrag des Ober-Staatsanwalts zurückgewiesen, hätte der Ober-Staatsanwalt sich an das Obertribunal gewandt und dieses die sofortige Verhaftung des Grafen befohlen. — So eben fährt der deutsche Abgeordnete Graf Oskar v. 3t eich en- bach, von seiner Gattin begleitet und von Gensdar- men gefolgt, ins Gefängniß. Frieden und das Recht ruht auf dem schönen, geistreichen, edlen Gesicht.

Wien. 2. Januar. Die Wiener Blätter sind heute ziemlich inhaltsleer. — Die in Brünn erscheinende „Presse" macht mit Bezug auf ihr Verbot in Ungarn auf die Abnormität aufmerksam, die darin liegt, daß, während sie in einem Theil Oesterreichs ungehindert cireuliren darf, sie in einem andern nicht ausgegeben werden darf. Das in Prag erscheinende Const. Blatt a. B., welches kürzlich ähnlich argumentirt hatte, meint heute, sie hätte nicht nöthig gehabt, so weit zu greifen; sie habe im eigenen Hause einen gleichen Fall. Seit längerer Zeit würden ihr alle Exemplare ihres Blat­tes, welche nach verschiedenen Orten des lombardisch- venetianischcn Königreichs abgingen, uneröffnet zurück- geschickt. Wie sich jetzt ergibt, so liegt der Grund hiervon in dem Umstand, daß das Blatt in dem Ver- zeichniß der für das lombardisch-venctianische Königreich erlaubten Zeitschriften fehlt und daß die Postbeamten neuerdings strengen Befehl erhalten haben, alle in je­nem Verzeichnisse nicht aufgeführten Zeitungen zurück­zuweisen.

— Das System der elektro-magnetischen Telegraphie in Oesterreich, seit dem Jahre 1847 angenommen, hat am Schluffe des Verwaltungsjahres 1849 bereits in solcher Ausdehnung seine Anwendung gefunden, daß nun 23^, Meilen mit Telegraphenlei­tungen versehen sind, und zwar: 1) von Wien über Olmütz nach Prag 61 Meilen (Drahtlänge); 2) von Wien über Brünn nach Prag 54 Meilen; 3) von Wien nach Preßburg 9 Meilen; 4) von Wien nach Oderberg 37% Meilen; 5) von Wien nach Triest 37

Meilen. Die Strecke von Wien über Linz nach Salz­burg sieht binnen wenigen Wochen und jene von Prag ! an die sächsische Gränze binnen Monaten der Vollen« ' dung entgegen. Unterirdische Leitungen bestehen in ! Oesterreich bis jetzt nur in größeren Städten, wie in • Wien, Triest, Linz. Auf den im Betrieb befindlichen Telegraphenlinien ist mit Ausnahme der kurzen Strecken von Wien bis Preßburg und von Brünn bis Trübau auch bereits die zweite Drahtleitung hergestellt. Der Bedarf an Kupferdraht für das Jahr 1850 zu Tele­graphenleitungen wird auf 1900 Ctr. veranschlagt.

Unlängst kamen ungarische Fischer vom Plattensee ; mit schweren Ladungen riesiger Fische, welche an die größten Hausengattungen mahnten. Trotz ihrer Wohl­feilheit fand man doch Bedenken sie zu kaufen, weil man befürchtrte moderne Müränen — nämlich mit todten Menschen und Pferden gemästete Fische — essen zu müssen.

Tyrol. Aus Süd-Tyrol lassen^ sich Besorgnisse vernehmen wegen der, laut der Verfassung, nur gering entfallenden Repräsentation dieses Kronlandes bei einem künftigen Reichstag. Hiernach hätte Tyrol nur acht Repräsentanten für das Unterhaus und sechs für das Oberhaus zu stellen, so daß es sich durch das Ueber- gewicht der ungarischen und slavischen Kronländer ge­fährdet glaubt, indem es diese Kronländer dem geistigen und materiellen Anschluß an Deutschland — eine Le­bensfrage für Tyrol — nicht günstig erachtet,

Republik Frankreich.

Paris, 5. Jan. (Mz. Ztg.) Die Wahl des Präsidenten und der Vicepräsidenten der Kammer hatte gestern eine große politische Bedeutung. Hr. Dupin wurde nur mit 288 Stimmen gewählt und hatte 50 Stimmen weniger, als das letzte Mal. Der Viceprâ- sident Benoist d'Azy erschien als ein zu eifriger Legi­timist und erhielt nur eine Majorität von 14 Stimmen. General Bedeau ward wiederum von den Legitimisten dafür gezüchtigt, daß er neulich die Heilighaltung der Verfassung erklärt hat; die 251 Stimmen, die ihm geworden, reichten zu seiner Ernennung nicht hin. Seine neuen Gegner stimmten für Vatismenil und Leon Faucher. Heute findet die Ernennung für den vierten Vizepräsidenten statt. Hr. Bedeau wird wohl ernannt werden.

Die Ernennung des Gouverneurs des Jnvaliden- hauses zum Marschall von Frankreich wird vom Na­tional als ungesetzmäßig bezeichnet. Jerome Bona­parte wurde zum Divisionsgeneral, ohne seinen Grad verdient zu haben, von seinem kaiserlichen Bruder er­nannt. Er trat später als König von Westphalen als Frankreichs Diensten und ward nie förmlich in die Armee wieder aufgenommen.

Die heutige Kammersitzung beginnt mit einem be­deutenden parlamentarischen Ereignisse. Herr Dupin gab seine Entlassung als Präsident, da die Majorität, die ihm diesmal bei seiner Ernennung geworden, ge­ringer ist, als die bei den frühern Wahlen. Kaum war diese Meldung vom Vicepräfidenten Baroche ver­lesen, so stürzen sich viele Mitglieder der Majorität in den Halbcirkel und beginnen eine sehr lebhafte Un­terhaltung. Einige wollen hierin eine Lehre für andere Beamte sehen, welche die Schwäche ihres Anhangs nicht beachten. Schon spricht man von den auftau­chenden Kandidaturen für die Kammerpräsidentschaft. Man will Herrn Dufaure vorschlagen. Aller Wahr­scheinlichkeit nach wird Herr Dupin am Montag mit einer großen Majorität ernannt werden.

Miot, Volksrepräsentant aus dem Departement Nievre, forderte den Präsidenten Dupin brieflich auf, das gegen ihn gefällte Urtheil der Censur, der Ge- ; schäflsordnung gemäß, sobald als möglich in 1000 ' Exemplaren in seinem Wahldepartemente anschlagen zu lassen. „Schlagen Sie nur ohne Mitleiden, aber auch ohne unnütze Verzögerung! Fahren Sie nur fort, die zu unterstützen, welche genießen, ich werde meiner­

seits nicht aufhören, die zu vertheidigen, welche leiden, obgleich ich die daraus entstehenden Gefahren kenne", so schließt Miot seinen Brief. Der Kammerpräsident antwortet, er werde dem Minister des Innern einen Auszug aus dem Sitzungsprotokoll vom 26. Dezemb. v. J. mittheilen.

Polen.

Von der polnischen Grenze, 28. Dez. Im Ka­lischer Kreise steht jetzt ein Regiment Infanterie und 4 Batterien Artillerie. Die Infanterie - Regimenter werden alle bis auf 6 Bataillone â 1000 Mann, also auf 6000 M. pro Regiment gebracht und es werden dazu theilweis Rekruten, theilweis Reserven aus dem Innern verwendet. — Die Offiziere haben neuerdings den Befehl erhalten, ihre Pferde, die sie um Futter zu ersparen, gewöhnlich im Winter verlausen, dies­mal zu behalten und jederzeit marschfertig zu sein. Ueberhaupt scheint man hier für das Frühjahr groß­artige Vorbereitungen zu machen und Alle sprechen von einem neuen Kriege; gegen Wen? — das ist bis jetzt hier ein Räthsel.

Der bekannte Ukas, welcher anordnete, dem Für­sten Paskiewic; alle dem Kaiser selbst gebührende Ehren zu bezeigen, hat in der letzten Zeit im katholischen Publikum zu großem Aergerniß Veranlassung gegeben und zwar bei der Einweihung der in Warschau nen erbauten prachtvollen katholischen Sanct Borromäus^ Kirche. Bei dem solennen Hochamte, bei welchem der Erzbischof celcbrirte, wollte auch der alte Fürst gegen­wärtig sein. Die Geistlichen placirten den hohen Gast auf einen Thronseffel unter einen Baldachin, der Bi­schof saß ihm gegenüber auf einem ähnlichen Sessel. Nach dem Ritual müssen die bei einem solennen Hoch­amte fungirenden unteren Geistlichen in ihren Ornaten verschiedene Ceremonieen vor dem celebrirenden Erz­bischof machen, — sie verbeugen sich, knieen vor ihm, beräuchern ihn u. s w. Nun wurden alle diese Ehren­bezeigungen auch dem schismatischen Fürsten gemacht (!) und Augenzeugen versichern, daß dieser sonst wahr­haft erhebende Akt zu einer drolligen Komödie wurde, als der kaiserliche aller ego mit großer Gemüthlich­keit alle Räucherungen und Ehrenbezeigungen wie eine indische Pagode entgegennahm und blos bei etwas stärkerem Weihrauch das Gesicht komisch vorzog.

Türkei.

Konstantinopel, 19. Dezember. Die türkische Re­gierung hat Lamantine in der Nähe von Smyrna be­deutende Landstrecken zum Gescheut gemacht. Nach hiesigen Gesetzen können Ausländer im türkischen Reiche kein Grundeigenthum erwerben; sie müssen entweder Raja's (Unterthanen der Pforte) werden, oder ihren ‘ Grundbesitz auf den Namen eines Raja einschreiben : lassen. Es wäre also Lamartine von jenem Gesetz ; ausgenommen, und so lange Reschid Pascha am Ru- bleibt, wird er einen sichern Grundbesitz Habens je« ! denfallS aber wird er wohl daran thun, sich seinen Besitz für den Fall zu sichern, daß ein anderer Staats­beamter das oben angeführte Gesetz gegen den Gjau- ren und Landsmann Bourmonts in Kraft treten las­sen will. (B. H.)

Schweiz.

Zürich, 31. Dezember. Mit der Schleifung der Genfer Festungswerke geht es rüstig vorwärts; das [ neuliche Unglück, wodurch eine verfehlte Mine 11 Per­sonen verwundet wurden, hat den Eifer nicht abgekühlt. i Auf den ^Frühling soll das Terrain so weit geebnet sein, daß schon im nächsten Sommer die Neubauten beginnen können. Die konservativen Blätter jammern entsetzlich darüber, daß das Vaterland seiner Vcrthei- digungsmittel, bloß um einer Geldspekulation Herrn Fazy's willen, beraubt werde, daß der Bundesrath unthätig zusähe und dadurch an Achtung verliere re.

schwere große Rüstwagen neben dem leichten Privatwagen des Offiziers u. s. w., in unendlicher Manichfaltigkeit. Aus den gegen die Sonne schützenden Bedachungen blick­ten mit geschäftiger Neugierde die feurigen Angen der schönen Insassinnen heraus. Trotz den verschärften Maß­regeln, Drohungen selbst Strafen, folgte doch immer eine unendliche Menge von Damen aller Art der magyar- ischen Armee, was nicht wenig zur Demoralisation der Truppen beitrug. Und kam es erst zu einer Retirade, welche Verwirrung brachten sie nicht hervor! Das war eine Angst, ein Schreien, ein Hin- und Herrennen als wäre cö dem Feind um nichts als um ihre schönen Per­sonen zu thun.

Nachdem ich mit harter Mühe meinen Weg durch- gewunden hatte, gelangte ich au einem kleinen strohbe- beckten Gebäude, dem einzigen Wirthshaus in der Gegend.

Gleich beim Eingang erblickte ich den Ober Com­mandanten und 48stündigen Dictator Ungarns, Görgey. Er war in seiner bekannten einfachen, aber romantischen Kleidung, die von der des um ihn stehenden General- stabs sehr abstach. In leichter brauner Blouse, mit goldenem Kragen, hohen übers Knie reichenden Ritter- stiefeln , einem runden schwarzen Hut mit wallender weißer Feder auf dem Kopf, schäkerte er mit einem hüb- schen Mädchen, dem er unmuthige Schmeicheleien ins Ohr lispelte. Ich staunte — wenige Minuten vor der durch ihn bewirkten Kathastrophe, die über Ungarns

Schicksal entschied, umgeben von Männern auf deren finstern Zügen die fürchterlichste Verzweiflung ansgedrückt war, konnte dieser Mann heiter lächelnd mit einer leicht­fertigen Dirne Galanterien anstauschen. War dies er­zwungener Frohsinn oder die Ruhe des reinen Ge­wissens?

Um ihn wogte ein Generalstab, dessen Pracht und Glanz an die Zeiten Hunyaey's und Zriny'S erinnerte. Alles hatte sich wie zu einem Festtag in die prächtigsten Uniformen geworfen. Die svniiengebräunten jugendlich­schlanken Gestalten in den kurzen mit Gold überladenen Attilas, Hüte mit wallenden Federn auf dem Haupt, auf feurigen Rossen, mit der Anmuth die nur der ma­gyarischen Reiternation eigen ist, hin- und berfliegend, bildeten sie eine so kriegerische Gruppe als sie nur die Phantasie eines Malers ausmalen konnte.

Der Schreiber des Briefes ergeht sich dann in Be­trachtungen über die bedeutendsten Generale des Görgry- 'schen Corps, Kiß, Pöltenberg, Sehlingen u. a., die be­kanntlich sämmtlich in Arad am 6. Oktober hingerichtet wurden.

In diesen Betrachtungen wurde man durch eine all­gemeine Bewegung die sich unter den Anwesenden zeigte unterbrochen. Görgey hatte sich auf sein Pferd geworfen und ihm nach die ganze glänzende Suite. Es gatt dem

letzten Act der das großartige Drama des magyarischen Kampfes schließen sollte. Die prächtige Cavalcade hatte sich in Bewegung gesetzt; unter den Hufen der sich stolz bäumenden Rosse ächzte die einer soichen Last ungewohn­ten Brücke, und mit „Staunen und mit Grauen" folgten die Blicke dem historischen Zuge nach.

Als Görgey nach den geschlossenen Verhandlungen zu DilagoS in die Mitte der Armee trat, und ihr er­klärte : er fühle es nicht mehr in seiner Macht Die Armee zu retten, fände sich aber jemand der daö Commando übernehmen wolle, werde er es ihm übergeben; da fand sich nur ein einziger hierzu bereit. Dies war ein greiser Hnsarcn-Rittmeister der hervorsprengte, und indem ihm die früher nie gekannten Thränen in den grauen Schnurr­bart fielen, ausrief: „Sein und seiner Cameradcn Wille sei sich durchzuschlagen, dies müsse daS Gefühl der ganzen Armee fein/ Görgey rief ihn vertraulich auf die Seite und bemerkte ganz trocken: jetzt fei keine Zeit zn spaßen und es wären Kugeln genug da um jede Meuterei zu dämpfen.

(Schluß folgt.)