28. Dr Löhr von Runkel.
29. Johs Thielmann 3r von Donsbach.
30. Philipp Schneider von Hachenburg.
11. Ersatzgeschworne. Kunz von Burg.
1.
2.
3.
4.
6.
7.
8.
9.
Jacob Kunz von Burg. Friedrich von der Heid von da. Christian Stephen von Herborn. Jacob Christian Weil von da. Johs Peter Weiershausen von Manderbach. Philipp Ronneberg von Haiger. Joh. Jac. Glas 2r von Uckersoors. Jac. Hecker von Haiger. Johann Donsbach von Uckersdorf.
Hl. Ersatzrichter:
1. Justizamtmann Isbert von Montabaur.
2. Justizamts-Sekretär Schröder von Limburg. 3. Justizamtmann Gödecke von Hachenbuag.
4 Justizamtsverwalter Metzler von Dillenburg. Justizamtmann Burgess von Rennerod.
6. Justizamtsverwalter Kuntz von Runkel.
Die Verhandlungen, welche mit dem 14. Januar beginnen, werden diesmal, soviel bekannt, nur wenig Interesse bieten , und von kurzer Dauer sein, indem nur 3 bis 4 Anklagcsachcn dazu reif geworden sein sollen. Es scheint, daß es unsern Criminalgerichten nicht recht gelingen will, aus dem alten Fuhrmannsschritte in eine raschere Bewegung überzugehen, und sich in die ihnen von dem neuen Gesetze angewiejene Aufgabe, nur die Materialien zur Begründung bei Anklage und zur Beweisführung in der mündlichen Hauptuntersuchung mit raschem ^schritte zu sammeln, zu finden. Für einen schuldigen Angeklagten kann in in der That nichts nützlicher sein, als diese unglückliche Gründlichkeit, welche zur Folge hat, daß die Zeugen, wenn sie vor die Geschwornen kommen, das Beßte vergessen haben, während ein Unschuldiger den Uebeln, der Voruntersuchung dadurch um so längerausgesetzt ist. Es verdient hierbei öffentlich bemerkt zu werden, wie gering dermalen die Garantie gegen ungerechtfertigte Verhaftung in der Voruntersuchung ist. Die Haftrcchtfertigungsberichte, welche die Crimmal- gerickte früher stets sofort au die Hofgerichte zu erstatten hatten, haben nach dem neuen Gesetze aufgehört. Au deren Stelle soll die Controlle der Bethei- ligten, des Staatsanwalts und der Angeklagten treten. Die Letzteren haben in allen Schwurgerichtsfallen, sobald die Voruntersuchung begonnen hat, das Recht, sich einen Vertheidiger zu bestellen, oder, wenn sie vermögenslos und verhaftet sind, die Bestellung eines sol-
chen auf öffentliche Kosten zu verlangen. Unterläßt kommt erst Ipat zum Lurchbruch.
§dvch das Crinrinalgericht, den Angeklagten hiervon Noch etwas, hort. Hort. Herr Hoskammerrath in Kenntniß zu setzen, oder verhindert es gar deßfalt- Fritze hat's gejagt: wer ncht mit Preußen gehen will, llae Mittheilungen an denselben, so kann er vielleicht wer nicht mit unsrem Herzog gehen will und bei den Monate Una ohne Grund sitzen. Wird aber die Nn- Wahlen hinter'm Ofen sttzen bleibt, bekommt nicht al-
tersuchung von einem Justizamte geführt, so ist der Angeklagte noch viel weniger geschützt, indem hierbei auch die Mitaufsicht des Staatsanwalts hinwegfüllt Was Hilst es den Angeklagten, wenn er auch am Ende vielleicht freigesprochen wird? Die entzogene Freiheit ist unersetzlich. Wird aber die Untersuchung gar blos durch ein Erkenntniß des Justizamts erledigt, so erfährt auch die Obcrbehörde nichts davon, und es kräht kein Hahn darnach. Möge diesen Ucbelständen bald durch die so nothwendige gesetzliche Regnlirung des Verfahrens in der Voruntersuchung abgeholfcn
werden!
? Höchst, 31. Dezember. (Hurrah! Die Todten werden lebendig.) Unser längst entschlafener, in ein Beamten- und Bürger-Casino verwandelter Bürger- Verein ist wieder erstanden. Der Vorstand des Bür- gervereins hat nämlich nach langem Schweigen wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben; es war dies wahrscheinlich der Stoßseufzer seines ruhmvollen Daseins; hören Sie, wie das Alles sich zugetragen.
Unsere blau-orange-schwarz-weiße Partei erließ unter dem Namen „der Vorstand des Bürgervereins"
eine Einladung an alle Freunde der Elnhe t ^cuW lands zu einer Zusammenkunft auf Sonntag , deß- 30
Dezember, Nachmittags 2 Uhr, im
dahier zur Berathung und Forderung der ^c ch.tagö- wählen und hatte das besondere Vergnügen, ohngcach- tet des schlechten Wetters, beinahe alle Lurgcrmnster des Amtes Höchst, die Müller der Umgegend, die Besamten von hier und die Herren Werle von Hatteee- heim und Anthes vom Goldstein um sich versammelt zu sehen. Nachdem Herr Hofkammerrath Fritze die Getreuen begrüßt und ihnen den Dank für ihr zahlreiches Erscheinen ausgesprochen, wurde zur Eniennung eines Vorsitzenden geschritten. Herr Unton 'S chn i - -er erhielt den Vorzug und wurde Präsident. begann seinen Vortrag: „Als wir am 16. Dezember in Wiesbaden waren, wo Höchst am meisten vertreten war", und berichtete dann ein Langes und Breites, was da im deutschen patriotischen Verein gebrochen und beschlossen worden, insbesondre, daß sich bie Gutgesinnten an den Wahlen nach Erfurt betheiltgen und besonders dahin wirken sollen, daß die Gothaer, als die Männer ihrer Partei, gewählt werden.
ßerr ßoffammerratb las dann mit Wärme sich mit den übrigen Orten des Lahnthales in vorläu- r... . < ' . fine d^rhinbnnâ zu uMen. sowie bte einleitenden Mau
und Gefühl eine Ansprache des deutschen patri otychxn Vereins zu Wiesbaden an die Bürger Napan's vor, worin das Vaterland abermals in Gefahr erklärt wird und von den „Besten" gerettet werden soll. Was es „mit der Gefahr" auf sich hat, wird Jedem begreiflich sein, der weiß, daß diese „Retter" dieselben Leute sind, welche „Gut urd Blut" für die Reichsverfassnug verschrieben, gleich darauf aber ins andre Lager übergelaufen sind. Darauf stellte Herr Hofkammerrath Fritze bie Frage, ob man mit Oesterreich oder Baiern, oder mit Württemberg oder Hessen-Homburg — oder mit Preußen und unserm Herzoge gehen wolle? Die Antwort fiel natürlich so aus, wie die Herren gewünscht hatten. Sehr interessant war HerrHofkammerrath Fritze mit seinen Ausfallen gegen Oesterreich, Bayern, Württcm- berg und besonders Hessen-Homburg; die Regierungen dieser Staaten mögen sich bei ihm bedanken; nach der Meinung des Herrn Hofkammerrath Fritz c haben diese allein eine völkermörderische, freiheitsfeindliche Politik
und allein Preußen und Nassau glänzen wie Edelsteine wegen ihrer Ehrlichkeit und ihrer Bestrebungen für Bolköwohl.
O, wie bebaute ich, diese Wahrheit erst jetzt erfahren zu haben, ich wäre ja schon laugst cm „mit Gott für König und Vaterland" begeisterter Preuße geworden; so ist es aber in der Welt, die Wayrpcu kommt erst spät zum Durchbruch.
............ „..,......o-7..... . -.....1 Verkehrsmittel die Kräfte des bei Weitem größten Thei- Wahlen hinter'm Ofen sitzen bleibt, bekommt nicht al- | les unseres Herzogthums erst geweckt werden. Dazu . . ... r-------- kommt die allgemeine deutsche Bedeutung unserer Bahn.
Die Landstände, sowie die Regierung, werden dies
lein die Schlafhaube, sondern die eigne liebe Haut über den Kopf gezogen und Herr Gaftwwth 3 u et s cb ro e r t wird Diejenigen, die nicht mitgehen wollen, zwingen
lassen.
Beinahe hätte ich Ihnen ja die Namen derjenigen zu nennen vergessen, welche von dieser schwarz-weißen Versammlung von circa 60 Personen in das Wahl- Comit« gewählt wurden: Merken Sie sich einmal den Hrn. Apotheker Kaiser, den Hrn. Baumeister Götz, Hrn. Recepturaccessisten Bach, Hrn. Leonhard Fil- $ Higer von hier, und für die Ortschaften beinahe durchgängig die Herren Bürgermeister und vor Allen notiren Sie mir Hrn. Krebs, der es für das Beste hält, sich an Preußen anzuschließen und folglich den Erfurter Festuugstag zu beschicken.
-s- Weilburg, 31. Dezbr. Gestern fand auf die Einladung von Friedr. Wimpf und Friedr. Schulz im hiesigen Kreisblatt, eine Versammlung von Freunden vaterländischer Industrie im deutschen Hause dahier statt. Dieselbe war von Vertretern des größeren und kleineren Gewerbs, sowie von Männern, welche in vvlkswirthschaftuchcn Verbesserungen ein Hauptbe-
MMß der Zeit erkennen, zahlreich besucht. Der erste Gegenstand der Tagesordnung war die Lahneisenbahn, deren Nothwendigkeit allgemein anerkannt und deren sofortige eifrige Betreibung beschlossen ward. Nachdem bie besonderen Schwierigkeiten und die Ertragsfähigkeit, sowie die früheren Vorarbeiten zu einer Lahnbahn im Allgemeinen besprochen worden waren, wurden die nöthigen einleitenden Schritte zur Bildung eines LahneisenbahnauSschuffes gethan. Jede Stadt und jeder größere Ort des Lahnthals bildet einen Lokaleisenbahnverein und beschickt die nächste Generalversammlung, welche Sonntag, den 20. Januar, Nachmittags 1 Uhr zu Limburg im deutschen Hause bei Herrn Walther stattfinoet, mit einem Abgeordneten. Zur Bildung des Weilburger Lokal-Ausschusses ward sögleich geschritten und in denselben gewählt: Friedrich Buderus von der Audenschmiede, Baumeister Preußer, Friedrich Wimpf, Landstand, Bergmeister Winter und Prediger Treuenfels. Dieser Ausschuß hat für die Limburger Generalversammlung die nöthigen Vorlagen herbeizuschaffen, welche von mehreren Seiten schon bereitwilligst angeboten worden sind, und
sige Verbindung zu setzen, sowie die einleitenden Maßregeln der Weilburger Versammlung allgemein besannt zu machen, worin er von den übrigen Mitgliedern der Versammlung unterstützt werden wird. In der ganzen Versammlung lebte ein entschlossener Geist, endlich einmal von Worten zu Thaten überzugeheu und dem Lahnthal zu der ihm gebührenden Lebensentwicklung zu verhelfen. Dabei herrschte keine Eifersucht und Feindseligkeit gegen die übrigen beabsichtigten nassauischen Bahnen, im Gegentheil wünscht man den recht baldigen Angriff derselben, welche in dieLahn- eiscubahn einmünden und deren Bedeutung nur er-.
Höhen werden.
In Gießen und Koblenz werden auch bereits die nöthigen Schritte gethan, um beide Städte von Neuem auf bie Wichtigkeit unserer Bahn aufmerksam zu machen, und wir sind unseres dortigen Erfolges schon sicher. Die Schiffbarmachung der Lahn kann daneben ihren ungestörten Fortgang nehmen; denn sie wird durch die Eisenbahn, wie dies die Erfahrung anderer Gegenven lehrt, nicht überflüssig werden. Beide Verkehrsmittel werben sich nur ergänzen und fördern. Wenn nach dem Urtheil der besten Sachkenner die Lahn- eisenbahn bei ihren besonderen Schwierigkeiten, die sich indessen. in neuerer Zeit als immer geringer heraus- gestellt haben, zehn bis eilf Millionen Gulden und die Vollendung der Schiffbarmachung der Lahn die Summe von zwei Millionen Gulden erfordern wird, so ist dies nicht zuviel, wenn man bedenkt, daß durch diese beiden
wohl beherzigen, die Kapitalisten von Gießen bis Koblenz und Rnhrort thätig eingreifen. Erfreulich ist es, daß auch der Wasserbaumeister Haas, der vieljährige Kenner und Freund der Lahn in einem eigenen Schreiben unserer Bahn seinen Beifall schenkte, da er durch die zu kurz anberaumte Frist zu erscheinen verhindert war. Er sieht mit Recht in der Bahn keinen Feind der Lahnschifffahrt. Die Errichtung einer kleinen Eisen- bahiikasse bildete den Schluß der sehr anziehenden und lehrreichen Eisenbahndebatte, in welcher besonders Bergmeister Winter auf die richtigen Gesichtspunkte hinwies. Der zweite Gegenstand der Tagesordnung war die Bildung eines Lahnvereins zum Schutz der vaterländischen Arbeit, als Zweigverein des allgemeinen deutschen Vereines zu Frankfurt. F. Schulz theilte zuerst ein Schreiben mit, welches der engere Ausschuß des Frankfurter Nationalvereins durch seinen jetzigen Mitvorstand, den badischen Staatsrath Christ, Abgeordneten zur deutschen Neichsversammlung, an ihn gerichtet hatte, worin die Wichtigkeit von Zweigverei-
unserer Zeit nichr entwickeln könne. Unser Herr Ge- hrimerall) wurde ganz warm.
,3a,' rief er aus, und dabei erglühte seine runde Nase in ttigenvhaflcm Eifer, — „hierher möchte ich alle die Verderber, Wühler, Umstürzler führen, hier in dieses neue Atlun, wo unter dem milbeu Scepter eines kunstsinnigen Monarchen eine so glänzende Aera der Kunstblüthe angebrochen ist. Frage» möchte ich sie, ob sie in ihren erträumten Staaten auch Aehnliches hervorzuzaubern vermöchten. Was wäre wohl aus diesen großartigen Schöpfungen geworden, wenn unser theures Vaterland — Gott steh uns bei! — (zwei dicke Thränen rollten hier herab) eine Republik gewesen wäre!"
Bei diesen Worten überlief ein eisiger Schauer die kleine, runde geheimräthliche Figur, und die funkelnden Aeugiein fixirten mit einem Blicke frommer Entrüstung die ironischen Gesichtszüge meines Freundes.
„Nein, fuhr das Männchen eifrig fort, nur keine Republik! Dann wäre es mit den Künsten, wie mit allem Schönen und Guten, auf ewig aus. Wir sehens ja an Nordamerika! Vor einigen Tagen traf ich hier einen Herrn aus Nordamerika, einen Professor. Da hätten Sie sehen sollen mit welchem Entzücken der diese Schätze betrachtete! Dergleichen, sagte er, kennen die Nordamerikaner nicht und wollen es auch nicht kennen. — Nun, was sagt denn unser junger Republikaner
dazu?" wandte sich der Herr Gcheimerach triumphiren- bcii Blickes schließlich an meinen Freund.
Die Damen fingen schon an, einem schadenfrohen schelmischen Lächeln auf Unkosten des Angercdetcn sich hinzugeben. Dieser aber entgegnete ruhig:
Daß Sie, Herr Geheimerath behaupten, die Repn- blik sei den Künsten ungünstig, das nimmt mich nicht Wunder, denn Sie sind ein königlich preußischer Ge- heimeratl) unb Ritter des unvermeidlichen Rothen Abler- ordens 4 Klasse. Daß Sie aber gerade hier, gerade au diesem Orte jene Behauptung wagen, das ist eins der verzweifelsten Wagestücke, von denen ich je gehört habe. So schauen Sie doch um sich, ich bitte Sie: wo sind wir denn? Was für glorreiche Kunstwerke umgeben uns? Welchès Volk schuf diese Welt von Schönheit? Waren es nicht die Griechen? und war nicht die Zeit, als bei jenen die freieste Staatsform, die Republik, geltend war, auch die Periode der höchsten Blüthe der Kunst? Sind nicht alle späteren Jahre nur die Erben, welche sich in die riesige Hinterlassenschaft Jener theilen? Wie können Sie also, rings umgeben von Kunstwerken, die alle von Republikanern geschaffen sind, Kunstwerken, die noch kein Volk nachher selbst nur annähernd zu erreichen vermochte, die die Bewunderung aller Völker und aller Zeiten sind, — wie können Sie da behaupten, die Republik sei den Künsten nicht günstig? Wenn Sie durch das Beispiel des Nordamerikaners
Ihren kühnen Satz beweisen wollen, so bedaure ich Ihren Beweis. Abgesehen davon, daß die Nordamerikaner zunächst eine ganz andere weltgeschichtliche Mission zu erfüllen haben — die Urbarmachung und Kultivirung jenes ganzen Erdtheils — ist auch der Charakter jenes Volkes durchaus industrieller, praktischer Art; ihm wird die ideale Welt des Künstlers, wie deö Philosophen ewig verschlossen bleiben. Wären aber die Nordamerikaner mit einem ober einem Dutzend Könige und Fürsten beglückt, die mit der standesmäßigen Marotte für Künste versehen wären, so würde sicher Alles angewandt, Geld und Mühe nicht geschont, das Volk zu einer sogenannten Kunstübung heranzuhofmeistern. Und nie würde die Welt mehr als eine Treibhauspflege erblicke», eine mühsam hinter den Glasscheiben der Privilegien, in der unnatürlichen Brütewärme und den Mistbeeten der Hofgunst hinanfgekränkelte, die beim ersten frischen Hauche des Lebens in Nichts zerfiele. Das Große hat eine freie, demokratische Verfassung: sie wächst aus dem innern Kern des Volkslebens,heraus und kann als solche dem Volke nichts aufzwingen, was seinem Geiste und seiner Begabung widerspricht. Aber alle Bedürfnisse, materieller und geistiger Art, die im Volke wahrhaft leben, also auch die wissenschaftlichen und künstlerischen, weiß sie aufs Angemessenste zu befriedigen, und sie kann dieS um so leichter, da ein freies Volk manche andere Bedürfnisse, als da sind verschwenderische Hofhaltungen, große Civillisten, kostspielige Heere von Beamten und Soldaten, glücklicher
