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Württembergs absichtlich vermieden zu sein. Sachsen dagegen hat nunmehr sich förmlich gegen den Reichs- | tag und seine rechtlichen Folgen verwahrt, und gegen ' jede Verfassungs-Neugestaltung ohne Einwilligung sämmtlicher Bundesglieder protestirt. Ein Gleiches hat Hannover gethan.

Berlin, 3. Jan. (Wtstd. Ztg.) Der Monstre-Pro- zest gegen die des Versuchs znm Aufruhr angeklagten 49 Mitglieder der aufgelösten preußischen National­versammlung, wird am 4. künftigen Monats vor dem Geschwornen -Gericht in Berlin zur öffentlichen Ver- : Handlung kommen, wozu'einstweilen 14 Tage festgesetzt i sind. Von den rheinischen Abgeordneten befinden sich die Herren von Berg, Borchardt und Messerich auf der Anklage-Liste. Gegen die Meisten liegt weiter nichts vor, als daß fi^ die Beschlüsse der vertagten National­versammlung ihren Wählern eingesandt haben. v. Berg hat sogar den Steuerverwcigcrungs-Beschluß dem Land- raths-Berwesee seines Wahlkreises mit der bloßen Rand­bemerkung „zur gefälligen weiteren Veranlassung" ein­gesandt, worauf der Herr Verweser den Beschluß in den Papierkorb geworfen hat. Bekanntlich hat die Anklagekammer zu Berlin in den Beschlüssen der ver­tagten Nationalversammlung selbst keine strafbare Hand­lung erkannt, nicht einmal in dem Beschlusse, wodurch die . Herren Brandenburg-Manteuffel für Hochverräther erklärt worden sind. Implicite hat also die Anklagekammer anerkannt, daß tue National­versammlung während der Vertagung ' Beschlüsse zu fassen befugt war. Hieraus folgt aber nicht blos das Recht, sondern auch die Pflicht der Abgeordneten, ihren Kommittenten die Beschlüsse, sic mochten lauten, wie sie wollten, mitzutheilen.

Berlin, 3. Januar. (N.-Ztg ) Trotzdem, daß nach den gestrigen Nachrichten die Gerüchte über eine bevorstehende Ministerkrisis als beseitigt angesehen wer­den konnten, tauchen sie doch am Vorabend der Wie­dereröffnung der Kammern mit neuer Stärke auf. Heute erzählt man sich mit großer Bestimmtheit, daß einerseits in dem auf heute Abend anstehenden Mini­sterrath das gesammte Ministerium sein Amt in die Hände des Königs zurücklegen werde, und daß ande­rerseits ein Ministerium Gerlach-Voß als ernannt an- ' gesehen werden könne. Wir sind natürlich weit ent­fernt, die Bürgschaft für die Wahrheit beider Gerüchte zu übernehmen, glaubten aber doch unsern Lesern ein mit solcher Brstimmthrit auftretendes Gerücht nicht vorenthalten zu dürfen, da in unserer Zeit häufiger als sonst Gerüchte gleichsam als Schatten wichtigen Ereignissen voranzugehen pflegen.

Ju der Sitzung des Gesamintaus sch usse s der Volkspartei am 2. Januar unter Vorsitz des Dr. Stern erstattete Herr Berends zuvörderst Bericht über die Thätigkeit des Centralkomitä's in Beziehung auf die Berufung des Kongresses zur Berathung über die Erfurter Wahlen. Das Eenträlkomibs könne nicht umhin, einen Kongreß zur Berathung der Frage über die Wahl oder Nichtwahl theils für unnütz, theils für schädlich zu halten. Es habe sich dessenungeachtet mit den bedeutenderen Persönlichkeiten Preußens und

Deutschlands in Verbindung gesetzt , um die Meinung derselben über die Berufung eines Congresses und die Frage der Wahl oder' Nichtwahl zu erhalten. Fast alle Stimmen haben sich gleichmäßig entschieden gegen einen Kongreß und gegen die Wahl ausgesprochen. Nur wenige Stimmen (von 41 Briefen 4) sind für einen Kongreß; das Komite glaube daher, daß es sehr bedenklich sein möchte, unter solchen Bedingungen ei­nen Kongreß zu berufen und trage deßhalb beim Ge- sammtausschuß darauf an, den Beschluß, einen Kon­greß zu berufen, rückgängig zu machen. Hr. Berends berichtet ferner, daß in Berlin alle Volksvereine fast einstimmig sich für die Nichtwahl ausgesprochen haben.

Der Gesammtausschuß nimmt den Antrag des Cen- tralkomits's mit großer Majorität an. —

Wien, 1. Januar. Das Armeekorps in Böhmen | wird durch fortwährende Truppenzuzüge verstärkt. So ging vorgestern, mittelst Separattrains das 16te Jäger- bataillon, gestern ein Bataillon Ceccopieri Infanterie von hier nach Prag ab.

— In einem vom heutigen Tage datirten Armee­befehl erklärt der Kaiser, daß die wiedergekehrte Ruhe und Ordnung es gestatten, mit der Verminderung der Armee und der theilweifen Rednzirung derselben auf

den Friedensstand zu beginnen und dadurch die allge- meinen Lasten zu verringern.. •

Dresden, 2. Jan. Nach der „Dresdener Ztg." hat das Oberappellations-Gericht die Abgeordneten zur deutschen National-Versammlung, Wigard und Roßmäßler, welche wegen ihrer Wirksamkeit in Stuttgart angeklagt waren, freigesprochen.

Frankfurt, 7. Jan. Es verlautet, so berichtet das Frankfurter Journal, daß gestern hier eine telegraphische Depesche aus Berlin eingetroffen sein soll, wonach das Preuß Ministerium Man- ■ teuffel zurückgetreten wäre. Nähere Bestätigung i muß abgewartet werden.

Italien.

Die Turiner Depytirten-Kammer hat sich endlich am 29. Dez. definitiv konstituirt. Das wich­tige Ereigniß der Sitzung ist die Wahl Pinelli's zum Präsidenten. Von 125 Stimmen erhielt der Er- Minister des Innern, welcher der Opposition der alten Kammer als Opfer gefallen war, 79 Stimmen. Aus Mein Ergebniß läßt sich die Stärke der ministeriellen Partei abnehmen.

Großbritannien.

London. Das für die Handwerker und kleinen i Kaufleute gleich verderbliche „Truck-System", nach welchem der Arbeiter genöthigt ist, von seinem Arbeit­geber statt baarer Bezahlung Lebensmittel, oder seine sonstigen Bedürfnisse zu nehmen, wird nirgends in so ausgedehntem Maaße betrieben, als in einigen Gegen­den Schottlands. Die Fabrikherren haben große Lä­den mit möglichst vielen Artikeln; die Arbeiter müssen ihren Bedarf, gewiß nicht zu ihrem besonderen Vor­theil, von dort entnehmen, und erhalten oft nur sehr wenig Haares Gesv. . .Allerdings. eristirt eine Truck- Akte vom Jahre 1831, nach welcher jede Bezahlung in Waaren anstatt in Geld mit einer Strafe belegt wird, und nach welcher es dem Arbeiter gesetzlich frei­steht, trotz empfangener Zahlung in Waaren baares Geld zu beanspruchen. Indessen wissen die Arbeitge- : der den Wortlaut des Gesetzes zu umgehen durch Eta- blirung von öffentlichen Laven, und vie Arbeiter wer­den natürlich durch die Furcht vor Entlassung zum Kaufen gezwungen. Nichts destoweniger sind bereits mehrere Prozeße wegen Verletzung der Truck-Akte zur Verhandlung gekommen; aber sie sind bei den Lokal- gerichtshöfen immer zu Gunsten der Fabrikherrn ent« schieben worden. Indessen greift, das Uebel immer weiter um sich; die Arvetter stehen bald in keinem andern Verhältnisse zu ihren Arbeitgebern, wie die Negersklaven zu den Pflanzern, und eö regt sich unter den Gedrückten ein lebendiges Verlangen nach Abhülfe. Unter solchen Umständen fällt die Wichtigkeit eines großen Arbeiter-Meetings in Airdrie in Schott­land in die Augen, wo nach verschiedenen sehr licht­vollen und eindringlichen Vorträgen beschlossen wurde, mehrere Fälle von Uebertretungen der Akte vor den hohen Gerichtshof in Edinburg zu bringen, wo man endlich Recht zu erhalten hofft; und außerdem mit vollster Einmüthigkeit alle Maßregeln friedlicher aber energischer Agitation zu ergreifen, um schleunigst die so zahlreichen Truck-Laven geschlossen zu sehen.

Das „Morning Chronicle" sagt: „Wir haben von einer Autorität, in die man volles Vertrauen se­tzen kann, gehört, daß die in Betracht gezogene Re­duktion der Armee sich auf 10,000 Mann belaufen wird ; aber über die Art, in welcher diese Herabsetzung des stehenden Heeres bewirkt werden soll, ist noch »ichs verlautet." — Die haupsächlich sten Zahlenvcrhltnisse der Armee sind folgende. Die Gesammtsumme beträgt 103,000 Mann; davon stehen in den Kolonien 42,000 Mann (also weit mehr als ein Drittel!) 27,000 Mann in England und Schottland, und 25,000 Mann in Irland, wo man außerdem noch 11,000 Mann wohlvisziplinirter und waffenfähiger Polizeimänuer nö­thig hat. Es ist im vergangenen Sommer uachgewie- sen worden, daß die Truppen in den Kolonren auf 22,000 Mann, in Irland auf 15,000 Mann und in England und Schottland auf eine noch geringere Zahl reduzirt werden können, ohne der Sicherheit in einem

Theile des britischen Gebiets Eintrag zu thun. — Für einen Anfang müßte man natürlich mit einem Abzüge von 10,000 Mann zufrieden sein.

Mad. Sonntag macht jetzt in Begleitung von Lab­lache und Piatti eine zweite Rundreise durch die vor­züglichsten Städte England's, überall Pie glänzendsten Trophäen auf ihrem siegreichen Zuge erntend. In Brighton begann die Reihe ihrer unstreitigen Triumphe, und sie setzt in diesem Augenblicke das industrielle Leeds in künstlerisches Entzücken. Wir hörten sie in der letzten Saiion hier im Barbier von Sevilla; und kaum könnte man ahnen, daß die Säng rin nahe an 20 Jahren der Bühne entzogen gewesen sei. Was ihre Stimme an Kraft und Intensität verloren haben mag, das hat sie gewiß an seelenvollen ätherischen Schmelz gewonnen. In der Koleratur maß sie noch immer als unbestrittene Meisterin ersten Ranges gel­ten. — Sie wird ihre Tour nordwärts nehmen, 'bis nach Edinburg und Glasgow, wo sie bis zur Wieder­eröffnung der hiesigen Saison verbleiben wird. —

Wir"entnehmen aus dem Britischen Almanach für 1850 folgenden interessanten und sehr wahren Ver- gleich zwischen dem Britischen Museum und der Pa­riser National-Bibliothek: „Man werfe einen Blick in die Lesezimmer des Britischen Museums und der Pa­riser National-Bibliothek, so wird man im ersten Au­genblicke finden, daß zwei, ganz verschiedene Klassen i von Personen die beibey Institute besuchen. In Lon­don findet man dort nur Gelehrte und Künstler, die I Lehrer des Volkes; in Paris wird man sehen, daß 1 das Volk selbst zu den Leseräumen kommt. Im Bri- i tischen Museum sieht man nur ernste Männer und Frauen, j herkömmlich in das feierliche Schwarz gekleidet; in ! der pariser National-Bibliothek bemerkt man Gruppen von Studirenden aus Civil- uud Militar-CoUegien, Soldaten der Linie in ihren blauen Röcken, Offiziere, Handlungsgehülfen, Kaufleute, Arbeiter, kurz Perso­nen aus allen Klassen der Bevölkerung. Ein andrer

schlagender Unterschied ist der, daß man in London die Tische mit alten Bänden, Karten und Manusprip- ten bedeckt sieht, kurz mit der Literatur der Vergan­genheit ; während in Paris die Leser die neuen Bücher und neuen Schriftsteller begierig studiren, wie Thiers, Lamartine, Louis Blanc — mit einem Worte die Li­teratur der lebendigen Gegenwart. In strenger Wahr­heit ist das Britische Museum nur eine Bibliothek zum Nachschlagen; daS Pariser Institut aber ist wirklich eine Bibliothek zum Lesen." (N.Z.)

Ungarn.

Vom k. k. Kregsgericht zu Temeswar wurden verurtheilt: Die katholischen Pfarrer Joh. Stwrtezky und Joseph Pfeiffer und der griechisch-nichtunirte Pfarrer Georg Pitko wegen Vorschubleistung zum bewaffneten Aufruhr, die beiten ersten zu 5jährigem, der letztere tu 4jährigem Festungsarrest in Eisen; Leopold Roth und Michael Birosch wegen Majestätsbeleidigung zu 1jährige.: Schanzarbeit in Eisen; ferner Sigismund v. Ormas, Oberstuhlrichter in Buzias, Wilhelm Zsiz- monby, Markscheider in den königlichen Eisenberg­werken zu Reschitza, und Joseph Slary, Sekretär beim ungarischen Finanzministerium, wegen Vorschubleistung zum bewaffneten Aufstande zu vier-, fünf- und sechs­jährigem Festungsarrest in Eisen, endlich Stefan Major, ein mit Geleitschein aus Komorn entlassener Honvek- lieutenant, welcher auf seinem Wagen einen scharf ge­ladenen Militärstutzer, und am Leib, im Stiefel, eine scharf geladene doppelläufige Pistole verborgen hatte, zu achtmonatlichem Stockhausarrest in Eisen. — Wegen des Belagerungszustandes dürfen in Pesth, während des Fasching, keine maskirtcu Bälle abgehaltcn werden.

— Die Kinder Kossuth's (zwei Knaben, und ein Mädchen), deren jüngstes 3, die älteren 8 bis 10 Jahr alt sind, sollen, sobald sie das erforderliche Alter er­reicht haben, im Thorsignum erzogen werden. Bis dahin ist für dieselben der Wachsel-AppeUations-Gc- richtsbesitzer Cserneczky zum Kurator ernannt worden.

(Nat. Ztg.)

Republik Frankreich.

Paris, 4. Jan. Der Finanzminister hat alle seine College» aufgefordert, ohne Vorzug das Budget des Jahres 1851 vorzubereiteu und am Schluffe des Mo­nats das erforderliche Material ihm zur Verfügung zu stellen. Diese Maßregel wird gestatten, daß das Bud­get zeitig genug berathen und votirt werden kann, um schnn mit dem nächsten ersten Januar in Anwendung treten zu können. Der Minister empfiehlt übrigens seinen College», die im Budget von 1850 angebrach­ten Ersparungen beizubehalten and denselben weitere Hinzuzufügen, in so weit es ohne Nachtheil für den Dienst geschehen kann. — Der „Moniteur" kündigt an, daß sofort Silbermünzen von 20 Centimes in Umlauf gesetzt werden. — Nach dem „Moniteur du foir" ist der Divisionsgeneral und General-Gouver­neur der Invaliden, Je ome Bonaparte, zur Würde eines Marschalls von Frankreich erhoben worden. — Den: „Evenement" zufolge hat die Zahl der Reprä­sentanten, welche sich am 1. Jan. zur Beglückwün­schung L. Napoleon's ins Elysee begaben, fünfzig nicht überschritten. — Nach demselben Blatte hat die Com­mission der Ergänzungs-Credite in ihrer gestrigen Si­tzung sich bezüglich der La Plata-Frage für einen Mit­telweg zwischen dem Vorschläge de Rancy's und dem vom Ministerium vertretenen Status quo entschieden Sie will nämlich der Versammlung vorschlagen, daß die diplomatische Unterhandlung durch eine angemes­sene bewaffnete Macht unterstützt werden solle. Der Bericht des Herrn Daru, der in diesem Sinne abge­faßt ist, wird morgen zur Erörterung komme». Die Herren Randot und F. Bouvet hab.» Zusatz-Artikel zu dem Gesetzentwürfe vorgcschlagen. — Der Ver­sammlung soll ein neues Gesetz über das Colportiren vorgelegt werden. — Der Arbeitsminister beharrt auf seinem Vorhaben, die Paris-Avignon-Bahn und deren Vollenduiig einer Gesellschaft zu überlassen, während die Commission entschlossen scheint, der Versammlung die Vollendung und Ausbeutung der Bahn durch den Staat vorzuschlageu. ' (K. Ztg.)

Serbien.

Die Nachrichten über den serbischen Aufstand be­stätigen sich, soweit sie die türkischen Serben betreffen, jetzt schon, trotz der StandrechtSblättcr an der Donau und am Rhein. Die nationalen Bestrebungen der Serben sind seit längerer Zeit bekannt. Getheilt zwi­schen Oesterreich und dem osmanischen Reiche werden die Serben Dem zufallen, der am ersten und sichersten ihre Nationalität herzustell?» verspricht. Es bewarben sich deßhalb ziemlich zu gleicher Zeit die Türken, die Oesterreicher, die Ungarn und die Russen um ihre Freundschaft. Seit in Ungarn Gleichberechtigung der Nationalitäten ausgesprochen, neigten sich ibm die Ser­ben entschieden zu. Es ist bekannt, daß gerade serbische Handelsleute es waren, die Kossuth das Kriegsmate­rial, was dieser aus dem Auslande bezog, zuführtcu. Der serbische Fürst Kara Chjorgjevic wurde von den Türken mit größerer Aufmerksamkeit als je behandelt; er erhielt die Zusage, daß wenn Rußland die Pforte in den ungarischen Krieg verwickeln werde, Serbien als selbstständiges Reich aiierkannt werden solle,, woge­gen die Serben der Pforte kräftig Hülfe leisten sollten. Seitdem die Hoffnung der Serben schwand, auf die­sem Wege zur Selbstständigkeit zu gelangen und nach­dem sie sahen, wie wenig ihren Stammgenoffcn in Oesterreich Wort gehalten werde, mag es den Russen wieder leichter geworden sein, Sympathien zu Zwecken. Rußland ließ bald nach Beendigung des ungarischen Krieges Massen von Waffen unter den Serben ver» theilen. Seine Absicht ging offenbar zunächst dahin, Oesterreich sowohl wie der Pforte durch einen süd- stavischrn Aufstand Verlegenheiten zu bereiten, und daß dieser Fall ciugctreten, ist, nachdenr selbst Lloyd unterm 28. Dezember Folgendes erzählt, keinem Zweifel mehr ltnterworfen: