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26) Joh. Bender von Schwickershausen.

27) N essend orf, Tapezierer von Wiesbaden.

28) PH. Lauck von Wallau.

29) Papierfabrikant Georg H i e p e von Neuweilnau.

30- Gustav Cratz in Rüdcsheim.

IL Ersatzgeschworne:

1) Wilhelm Cron von Wiesbaden.

2) Jakob Kraft von Wiesbaden.

3) Wilh. Hildebrand von Wiesbaden.

4) Heinrich Ritzel von Wiesbaden.

5) Kappenmacher F r aund von Wiesbaden.

6) Wilhelm Blum von Wiesbaden.

7) Feldwebel Ohly von Wiesbaden.

8) Dr. Müller, Medizinalrath von Wiesbaden.

♦ 8) Heinr. Thon.

Weiter wurden sodann die Ergänzungsrichter eben­falls durch das Loos ernannt. — Es sind dies die Herren:

1) Justizamtsverwalter Cramer von Nassau.

2) Justizamtsverwalter Jeckeln von Königstein.

3) Justizamtmann Dilthey von Nüdesheim.

4) Justizamtinann Winter von Wiesbaden.

5) Justizamtmann Winter von Schwalbach.

6) Justizamtmann Gieße von Hochheim.

Wiesbaden, 29. Dezember. Die ehrliche Per­son, die seit einigen Tagen in der „Nass. Allg. Ztg." so viel über den Idsteiner Landescongreß und die „Freie Zeitung" zum Besten gibt, scheint zu unseren „geheimen" Freunden zu gehören. Es thut uns nur leid, daß die letzte Abhandlung des „alten" Mannes von Herrn Riehl in den Sprechsaal ver­wiesen, und so von dem Redakteur der „Nass. Allg. Ztg." selbst das grausamste Urtheil über die fragliche Arbeit gefällt wurde; und es schmerzt uns weiter auf­richtig/daß wir den freundschaft'icheu Ermahnungen und den warnenden Stimmen unseres geheimen liebe­vollen Freundes im Sprechsaal der „Nass. Allg. Ztg." Nro. 306, nicht Gehör schenken können.

X Diez. In Nro. 288 und 297 dieser Blätter führen einige Bürger, wahrscheinlich Uhrmacher, eine Debatte über das neu eingeführte Prüfungswesen des Uhrmachergewerkes, wobei aber Jedem einleuchten wird, daß manches sehr Wesentliche gar nicht berührt wurde.

Zuerst kann wohl die Frage entstehen: hat man auch das Recht dazu, solche bedeutende, die Kräfte und Vermögensverhältnisse manchen Anfängers übersteigende Proben seines Wissens zu fordern, und was bietet man ihm dafür? Wenu der Staat seine zukünftige Diener einer sehr umfassenden Prüfung unterziehet, so ver­sorgt er auch die, welche das Eramen bestanden und ist dadurch gerechtfertigt.

Daß man aber bei den bürgerlichen Geschäften theilweise so weit gegangen, den Anfängern Spitzfin­digkeiten als Probestücke vorzuschreiben, könnte leicht dazu führen, daß das Sprichwort wahr werde: „Ein Narr kann mehr fragen, als zehn Gescheidte zu be­antworten im Stande sind."

Die Häfner haben bei der Vorschrift ihres Mei­sterstückes das Mögliche und Praktische im Auge behalten und haben vor vielen andern den Vorzug. Die Anfänger ihres Geschäftes, und wenn noch so arm, können das Verlangte leisten, in einigen Tagen ist das Werk beendet und es kann auch leicht letzteres verkauft werden. Von mehreren anderen Gewerben möchte man jedoch fast glauben, sie hätten die Absicht gehegt, die jungen Männer von vornherein zu ruiniren, weil man den letztern Meisterstücke zur Aufgabe macht, JM deren Vollendung dieselben in einer ihnen vielleicht fremden Stadt lange Zeit zubringen und damit ihr Vermögen zusetzen müssen. Dieses ist doch wohl zu stark, zu­mal man die Fähigkeiten eines Menschen in seinem Fach sehr wohl an einem Theil eines Werkes be­urtheilen kann.

Was würde wohl ein Franzose, Engländer oder Amerikaner dazu sagen, wenn man ihm den alten Zunftzopf anhängen wollte? Schon seit langer Zeit

opponirten tüchtige Männer gegen diesen Zwang, bis endlich eine bessere Zeit diesen argen Zopf bei Seite warf. Jetzt strahlet er wieder in voller Glorie, und soll nun frisch wieder auf das zierlichste applicirt wer­den. In Frankreich und England gibt es bekanntlich in allen Fächern sehr tüchtige Leute, welche nie das Vergnügen gehabt haben, sich an einem sogenannten Meisterstück zu versuchen. Wenn man etwas für das allgemeine Beste will, so muß nicht etwa einer allein den Vortheil haben wollen; so ivareu sonst die 16 Bäcker in Leipzig sehr zufrieden mit ihren sicheren Kunden, und die jetzigen 32 sind auch wohl darüber nicht ungehalten/ daß ihre Zahl nicht überschritten werden darf; die nicht angenommenen Bäcker sind da­gegen auch die Knechte der 32, so lang sie leben.

Nun hat man bei den Uhrmachern unbegreiflicher Weise noch die Gefälligkeit gehabt, das Geschäft in Klein- und Großuhnnacherei zu trennen. Dieses geht in sehr großen Städten wohl an; aber in kleinen kann es auf keine Weise statt finden und ist wohl das lächerlichste, was bei der ganzen Sache vorkommt.

Der Prüfungen werden aber nicht viele werden im Lande; - denn wen wird wohl bei solchen Auspizien die Lust anwaudclu ein Uhrmacher zu werden? — und die darüber gegebenen Vorschriften werden wohl als solche bestehen, allein sie werden nicht augeweudet wer­den und später wird im Lande Nassau ein Uhrmacher ein sehr seltenes Geschöpf sein und die goldene Zeit wird denselben allda aufgehen, herrlich und immerdar.

Zum Schluß noch die Frage, was wohl, wenn nun jeder eine Probe seines Wissens ablegen soll, die Maler, Kupferstecher, Buchdrucker, Wirthe, Krämer, Kaufleute, Besenbinder, Köche, Bierbrauer, Brandweinbrenner, Fuhrleute und Schiffer, und schließlich noch die Sänger und Musiker thun werden?

X Aus dem Amte Nassau. Gleichwie alle jene sanguinischen Hoffnungen, welche man in die März­errungenschaften setzte, bedeutend degradirt ader ganz zernichtet wurden, so auch die enormen Hoffnungen, die man von dem Thun und Treiben vieler aus der Re­volution hervorgegangenen Bürgermeister hegte. Nur ein Beispiel:

Der Bürgermeister tH zu .... wußte sich bei dem Beginne der Revolution dadurch besonders hervorzu- thun, daß er völlige Steuerfreiheit verkündigte, Forst­amt, Medizinalamt, Kirche und Schule als unnütze, unnöthlges Geld kostende Institute bezeichnete, deren verwaltende Persönlichkeiten abgesetzt, fortgejagt oder doch an Besoldung verringert werden müßten. Weil der Mann übrigens etwas mehr Verstand zu haben schien, als manche Andere, die sich um die Bürger­meisterstelle bewarben, und von seiner ersten Aufwal­lung genesen, auch zu besonnenere« und vernünftigeren Grundsätzen zurückkehrte; so glaubte der freisinnige Theil jener Gemeinde, es sei im Interesse des allge­meinen Wohles und der Ausrechterhaltung einer wahr­haft freien Gemeindeverwaltung gerathener, jenen Herrn bei der Wahl zum Bürgermeisteramte einigen anderen zwar ruhigen, verständigen und durchaus recht­schaffenen, jedoch zuviel an das alte Zopfregiment ge­wöhnten Bürgern vorzuziehen. Herr -fit wurde also Bürgermeister und was für einer? — Windischgrätz, Wrangel, Haynau und Consorten dürften zu ihren Zwecken vergebens tauglichere Subjekte suchen! Ganz davon abgesehen, daß dieser Mann den Geist und die Form des neuen Gemeindegesetzes mit Füßen tritt, in- dem er Beschlüssen des Gemeinderathes entgegen nur nach eignem Ermessen und Gutdünken handelt, öfters sagend: „Was ich mache, ist gemacht!" rc., beschwört derselbe über .... auch einen förmlichen Belagerungs­zustand herauf. — Wer Abends nach 10 Uhr, oder (wenn es dem Herrn also beliebt) nach 9 Uhr auf der Straße, in einem Wirthshause, oder gar wohl in einem Privathause, bei Nachbarn, angetroffen wird, verfällt in eine Strafe von 30 fr. bis I fl. Wer auf der Straße pfeift oder singt und das namentlich

iil der Nähe der Bürgermeisterwohnung, muß diesen Frevel mit 1 Thlr. bis 2 Gulden Strafe büßen. Wirthe bezahlen zur Strafe, sofern noch Gäste bei einem allenfallsigen Besuche des Bürgermeisters ange- trofieu werden, mindestens 3 Gulden. Das Schlimmste ist jedoch, daß die Strafen nicht auf alle, welche ge- gen eines der erwähnten Verbote fehlen, gleichmäßig ausgedehnt werden. Die sogenannten Freunde des Herrn Bürgermeisters kommen in der Regel mit der Hälfte jener Strafen oder frei davon. Mehrere Kla­gen einzelner Bürger von .... gegen solche schreiende Ungerechtigkeit haben bei den Behörden bis jetzt we­nig oder gar keinen Erfolg gehabt. Warum? — Weil der Held des Märzes nun mehr vor jenen Herrn, die er einst in seiner Begeisterung in den Staub trat, gleich einem Wurme im Staube kriecht und winselt und heult, wie ein Hund, der Strafe fürchtet.

Als Anzeiger läßt der in Rede stehende Ehren­mann den Denuncianten der Neuzeit wenig oder gar nichts nach. Die Zahl der Untersuchungen, welche durch seine Dennnciationssucht bei Herzogl. Justizamte zu Nassau eingeleitet sind, ist nämlich so groß, daß die­selben beinahe einen Beamten ausschließlich beschäfti­gen. Wo soll das noch hin? — Wir wissen es wahr­lich nicht!

Wehe aber solchen Chamäleonsnaturen! Der erste Sturm, welcher die politische Welt durchtobt, wird sie zerknicken, wie das schwankende Rohr am Bache!! —

Trier, 26. Dezember. Wir geben im Nachstehen­den die näheren Details über das Attentat am 23. Abends im Caspari'schen Lokale, wie wir sie nach sorgfältigen Ermittlungen vollständig verbürgen können. Der fragliche Militär-Erceß steht in seiner Weise so charakteristisch da, daß wir es für eine gerechtfertigte Arbeit halten, das Vorgefallene detaillirt' mitzutheilen, um danach eben den Charakter des Ereignisses richtig und ganz vollständig bemessen zu können; um so mehr gerechtfertigt, als bei der Watur des Attentates, durch Militär verübt, die Resultate der gepflogenen Unter­suchung doch durch keine öffentliche Gerichtsverhand­lung in die Oeffentlichkeit gelangen.

Was zunächst den objectiven Thatbestand angeht, so können hier zwei Vorgänge unterschieden werden, der Vorgang außerhalb des Caspari'schen Hauses und der spätere, dem ersten gleich folgende Vorgang, innerhalb der Caspari'schen Wohnung. Der Vorfall außerhalb des Hauses, war die Veranlassung des eigentlichen, blutigen Attentates und nahm seine Ent­stehung von dem Kufs'scheu Lokale auf dem Viehmarkte an bis zur Wohnung Caspari. Die beiden Bürger, Gastwirth Löhmer und Kleidermacher Wiroth von hier kamen von P. Junk her über den Viehmarkt, um nach ihren in dem oberen Theile der Fleifchstraße gelegenen Wohnungen sich zu begehen; bei Kufs an- gekommen trat ein Trupp Militärs von hier heraus und die beiden Bürger, sowie der Trupp bewegten sich nebeneinander nach der Richtung auf die Nagelstraße bis ans Theatergebäude; die Bürger schweigend ihres Weges, das Militär unter sich lärmend. Hieher gelangt, rief einer der Militärs aus : Was sollen wir uns unter uns streiten, die Ulanen sind ja auch so gute Preußen, wie wir!, und als hier die Bürger dem Trupp um einige Schritte voraus bis an die Ecke der Nagelstraße gekommen waren, hieß es bei den Militärs: Aber da geht ja einer mit einem demokratischen Hut, dem wol­len wir den Schädel spalten. Hr. Wiroth trug näm­lich einen Hut von weichem Filze, aber nicht die Fcwou des Heckerhutes, sondern die des gewöhnlichen Hutes. Gleichzeitig mit diesem Ausrufe erhielt derselbe einen Stoß und er sprang dann in das Caspari'sche Lokal hinein, nachdem er diese seine Absicht seinem Gefährten Löhmer noch durch einige Worte zu erkennen gegeben hatte. Hier endete der Vorfall außerhalb des Hauses. Was wichtig bei demselben und sehr zu beachten ist, ist, daß durchaus und in keiner Weise eine andere Pro­vokation des Militärs stattgefunden hat, als das Tra-

Der Straßenräuber.

Von Mad. Charles R e y b a u d.

(Aus der „Allgemeine Moden-Zeitnng".)

(Fortsetzung.)

Die Frau von Mvntsallier war aufgestanden und kam ihr erschrocken entgegen.

„Arme Elise!" sagte Sie, „Du siehst leichenblaß aus! Großer Gott, was ist denn geschehen?.."

„Nichts, liebe Cousine, nichts; ich habe mich nicht einmal gefürchtet."

Während sie dies sagte, fiel sie in Ohnmacht. Alle Leute im Wirthshause eilten hinzu, man brachte sie in das Zimmer ihrer Cousine und sie kam hier bald wieder zu sich

„Mein Gott!" rief sie mit einer Geberde des Schreckes, indem sie rasch nach ihrem Gürtel griff. Der Schlüssel befand sich noch da.

Man verrammelte die Thüre aus Furcht vor neuem Angriffe; die Gendarmen wachten mit den Pistolen vor sich in der Küche und die Frauen schliefen die ganze übrige Stacht ebenfalls nicht.

Mit Tagesanbruch stieg Elise zitternd die schmale Treppe zu ihrem Zimmer hinauf und mit heftigem Herz­klopfen öffnete sich die Thüre deren Schlüssel sie die t-me Nacht iw der Hand behalten hatte. Wie sie er«

wartete, cs war Niemand darin. Da faltete sie die Hände und seufzte tief.

„Mein Gott!" murmelte sie mit einem thränen­feuchten Blicke gen Himmel, „er ist gerettet!"

Sie ging langsam in dem Zimmer umher; als sie an das Fenster trat, fühlte sie etwas hartes unter den Füßen, was sic schnell aufhob. Es war ein Messer mit spitzer scharfer Klinge und einem Griffe, auf welchem auf einem Silberfchildchen zwei verschlungene M eingc- graben waren.

Statt über die Provence nach Paris zurückzukehren;- ließ sich Elsie in die Schweiz führen und sie verbrachte hier drei Monate in einem so seltsamen, so unsinnigen Gefühle, daß sie sich dasselbe kaum selbst zu gestehen wagte. Die Erinnerung verfolgte sie fortwährend; die Stimme, die sie nur einmal gehört hatte, klang unauf­hörlich in ihrem Herzen nach; sie sah noch immer jene Büge , jenes edle Gesicht und in ihren traurigen Träu­men entschlüpfte ihren Lippen oft der Name Marius Meinier. Eine ängstliche Unruhe peinigte sie; sie zitterte für das Leben jenes Mannes und es kam so weit; daß sie an nichts mehr dachte, als an die Ge­fahr in dem schrecklichen Handwerke, das er trieb.

Dieses schreckliche Geheimniß konnte Niemanden an- vertraut werden; Elise war überzeugt, daß Niemand es ahnte und es war ein Leiden mehr für sie, so ohne Grund traurig und unglücklich zu scheinen. Eines Tages, als James sie sanft bat, ihm doch den Gegen­

stand ihrer unbegreiflichen Niedergeschlagenheit zu cnb decken, ließ sie sich zu größerer Offenheit ass gewöhn­lich bewegen und sie sagte, indem sie die Hand auf das Herz legte:

„Ach ich fühle hier einen heftigen Schmerz."

James erblaßte bei diesem Worte.

— „Sie lieben 1" sagte er.

Sie fenfte weinend das Köpfchen.

„Mein Gott!" fuhr der junge Mann traurig fort, „dies Gefühl muß Sie aber doch glücklich machen, Fräulein! Ohne Zweifel liebt der, den Sie lieben, Sie ebenfalls."

— „Mein guter James," antwortete sie, „wir wollen nicht davon sprechen. Ich habe Ihnen aus Frdundschaft nun dieses traurige Geheimniß halb grossem baret, fragen Sie mich nicht weiter, ich kann Ihnen picht mehr sage,)- Bektagen Sie mich!"

Der Herr von Saint Nizier wußte seine Verwun­derung und seinen Schmerz zu verheimlichen; er schwieg über das, was Elise ihm gesagt hatte, selbst gegen seine Stiefschwester und suchte seine eigenen Gefühle zu einer uneigennützigen Freundschaft herabzustimmen.

Nach drei Monaten begaben sich die Reisenden nach Nizza und auf dem Rückwege nach Paris wollte Elise noch einmal durch Aix reifen. Sie stiegen wie das erste­mal im Badehause ab. Elise ging Abends zeitig zu Bett, fand aber einen Vorwand, als sie ihr Kammer­mädchen entlassen, Mariette zu rufen.