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früh erer, sondern auch noch jüngster Zeit auf maum'g- faltige Weise, vorzüglich jedoch durch die be­kannten Zehnt- und Gültablösu ngsgesetze sehr empfiiidlich geschmälert werden.

Allen diesen alten und neuen Vorgängen unan- klagend und unthätig zuzusehen, während alle andern Stände und insbesondere auch die Geistlichen der katholischen K i r ch e zur Vertheidigung ihrer Rechte vereint und muthig auf den Kampfplatz treten, wäre eine Schmach und Schande für die evangelische Kirche und ihren Lehrstand.

Von gleichem Gefühl durchdrungen, sind daher auch schon viele unserer Amtsbrüder zu gemeinsamen Be­rathungen und Beschlußnahmen zusammen,getreten und haben überdieß ihre Stanbesgenossen in der Nähe und Ferne zu gleichen Schritten aufgefordert.

Auch wir die unterzeichneten evangelischen Geist­lichen des Dekanats W. können deshalb nicht unthätig bleiben, ohne uns einer theilnahmlosen und feigen In­dolenz gegen unsere Kirche schuldig zu machen. Unter­stützt durch Beiträge aus unsern Pfarr-Reposituren hat Einer aus unserer Mitte, Pfarrer Zickend rath aus Altenkirchen, mittelst Erzählung der geschichtlichen Ver­hältnisse des ehemals zu W. bestandenen geistlichen St. Walpurgisstifts und der einst mit diesem verbundenen Pfarreien, sowie auch mittelst einer beigefügten, die wichtigsten der in Bälde zu lösenden Kirchenfragen ausführlich erörternden historisch-praktischen Abhandlung »achgewiesen, was der Staat unserer evangelischen Kirche, nicht etwa nur im Dekanat W., sondern im Ganzen bezüglich des seiner Verwaltung au- vertrauten Kirchen vermögens zu leisten von Gott und Rechtswegen schuldig ist.

Sachkenner, denen das Manuskript dieser Abhand­lung mitgetheilt worden, haben darin eine Arbeit er­kannt, welche für unsere gejammte evangelische Lan­deskirche von großer Wichtigkeit sei, namentlich in Beziehung auf die zur Wiedererlangung ihres Vermögens nöthigen Schritte, eine Arbeit, welche der Generalsynode einen schwierigen und unbearbeite­ten Weg bahnen, eine Arbeit endlich, welcher die größt­möglichste Verbreitung durch den Druck gewünscht wer­den müsse.

Diese Ueberzeugung theilend, und nicht nur un­sere, sondern unserer ganzen Kirche Interessen vor Augen und im Herzen habend, beseelt uns daher der aufrichtige Wunsch, die in Rede stehende Schrift gedruckt und unter allen unsern Stanbesgenossen, wie auch Kirchenvorständcn möglichst verbreitet zu sehen. I / Zur Erreichung dieses Zweckes der Veröffentlichung, insbesondere zur Bestreitung der Druckkosten, steht uns indessen kein anderer Weg offen, als derjenige einer allgemeinen S u b scription. Wenn nämlich

jeder unserer Amtsbrüder und wenn jede bemittelte evangelische Kirchengemeinde auf ein Eremplar sub« scripirte, alsdann könnte — das Eremplar zu circa 1 fl. gerechnet — der Kostenbetrag für 250 bis 300 Eremplare gedeckt werden.

Brüder! Es gilt der Erhaltung und Ver­theidigung der evangelischen Kirche unseres Herzogthums und ihrer heiligen Rechte! Wir zählen daher auf Ihre bereitwillige Mitwirkung zur Herausgabe einer für uns Alle sehr wichtigen Schrift, — auf Ihre Hingabe bei einem geringen Opfer zu einem großen, gemeinsamen Zwecke, — auf die Ge­meinschaft des heiligen Geistes der Liebe, der uns mehr als je in diesen Tagen der Prüfung Noth thut! u. s. w."

W., im September 1849.

Folgen die Unterschriften, darunter auch der Name Zickendrath.

Wir bitten den Leser, die von uns unterstrichenen Stellen der mitgetheilten drei Aktenstücke nochmals zu überblicken und uns dann jedes weitere Wort zu un­serer Rechtfertigung zu erlassen. Auf die Schmähun­gen und Schimpfworte, die statt irgend einer Wider­

legung , gegen uns ausgestoßen worden sind, haben , wir ohnehin Nichts zu erwiedern.

Herr Pfarrer Zickendrath zu Haiger, dessen offenen Brief an den /Correspondenten vom nörd­lichen Taunus ich in No. 299 der Freien Zeitung ab­drucken ließ, verlangte von diesem Eorrcsponventen „Beweise und Schriftstücke" für die in No. 294 der Freien Zeitung ausgesprochene Behauptung, „daß die ^evangelische Geistlichkeit sich rühre für den Geldbeutel, nicht aber für die freie Kirchenverfassung."

Der Correspondent vom nördlichen Taunus hat nun heute diese Beweise und Schriftstücke mitgetheilt und in einem jeden dieser vier Aktenstücke handelt cs sich lediglich um die Gelb frage und nicht um eine freie Kirche »Verfassung.

Durch bas in No. 184 der Freien Zeitung abge­druckte Aktenstück wird namentlich die Wahrheit der behaupteten Agitation gegen das beschlossene Zehntge- setz bargethan: und ich gestehe, hätte ich mich beim Empfang des Briefes des Herrn Pfarrer Zicken­drath dieses Aktenstücks erinnert, so wäre schon allein dieses Beweisstückes wegen der offenen Correspouden; des Herrn Pfarrer Zickendrath niemals von mir eine Aufnahme geschenkt worden.

Die beiden Erklärungen des Herrn Wilhelmi handle» ebenfalls lediglich vom Vermögen.

Das vierte Schreiben spricht von „Wiedererlangung des Vermögens."

In einer glänzenden Weise hat also der Eorre- spondent den ihm auferlegten Beweis, „daß sich die nassauische Geistlichkeit für den Geldbeutel" sehr „rühre" erbracht.

Auf den zweiten negativen Theil des Beweis- satzes, „daß nämlich die evangelische Geistlichkeit um eine freie Kirchenverfassung sich nicht bemühe", hat unser Correspondent sich nicht weiter eingelassen, und daran hat er sehr wohlgethan: denn Dinge, die no­torisch sind, braucht man nicht mit Beweis zu er­bringen. Es ist aber allgemein bekannt, daß die Mehr­zahl bcs nassauischen evangelischen Elerus für eine bemokratische Kirchenverfassung, welche die freie Wahl der Prediger einführt und das Selfgovernement der kirchlichen Gemeinden uneingeschränkt anerkennt, durch­aus nicht schwärmt, und in keinem Falle werkthätig a g i t i r t.

Nach allem diesem kann ich nichts mehr bedauern, als daß einmal Herr Pfarrer Zicken draht einen wahrheitliebenden Mann ohne allen Grund mit Schimpf­wörtern, wie „Ignorant", „Verleumder", „Feigling", überschüttet hat, und zweitens, daß ich den 3icDemcn= düngen des Herrn Pfarrers Aufnahme gewährte.

Weil ich völlig unparteiisch erscheinen wollte, und weil ich erachtete, Herr Pfarrer Zickendrath werbe in seinem Falle so energisch auftreten können, wenn nicht die Nachrichten über bie Bemühungen für den G el b b eute l ganz irrth ü inliche wä­ren, berücksichtigte ich den heftigen Artikel gegen bcn Eorrespondenten vom nördlichen Taunus.

Jetzt fühle ich mich zu der Erklärung gedrungen, daß ich dem Herrn Pfarrer Zickendrath, der in Nro. 199 jo grundlos und so heftig einen Correspon« benten der „Freien Ztg." angriff, die Spalten dersel­ben nie mehr öffnen werde.

Oppe r m a n n.

Deutschland.

O Dillenburg, 19. Dez. Dem hiesigen Verein zur Wahrung der Volksrechte ist in der jüngsten Zeit eine Prüfung Vorbehalten gewesen, und er hat sie glücklich genug überstanden. Der Vorsitzende dessel­ben, Herr Dr. Rossel, wurde nämlich von den» Kreisamt, in Auftrag der Regierung, in eine Disci- plinar-Untersuchung genommen, wozu seine mannich-

fache politische Thätigkeit dahier die Veranlassung ab- geben mußte. In dem desfalls mit ihm angestellten Verhör hatte derselbe, nach gehöriger Rechtfertigmig über die gegen ihn vorgeb» achten Anschuldigungen, am Schlüsse freiwillig die Erklärung niedergelegt, daß er, um der Behörde keinen Anstoß mehr zu geben, sich von jeder öffentlichen, mit der Stellung eines Staatsdieners unverträglichen, politischen Wirksamkeit in Zukunft zurückziehen werde. In Folge dessen legte er einige Tage darauf seine Stelle als Vorsitzender- des Vereins nieder und veranlaßte den Ausschuß zur Vornahme einer neuen Wahl.

So allgemein und tief gefühlt auch das Bedauern über alle diese Vorgänge war, so wurde doch das Verhalten des Vorsitzenden von Jedermann anerkannt und gewürdigt und auf seinen Vorschlag Herr Pro­kurator Braun von dem Ausschuß einstimmig zu seinem Vorsitzenden gewählt. In der heutigen allge­meinen Sitzung des Vereins auf dem Rathhaus er­klärte derselbe, nachdem Herr Rossel die gegen ihn im Gang begriffenen Maßregeln, soweit sie das In­teresse des Vereins berührten, ausführlich mitgetheilt und seinen dadurch herheigeführten Austritt aus dem Vorstand hinlänglich begründet hatte, sich in einem lichtvollen Vortrag, worin er den gegenwärtigen Stand­punkt und die Aussichten der Demokratie in der näch­sten Zukunft darzulegen suchte, zur Uebernahme des so vertrauensvoll ihm angebotenen Postens bereit und und eröffnete seine Thätigkeit damit, daß er dem ab- tretenden Vorsitzenden für seine Bemühungen d e n Dank des Vereins anssprach. Die ganze Ver­sammlung drückte durch feierliche Erhebung von ihren Sitzen einmüthig ihre Zustimmung aus.

Damit schloß ein für den Bestand unseres demo­kratischen Vereins bedeutungsvoller Akt; für den ab« tretenden Vorkämpfer war ein anderer in die Bresche getreten. Möchte jeder unserer Brudervereine in ähn­lichen kritischer Lage im Stande sein, sich wie der hie­sige in so ausgiebiger Weise aus seinen eigenen Streitkräften zu rekrutiren!

München, 20. Dez. (B. Z.) Der Abg. Schönfel­der und Dr. Rauch haben heute folgenden Antrag für Schleswig-Holstein der Kammer der Abgeordne­ten übergeben: „Eine hohe Kammer wolle beschließen: 1) die Kammer der Abgeordneten spreche die zuver­sichtliche Erwartung aus, daß bie königliche Staats­regierung im Vereine mit den übrigen deutschen Staa­ten ober einzelnen derselben nach Kräften dahin stre­ben werbe, daß kein Friedensschluß erfolge, welcher nicht die Rechte der Herzogthümer Schleswig-Holstein und damit die Ehre und Interessen Deutschlands wah­ren sollte. 2) Die Kammer der Abgeordneten sichere der königlichen Staatsregierung im Voraus ihre Mit­wirkung zu, wenn solche zur Erreichung dieses Zwe­ckes nothwendig werden sollte. Am Schlüsse dieses Antrages, dessen Motivirung später ausführlicher mit­getheilt werden wird, heißt es: „Wir glauben uns keiner Täuschung hinzugeben, wenn wir die Behaup­tung aussprechen, daß bas bayerische Volk es tief be­klagen würbe, wenn seine dermal versammelten Ver­treter noch länger zögern würben, ihre Stimme für unsere bedrängten nordischen Brüder, für die Ehre und Würde Deutschlands zu erheben rc. rc."

München, 21. Dez. (A. A.) Die allgemein ge­hegte Hoffnung, daß das Amnestiegesetz schon heute im Geseßblatte erscheinen werbe, ist nicht in Erfüllung gegangen, dasselbe befand sich diesen Mittag noch nicht in der Druckerei. Dieses Gesetz hätte uns gestern bei­nahe eine Ministerkrisis gebracht, denn es ist kein Zweifel, daß wenn die Herren Reichsräthe zum vier­ten Male den Beschluß der Volkskammer abgelehnt hätten, nachdem nämlich bas Ministerium sich densel­ben durch die eingebrachte Modifikation angeeignet hatte, das Ministerium diese Ablehnung als ein Miß­trauensvotum betrachtet und seine Entlassung einge­reicht hätte.

Der Straßenräuber.

Von Mad. Charles Reybaud.

(Au« der „Allgemeine Modcn-Zeitung".)

(Fortsetzung.)

^idit wahr?" entgegnete Elise dankbar; „Sie ver­stehen mich."

„Ja erwiederte er; „es gibt Menschen, die noch ver­ächtlicher sind, die nämlich, welche durch List, durch Schlauheit zu demselben Zwecke zu gelangen wissen, die Betrüger, die Jnbustrieritter, die nichts besitzen und nichts thun wollen und auf tausende» lei verschiedene Art auf Kosten Anderer leben. Dieses Lügeultbeu erniedriget den Mensche»» ganz und gar Rei dem Verbrechen des StraßenräubcrS kommt doch wenigstens nicht Feigheit und Gcmcinbcir mit ins Spiel; er wagt bei seinem schrecklichen Handwerke täglich seinen Kopf. Die Reue eines solchen Menschen würde vor mir Gnade finden ich könnte daran glauben, während ich einem Betrüger nie trauen könnte. Mit einem Worte, ich bemitleide teil Banditen, der mich offen anfällt und mein Geld verlangt, während er mir das Pistol auf die Brust setzt; aber ten Schurken verachte ich, der mich demü­thig grüßt und mich bestiehlt, ohne daß ich es ahne."

„Sie sind ganz in meine Gedanke»» eingegangen," sagte Elise, „ja das fühle ich auch, wenn ich das Schick­

sal dieser Unglücklichen bedenke. Welches Leben, mein Gott! und vielleicht welches Ende!"

— „Sprechen wir nicht mehr davon," sagte die Frau von Montsallier; „es verstimmt mich."

Am ander»» Morgen hatte Elise nachlässig ihr Haupt auf die Hand am Fenster gestützt; eS war ein lauer Junitag. Sie träumte wachend von den» Ereignisse, das bis jetzt den tiefsten Eindruck auf ihr Gemüth ge­macht hatte. In tiefem Augenblicke erblickte sie einen Mann , der langsam unter den Platanen hinging und in einem Buche las. Sei»» Anzug war seltsam nach­lässig und einfach; er trug einen kurzen grauen, ziem­lich abgeschabten Rock und einen abgegriffenen Stroh­hut; die langen Enden eines schwarzen nachlässig um den Hals geschlungenen TucheS flatterten auf der Brust umher; aber seine Figur war groß und schön und in seinem Gesichte lag ein Stolz, ein Adel, die seiner Klei­dung geradezu widersprachen. Nach einiger Zeit setzte er sich auf einer Rasenbank nieder, legte das Buch auf seine Knie, stützte den Kopf an ton Stamm einer Pla­tane und schien einzuschlummern.

Bei dein Anblicke dieses Mannes war Elise bleich und zitternd bis an daS fernste Ende ihres Zimmers zurückgewichen; bald aber trat sie wieder näher, um noch einmal hinzusehen- Es war der Räuber, der sic vertheidigt hatte, er war es; sie hatte ihn an seinen Zügen, an seinem Haar, an ter Narbe ersannt, welche horizontal über seine Oberlippe lief. Ihre erste Em­

pfindung war ein heftiger Schreck gewesen, nicht ihret« i sondern seinetwegen; doch beruhigte sie sich, als sie be­dachte, daß höchst wahrscheinlich sie ihn allein kenne, denn weder die Frau von Montsallier, noch die Dienst- ! leute hatte»» bei dein Zusammentreffen so viel Kaltblü- i tigfeit gehabt, um sich das Gesicht zu merken, das ja I sic selbst nur flüchtig gesehen hatte. Sie setzte sich hinter ' die Jalousien nieder und saß da lange in einem selt­samen Gefühlsdrange. Ihre Phantasie bauete einen gan­ze»» Roma»» zusammen; sie verlor sich in Vermuthungen und wurde endlich heftig von der Neugierde geplagt, z»» wissen, wer der Mann eigentlich sei. Es gab, das zu erfahren, nur ein sehr einfaches Mittel; sie klingelte i und ließ unter irgend einem Vorwande eine Frau ans ! dem Hause zu sich rufen. Nachdem sie derselben einige ! unbedeutende Aufträge gegeben, sagte sie mit einem Male, während sie nach dem Garten sah:

„Sieh doch, Mariette, wer ist wohl der Mann, der dort in der großen Allee schläft?"

— „Das ist Marius Meinier," antwortete die ; Frau mit einem gewissen verächtlichen Mitleiden unt als - habe sie damit alles gesagt.

„Marius Meinier?" wiederholte Elise, „ich höre diesen Namen zum erstenmale ; er ist ein junger Mann i von hier?"

— „Ja mein Fräulein. Ach, wenn alle junge Leute in Aix diesem glichen, müßten die armen Mäd­chen alle sich mit dem weißen Rosenkränze begraben